Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 15 › Seite 114

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1855-03-13, Seite 114

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aber was Gott aus seiner Gnade verleiht, kann er uns eben so leicht aus gerechtem Zorn über unsern Undank und unsere Lauheit nehmen. Das haben unsere Väter durch eine harte Lection unter großer Angst und viel Trübsal erfahren müssen. Uns, ihren Kindern, geziemt es nun wohl um so mehr, das doppelt hoch zu achten, und in Wort und That rechte Treue dagegen zu beweisen, was sie Gott unter Seufzen und Flehen wieder auch für uns abgerungen, und er um Christi willen ihnen durch den Frieden von 1555 von neuem geschenkt hat, die Reinheit und Freiheit des Bekenntnisses. Doch nun zur Geschichte selbst.

Einleitung.

Was die Gemeinde vom Worte singt:
Das Silber durchs Feuer siebenmal
Bewährt, wird lauter funden
An Gottes Wort man warten soll
Desgleichen alle Stunden.

Es will durch Kreuz bewähret sein ꝛc., das muß sie auch an sich selbst erfahren, und von sich selbst bekennen. Daß wir nur durch viele Trübsal in’s Reich Gottes eingehen können, ist eine allgemeine Reichsregel, von der keine Ausnahme Statt findet.

So war es unmöglich, daß zur Zeit der Reformation das Licht wieder auf den Leuchter gesetzt wurde, ohne daß nicht der Teufel eine Windsbraut hätte erheben sollen, um es wieder auszublasen. Die Stadt, die durch das neugepredigte reine Evangelium aufs Neue auf einem hohen Berge prangte, mußte angelaufen, belagert und bestürmet werden. Ja der Aufbau selbst konnte nur unter steten Fährlichkeiten und Verfolgungen vor sich gehen. Alles was die Protestanten, (so hießen die Lutheraner seit dem Speierschen Reichstage 1529) erlangen konnten, war nur ein zeitweiliger, von einem Reichstag zum andern erneuerter Waffenstillstand, bis zur endlichen Vereinigung in der Religion, der aber jeden Augenblick von dem Kaiser und seinen papistischen Reichsständen konnte aufgehoben werden, so wie sich nur eine passende Gelegenheit dazu fand. Denn einen „ewigen und unbedingten Frieden“, selbst wenn man sich auch nicht in Sachen der Religion einigen könne, auf welchen die Protestirenden auf jedem Reichstage antrugen, wollte man ihnen nicht bewilligen. Der Reichsabschied von 1530, nach welchem alle „Neuerer in der Religion“ als Ungehorsame und Störer des Landfriedens sollten bestraft werden, blieb dabei stets in Kraft. Daß der Kaiser in Deutschland nicht gleich losschlug, lag in seinen politischen Bedrängnissen. Er bedurfte der mächtigen protestantischen Reichsstände, Fürsten und Städte gegen die Franzosen, Türken, und selbst gegen den Papst, mit dem er so gut, wie mit jenen, fast in ununterbrochener Fehde lebte. Er gedachte auch mit Ernst daran, seine Herrschaft in Deutschland erblich zu machen, und die Kaiserliche Krone und Würde an das Haus Habsburg zu bringen. So mußte er durch gute Worte und zeitweilige Bewilligungen die Protestirenden täuschen und hinhalten, bis seine Pläne gereift, und die Zeit und Gelegenheit sich darböte, mit ganzer Kraft die Vernichtung „der neuen Lehre“ vorzunehmen, die er bei allen seinen Reichsgeschäften, Kriegen und Friedensschlüssen stets im Auge behielt. Luthers Gebet war’s wohl hauptsächlich, wodurch dieser Zeitpunkt so lange hinaus geschoben wurde; wie er denn selbst oft beides verkündigte, sowohl daß Deutschland würde mit Krieg und Blutvergießen erfüllt werden, als auch, daß er’s, so lange er lebe durch sein Vaterunser verhindern werde. Mit Luther wurde Friede und Ruhe in Deutschland zu Grabe gebracht. Nachdem durch den Tod der Damm seiner Fürbitte eingerissen war, brach die Fluth der Trübsal und Verfolgung wie ein aufgehaltener Strom daher, mußte aber, nachdem der Herr sein „Bis hieher und nicht weiter“ zu den stolzen Wellen gesprochen, wie bisher, so auch jetzt den Beweis liefern, daß das Haus des lebendigen Gottes nicht von einem Thoren auf Sand gebaut, sondern von der selbstständigen Weisheit auf einen Felsen, und zwar auf den Fels der Ewigkeiten gegründet sei. „Da nun ein Platzregen fiel, und ein Gewässer kam, und stießen an das Haus, fiel es doch nicht, denn es war auf einen Felsen gegründet“. Matth. 7, 25.

