Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 15 › Seite 119

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1855-03-13, Seite 119

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zu Augsburg zur Verantwortung vorgefordert. Da er nun hier die Wahrheit unerschrocken bekannte, so mußte er schwören, nie wieder in der Stadt Memmingen sich betreten zu lassen und das Land für immer zu meiden. Er bat, daß man ihm wenigstens zwei bis drei Tage Frist geben möge, sein Hauswesen in Ordnung zu bringen, da seine Gattin bald wieder Mutter werden würde. Dieß wurde ihm abgeschlagen. So ging er denn, Weib und Kind zurücklassend, in das Exil. Sein ihm so theures Weib aber nahm in einem Briefe mit den Worten von ihm Abschied: „Leb wohl, mein herzlieber Eheherr, und hüte dich, daß du nicht um meinet- und unserer Kinderlein willen die Vertheidigung der Wahrheit verlassest.“

Der schwarzen Rotte Ursprung und Untergang.

Im Jahre 1572 schlug sich im Oberlande ein Haufe gottloses und freches Gesindel zusammen, die nannten sich die schwarze Rotte. Sie wollten nichts anders, als des schwarzen Teufels Anhänger und Diener sein. Sie machten Regeln und Punkte ihres Ordens oder Brüderschaft, die sie mit Eiden sich untereinander zu halten angelobten.

1) Sie wollten kein Gebet noch Danksagung zu Gott thun.

2) Fluchen, martern, verwunden und Uebels wünschen solle ihre tägliche Uebung sein.

3) Sie wollten allen züchtigen Worten und Werken abhold sein und nur grobe Unfläterei, ein jeder nach bestem Vermögen, von sich geben.

4) Keine Haare am Haupte und Barte und keine Nägel an Fingern schneiden.

5) Leib, Füße, Hände und Angesicht nicht waschen und reinigen.

6) Vor Weibern, Kindern und Jungfrauen nur garstige schandbare Worte und ärgerliche Geberden treiben.

7) Keinem Menschen außer ihrer Gesellschaft gutes wünschen und erzeigen.

8) Zu wem sie kämen oder bei wem sie wären, Zank und Streit anrichten und üblen Geruch hinter sich lassen.

Aber wie sie es anfingen, so endete es auch. Sie kamen in den Kriegen und Zügen in Frankreich und Niederlanden alle jämmerlich um, einer nach dem andern ist erschossen worden oder erstochen, und so sind sie zu ihrem Ordensvater in die schwarze, rauchende und brennende Hölle gefahren. — Es ist nichts Neues unter der Sonne.

Dithmar.

Brotregen.

Als i. J. 1580 in der Mark Brandenburg große Theuerung und Hungersnoth war, daß viel Volks verschmachtete, in die Felder und Wälder liefen, Gras, Wurzeln Kräuter und Baumblätter holten, sie roh und gesotten aßen, des Hungers sich zu erwehren, darüber auch in allerlei Krankheit fielen und jämmerlich zu Gott seufzten, siehe, da sah Gott der Armen Noth und Seufzer an und bezeugte seine väterliche Liebe und allmächtige Kraft und ließ um Palmarum in der Gegend von Havelberg, Kyritz, Wüsterhausen, Neustadt, Perleberg, Plönitz und an allen Enden herum Korn vom Himmel regnen, daß es ziemlich dick auf der Erde lag und von den Leuten häufig aufgelesen und zum Mahlen und Brotbacken fleißig gebraucht ward, etliche auch ihre Aecker damit besäeten. Es war anzusehn wie gedörrt Malz, mit blauen, rothen und gelblichen Streifen, hat gar schönes wohlschmeckendes Brot für die Menschen gegeben; aber, das ein Wunder ist — kein Vogel, Hahn, Taube oder Thier hat es anriechen oder brauchen wollen.

Drei Wege, vor der Sünde bewahrt zu bleiben.

Augustinus schreibt in seinen Bekenntnissen: Ich erinnere mich, daß ich auf dreierlei Weise vor der Sünde bewahrt sei, durch Entziehung der Gelegenheit, durch gegebene Kraft zu widerstehen, und durch Richtung meiner Liebe und Zuneigung auf heilsame Dinge.

