Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 15 › Seite 115
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1855-03-13, Seite 115
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sonnen sei, einige Fürsten, welche den Frieden und die Ruhe im Reiche störten, und unter dem Scheine der Religion andere Stände unter sich zu bringen, ihre Güter an sich zu ziehen, und selbst wider kaiserliche Hoheit sich aufzulehnen gewagt hätten, und weil sie sich wider ihn rüsteten, nicht eben um der Religion willen zu überziehen, und dadurch Deutsche Nation in Fried und Einigkeit zu setzen. Dies sollten die Städte gewiß glauben, und sich weder bereden noch berichten lassen, daß der Kaiser anders gesinnt sei, als er sie hiemit bei seinen kaiserlichen Worten und Würden versichere.“ Es gelang ihm dadurch in der That nicht allein die Schweizer und mehrere Städte zu beruhigen, sondern auch sogar einige protestantische Fürsten für seinen Dienst zu gewinnen. Nur die Stadt Straßburg sandte ein männliches und tapferes Antwortschreiben an den Kaiser. Sie erinnern ihn daran, wie nicht an ihnen, sondern an den Gegnern die Schuld liege, daß man hinsichtlich der Religion noch zu keiner rechten Vereinigung gekommen. Jene beriefen sich immer auf den Papst, der Papst wolle aber alle jene gräulichen Irrthümer, über welchen nun schon seit Jahren solche Irrungen in der Kirche entstanden, mit Gewalt erhalten, und handle die Sachen dermaßen, daß man sich ja unmöglich seinem Urtheil unterwerfen könne. Man solle doch den Protestirenden nicht immer vorrücken, daß sie die Kirchengüter eingezogen, da es ja am Tage sei, daß sie sie nur zu dem Zwecke verwendeten, wozu sie ursprünglich bestimmt sein. Die Papisten gebrauchten wohl die Kirchengüter, aber wozu anders, als zu ihrer Pracht, zu deren Unterhalt sie immer mehr Pfründen zusammenbrächten; auf die Kirche hätten sie dabei so wenig Achtung, daß an vielen Orten in ihren Landen, keine Kirchendiener, und ob ihrer gleich vorhanden, doch zu keiner Sache tüchtig sein, man sehe gleich ihre Lehre oder Leben an. Wie sie Schulen versorgen, oder den Armen helfen, sei männiglich bekannt. Wo aber dennoch Jemand darin nicht nach Billigkeit gehandelt, so solle man ihn nach Reichs Brauch zu Recht fordern, dies sei keine Ursache, ganz Deutschland mit Krieg zu überziehen und zu verderben. Der Papst sei Schuld an allem, der verhetzt den Kaiser, er selbst könne ja wohl die Treue der protestirenden Stände an der mannigfachen starken Hülfe vermerken, die sie ihm in seinen Kriegen allezeit zugeführt. Sie bitten kaiserliche Majestät, als ihren allergnädigsten Kaiser und Vater des Vaterlandes um Gottes und Deutscher Nation Wohlfahrt willen, sie wollen doch solche Kriegsrüstung einstellen, und diejenigen, so dermaßen beschwerlich angegeben worden, mit Recht vornehmen nach althergebrachter Reichs Gewohnheit, da würden sie die unbillige Bezüchtigung, die ihnen begegnet, und ihren treuen Willen gegen kaiserliche Majestät vermerken. Er möge doch bedenken, welch ein verderblicher Krieg entstehen, und was großer Jammer und Elend über das arme, unschuldige Volk, Weib, Kinder, und andere dergleichen kommen werde, und nicht auf Anreitzung solcher Leute, welche nur zur Erhaltung ihrer Herrlichkeit und Gewalt ihnen unbillig feind sein, die deutsche hochberühmte Nation, die doch kaiserlicher Majestät so treulich zugethan, völlig zu Grunde richten, oder doch so schwächen, daß sie den Türken oder andern Feinden hinfort nicht möge widerstehen. Sie versprechen dann noch zuletzt, daß, wo jemand sein würde, der nach geschehener Erkenntniß über Recht und Billigkeit kaiserlicher Majestät nicht wolle gehorsam sein, sie dann dem Kaiser, als ihrer höchsten von Gott ihnen gegebenen Obrigkeit nach Vermögen helfen, und zu jeder Zeit alle Treue beweisen wollen.
