Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 15 › Seite 117

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1855-03-13, Seite 117

113 114 115 116 117 118 119 120

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription AI-corrected against the scan

⤓ Download .txt · copy text

117

Das Lutherthum in Texas.

Schon in der 2. Nummer dieses Jahrgangs haben wir unseren Lesern berichtet, daß seit dem Jahre 1840 eine Anzahl junger Männer aus der Schweiz, die den Namen „lutherisch“ tragenden Fahnen auch unter den Deutschen in Texas aufgepflanzt und hier eine Synode gebildet haben, welche die Symbole unserer evangelisch-lutherischen Kirche für ihr Banner erklärt. Nach neueren Nachrichten, die wir aus der „Reformirten Kirchenzeitung“ entnehmen, sind zu den elf bereits vorhandenen „sechs neue lutherische Missionare hinzugekommen, die am 28. December v. J. von Deutschland (oder wohl vielmehr ebenfalls aus der Schweiz?) in Texas angekommen sind, um unter der deutschen Bevölkerung jenes Staates zu wirken.“ Unsere Bedenken über diese Arbeiter an dem lutherischen Zion in Texas haben wir bereits am angezogenen Orte ausgesprochen; selbige haben sich nehmlich leider in den Verband der hiesigen abgefallenen sogenannten lutherischen General-Synode aufnehmen lassen und damit nur zu deutlich zu erkennen gegeben, daß ihnen im Grunde reformirte Lehre ebenso recht ist, als lutherische.

Es gereicht uns zu großer Freude, diesmal unseren Lesern von Thätigkeit für unsere Kirche in Texas Kunde geben zu können, ohne einen hinkenden Boten mit „Aber“ und „Leider jedoch“ sogleich nachsenden zu müssen. Am 16. December ist nehmlich auch der, vielen unserer Leser wohl bekannte theure Pastor Kilian mit einer nicht unbedeutenden lutherischen Gemeinde in Texas eingewandert. Ein geborner Sachse, einst unser Studiengenosse in Leipzig, ist derselbe vom Jahre 1837 an elf Jahre lang wendischer ev. luth. Pfarrer zu Kotitz in der Ober-Lausitz, Königreich Sachsen, und hierauf seit dem Herbst 1848 bis zu seiner Auswanderung in der Gegend von Nisky in Preußen Pastor einer dortigen (s. g. altlutherischen) Diaspora-Gemeinde gewesen.