Der Reichstag zu Regensburg 1546

offenbarte den Protestirenden, was ihnen freilich schon lange kein Geheimniß sein konnte, daß der Kaiser nichts anders im Schilde führte, als das Evangelium mit Gewalt zu vertilgen. Es war alles wohl vorbereitet. Seine Feinde waren zum Theil und zwar mit Hülfe der Protestirenden, besiegt, zum Theil durch Waffenstillstand oder Bündnisse für den Augenblick wenigstens zur Ruhe gebracht. Das seit Jahren geforderte, und versprochene Concil, womit nach Luthers Ausdruck der Papst sich so lange umhergetragen, wie die Katze mit ihren Jungen, war endlich in Trient eröffnet, so daß auch in diesem Stücke den Protestirenden alle Entschuldigung abgeschnitten war — freilich nur scheinbar, da sie von Anfang gegen ein solch unfreies Concilium protestirt hatten, da der Papst statt ein Beklagter zu sein, als Kläger und Richter schalten sollte. Mit dem Papst selbst waren heimlich Unterhandlungen angeknüpft zur kräftigen und gewaltsamen Unterdrückung der Ketzer. Aber selbst hier suchte der Kaiser so lange zu täuschen, als nur immer möglich. Es wurde zum Schein noch ein Colloquium vor dem abzuhaltenden Reichstag von ihm ausgeschrieben, allein zugleich dafür gesorgt, daß von Römischer Seite solche Leute dazu erschienen, von denen man voraussehen konnte, daß sie es zu einer ordentlichen Disputation nicht würden kommen lassen. Zudem wurden später solche Bedingungen vorgeschrieben, welche die Protestirenden nicht eingehen konnten. Es war sichtbar darauf angelegt, sie zu kränken, und gleichsam zu zwingen, das Colloquium abzubrechen, wobei man dann sich über sie beschweren, und vor der Welt den Schein auf sie werfen konnte, als hätten sie muthwillig alle vom Kaiser vorgeschlagenen Friedensmittel vereitelt. So kam’s auch. Die lutherischen Theilnehmer am Gespräch zogen mit Hinterlassung einer Protestation davon. Die Präsidenten beschwerten sich bitter über das eigenmächtige Verfahren ihrer Gegner, der Kaiser gab einen großen Zorn vor, über das zerrissene Colloquium, und schrieb seine Klagen und Beschwerden darüber in alle Welt aus. Jedermann aber, schreibt Sarpi, ein Römischer, der die Umstände kannte, fand diese Klagen lächerlich, „da ja der Kaiser selbst den Abzug der Lutherischen durch die ganze Anlage des Colloquiums verursacht, auch ja bald gezeigt habe, daß er nur die Protestanten habe aufhalten wollen, bis er die Maske völlig abwerfen könne.“

Auch den Landgraf von Hessen suchte er noch kurz vorher recht sicher zu machen. Auf seiner Reise nach Regensburg lud er ihn nach Speier ein, hatte eine freundliche und vertrauliche Unterredung mit ihm, versicherte ihn unter anderen, Er, der Landgraf, habe ihm den Argwohn, als wenn heimlich wider ihn etwas vorgenommen würde, völlig benommen, konnte es wohl leiden, wenn der Landgraf bei dieser Unterredung ihm über manche Dinge reinen Wein einschenkte, und ließ ihn mit der Vertröstung abreisen, er habe nichts vom Kaiser zu besorgen. „Anders das Herz, anders die Worte,“ schrieb aber der Landgraf über diese Unterredung an den Churfürsten Johann Friedrich.

