Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 15 › Seite 113

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1855-03-13, Seite 113

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Der Lutheraner.
Offenb. Joh. Cap. 14, v. 6. 7.
„Gottes Wort und Luthers Lehr’ vergehet nun und nimmermehr.“
Herausgegeben von der Deutschen Ev. Luther. Synode von Missouri, Ohio und andern Staaten.
Redigirt von C. F. W. Walther.
Jahrg. 11.  St. Louis, Mo., den 13. März 1855.  No. 15.
Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subscriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterschreiber, welche denselben vorausbezahlen und das Postgeld zu tragen haben.— In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft.
Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, sind an den Redakteur, alle andern aber, welche Geschäftliches, Bestellungen, Abbestellungen, Gelder ꝛc. enthalten, unter der Addresse: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu senden.

(Eingesandt von Past. Wyneken.)

Die Noth der Lutherischen Kirche
seit dem
Tode Luthers, und ihre Errettung daraus durch
den am 25. Sept. 1555 geschlossenen
Religionsfrieden zu Augsburg.
Ein geschichtlicher Beitrag
zur diesjährigen Feier des Friedensjubelfestes
am nächstkommenden 25. September.

Die armen Papisten wissen sich viel mit ihrem Jubeljahr, wo der angebliche Statthalter Christi aus angeborner Milde und Erbarmen den nach Rom Wallenden ihre Sünden erläßt, und wobei doch am Ende keiner etwas gewinnt, als seine päpstliche Heiligkeit, und der ihn gesetzt hat, der Teufel; ersterer das Geld, und letzterer die Seelen der armen betrogenen Leute. Wir Lutheraner haben nun solche Jubeljahre nicht, brauchen sie auch nicht, da wir durch unsern einzigen Herrn und Heiland Jesum Christum allzeit einen freien Zugang haben zu Gott unserm himmlischen Vater, im rechten Glauben, durch welchen wir uns der Gnade und Vergebung der Sünden, uns durch unseren Heiland erworben, zu unserm rechten Trost im Leben und Sterben täglich und stündlich gebrauchen.

Aber Jubelfeste haben wir dennoch, an welchen wir Gott unsern Herrn preisen für seine grundlose Güte und Barmherzigkeit, Weisheit und Macht, womit er seine liebe Kirche hier auf Erden regiert, sie durch schweres Kreuz und Ungemach und drohende Gefahren zwar väterlich züchtigt, aber zugleich läutert und bewährt in ihrer Ohnmacht seine Macht, bei ihren äußerlichen Gebrechen ihre innere Herrlichkeit kund macht, und endlich Alles zu einem guten Ende bringt, daß seine Feinde mit Zähneknirschen, seine Kinder mit Verwundern und Anbeten erkennen, daß Er im Regimente sitzt und sein Rath und Macht wunderbarlich ist, und Alles herrlich hinausführt zum Heil seiner Gläubigen.

Ein solch Jubelfest bringt uns auch dieses Jahr, wie der liebe „Lutheraner“ seinen Lesern bereits angezeigt, und gewiß wird die Lutherische Kirche auch hier zu Landen sich aufmachen, um dieses Fest würdiglich zu begehen, wie es vor hundert und zweihundert Jahren im lieben alten Vaterlande gefeiert ist, und auch sicherlich in diesem Jahre gefeiert werden wird. Denn der Augsburger Friede vom Jahre 1555 ist wohl werth, allzeit im Gedächtniß der lutherischen Kirche zu bleiben, und wo das Jubiläum nicht zu begehen, würde ein Herz verrathen, das keinen Theil nimmt an dem Geschick der Braut Christi, weil es sie selbst und ihren himmlischen Bräutigam gering achtet, wie die Wunder, die Er um ihretwillen thut. Denn groß war die Noth, welcher dieser Friede ein Ende machte, und wunderbar die Errettung, die zu diesem Frieden führte. Denn nicht nur war es dem Fürsten der Finsterniß gelungen, mit äußerer Gewalt die Kirche fast gänzlich zu unterdrücken, sondern er suchte auch mit List unter trügerischem Schein die kaum Entronnenen wieder unter das Joch des Antichrists zurück zu führen. Und es wäre ihm schier gelungen. Der schmähliche Ehepakt, das „Interim“ war schon aufgesetzt, durch welchen die Braut mit dem falschen Buhlen zu Rom sollte verkuppelt werden, und es fanden sich auch die Brautführer, die einst mit feurigen Zungen für den rechten Bräutigam geworben, nun aber verzagt und durch Furcht geblendet, das Geschäft übernahmen, sie statt durch den blutigen Reigen des Märtyrerthums in den himmlischen Hochzeitssaal zu führen, auf dem für das Fleisch annehmlichern Wege jenem in die Arme zu liefern. Wie in Böhmen — früher ein überwiegend portestantisches Land — so würde auch in Deutschland die fröhlich aufgegangene Gottessaat des Evangeliums völlig zertreten sein, wenn der Herr nicht erbarmend darein gesehen, und nachdem er an seinem eignen Hause den Ernst seiner Züchtigungen gezeigt, sich wieder mit Gnade und Hülfe ihm zugewendet hätte.