Im Jahre 1846 gab Past. Kilian eine Predigt in wendischer Sprache heraus, welche darauf in Leipzig bei Dörffling in deutscher Uebersetzung und als ein Traktat weiter ausgeführt unter der Ueberschrift erschien: „Die nothwendige Vorsicht lutherischer Christen bei jetziger Glaubensverwirrung. Ein ernstes Wort an das evangelische Volk.“ Das Schriftchen wurde in der Rudelbach-Guerick'schen Zeitschrift recensirt. In dieser Recension heißt es denn u. A. folgendermaßen: „Von 1 Thess. 5, 21. ausgehend, zeigt das Vorwort, „„was das Gute ist, woran wir zu halten haben und wornach wir Alles zu prüfen haben;““ nämlich 1. der christliche Grundartikel von der Rechtfertigung allein durch den Glauben; 2. das Wort Gottes, die h. Schrift; 3. die (namentlich und mit kurzer Inhaltsangabe angeführten) ev. luther. Bekenntnißschriften, von den Vorfahren uns hinterlassen, damit wir „„ein Vorbild der rechten kirchlichen Einigkeit hätten und in diesem Glauben, den unsere Väter uns so kräftig bekannt haben, allen päpstischen, reformirten und vernünftischen Irrthümern vereinigt widerstunden.““ Bei Erwähnung des Eides der Geistlichen und Lehrer auf diese Glaubensbekenntnisse wird auch des neologischen (neu- und ungläubigen) Verlangens gedacht, „„daß dieser Eid aufgehoben werde möge. Deßhalb (spricht der Verfasser) muß ich euch nun bei Zeiten so viel sagen, lutherische Christen: Sobald als jetzt in einem Lande die Obrigkeit der lutherischen Kirche mit Willen derer, die unter ihr stehen, den Amtseid aufhebt, so daß Geistliche und Schullehrer nicht mehr auf die Bekenntnißschriften der lutherischen Kirche vereidet werden, sobald hat die lutherische Kirche in demselben Lande aufgehört eine Landeskirche zu sein, so wie sie in Preußen durch die Vereinigung der Lutherischen und Reformirten seit dem Jahre 1830 aufgehört hat eine Landeskirche zu sein. Und wenn diese Aufhebung des Amtseides je in Sachsen geschehen sollte, so müßten diejenigen, die lutherische Christen bleiben wollten, aus der Landeskirche um solchen Abfalls willen sich hinausbegeben. Wenn aber durch Gottes besondere Gnade unsere Kirchenobrigkeit mit allen denen, die in Sachsen am alten lutherischen Bekenntniß halten, in allen Stürmen, die sich erhoben, feststünde, so könnte sichs leicht begeben, daß bald ihrer Viele aus allen Ständen in Sachsen aus der lutherischen Landeskirche austreten und den Freigeistern und Naturalisten jetziger Zeit eine neue Kirche aufbauen helfen würden. Eins von beiden wird, wie es den Anschein hat, vermuthlich geschehen; entweder wird diejenige Landeskirche, die nun lutherisch ist, vom lutherischen Glauben abfallen und wir werden aus ihr hinausgehen müssen, oder aber wird die luth. Kirche Landeskirche bleiben und unsere falschen Brüder werden von uns ausgehen, weil sie nicht von uns sind ... Gott weiß, was auf uns wartet. Seid nur nüchtern und wachet, lutherische Christen!““ — Die Predigt selbst (setzt der Recensent hinzu) ist eine in jeder Hinsicht gediegene Arbeit, wie sie in unseren Zeiten höchst selten vorkommt, eine gründliche, fruchtbare, in's Leben eingreifende Behandlung ihres Textes (Col. 2, 6 — 9.), voll evangelischen Geistes, reich an markigen Gedanken und treffenden Urtheilen, dabei durchgängig mit Schriftstellen fest begründet und mit Aussprüchen Luthers auf's beste erläutert, so daß fast gar nichts zu wünschen bleibt. Seite 51. heißt es: „„Was wird aus dem jetzigen Ueberhandnehmen der mancherlei Vernünfte zuletzt entstehen? Wenn sie lange genug sich gespreizt und gezankt haben werden, so wird eine Vernunft kommen, die weltliche Macht haben wird, irgend ein Pabst oder Napoleon, der wird die andren Vernünfte unter sich bringen. Dann wird sich's zeigen, daß die jetzige falsche Freiheit der Vernünfte geraden Weges zum Pabstthum geführt hat.““ — Etliche tausend solche Pfarrer, wie Kilian, und es würde bald in der evangelischen Christenheit besser aussehen.“

So weit der Auszug aus der Recension. Wer unter den Lesern bisher Herrn Pastor Kilian noch nicht kannte, wird ihn gewiß nach diesen wenigen Zeugnissen liebgewinnen, Gott preisen, daß Er denselben nach Texas geführt, und ihm im Geiste die Hand zum brüderlichen Willkommen! bei seiner Ankunft auf dem hiesigen Arbeits- und Kampfplatz reichen.

Herr Pastor Kilian hat uns die Freude gemacht, uns mit einem brüderlichen Schreiben zu begrüßen. Wir theilen aus demselben einige Notizen mit. Es heißt darin u. A. wie folgt:

„Es war im Jahre 1853, als dreißig und etliche Wenden, Preußische Lutheraner, die von der Preußischen Staatskirchenunion zur ev. luth. Kirche sich zurückgewendet hatten, über Bremen nach Texas auswanderten, an der Insel Cuba Schiffbruch litten, jedoch ihr Leben retteten. Diese schrieben im Winter 1854 an ihre Freunde so günstige Briefe, daß ihnen nun eine Gesellschaft von mehr als 500 Seelen nachgefolgt ist. Diese ev.-luth. Gemeine, bestehend aus sogenannten altlutherischen Preußischen Familien, denen sich etwa 200 Seelen aus der Sächsisch-lutherischen Staatskirche angeschlossen haben, berief mich, sie als Pastor und Lehrer hierher zu begleiten. Die Gesellschaft wurde durch das Haus Valentin Lorenz Meyer über Hamburg und Liverpool befördert. Ich bin nun mit dieser Gemeine am 16. December verwichenen Jahres in Galveston angekommen und mit den Bemittelteren, nachdem die ärmeren Familien in Houston und anderwärts in Arbeit treten mußten, 200 englische Meilen ins Land gezogen. Hier am Rabbs-Creek in Bastrob County geht der vermögende Theil der Gesellschaft, der auch für die Armen die Ueberfahrt bezahlt hat, damit um eine Legua Land zu kaufen, um dann auch die Aermeren in diese neue Heimath nachkommen zu lassen. Unbewohnten Landes ist hier die Fülle, aber bei der Schwierigkeit, in Texas den richtigen Eigenthümer einer Landesstrecke zu finden, war es den Leuten bis jetzt noch nicht möglich sich anzukaufen, so daß sie Wochen lang in Hütten wohnen müssen. Meine Emigranten-Gemeine ist überhaupt durch viele Widerwärtigkeiten hindurchgegangen, obwohl die Seefahrt ohne eigentlichen Sturm abging. Wir haben mehr denn 70 Personen durch den Tod, größtentheils durch die Cholera verloren, von welcher die Gesellschaft während ihrer Durchreise durch England ergriffen wurde. Schon in Liverpool starben mehrere Personen. Doch fuhren wir am 26. September im großen englischen Zweidecker Ben Nevis (Capitän Herron) von Liverpool ab, außer der Schiffsmannschaft etwa 580 Seelen, da außer unserer geschlossenen Gesellschaft noch andere Passagiere aus Deutschland mit gingen. Allein während der sehr ruhigen Fahrt im Irischen Canal ereigneten sich wieder so viel Cholera-Todesfälle, daß wir im Cork-Hafen in Irland drei Wochen in Quarantäne liegen mußten. Unsere Seereise von da bis Galveston dauerte achtehalb Wochen. Auch in dieser Zeit sind noch Mehrere gestorben. Hier zu Lande sind aber die Leute gesund und haben auch ihre im Jahre 1853 ihnen vorausgegangenen Brüder gesund gefunden.“ — —

„Obwohl diese Diaspora-Gemeinde (in der Gegend von Nisky) durch meine Uebersiedelung nach Preußen zu einer eignen Parochie erhoben worden ist, so daß ich als Pastor derselben auch von der Preußischen Staatsregierung förmlich anerkannt wurde, so waren doch für die von der unirten Kirche separirten Familien Beweggründe vorhanden, diese eigenthümliche kirchliche Stellung zu verlassen und auszuwandern. Auch ich fand

English translation AI translation

⤓ Download .txt · copy text

117

Lutheranism in Texas.

Already in the 2nd number of this volume we reported to our readers that since the year 1840 a number of young men from Switzerland have planted the banner bearing the name "Lutheran" among the Germans in Texas also, and have formed a synod here, which declares the symbols of our Evangelical Lutheran Church to be its banner. According to more recent news, which we take from the "Reformirte Kirchenzeitung," there have been added to the eleven already present "six new Lutheran missionaries, who arrived in Texas on the 28th of December last year from Germany (or rather, perhaps, likewise from Switzerland?), in order to labor among the German population of that State." Our misgivings concerning these laborers in the Lutheran Zion in Texas we have already expressed in the place cited; for they have, sad to say, allowed themselves to be received into the connection of the apostate so-called Lutheran General Synod of this country, and have thereby made it only too plain that at bottom Reformed doctrine is just as acceptable to them as Lutheran.

It is a great joy to us this time to be able to give our readers tidings of activity on behalf of our Church in Texas, without having to send a limping messenger after it at once with his "But" and "Alas, however." For on the 16th of December the dear Pastor Kilian, well known to many of our readers, has also immigrated to Texas with a not inconsiderable Lutheran congregation. A native Saxon, once our fellow-student at Leipzig, he was from the year 1837 for eleven years a Wendish Ev. Luth. pastor at Kotitz in the Upper Lusatia, Kingdom of Saxony, and thereafter, from the autumn of 1848 until his emigration, pastor of a so-called Old Lutheran diaspora congregation in the neighborhood of Nisky in Prussia.