Gib uns gute Hirten, und wir werden gute Schaafe haben. —

Ambrosius.

Kirchliche Nachricht.

Nachdem Herr Anton Wagner, cand. theol. zu Fort Wayne, Ind., von meiner bisherigen Filialgemeinde in Watertown Wiskonsin zu ihrem Seelsorger berufen war, ward derselbe durch den Hochw. Herrn Präses der nördlichen Distriktssynode, Pastor O. Fürbringer unter Assistenz von Herrn Pastor Fleischmann aus Milwaukie und von mir am Sonntag Estomihi feierlich ordinirt und eingeführt.

Der Erzhirte unserer Seelen mache auch diesen Diener zu einem treuen Hirten und bewahre ihn dabei zur Mehrung der Ehre Gottes zum Heile vieler Seelen und sich selbst zu ewiger Freude und Ehre.

C. L. Geyer.

Die Addresse des lieben Bruders ist:
Rev. A. Wagner
Watertown, Wisc.

„Illustrirte Abendschule.“

Dieses Blatt, gewidmet der Belehrung und Unterhaltung für die reifere Jugend, redigirt von Herrn Pastor C. Diehlmann und verlegt von dem Graveur Herrn H. Tubesing in Buffalo, ist im „Lutheraner“ bereits (Jahrg. 10. No. 10.) bei seinem Erscheinen allen betreffenden Lesern aufs wärmste empfohlen worden. Jetzt, nach Vollendung des ersten Jahrgangs jenes Blattes, haben wir nun nicht nur keinerlei Ursache, uns unsere Empfehlung reuen zu lassen, sondern fühlen uns auch gedrungen, unsere herzlichste Empfehlung desselben zu wiederholen. Für die, welche das Blatt bereits gehalten haben, sagen wir dieß natürlich nicht, da es unter diesen gewiß wenige geben wird, denen das Blatt nicht unentbehrlich geworden ist. Aber diejenigen Jünglinge, welche bisher noch nicht darauf aufmerksam gemacht worden sind, möchten wir hierdurch daran erinnert haben. Wer, welchem Beruf er sich auch widmen möge, Lust hat, in allerlei nützlichem Wissen gefördert zu werden, und für Erholungsstunden eine fruchtbare Unterhaltung sucht, findet in den Vereinigten Staaten kein der „Abendschule“ gleichkommendes, geschweige passenderes Blatt. Eltern, Lehrer, Prediger, Lehrherren sollten darauf bedacht sein, das Blatt ihren jüngeren Pflegbefohlenen, Jünglinge ihren Jugendfreunden in die Hände zu bringen. Durch die seit einiger Zeit in das Blatt aufgenommenen Uebersichten über die politischen und sonstigen wichtigen Ereignisse der Gegenwart hat dasselbe für die meisten Leser jede andere politische Zeitschrift entbehrlich gemacht und so zu großem Segen viele schlechte, im Geiste der Irreligiosität und Immoralität geschriebene Zeitungen theils verdrängt, theils demselben den Eingang versperrt. Das Blatt kann zwar nicht mehr für fünfzig Cents pro Jahrgang geliefert werden, sondern kostet von nun an fünfundsiebenzig Cents; es ist aber auch dieses ein so niedriger Preis, daß derselbe wohl bei nur sehr wenigen in Betracht kommen kann. Dazu ist auch das Blatt nicht nur verschönert worden, indem es jetzt je in vier Blättern erscheint, wovon ein Jahrgang ein schönes Buch gibt, es enthält auch in seiner neuen Gestalt beträchtlich mehr Lehrstoff, als früher. Wie wir hören, hat der Herr Verleger trotz einer nicht geringen Abonnentenzahl doch bisher bedeutend zusetzen müssen, da die Bilder, so einfach sie auch sind, die Kosten des Blattes nicht wenig erhöhen. Wem es darum zu thun ist, daß der lieben Jugend, die hier leselustiger ist, als anderwärts, nicht ein Mittel entzogen werde, diese Lust nicht mit Vergiftung des Herzens, sondern mit wahrem Nutzen zu befriedigen, der sollte sich auch angelegen sein lassen, die „Abendschule“ zu verbreiten.