Schreiber dieses hat es sich nun mit Gott vorgenommen, die Geschichte dieser Noth, und der Errettung aus derselben dem lieben Leser des „Lutheraner“ vorzuführen, so gut er’s eben vermag. Möge sie durch des Herrn Segen mit dazu beitragen, daß wir aus unserer Lauheit herausgerissen werden, die zugleich mit dem Weltsinn da sich einzunisten pflegt, wo die Kirche äußerlich Friede und gute Tage hat, das Mundbekenntniß mit keiner Gefahr verbunden ist, und auch solchen Gemeinden der Rathschluß Gottes zur Seligkeit reichlich verkündigt wird, wo die Dankopfer dafür meistens nur von den treuen aber gemißbrauchten Predigern gebracht werden. Wenn man, wie wir hier zu Landen so unter dem frei sich ergießenden Segen Gottes sitzt, so kommt man leicht auf den Gedanken, als könne es nicht anders sein, als müsse es nun immer so fortgehen,

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Der Lutheraner.
Offenb. Joh. Cap. 14, v. 6. 7.
"God's Word and Luther's doctrine pass away now and nevermore."
Published by the German Ev. Luth. Synod of Missouri, Ohio and other States.
Edited by C. F. W. Walther.
Volume 11.  St. Louis, Mo., March 13, 1855.  No. 15.
Terms: Der Lutheraner appears once every two weeks, at the yearly subscription price of One Dollar for subscribers out of town, who are to pay the same in advance and bear the postage.— In St. Louis each single number is sold for 5 cents.
Only the letters which contain communications for the paper are to be sent to the editor; all others, however, which contain matters of business, orders, cancellations, money, etc., are to be sent, under the address: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., hither.

(Submitted by Pastor Wyneken.)

The Distress of the Lutheran Church
since the
Death of Luther, and Her Deliverance from It by
the Religious Peace of Augsburg
concluded on September 25, 1555.
A Historical Contribution
to this year's Celebration of the Peace Jubilee
on the coming September 25.

The poor Papists make much of their Jubilee Year, in which the pretended Vicar of Christ, out of innate mildness and compassion, remits their sins to those who make pilgrimage to Rome, and in which, after all, no one gains anything but his papal holiness, and he who has set him there, the devil; the former the money, and the latter the souls of the poor deceived people. We Lutherans have no such jubilee years now, nor do we need them, since through our only Lord and Savior Jesus Christ we have at all times a free access to God our heavenly Father, in true faith, by which we make daily and hourly use of the grace and forgiveness of sins, obtained for us by our Savior, for our true comfort in life and death.

But jubilee feasts we have nevertheless, on which we praise God our Lord for His bottomless goodness and mercy, wisdom and might, with which He governs His dear Church here on earth, indeed chastens her as a father through heavy cross and hardship and threatening dangers, but at the same time purifies and proves in her weakness His might, makes known in her outward infirmities her inward glory, and at last brings everything to a good end, so that His enemies with gnashing of teeth, His children with wonder and adoration, acknowledge that He sits in the government, and that His counsel and might are wonderful, and that He leads all things gloriously out to the salvation of His believers.

Such a jubilee feast this year also brings us, as the dear "Lutheraner" has already announced to its readers, and surely the Lutheran Church here in this country also will arise to celebrate this feast worthily, as it was celebrated one hundred and two hundred years ago in the dear old fatherland, and as it will also certainly be celebrated in this year. For the Peace of Augsburg of the year 1555 is well worthy to remain ever in the memory of the Lutheran Church, and where the jubilee is not to be observed, it would betray a heart that takes no part in the fortunes of the Bride of Christ, because it esteems lightly both her and her heavenly Bridegroom, as well as the wonders which He does for her sake. For great was the distress which this peace put an end to, and wonderful the deliverance which led to this peace. For not only had the Prince of Darkness succeeded in almost wholly suppressing the Church by outward force, but he also sought, by craft under a deceitful appearance, to lead those who had scarcely escaped back again under the yoke of Antichrist. And he had nearly succeeded. The shameful marriage contract, the "Interim," had already been drawn up, by which the Bride was to be coupled with the false paramour at Rome, and there were found also the bridal escorts who had once wooed with fiery tongues for the true Bridegroom, but now, discouraged and blinded by fear, undertook the business, to deliver her into his arms by the way more agreeable to the flesh, instead of leading her through the bloody dance of martyrdom into the heavenly wedding hall. As in Bohemia — formerly a predominantly Protestant land — so also in Germany the joyfully sprung-up seed of God's Gospel would have been wholly trodden down, if the Lord had not mercifully looked upon it, and after He had shown the earnestness of His chastisements upon His own house, had turned again to it with grace and help.

The writer of this has now resolved, with God, to set before the dear reader of the "Lutheraner" the history of this distress and of the deliverance from it, as well as he is able. May it, by the blessing of the Lord, contribute to this, that we be torn out of our lukewarmness, which, together with worldly-mindedness, is wont to nest wherever the Church has outwardly peace and good days, the confession of the mouth is joined with no danger, and the counsel of God unto salvation is also abundantly proclaimed to such congregations, where the thank-offerings for it are for the most part brought only by the faithful but misused preachers. When one, as we here in this country, sits thus beneath the freely flowing blessing of God, one easily comes upon the thought that it could not be otherwise, that it must now always go on so,