Dies offenbarte sich bald genug auf dem Reichstage selbst. Die Protestirenden Fürsten waren, einige wenige ausgenommen, nicht persönlich erschienen, sondern hatten nur ihre Gesandten geschickt. Als es nach dem Vortrag des Kaisers zur Berathschlagung kam, sonderten sich die römischen Stände wider die Gewohnheit von den Protestirenden ab und berathschlagten für sich allein. Sie trugen bei dem Kaiser darauf an, da die Glaubenssache ja nun dem Concilio zu Trient vorliege, so möchte er die Protestirenden nöthigen, sich den Decreten des Conciliums zu unterwerfen. Die Evangelischen verlangten Ruhe und Frieden, eine unpartheiische Handhabung des Rechts von Seiten des Kammergerichts, und protestirten, wie früher, gegen das Concilium zu Trient, welches ja auch nichts eiligeres zu thun gehabt, als gleich in den ersten Sitzungen die Hauptsätze der Protestirenden zu verdammen. Als sie am Ende ihres Vortrags vor dem Kaiser versicherten „die Pforten der Höllen sollten ihr Bekenntniß nicht überwältigen,“ soll der Kaiser höhnisch gelächelt haben. Hat aber doch endlich die Wahrheit dieses Ausspruches seines Theils selbst erfahren müssen.

Er brach auch nun plötzlich mit seinen, so lange heimlich gehaltenen Anschlägen hervor. Das Bündniß mit dem Papst wurde noch während dieses Reichstages abgeschlossen. Eine Menge Officiere sandte er mit Werbepatenten an verschiedene Werbeplätze in den Niederlanden und Deutschland, um Truppen zusammen zu bringen, und als die Protestirenden bei ihm über diese Rüstungen anfragen ließen, ließ er ihnen antworten: „Der Kaiser habe allezeit mit vieler Mühe dahin getrachtet, den Frieden in Deutschland zu erhalten, und zu befestigen, sei auch noch nicht anders gesinnt. Er werde auch ferner den gehorsamen Ständen seine kaiserliche Gnade bezeigen, wider die ungehorsamen aber auch so verfahren, wie es kaiserliche Autorität und die Rechte erforderten. Die Protestirenden bedurften keiner weiteren Auslegung dieser Worte, sie wußten schon, auf wen es gemünzt war. Dabei war er aber sehr dafür besorgt, den Schein von sich abzuwenden, als habe die Religion etwas mit seinen Kriegsrüstungen zu thun. Er erließ mehrere Schreiben an die Städte, worin er ihnen zu wissen that, daß er ge-

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but what God bestows out of His grace, He can just as easily take from us in righteous wrath over our ingratitude and our lukewarmness. Our fathers have had to learn this by a hard lesson, under great anguish and much tribulation. To us, their children, it now becomes all the more fitting to esteem that doubly high, and in word and deed to prove true fidelity toward what they wrested again, with sighs and supplications, from God also for us, and what He, for Christ's sake, bestowed anew upon them through the Peace of 1555: the purity and freedom of the confession. But now to the history itself.

Introduction.

What the congregation sings of the Word:
Silver tried in the fire seven times
Is found to be pure;
On God's Word one shall wait
Likewise at all hours.

"It will be tried through the cross," etc., this she must also experience in herself, and confess of herself. That we can enter into the kingdom of God only through much tribulation is a general rule of the kingdom, from which no exception takes place.

So it was impossible that, at the time of the Reformation, the light should be set again upon the candlestick without the devil raising up a tempest to blow it out again. The city which, through the newly preached pure Gospel, shone anew upon a high mountain, had to be assailed, besieged and stormed. Indeed, the building up itself could proceed only amid constant perils and persecutions. All that the Protestants (so the Lutherans were called since the Diet of Speyer in 1529) could obtain was only a temporary armistice, renewed from one Diet to another, until the final union in religion, which, however, could be revoked at any moment by the Emperor and his papistical Estates of the Empire, as soon as a fitting opportunity presented itself. For an "eternal and unconditional peace," even if one could not agree in matters of religion, which the Protestants proposed at every Diet, they would not grant them. The Recess of the Diet of 1530, according to which all "innovators in religion" were to be punished as disobedient persons and disturbers of the public peace, remained constantly in force. That the Emperor did not at once strike out in Germany lay in his political embarrassments. He needed the mighty Protestant Estates of the Empire, princes and cities, against the French, the Turks, and even against the Pope, with whom he lived in almost uninterrupted feud, as with those. He also seriously intended to make his dominion in Germany hereditary, and to bring the imperial crown and dignity to the House of Habsburg. So he had to deceive and put off the Protestants by good words and temporary concessions, until his plans were ripe, and the time and opportunity should offer, to undertake with full force the annihilation of "the new doctrine," which he kept constantly in view in all his affairs of state, wars and treaties of peace. Luther's prayer it was, no doubt, chiefly, by which this moment was put off so long; as he himself often foretold both, that Germany would be filled with war and bloodshed, and also that, as long as he lived, he would prevent it by his Lord's Prayer. With Luther, peace and quiet were carried to the grave in Germany. After the dam of his intercession had been broken through by his death, the flood of tribulation and persecution broke forth like a dammed-up stream, but had to prove, after the Lord had spoken His "Hitherto, and no further" to the proud waves, as before, so now also, that the house of the living God is not built by a fool upon sand, but by the self-subsisting Wisdom upon a rock, and indeed upon the Rock of Ages. "And the rain descended, and the floods came, and beat upon that house; and it fell not: for it was founded upon a rock." Matt. 7:25.

