Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 9 › Seite 69

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-12-19, Seite 69

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(Für den „Lutheraner“ von P. Röbbelen.)

Uebrige Brocken vom Reformationsfeste.

Luc. 11, 21. 22.

Daß ein Stärkerer, der Herr Christus selbst in der Reformation über den Starken, den römischen Antichrist gekommen ist, habt ihr heute Morgen vernommen. Man will hin und wieder zweifeln, da schon sei die volle Kraft im Kampf mit dem Papstthum hervorgebrochen. Luther soll es nicht sein, oder doch nicht bis zum Ende der mit den fünf Schleudersteinen des Worts vom Kreuz den Goliath der Christenheit erlegt habe. Darum nehmen sie wider die unerhörten Anstrengungen, die die römische Hure heut zu Tage macht, um das Feld zu gewinnen, ihre Zuflucht nicht zu der Wehr und Waffe, die Luther gegen das Papstthum geschwungen hat, sondern verlassen sich mehr auf neue Fündlein. Ja, sie gehen in ihrem eigenen Dünkel so weit, von Luthers Lehre gradezu abzuweichen, unter dem Vorgeben, dieser „Elias“ habe Manches aufgegeben, das er besser behalten hätte, wie z. B. die Lehre vom römischen Priesterthum der Bischöfe. Nicht so, meine Lieben: lasset euch nicht betrügen. 2. Thess. 2, 8. wird uns die Kraft, welche der liebe Gott zur Vertilgung der römischen Kröte, dieses allergiftigsten Drachen nicht als eine sehr säuberliche, sondern als eine mörderische beschrieben. „Umbringen“ soll sie den Abgott. Daran erinnern auch die Vorbilder der Reformation im A. T., sonderlich Eliä Erempel, der die Baalepfaffen — schlachtete. Solcher Schilderung entspricht, so lange das Wort der Apostel ohne untrügliche Träger desselben auf der Erde nachhallt von Ignatius an bis auf die gefeierten Namen unsrer Tage kein Prediger und öffentlicher Lehrer der Gottesgelahrtheit so vollkommen wie der sel. Luther. Auch wird keiner ein getreueres Contrefait derselben werden. Daß aber das Papstthum doch noch steht, ist kein Wunder. Jerusalem stand noch vierzig Jahre nach Christi Himmelfahrt und Gott hatte den Antichrist in dieser Stadt leibhaftig mit dem Odem seines Mundes umgebracht. Wie sollte sobald nach Luther das römische Papstthum aufgehört haben zu vegetiren? Der Herr sagts aber auch deutlich. ER wird sein ein Ende machen „durch die Erscheinung seiner Zukunft“, eher nicht.

Also bleiben wir bei Luthers Kriegsführung und lassen uns keine neuen Waffen gegen den Antichrist schmieden; es hilft keine andere als der Geist dessen, der nicht die Huren und Trunkenbolde, sondern den wahrhaftigen Antichrist in den Pharisäern vor allem Volk eine Otter und seine Kinder Otterngezüchte schalt.

Um uns nun in der Glaubenstreue auch dadurch zu stärken, daß wir unsern Haß gegen den Feind unsers Glaubens entflammen lassen, wollen wir die Schrift vornehmen, die der sel. Luther ein Jahr vor seinem Tode, 1545

„Wider das Papstthum zu Rom, vom Teufel gestift“

hat ausgehen lassen. Wir werden daraus zugleich erkennen, daß Luther seine harten Worte auch im Alter nicht verlernt hat, zum Beweis, daß der heil. Geist, der doch wahrhaftig in Luther wohnte, Reue über den Zorn gegen den Teufel und alle seine Ausbrüche weder fordert noch wirkt, wie auch daß solcher Zorn keine natürliche Bewegung des Herzens ist; sonst würde das Alter wenigstens seine Regungen abschwächen, sondern eine Wallung wie die, welche man im Teich Betesda gewahrte, wenn der Engel herabfuhr, um ihn heilskräftig zu machen.

Wollen denn nun unser Fest damit schließen, daß wir Gott bitten, Er wolle uns alle fleischliche Nachgiebigkeit gegen den Fürsten der Finsterniß, seine Werkzeuge und Werke in Gnaden vergeben und uns mit seinem heiligen Geiste auch zu dem Ende erfüllen, daß wir in wahrhaftiger Heiligkeit und nicht in selbsterwählter Demuth und Geistlichkeit der Engel — denn die nennt Gottes Wort Teufelei — hassen, fluchen und „umbringen“ lernen, so wie Gott haßt, verflucht und tödtet, was nicht Seines Geistes ist.

