Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 11 › Seite 87
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1855-01-16, Seite 87
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aner“ weiß nur zu gut, daß selbst die heiligen Propheten und Apostel fleischliche Zeloten sein mußten, wenn sie das fleischliche Wesen nicht nur der offenbaren Feinde, sondern auch der falschen Brüder straften. — Bedenket doch, Ihr armen Leute, die Zeit, wo man nur fragte: what is expedient? und nicht: what is true and rigth? — ist vorüber; wollten selbst wir unmündige Kinder bei Eurem Scheinwesen schweigen, so müßten zu dieser Zeit die Steine wider Euch schreien. Es ist wahr, Schwache soll man tragen, und wir können es mit laut redenden Thatsachen beweisen, daß wir dieses Tragen durch Gottes Gnade wohl geübt haben; aber wie soll man mit denen umgehen, die die Wahrheit erkennen, aber aus Fleischesrücksichten den Lauf derselben hindern? — Solche müssen gestraft werden, damit man ihrer Sünden nicht theilhaftig werde. Amen!
Kirchliche Nachricht.
Nachdem Herr Pfarrer Hüsemann von meinen ehemaligen Filialen in Chester- und Salisbury-Township einen Beruf erhalten und diesen auch angenommen hatte, ist derselbe von mir, im Auftrage des Ehrw. Herrn Präses des mittleren Districts, Dr. Sihler, am 23. Sonntag nach Trinit. v. J. in seinen neuen Wirkungskreis eingeführt worden.
Der Erzhirt und Bischof aller Seelen sei auch mit diesem seinen Unterhirten und den ihm anvertrauten Heerden, so wird ihnen nichts mangeln. Amen.
Paulus Heid.
Die Adresse des lieben Bruders ist:
Rev. E. Huesemann,
care of Rev. P. Heid,
Pomeroy, Ohio.
Kircheinweihung.
Am dritten Adventsonntage wurde die neue Dreieinigkeitskirche u. A. C. in Cumberland, zu welcher bereits am 2. Pfingsttage der Grundstein gelegt worden, feierlich eingeweiht.
Herr Past. Sommer hielt die Weihpredigt über das gewöhnliche Sonntagsevangelium und stellte uns daraus vor: „Die herrlichen Dinge, welche an dieser Stätte gepredigt werden. I. die Predigt davon; a. Wunder an leiblichen, b. Wunder an geistlichen Elenden. II. Die Prediger; a. Christus, b. Johannes und ihre Nachfolger. III. Die Zuhörer solcher herrlichen Dinge; a. rechte, wie Johannis Jünger, b. verkehrte wie das Volk. Mit dem Vormittagsgottesdienst war Beichte und die Feier des h. Abendmahls verbunden. Nachmittags predigte der unterzeichnete Pastor der Gemeinde nach Psalm 84 über die äußere Einrichtung des Gottesdienstes und einige besondere Ceremonien, welche hiesigen Orts unverschuldeter Weise für Ueberbleibsel aus dem Papstthum gelten. Vor- und Nachmittags wurden vom Chore mehrstimmige Gesangstücke aufgeführt. —
Unsere Kirche ist ein schönes Bricksteingebäude, 50 Fuß lang, 30 breit und 20 Fuß im Innern hoch; Thüre und Fenster haben gedrückte Bogenform. Der Altar trägt Crucifix, Leuchter und Blumen, über demselben steht die Kanzel, zu welcher von beiden Seiten Treppen führen. Als Sacristei dient der Schulraum, welcher an die Rückseite der Kirche angebaut und durch eine Thür mit derselben verbunden ist.
Dem gnädigen Gott sei auch dieses Haus zu seiner besondern Obhut befohlen. Er verschaffe seinem Wort einen Sieg nach dem andern und lasse die Segnungen desselben in reichem Maaße auf die Gemeinde übergehen, damit sie wie äußerlich an Zahl auch innerlich an Erkenntniß, Glaube und Liebe zunehme und erstarke.
Indem wir hiermit zugleich für die eingegangenen Beiträge quittiren, sagen wir den freundlichen Gebern, die unserm Mangel zu statten kamen und besonders der lieben Baltimore Gemeinde, unsern herzlichen Dank und wünschen ihnen allen eine reiche Vergeltung hier und dort.