Der westliche Distrikt der deutschen evang.-lutherischen Synode von Missouri, Ohio u. a. St. wird seine diesjährigen Sitzungen in der Ersten evang.-lutherischen St. Paulus Gemeinde zu Chicago vom 25. April bis zum 2. Mai incl. abhalten.

Aug. Selle, Sekr.
Crete, Will Co., Ills, d. 2. März 1855.

Quittungen und Dank.

Mit herzlichem Dank gegen Gott und die milden Geber bescheinige ich, zu meinem Unterhalt im hiesigen Seminar, folgende Gaben der Liebe empfangen zu haben:
Durch Herrn Pastor Föhlinger, von mehreren Freunden in Fort Wayne $10,50
Von Herrn Kanne $ 5,00
Von Herrn Frosch Allen Co. Ind. 94
Durch Herrn Pastor Hüsemann von einigen Gliedern seiner früheren Gemeinde in Lanesville Harrisson Co., Ind. 2,00
Durch Herrn Pastor Fick vom Jünglingsverein in Detroit, Mich. 4,00
Von Herrn Pastor Köstering eine Violine.
Der treue Gott wolle es den milden Gebern, nach seiner Verheißung reichlich vergelten.
Fort Wayne, den 22 Febr. 1855.
W. Engelbert.

Herzlich dankend bescheinige ich hiemit $3 vom Herrn Pastor Kühn in Euclied Ohio empfangen zu haben.
Fort Wayne, den 22. Febr. 1855.
J. K. L. Moll.

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at Augsburg to give account of himself. When he there boldly confessed the truth, he had to swear never again to let himself be found in the city of Memmingen, and to shun the land forever. He begged that at least two or three days' respite be given him to put his household in order, since his wife would soon be a mother again. This was refused him. So he went, leaving wife and child behind, into exile. But his wife, so dear to him, took leave of him in a letter with these words: "Farewell, my heartily beloved husband, and take heed that thou do not, for my sake and for the sake of our little children, forsake the defense of the truth."

The Origin and Downfall of the Black Rabble.

In the year 1572 a crowd of godless and impudent riffraff banded together in the Upper Country, who called themselves the Black Rabble. They wished to be nothing else than the followers and servants of the black devil. They made rules and articles of their order or brotherhood, which they pledged themselves by oaths to keep among themselves.

1) They would offer no prayer nor thanksgiving to God.

2) Cursing, tormenting, wounding, and wishing evil should be their daily practice.

3) They would be averse to all chaste words and works, and would utter only coarse filthiness, each one to the best of his ability.

4) They would cut no hair on head or beard, and no nails on the fingers.

5) They would not wash and cleanse body, feet, hands, and face.

6) Before women, children, and maidens they would use only nasty, shameful words and offensive gestures.

7) They would wish and do good to no man outside their company.

8) To whomever they came, or with whom they were, they would stir up strife and contention and leave an evil odor behind them.

But as they began, so it ended. They all perished miserably in the wars and campaigns in France and the Netherlands, one after another was shot or stabbed, and so they went to their order's father in the black, smoking, and burning hell. — There is nothing new under the sun.

Dithmar.

Rain of Bread.

When in the year 1580 there was in the Mark of Brandenburg great dearth and famine, so that many people languished, ran into the fields and woods, fetched grass, roots, herbs, and leaves of trees, ate them raw and boiled to ward off hunger, and thereby also fell into all manner of sickness and sighed miserably to God, behold, God looked upon the need and sighing of the poor, and showed His fatherly love and almighty power, and let corn rain from heaven about Palm Sunday in the region of Havelberg, Kyritz, Wüsterhausen, Neustadt, Perleberg, Plönitz, and all round about, so that it lay quite thick upon the ground and was gathered up in abundance by the people and diligently used for grinding and baking bread, some also sowing their fields with it. It looked like dried malt, with blue, red, and yellowish streaks, and has yielded very fine, savory bread for men; but, which is a wonder, no bird, cock, dove, or beast would smell or use it.