Frmuth, am 31. Okt. 1854, Nachmittags.
K. R.

(Eingesandt von P. R.)

Kühnheit und Verzagtheit in Einer Person.

Paulus heißet alle falsche Geister kühn und hoffärtig. Ja, auf ihrem Mist, bei ihren Jaherren, da sind sie stolz und frech, sonst sind es die verzagtesten Bösewichter, die man finden soll; wenn sie sollen antworten und stehen, so kann sie keiner herzubringen. Bei ihrem Haufen sind sie keck, dürfen Gott ins Maul greifen; aber wenn es zum Treffen kömmt, da ist eitel Verzagen. Der heilige Geist aber stehet fest, hält die Püffe aus, machet keck und muthig, tröstet die blöden Gewissen, und spricht: Bis getrost, dir sind deine Sünden vergeben. Der rechte Geist ist blöde, und machet sich blöde gegen Gott, wie die Christen thun, die sich gegen Gott bücken, halten ihn in Ehren, und sind nicht stolz; aber wider die Tyrannen, da bläset ihnen der heilige Geist den Muth also auf, daß sie weder Tyrannen noch Teufel fürchten, sind unerschrocken, sollte man ihnen auch den Hals darüber wegreißen; gegen Gott aber da fürchten sie sich und zittern, wie ein rauschend Blatt.
Luther.

Von der Gewalt auf Erden, Sünde zu vergeben.

Zweierlei Weise, die Sünde zu vergeben: Erstlich, die Sünde aus dem Herzen treiben und Gnade eingießen; das thut Gott allein. Zum andern, verkündigen die Vergebung der Sünde; das thut auch ein Mensch dem andern. Aber Christus thut hier Beides: ins Herz giebt er den Geist; auswendig verkündigt ers mit dem Wort. Das ist nun mit dem Wort vergeben, und ist eine Verkündigung und öffentliche Predigt von der innerlichen Vergebung.

Diese Gewalt haben alle Menschen, welche Christen und getauft sind; denn damit preisen sie Christum, und haben das Wort Sünde vergeben im Munde, daß sie sagen können und mögen, wenn sie wollen, und so oft es vonnöthen: Siehe Mensch, Gott beut dir seine Gnade an, schenket dir alle deine Sünde, bis getrost, dir sind deine Sünden vergeben, glaube es nur, so ists gewiß; und was nur einer will für Worte gebrauchen. Diese Stimme soll nicht aufhören unter den Christen, bis an den jüngsten Tag: Dir sind deine Sünden vergeben, bis fröhlich und getrost! Solches hat ein Christ immer im Munde, und führt das Wort öffentlich, in welchem die Sünden werden vergeben. Also und auf diese Weise hat ein Christ Gewalt, die Sünden zu vergeben. Derhalben, wenn ich zu dir sage: Dir sind deine Sünden vergeben, so halt es gewiß dafür, als sagte dirs Gott selbst; denn wer wollte das thun, wenn Christus selbst nicht herabgestiegen wäre, und hätte mirs in den Mund gelegt und gesagt, daß wir sollten einer dem andern die Sünde vergeben; als da er im Johanne Cap. 20, 22. 23 spricht: Nehmet hin den heiligen Geist ꝛc. Und an einem andern Orte Matth. 18, 19. 20 spricht er: Wo zween unter euch eins werden, warum es ist, das sie bitten wollen ꝛc. Das Wort thuts und schneidet hindurch.

Wenn nun kein Mensch auf Erden wäre, der Sünde vergäbe, und wären allein Gesetze und Werke, o wie ein blödes und elendes Ding wäre es mit dem armen betrübten Gewissen! Nun aber, so Gott einem jeglichen den Mund voll giebt, daß er sprechen kann zu einem andern: Dir sollen Deine Sünden vergeben sein, du seist, wo du seist; so ist das güldne Jahr angangen.
Luther.