Eingegangen von:
Herrn B. H. Succop in Pittsburgh, $1,00
„ R. Auf der Heide, „ 1,00
der Gem. des H. Past. Kühn in Euclid, O. 4,00
„ „ „ „ Hattstädt, 8,45
Herrn Thiemeier in Baltimore bei der Grundsteinlegung, 5,00
„ Past. Brohm, „ 5,00
durch Herrn Past. Gruber, jun. von: Rose 96 Cts., Brune 95 Cts., Sewing 50 Cts., Lange 50 Cts., Puntmann 25 Cts., 3,15
der Gem. des H. Past. Keyl in Baltimore, $110,87½
Sollte sich hie und da noch Jemand finden, der ein Scherflein für uns übrig hätte, so würde dasselbe, auch das Geringste eine dankbare Aufnahme finden. J. Bilz, Pastor.
Cumberland, Md., Dez. 28., 1854.
Karl der Große.
Als Karl der Große die Schule zu Paris besichtigte und die Jugend examiniren half, aber befand, daß die adligen Kinder von den Bürger- und Bauernsöhnen weit übertroffen wurden, redete er diese also an: Wolan, ihr Jünglinge, die ihr uns gefolget habt, fahret fort, wie ihr angefangen, des Fleißes Lob und Lohn zu erwerben. Euch will ich Geld und Gut verschaffen und vor andern werth halten, aus euch will ich machen Stiftsherren, Bischöfe und Päbste, ihr sollt Land und Leut regieren und die Ehre haben zu dieser meiner Rechten zu sitzen. Ihr übrige Zärtlinge aber (sprach er zu denen jungen Edeln,) die ihr also mit gezierten, aufgepufften Haaren herein ziehet, euch auf eurer Eltern Reichthum, Ehr und Stand verlasset, dem Müssiggang und den Wollüsten nachhanget, eines römischen Kaisers Befehl und Majestät weder achtet noch folget, sollt mir nicht gut genug sein, daß ich mich euer annehmen sollte. Und sollen die armen, geringen euch an allen Ehren vorgezogen werden, weil ihr die Studien hintansetzet und aus anderer Exempel und guten Lehren euren Verstand nicht zu Lob, Tugend und Weißheit unterrichten lassen wollt. Jedoch da ich sollte spüren, daß ihr es den fleißigen mit der Zeit werdet gleich thun, sollt ihr billig auch wegen eures Standes andern vorgezogen werden.
Einem Bischof hat er das Bisthum stracks des andern Tages, nachdem er's ihm gegeben, wieder genommen, dieweil er des Abends zuvor eine große Gastung angestellt, sich betrunken und das heilige Amt darüber verschlafen hatte. Zu dem sagte er: Bist du gleich am ersten Tage so fahrlässig, wie würdest du dann erst sein, wenn du nun im Bisthum würdest erwarmt und ruhig sein? Dann würdest du nichts thun, denn Gott erzürnen.
Einem andern Bischof, der so fertig zu Pferd sprang, entzog er das Bisthum auch wieder und sagte zu ihm: Du dienest besser zu einem Soldaten als zu einem Geistlichen, ich darf deiner in Kriegen, da kann ich dich besser brauchen, da deine Stärke und Mannheit männiglich erkannt werden wird. Es wäre schad, daß ein solcher Reiter daheim verliegen sollte: geh hin, laß einen Schwachen, der sonst zu nichts nutz ist, dieses daheim versehen.
Das beste Bücherbret.
Nachdem der gefangengesetzte Churfürst Johann Friedrich von Sachsen im Jahre 1548 trotz der Hoffnung der Freilassung, die ihm gemacht worden war, wenn er das sogenannte Interim annehmen würde, sich, dem Worte Gottes treu, gegen das Interim mündlich und schriftlich erklärt hatte, wurde seine drückende Gefangenschaft ihn noch härter gemacht. Unter Andern wurden ihm alle Bücher, selbst die Bibel auf des Kaisers Befehl weggenommen. Der theure Churfürst trug alles mit heldenmüthiger Geduld und sprach: „Ob sie mir gleich meine Bücher nehmen, so sollen sie mir doch, was ich daraus gelernt, nicht aus dem Herzen reißen,“ — Könntest Du, lieber Leser, wenn dir alle Deine Bücher genommen würden, auch so sagen?