The Diet at Regensburg, 1546

revealed to the Protestants what could indeed no longer have been a secret to them, that the Emperor had nothing else in view than to extirpate the Gospel by force. Everything was well prepared. His enemies had been defeated in part, and indeed with the help of the Protestants, and in part brought to quiet for the moment at least by armistices or alliances. The Council, long demanded and promised, with which, according to Luther's expression, the Pope had so long carried himself about, like the cat with her kittens, had at last been opened at Trent, so that in this respect also every excuse had been cut off from the Protestants — only in appearance, however, since they had from the beginning protested against such an unfree Council, since the Pope, instead of being a defendant, was to act as accuser and judge. With the Pope himself secret negotiations had been begun for the vigorous and violent suppression of the heretics. But even here the Emperor sought to deceive as long as ever possible. For appearance's sake a Colloquy was still announced by him before the Diet to be held, but at the same time care was taken that from the Roman side such men should appear as one could foresee would not let it come to a proper disputation. Moreover, such conditions were afterwards prescribed as the Protestants could not accept. It was visibly designed to vex them and, as it were, to force them to break off the Colloquy, whereupon one could then complain of them, and cast the appearance before the world upon them, as if they had wantonly frustrated all means of peace proposed by the Emperor. So it came about. The Lutheran participants in the conference departed, leaving a protest behind. The presidents complained bitterly of the arbitrary proceeding of their opponents; the Emperor feigned great anger over the broken-up Colloquy, and sent forth his plaints and complaints about it into all the world. Everyone, however, writes Sarpi, a Romanist who knew the circumstances, found these complaints ridiculous, "since the Emperor himself had caused the withdrawal of the Lutherans by the whole arrangement of the Colloquy, and had also soon shown that he had only wanted to detain the Protestants until he could throw off the mask entirely."

Also the Landgrave of Hesse he sought shortly before to make quite secure. On his journey to Regensburg he invited him to Speyer, had a friendly and confidential conversation with him, assured him among other things that He, the Landgrave, had wholly removed from him the suspicion that something was being undertaken secretly against him, and was well content when the Landgrave in this conversation poured out to him clear wine about many things, and let him depart with the consolation that he had nothing to fear from the Emperor. "The heart different, the words different," wrote the Landgrave, however, concerning this conversation to the Elector John Frederick.

This soon revealed itself plainly enough at the Diet itself. The Protestant princes, a few excepted, had not appeared in person, but had sent only their envoys. When, after the Emperor's address, it came to deliberation, the Roman Estates, contrary to custom, separated from the Protestants and deliberated by themselves alone. They urged with the Emperor that, since the matter of faith now lay before the Council at Trent, he should compel the Protestants to submit to the decrees of the Council. The Evangelicals demanded quiet and peace, an impartial administration of justice on the part of the Imperial Chamber, and protested, as before, against the Council at Trent, which indeed had had nothing more pressing to do than to condemn at once, in its first sessions, the chief articles of the Protestants. When, at the close of their address, they assured the Emperor that "the gates of hell should not prevail against their confession," the Emperor is said to have smiled scornfully. Yet in the end he has had to experience the truth of this saying in his own case.

He now suddenly broke forth with his designs so long kept secret. The alliance with the Pope was concluded during this very Diet. A multitude of officers he sent with recruiting patents to various recruiting places in the Netherlands and Germany, to bring troops together, and when the Protestants inquired of him about these armaments, he caused answer to be given them: "The Emperor had at all times with much pains endeavored to preserve and to establish peace in Germany, and was still not otherwise minded. He would also in future show his imperial grace to the obedient Estates, but would deal with the disobedient as imperial authority and the laws required. The Protestants needed no further explanation of these words; they knew well enough against whom it was aimed. At the same time he was very careful to turn away the appearance, as if religion had anything to do with his preparations for war. He issued several writings to the cities, in which he let them know that he was in-