Doch dergleichen treugemeinte Mahnungen waren umsonst. Das Verderben der Protestanten war beschlossen, und da der Herr nach seiner Weisheit seine Kirche zu ihrem eigenen Heil unter die Zuchtruthe ihrer Feinde für eine Zeitlang hingeben wollte, so könnten sie nun auch zur ungehinderten Ausführung ihres Vorhabens schreiten. Auch der Churfürst von der Pfalz suchte noch zu vermitteln, aber die Räthe des Kaisers, Granvella und Navius, wiederholten nur statt einer kaiserlichen Antwort die Beschuldigungen, womit man einmal die Protestirenden, oder eigentlich den Churfürst von Sachsen und den Landgraf von Hessen, zu überschütten angefangen. Wider solche Rebellen, sagten sie, bei welchen keine Besserung zu hoffen, und die lauter Gewaltthätigkeit und Tyrannei verübten, könne der Kaiser keinen andern Weg erwählen, als den sie selbst zur Gewohnheit gemacht, nemlich, daß er die Waffen ergreife, den Frieden in Deutschland damit wieder herstelle, und das Reich bei seiner Freiheit erhalte.
Am 20. Juli erfolgte unter den härtesten Aussprüchen die Acht und Aberacht über Johann Friedrich und Philippsen, die sich nannten Herzog zu Sachsen, und Landgraf von Hessen, als pflicht- und eidbrüchige Rebellen, Verletzer der kaiserlichen Majestät und Verbrecher des gemeinen Landfriedens. Mit schwerer Strafe, Ungnade, und Verwirkung Leibes und Guts wird jedermänniglich bedroht, sich der beiden geächteten Fürsten auf keinerlei Weise anzunehmen, weder heimlich noch öffentlich, und alle ihre Stände und Unterthanen von aller ihrer Pflicht und Gehorsam gegen dieselbe losgezählt. Und dies alles „mit wohlbedachtem Muth, rechtem Wissen, und kaiserlicher Machtvollkommenheit“. Wo Jemand Gewalt hat, und bösen Willen dazu, da ist die Ursache leicht gefunden, sie auch gegen Unschuldige zu gebrauchen, sollte sie auch vom Zaun gebrochen werden müssen.
Der Aufzeichnung werth ist es, daß mitten unter diesen Kriegstrubeln die kleine Stadt Leutkirch in Schwaben sich entschloß die Lutherische Religionsübung öffentlich einzuführen.
(Fortsetzung folgt.)
(Eingesandt von Pastor Röbbelen.)
Die Offenbarung St. Johannis.
Das neunte Capitel.
Fortsetzung.
V. 13. „eine Stimme aus den vier Ecken des goldenen Altars“ —: Der „goldene Altar“ weist auf den Prunk hin, der in der Kirche herrschte und dem der Glaube, das wahre Gold des Altars, wich. Daher das Geschrei, die Stimme aus den vier Ecken. Ohne Bild: Weil der Geist Christi von der Kirche weicht, so fordern die Stätten der Anbetung, die Aemter und Ordnungen der Christenheit Gottes Zorn heraus: denn „vor Gott“ ist das ungöttliche Wesen offenbar, das man am Altar treibt, so wenig Gott zu gelten scheint und „vor Gott“ ist das Seufzen verborgener Kinder Gottes die einzige Stimme, die aus dem entweihten Tempel des HErrn in den Himmel dringt, so wenig sie auch auf Erden vor heuchlerischem Geplärr gehört wird. — Hier wird die Abgötterei gerügt, die schon eingerissen war und den „Altar“ verunreinigte, da man nicht mehr allein auf Christum, sein Opfer und stellvertretendes Mitleramt baute, sondern das Spinnengewebe des Priesterstandes, Heiligendienstes und eigener Werke bewies, daß die Hausmutter schlief und die Mägde ihres Dienstes nicht warteten.
Ein allgemeines Verderben; daher die Eine Stimme, die gen Himmel um Rache schreit, daß Christus so darniederliegt und sein Verdienst geschändet wird — aus allen vier Ecken des Altars, aus aller Welt, wo Christen sind und im Geheimen seufzen.