Verleugnung Christi im Pabstthum.
Der selige Kapp schreibt in seinen „Beiträgen von alten und neuen theologischen Sachen“ Folgendes:
„Bis auf diesen Tag ist noch zum Andenken in Lübeck in der Marien-Kirche an einem Pfeiler ein Marienbild zu sehen, darunter die abgöttischen Worte stehen:
„„O Maria ein Midlerine twisken Gode unde den Minsken. macke doch dat Middele twisken Gode unde minre armer Sile. Amen.““
Dergleichen Verleugnung, daß Christus der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen sei (1 Tim. 2, 5.), zeigt deutlich, daß die päpstische Kirche trotz ihrer vielen Kreuze und Crucifixe und trotz ihres vielen Redens und Rühmens von Christo doch den Geist des Antichrists hat, „der da nicht bekennet, daß JEsus Christus ist in das Fleisch gekommen“ (1 Joh. 4, 3.); denn zu diesem Bekenntniß gehört nicht blos die Predigt, daß es einmal einen Gottmenschen in der Welt gegeben habe, (dieß bekennen die Teufel so gut wie die Papisten), sondern vor allem, daß dieser Gottmensch JEsus, das heißt, der Seligmacher, der alleinige Heiland, Erlöser und Mittler zwischen Gott und Menschen sei.
English translation AI translation
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aner" knows only too well that even the holy prophets and apostles had to be fleshly zealots, if they rebuked the fleshly nature not only of open enemies but also of false brethren. — Consider, then, you poor people, the time when one asked only: what is expedient? and not: what is true and right? — is past; if even we, unripe children, were to keep silent over your sham, then at this time the stones would cry out against you. It is true, the weak one ought to bear, and we can prove with loudly speaking facts that we have by God's grace well practiced this bearing; but how shall one deal with those who recognize the truth, but out of fleshly regards hinder its course? — Such must be rebuked, that one may not be partaker of their sins. Amen!
Church News.
After Pastor Hüsemann had received a call from my former filials in Chester and Salisbury Township and had also accepted it, he was, by me, on commission of the Reverend President of the Middle District, Dr. Sihler, on the 23rd Sunday after Trinity of last year, installed in his new field of labor.
May the Archshepherd and Bishop of all souls be also with this His under-shepherd and the flocks entrusted to him, then they shall lack nothing. Amen.
Paulus Heid.
The address of the dear brother is:
Rev. E. Huesemann,
care of Rev. P. Heid,
Pomeroy, Ohio.
Dedication of a Church.
On the third Sunday in Advent the new Trinity Church, U. A. C., in Cumberland, for which the cornerstone had already been laid on the second day of Pentecost, was solemnly dedicated.
Pastor Sommer delivered the dedication sermon on the usual Sunday Gospel and set before us from it: "The glorious things which are preached in this place. I. The preaching of them; a. miracles on bodily, b. miracles on spiritual sufferers. II. The preachers; a. Christ, b. John and their successors. III. The hearers of such glorious things; a. right ones, like John's disciples, b. perverse ones, like the people. With the forenoon service were joined confession and the celebration of the Holy Supper. In the afternoon the undersigned pastor preached to the congregation on Psalm 84 on the outward arrangement of divine service and some particular ceremonies which in this place are held, through no fault of ours, to be remnants from Popery. Before and after noon, part-songs were performed by the choir. —
Our church is a handsome brick building, 50 feet long, 30 wide and 20 feet high inside; door and windows have flattened arches. The altar bears crucifix, candlesticks and flowers; above it stands the pulpit, to which stairs lead from both sides. The school-room serves as sacristy, which is built on to the rear of the church and connected with it by a door.
To the gracious God let this house also be commended to His special protection. May He procure for His Word one victory after another and let its blessings pass over to the congregation in rich measure, that it may increase and grow strong, as outwardly in number so also inwardly in knowledge, faith and love.