Der Teufel siehet, daß er wider die helle Sonne der Wahrheit nichts kann; darum webt er in den Staub, und wollt gerne einen Nebel vor unsern Augen machen, daß wir das Licht nicht sehen sollten: und im Nebel hält er uns eitel Irrwische vor, daß er uns verführe.
Luther.

Von einem Bischof zu Salzburg.

Im Jahre 1537 kam eine Schrift heraus, in welcher der Welt folgende Gräuelthat des Fürst-Bischofs Michael von Salzburg berichtet wird. Als dieser Bischof einst auf der Jagd einen Hirsch geschossen hatte und derselbe endlich fern vom Jagdrevier auf dem Felde eines armen Mannes todt niedergestürzt war, meinte der letztere, diesen Hirsch habe ihm Gott beschert, da in dieser Zeit die Seinen gerade großen Mangel litten; er eignete sich daher das Thier zu und verzehrte es mit den Seinen. Die Sache wird jedoch ruchbar und kommt vor den Bischof. Dieser läßt den angeblichen Wilddieb sogleich ins Gefängniß werfen und dringt auf seine Verurtheilung zum Tode. Als niemand ein so hartes Urtheil sprechen will, besteigt der Bischof selbst den Richterstuhl und dictirt dem Angeklagten folgende Strafe: er solle in die Haut des verzehrten Hirsches eingenäht und hierauf des Bischofs Jagdhunde auf ihn gehetzt werden; wenn er sich jedoch dabei durch die Flucht rette, solle er frei sein. Das Urtheil wird vollstreckt, der unglückliche Bauer, in die Hirschhaut eingenäht, auf den Markt gebracht. Der Bischof selbst stößt ins Horn und giebt damit sei-

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(For the “Lutheraner,” by Pastor Röbbelen.)

Remaining Crumbs from the Reformation Festival.

Luke 11:21, 22.

That a Stronger One, the Lord Christ Himself, has come in the Reformation upon the strong man, the Roman Antichrist, you heard this morning. Here and there people are inclined to doubt that the full strength in the struggle with the papacy had already broken forth. Luther, it is said, was not the man, or at least not to the end, who with the five sling-stones of the Word of the cross laid low the Goliath of Christendom. Therefore, against the unheard-of exertions which the Roman harlot makes today in order to gain the field, they take refuge not in the defense and weapon which Luther wielded against the papacy, but rely more upon new inventions. Yes, in their own conceit they go so far as to depart outright from Luther’s doctrine, under the pretense that this “Elias” gave up much that he would better have kept, as for example the doctrine of the Roman priesthood of the bishops. Not so, my dear friends: let yourselves not be deceived. In 2 Thess. 2:8 the power which the dear God employs for the destruction of the Roman toad, this most poisonous dragon, is described not as a very dainty one, but as a murderous one. He shall “consume” the idol. The types of the Reformation in the Old Testament also remind us of this, especially the example of Elijah, who slaughtered the priests of Baal. To such a description, so long as the Word of the apostles echoes on the earth without infallible bearers of it, from Ignatius down to the celebrated names of our own day, no preacher and public teacher of divinity corresponds so perfectly as the blessed Luther. Nor will anyone become a truer counterfeit of it. That the papacy nevertheless still stands is no wonder. Jerusalem stood yet forty years after Christ’s ascension, and God had destroyed the Antichrist in this city bodily with the breath of His mouth. How should the Roman papacy have ceased to vegetate so soon after Luther? The Lord, moreover, says it plainly. HE will make an end of him “by the brightness of His coming,” not sooner.

Therefore let us abide by Luther’s manner of warfare and let no new weapons be forged for us against the Antichrist; no other avails than the Spirit of Him who called not the harlots and drunkards, but the true Antichrist among the Pharisees, before all the people a viper and his children a generation of vipers.

In order now to strengthen ourselves in faithfulness to the faith also by this, that we let our hatred of the enemy of our faith be kindled, we will take up the writing which the blessed Luther issued a year before his death, in 1545,

“Against the Papacy at Rome, Founded by the Devil.”

From it we shall at the same time perceive that Luther did not unlearn his harsh words even in old age, as proof that the Holy Spirit, who truly dwelt in Luther, neither demands nor works repentance over wrath against the devil and all his outbreaks, and also that such wrath is no natural movement of the heart; otherwise age would at least weaken its stirrings; rather it is a stirring like that which was observed in the pool of Bethesda when the angel went down in order to make it healing.