Die Ecken sind auch so zu deuten, daß im äußerlichen Gottesdienst alle Frömmigkeit aufging und weil kein Leben in Christo darunter verborgen war nur ein Geschrei im Himmel erregte. Die Ecken zeigen dann an, daß in die goldenen Altäre und köstlichen Kirchen das geistliche Leben eingespannt war und der HErr nicht fortkonnte, wenn er eine lebendigmachende Kraft sein wollte. Auch kann man die Ecken von dem Schmutz verstehen, der in den Winkeln des Altars, d. h. im Verborgenen angehäuft war und Gottes Zorn erregte: denn der Altar ist ja die ganze Christenheit, die ein Opfer Gottes sein sollte, aber leider in den steinernen Kirchen hangen bleibt wie der Widder in der Hecke, in Kammern und Unzucht, Hader und Neid lebt und also heimlich Dreck häuft, während sie öffentlich gleißet. Sieht dann Gott drein, so erhebt sich ein Geschrei im Himmel und folgen Strafgerichte.
V. 14. „Löse auf — Euphrat“ —: Vom Euphrat war über Israel Plage gekommen. Seit langer Zeit war er schier vergessen, bis Muhameds Same dort vier Reiche verband, wie man eine Geißel zusammenflicht.
V. 15. „die bereit waren auf eine Stunde ꝛc“: Vor der Zeit kann der Teufel nicht losbrechen, er brennt aber vor Begierde, bis die Stunde kommt, die Gott ihm verstattet hat.
„Daß sie tödteten das dritte Theil der Menschen“—: Diesmal floß Blut in Strömen; doch milderte Gottes Barmherzigkeit die Strafe, daß mehr lebendig blieben als getödtet wurden.
V. 17. „feurige und gelbe und schwefelichte Panzer.“—: Verheerend war die Wuth, wie Feuer („feurige“); der Raub machte sie immer thürstiger („gelbe“— vom geraubten Golde; Reichthum und Gewalt mehrten den Muth); unreine Lüste schwebten ihnen auf ihren Raubzügen vor und sie fanden darnach, was sie suchten („schwefelichte“).
„Die Häupter der Rosse — Löwen“ —: Solchen Muth und solche Stärke, wie die Anführer der Saracenen bewiesen, hatte man lange nicht
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tended to attack certain princes who disturbed the peace and quiet in the Empire, and under the pretense of religion sought to bring other Estates under themselves, to draw their possessions to themselves, and had dared to rise up against imperial majesty, and because they were arming against him, not merely on account of religion, and thereby to set the German nation in peace and unity. This the cities should surely believe, and let themselves neither be persuaded nor informed otherwise, that the Emperor was minded differently than he herewith assured them by his imperial words and dignities." He succeeded thereby in fact, not only in pacifying the Swiss and several cities, but even in winning some Protestant princes for his service. Only the city of Strasbourg sent a manly and brave reply to the Emperor. They reminded him how the guilt lay not with them, but with their opponents, that no proper union had yet been reached in regard to religion. The latter appealed always to the Pope; the Pope, however, would maintain by force all those horrible errors over which for years such disputes had arisen in the Church, and so conduct matters that one could in no wise submit to his judgment. One should not always reproach the Protestants that they had seized the church property, since it was plain that they used it only for the purpose for which it had originally been intended. The Papists used the church property indeed, but for what else than for their pomp, for the upkeep of which they were always heaping together more prebends; they had so little regard for the Church that in many places in their lands there were no ministers of the church, and if some were present, they were fit for nothing, whether one looked at their doctrine or their life. How they provide for schools, or help the poor, was known to everyone. But if anyone had nevertheless not acted according to equity therein, he should be summoned to justice according to the custom of the Empire; this was no reason to overrun and ruin all Germany with war. The Pope was to blame for everything, he incited the Emperor; he himself could well observe the fidelity of the Protestant Estates by the manifold strong help which they had at all times brought him in his wars. They besought his imperial majesty, as their most gracious Emperor and Father of the Fatherland, for the sake of God and the welfare of the German nation, to be pleased to stop such war preparations, and to proceed lawfully, according to the long-established custom of the Empire, against those who had been so grievously accused; then they would perceive the unjust accusation which had befallen them, and their loyal will toward imperial majesty. He should consider what a ruinous war would arise, and what great misery and distress would come upon the poor, innocent people, women, children, and others of the kind, and not at the instigation of such persons, who, only to preserve their own grandeur and power, were unjustly hostile to them, utterly ruin the German nation, so highly renowned, which was so faithfully devoted to imperial majesty, or so weaken it that it could henceforth not withstand the Turks or other enemies. They promised, finally, that if anyone should be found who, after a decision rendered upon right and equity, would not be obedient to imperial majesty, they would then help the Emperor, as their highest authority given them of God, to the best of their ability, and show all fidelity at all times.