In the year 1846 Pastor Kilian published a sermon in the Wendish language, which then appeared at Leipzig, at Dörffling's, in a German translation, and further elaborated as a tract, under the title: "Die nothwendige Vorsicht lutherischer Christen bei jetziger Glaubensverwirrung. Ein ernstes Wort an das evangelische Volk." The little work was reviewed in the Rudelbach-Guericke periodical. In this review it is said, among other things, as follows: "Taking its start from 1 Thess. 5:21, the preface shows, 'what the good is, to which we are to hold, and by which we are to prove all things;' namely, 1. the Christian fundamental article of justification by faith alone; 2. the Word of God, the Holy Scripture; 3. the Ev. Luth. Confessions (cited by name and with a brief statement of their contents), left to us by our forefathers, that we might have 'a pattern of true churchly unity, and in this faith, which our fathers have so mightily confessed to us, might with united strength withstand all papistical, Reformed, and rationalistic errors.' In mentioning the oath of the clergy and teachers upon these confessions of faith, mention is also made of the neological (new- and unbelieving) demand 'that this oath be abolished. Therefore (says the author) I must tell you betimes thus much, Lutheran Christians: As soon as, in any country, the government of the Lutheran Church, with the consent of those who are under it, abolishes the oath of office, so that clergymen and schoolteachers are no longer sworn upon the Confessions of the Lutheran Church, so soon the Lutheran Church in that country has ceased to be a national church, just as in Prussia, through the union of the Lutherans and the Reformed since the year 1830, it has ceased to be a national church. And if this abolition of the oath of office should ever take place in Saxony, then those who wished to remain Lutheran Christians would have to go out of the national church on account of such apostasy. But if, by God's special grace, our church government, together with all those in Saxony who hold to the old Lutheran confession, should stand fast in all the storms that have arisen, it might easily come to pass that soon many of them from all ranks in Saxony would leave the Lutheran national church and help the freethinkers and naturalists of the present time to build up a new church. One of the two, as it appears, will probably happen: either the national church which is now Lutheran will fall away from the Lutheran faith and we shall have to go out of it, or else the Luth. Church will remain the national church and our false brethren will go out from us, because they are not of us ... God knows what awaits us. Only be sober and watch, Lutheran Christians!' — The sermon itself (the reviewer adds) is in every respect a solid piece of work, such as is extremely rare in our times, a thorough, fruitful treatment of its text (Col. 2:6-9) that reaches into life, full of evangelical spirit, rich in pithy thoughts and apt judgments, throughout firmly grounded in Scripture and excellently illustrated with sayings of Luther, so that almost nothing is left to be desired. On page 51 it says: 'What will in the end come of the present prevalence of manifold kinds of reason? When they have strutted and quarreled long enough, there will come a reason that shall have worldly power, some pope or Napoleon, who will bring the other reasons under himself. Then it will appear that the present false freedom of the reasons has led straight to popery.' — A few thousand such pastors as Kilian, and things would soon look better in evangelical Christendom."

So much for the extract from the review. Whoever among our readers has not yet known Pastor Kilian will surely, after these few testimonies, come to love him, praise God that He has led him to Texas, and in spirit extend to him the hand of brotherly welcome upon his arrival on our field of labor and of battle.

Pastor Kilian has done us the pleasure of greeting us with a brotherly letter. We communicate some notes from it. It says therein, among other things, as follows:

"It was in the year 1853 that thirty-odd Wends, Prussian Lutherans, who had turned back from the Prussian state-church union to the Ev. Luth. Church, emigrated by way of Bremen to Texas, suffered shipwreck off the island of Cuba, yet saved their lives. In the winter of 1854 these wrote to their friends such favorable letters that a company of more than 500 souls has now followed them. This Ev. Luth. congregation, consisting of so-called Old Lutheran Prussian families, to whom about 200 souls from the Saxon Lutheran state church have attached themselves, called me to accompany them hither as pastor and teacher. The company was forwarded by the house of Valentin Lorenz Meyer by way of Hamburg and Liverpool. I arrived with this congregation on the 16th of December of last year at Galveston, and with the better-off, after the poorer families had had to take work in Houston and elsewhere, have moved 200 English miles into the country. Here on Rabbs Creek in Bastrop County the well-to-do part of the company, who have also paid the passage for the poor, are about to buy a league of land, in order then to let the poorer ones also follow after into this new home. Of unoccupied land there is plenty here, but on account of the difficulty in Texas of finding the right owner of a tract of land, it has not yet been possible for the people to buy, so that they have to live in huts for weeks. My emigrant congregation has indeed passed through many adversities, although the sea voyage went off without any actual storm. We have lost more than 70 persons by death, for the most part by cholera, with which the company was seized during its journey through England. Even in Liverpool several persons died. Yet on the 26th of September we sailed from Liverpool in the large English two-decker Ben Nevis (Captain Herron), about 580 souls besides the ship's crew, since besides our closed company other passengers from Germany went along. But during the very calm voyage in the Irish Channel so many cholera deaths occurred again that we had to lie in quarantine three weeks in the harbor of Cork in Ireland. Our sea voyage from there to Galveston lasted seven and a half weeks. In this time also several more have died. Here in this country, however, the people are healthy, and have also found their brethren who preceded them in the year 1853 in good health." — —

"Although this diaspora congregation (in the neighborhood of Nisky), through my removal to Prussia, was raised to a parish of its own, so that I was also formally recognized by the Prussian state government as its pastor, yet there were motives for the families separated from the united church to leave this peculiar churchly position and to emigrate. I also found