Let us then conclude our festival by praying God that He would graciously forgive us all fleshly indulgence toward the prince of darkness, his instruments and works, and fill us with His Holy Spirit also to this end, that in true holiness, and not in self-chosen humility and worshipping of angels — for God’s Word calls that devilry — we may learn to hate, to curse, and to “consume,” even as God hates, curses, and kills what is not of His Spirit.

Frmuth, on the 31st of October, 1854, in the afternoon.
K. R.

(Sent in by P. R.)

Boldness and Faintheartedness in One Person.

Paul calls all false spirits bold and haughty. Yes, on their own dunghill, among their yes-men, they are proud and impudent, otherwise they are the most fainthearted scoundrels that one may find; when they are to answer and stand their ground, no one can bring them forward. Among their own crowd they are bold, they dare to reach into God’s mouth; but when it comes to the encounter, there is nothing but despair. The Holy Spirit, however, stands fast, endures the blows, makes bold and courageous, comforts the timid consciences, and says: Be of good cheer, thy sins are forgiven thee. The right spirit is timid, and makes itself timid before God, as the Christians do who bow before God, hold Him in honor, and are not proud; but against the tyrants the Holy Spirit puffs them up with such courage that they fear neither tyrants nor devils, are undaunted, even if one should tear off their heads for it; but before God they fear and tremble, like a rustling leaf.
Luther.

Of the Power on Earth to Forgive Sins.

There are two ways of forgiving sin: first, to drive sin out of the heart and pour in grace; that God alone does. Second, to proclaim the forgiveness of sin; that one man also does to another. But Christ does both here: into the heart He gives the Spirit; outwardly He proclaims it with the Word. This now is forgiving with the Word, and is a proclamation and public preaching of the inward forgiveness.

This power all men have who are Christians and baptized; for thereby they praise Christ, and have the word forgive sins in their mouth, so that they can and may say, when they will, and as often as there is need: Behold, man, God offers thee His grace, bestows on thee all thy sins, be of good cheer, thy sins are forgiven thee, only believe it, and it is certain; and whatever words one may choose to use. This voice shall not cease among the Christians until the last day: Thy sins are forgiven thee, be joyful and of good cheer! A Christian has this ever in his mouth, and carries on the Word publicly, in which sins are forgiven. Thus and in this manner a Christian has power to forgive sins. Therefore, when I say to thee: Thy sins are forgiven thee, then hold it for certain, as if God Himself had said it to thee; for who would do this, if Christ Himself had not come down, and put it in my mouth and said that we should forgive sin one to another; as when He says in John, chap. 20:22, 23: Receive ye the Holy Ghost, etc. And in another place, Matt. 18:19, 20, He says: If two of you shall agree on earth as touching any thing that they shall ask, etc. The Word does it and cuts through.

If now there were no man on earth who forgave sin, and there were only laws and works, O what a timid and wretched thing it would be with the poor troubled conscience! But now, when God gives to each one his mouth full, so that he can say to another: Thy sins shall be forgiven thee, be thou where thou mayest be; then the golden year has begun.
Luther.

The devil sees that he can do nothing against the bright sun of truth; therefore he stirs up the dust, and would gladly make a mist before our eyes, that we should not see the light: and in the mist he holds up before us mere will-o’-the-wisps, that he may lead us astray.
Luther.

Of a Bishop of Salzburg.

In the year 1537 a writing appeared in which the following atrocity of the Prince-Bishop Michael of Salzburg is reported to the world. When this bishop one day had shot a stag in the hunt, and it had at last fallen dead, far from the hunting ground, on the field of a poor man, the latter supposed that God had sent him this stag, since at that time his family were suffering great want; he therefore appropriated the animal and ate it with his family. The matter, however, becomes known and comes before the bishop. He has the alleged poacher thrown into prison at once and presses for his sentence of death. When no one is willing to pronounce so harsh a sentence, the bishop himself mounts the judgment seat and dictates to the accused the following punishment: he shall be sewn into the skin of the devoured stag, and then the bishop’s hunting dogs shall be set upon him; if, however, he saves himself thereby by flight, he shall be free. The sentence is carried out, and the unhappy peasant, sewn into the stag’s hide, is brought to the market. The bishop himself blows the horn and thereby gives his