But such well-meant admonitions were in vain. The destruction of the Protestants was resolved upon, and since the Lord, according to His wisdom, was willing to give His Church up for a time, for her own good, under the rod of her enemies, they could now proceed to the unhindered execution of their design. The Elector Palatine also sought still to mediate, but the Emperor's counsellors, Granvella and Navius, repeated, instead of an imperial answer, only the accusations with which they had once begun to overwhelm the Protestants, or rather the Elector of Saxony and the Landgrave of Hesse. Against such rebels, they said, in whom no amendment was to be hoped, and who practiced mere violence and tyranny, the Emperor could choose no other way than that which they themselves had made a habit, namely, that he take up arms, restore peace in Germany therewith, and maintain the Empire in its freedom.
On the 20th of July there followed, in the harshest terms, the ban and double ban against John Frederick and Philip, who called themselves Duke of Saxony and Landgrave of Hesse, as rebels forgetful of duty and oath, violators of imperial majesty and breakers of the common public peace. With heavy punishment, disfavor, and forfeiture of body and goods, everyone was threatened not to take up the cause of the two outlawed princes in any way, neither secretly nor openly, and all their Estates and subjects were released from all their duty and obedience toward them. And all this "with well-considered mind, right knowledge, and imperial plenitude of power." Where one has power, and evil will besides, the pretext is easily found to use it also against the innocent, though it had to be broken off a fence.
It is worth recording that in the midst of these tumults of war the small town of Leutkirch in Swabia resolved to introduce publicly the Lutheran exercise of religion.
(To be continued.)
(Submitted by Pastor Röbbelen.)
The Revelation of St. John.
The Ninth Chapter.
Continuation.
V. 13. "a voice from the four horns of the golden altar" —: The "golden altar" points to the pomp which reigned in the Church, and to which faith, the true gold of the altar, gave way. Hence the cry, the voice from the four horns. Without figure: Because the Spirit of Christ departs from the Church, the places of worship, the offices and orders of Christendom provoke God's wrath: for "before God" the ungodly conduct that is practiced at the altar is manifest, however little it seems to count with God; and "before God" the sighing of hidden children of God is the only voice that penetrates from the profaned temple of the LORD into heaven, however little it is heard on earth for hypocritical clamor. — Here the idolatry is rebuked which had already crept in and defiled the "altar," since men no longer built solely upon Christ, His sacrifice and vicarious office of Mediator, but the spider's web of the priesthood, saint-worship and works of their own proved that the housewife was asleep and the maids did not attend to their service.
A general corruption; hence the One voice which cries to heaven for vengeance that Christ lies thus prostrate and His merit is dishonored — from all four horns of the altar, from all the world, where Christians are and sigh in secret.
The horns may also be so interpreted that in outward worship all piety was spent, and because no life in Christ was hidden beneath it, it only raised a cry in heaven. The horns then indicate that the spiritual life was shut up in the golden altars and costly churches, and the LORD could not go forward if He was to be a life-giving power. One may also understand the horns of the filth which was heaped up in the corners of the altar, that is, in secret, and aroused God's wrath: for the altar is indeed the whole of Christendom, which should be a sacrifice to God, but, alas, remains hanging in the stone churches like the ram in the thicket, lives in chambering and uncleanness, strife and envy, and thus secretly heaps up dung, while publicly she glitters. When God then looks in, a cry arises in heaven and judgments follow.
V. 14. "Loose ... Euphrates" —: From the Euphrates a plague had come upon Israel. For a long time it had been nearly forgotten, until Mohammed's seed there united four kingdoms, as one plaits a scourge.
V. 15. "which were prepared for an hour," etc.: Before the time the devil cannot break loose, but he burns with desire until the hour comes which God has permitted him.
"to slay the third part of men" —: This time blood flowed in streams; yet God's mercy tempered the punishment, so that more remained alive than were slain.
V. 17. "of fire, and of jacinth, and brimstone" ["feurige und gelbe und schwefelichte Panzer"; the printed verse number is blotted, apparently 17] —: Devastating was the fury, like fire ("fiery"); the plunder made them ever thirstier ("yellow" — from the plundered gold; wealth and power increased courage); unclean lusts hovered before them on their forays, and they found thereafter what they sought ("brimstone").
"the heads of the horses — lions" —: Such courage and such strength as the leaders of the Saracens showed, one had not for a long time