Three Ways of Being Kept from Sin.

Augustine writes in his Confessions: I remember that I was kept from sin in three ways: by removal of the occasion, by strength given to resist, and by directing my love and affection toward wholesome things.

Give us good shepherds, and we shall have good sheep. —

Ambrose.

Church Notice.

After Mr. Anton Wagner, candidate of theology at Fort Wayne, Ind., had been called by my former filial congregation in Watertown, Wisconsin, as its pastor, he was solemnly ordained and installed by the Rev. President of the Northern District Synod, Pastor O. Fürbringer, with the assistance of Pastor Fleischmann of Milwaukee and of myself, on Sunday Estomihi.

May the Arch-Shepherd of our souls make this servant also a faithful shepherd, and preserve him therein to the increase of God's honor, to the salvation of many souls, and to his own eternal joy and honor.

C. L. Geyer.

The address of the dear brother is:
Rev. A. Wagner
Watertown, Wisc.

"Illustrirte Abendschule."

This paper, devoted to the instruction and entertainment of the more mature youth, edited by Pastor C. Diehlmann and published by the engraver Mr. H. Tubesing in Buffalo, was already (Jahrg. 10, No. 10) most warmly recommended in the "Lutheraner" to all readers concerned at its first appearance. Now, after the completion of the first volume of that paper, we have not only no cause to regret our recommendation, but feel constrained to repeat our most hearty recommendation of it. For those who have already taken the paper we of course do not say this, since among these there will surely be few to whom the paper has not become indispensable. But those young men who have not hitherto had their attention called to it we should like hereby to have reminded. Whoever, to whatever calling he may devote himself, has a mind to be furthered in all manner of useful knowledge, and seeks fruitful entertainment for hours of recreation, finds in the United States no paper equal to the "Abendschule," let alone more suitable. Parents, teachers, preachers, and masters should be concerned to put the paper into the hands of their younger wards, and young men into the hands of their youthful friends. Through the surveys of political and other important events of the present, which have for some time been taken into the paper, it has made every other political periodical dispensable for most readers, and so, to great blessing, has partly driven out many bad newspapers written in the spirit of irreligion and immorality, and partly barred them entrance. The paper, indeed, can no longer be furnished for fifty cents per volume, but from now on costs seventy-five cents; yet even this is so low a price that it can come into consideration with only very few. Besides, the paper has not only been beautified, in that it now appears in four sheets each, of which a volume makes a handsome book, it also contains in its new form considerably more instructive matter than before. As we hear, the Publisher, in spite of a not small number of subscribers, has nevertheless had to lose considerably thus far, since the pictures, simple as they are, raise the cost of the paper not a little. Whoever is concerned that the dear youth, who here are more fond of reading than elsewhere, should not be deprived of a means of satisfying this desire not with poisoning of the heart but with true profit, should also take it upon himself to spread the "Abendschule."

The Western District of the German Evangelical Lutheran Synod of Missouri, Ohio, and other States will hold its sessions this year in the First Evangelical Lutheran St. Paul's Congregation at Chicago, from the 25th of April to the 2nd of May inclusive.

Aug. Selle, Sec'y.
Crete, Will Co., Ills., March 2, 1855.

Receipts and Thanks.

With hearty thanks to God and the kind givers, I acknowledge having received, for my support in the seminary here, the following gifts of love:
Through Pastor Föhlinger, from several friends in Fort Wayne $10.50
From Mr. Kanne $5.00
From Mr. Frosch, Allen Co., Ind. 94
Through Pastor Hüsemann, from some members of his former congregation in Lanesville, Harrisson Co., Ind. 2.00
Through Pastor Fick, from the Young Men's Society in Detroit, Mich. 4.00
From Pastor Köstering a violin.
May the faithful God richly repay it to the kind givers, according to His promise.
Fort Wayne, the 22nd of Feb. 1855.
W. Engelbert.

With hearty thanks I hereby acknowledge $3 received from Pastor Kühn in Euclied, Ohio.
Fort Wayne, the 22nd of Feb. 1855.
J. K. L. Moll.