In acknowledging herewith at the same time the contributions received, we say to the kind givers who came to our help in our need, and especially to the dear Baltimore congregation, our hearty thanks, and wish them all a rich recompense here and hereafter.
Received from:
Mr. B. H. Succop in Pittsburgh, $1.00
" R. Auf der Heide, " 1.00
the congregation of Rev. Kühn in Euclid, O. 4.00
" " " " Hattstädt, 8.45
Mr. Thiemeier in Baltimore at the laying of the cornerstone, 5.00
" Pastor Brohm, " 5.00
through Pastor Gruber, Jr., from: Rose 96 cts., Brune 95 cts., Sewing 50 cts., Lange 50 cts., Puntmann 25 cts., 3.15
the congregation of Rev. Keyl in Baltimore, $110.87½
Should here and there still someone be found who had a mite to spare for us, the same, even the smallest, would find a thankful reception. J. Bilz, Pastor.
Cumberland, Md., Dec. 28, 1854.
Charlemagne.
When Charlemagne inspected the school at Paris and helped to examine the youth, but found that the noble children were far surpassed by the sons of citizens and peasants, he addressed them thus: Well then, you young men who have followed us, go on as you have begun to win the praise and reward of diligence. For you I will procure money and goods and hold you in esteem before others; of you I will make canons, bishops and popes; you shall rule land and people and have the honor to sit at this my right hand. But you other pampered ones (said he to the young nobles), who thus come in with trimmed, puffed-up hair, rely upon your parents' riches, honor and station, hang after idleness and lusts, and neither regard nor follow a Roman emperor's command and majesty, you shall not be good enough for me that I should take you up. And the poor, the humble shall be preferred to you in all honors, because you set the studies aside and will not let your understanding be instructed unto praise, virtue and wisdom out of the example and good teachings of others. Yet if I should perceive that you will in time do the like with the diligent, you shall justly also be preferred to others on account of your station.
From one bishop he took the bishopric away again straightway on the day after he had given it to him, because the evening before he had arranged a great banquet, got drunk, and slept through the holy office over it. To him he said: If you are so negligent on the very first day, how would you be then, if you were now in the bishopric grown warm and quiet? Then you would do nothing but anger God.
From another bishop, who could vault so nimbly onto a horse, he likewise withdrew the bishopric and said to him: You would serve better as a soldier than as a clergyman; I have need of you in wars, where I can use you better, where your strength and manhood will be known to everyone. It would be a pity that such a rider should lie idle at home: go hence, let a weakling, who is otherwise good for nothing, attend to this at home.
The Best Bookshelf.
After the imprisoned Elector John Frederick of Saxony, in the year 1548, in spite of the hope of release which had been held out to him if he would accept the so-called Interim, true to the Word of God, had declared himself orally and in writing against the Interim, his oppressive captivity was made still harder for him. Among other things all his books, even the Bible, were taken away by the Emperor's command. The dear Elector bore everything with heroic patience and said: "Although they take my books from me, yet they shall not tear out of my heart what I have learned from them," — Couldst thou, dear reader, if all thy books were taken from thee, also say so?
Denial of Christ in the Papacy.
The blessed Kapp writes in his "Beiträgen von alten und neuen theologischen Sachen" the following:
"To this day there is still to be seen, in memory, in Lübeck in the Marienkirche on a pillar an image of Mary, beneath which stand the idolatrous words:
""O Maria, a mediatress between God and men, make then the mediation between God and my poor soul. Amen.""
Such a denial, that Christ is the only Mediator between God and men (1 Tim. 2, 5.), shows plainly that the papistical Church, in spite of its many crosses and crucifixes and in spite of its much talking and boasting of Christ, yet has the spirit of Antichrist, "that confesseth not that Jesus Christ is come in the flesh" (1 John 4, 3.); for to this confession belongs not merely the preaching that there once has been a God-man in the world (this the devils confess as well as the Papists), but above all that this God-man JESUS, that is, the Maker of Blessedness, the sole Saviour, Redeemer and Mediator between God and men.