Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 17 › Seite 135

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1855-04-10, Seite 135

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Derselbe ist im Auftrage des Hochw. Herrn Vice-Präses P. Bünger letzten Sonntag Lätare inmitten seiner Gemeinde von dem Unterzeichneten in sein neues Amt feierlich eingeführt worden.

Unser HErr JEsus Christus verleihe in Gnaden Seinem Diener freudigen standhaften Muth und reichen Segen in seinem neuen Berufe und lasse die Freude der lieben Gemeinde an ihrem Seelsorger eine allzeit beständige sein.

Die Addresse des lieben Bruders ist:

Rev. Fr. Ottmann, Femme Osage P. O., St. Charles Co., Mo.

R. Lange.

(Eingesandt.)

Kircheinweihung und Einführung ins Amt.

Am 4. März 1855 war ein großer Festtag für die Gemeinde zu Sibiwaiing, Mich.

Seit dem traurigen Abfalle der indianischen Gemeinde in Shebahyonk war das Amt des dortigen Missionars erledigt. Traurend zog derselbe von Shebahyonk aus in seine alte frühere Wohnung zu Sibiwaiing zurück. Hier wartete seiner die treue lutherisch deutsche Gemeinde, die jetzt Gottes Willen erkannte, den, welcher sie früher nur als Filial von Shebahyonk aus bedient hatte, zu ihrem alleinigen Seelsorger zu berufen. Dies geschah; aber die Einführung des theuren Bruders Auch, der durch die Uebernahme dieses Amtes nun getröstet werden sollte, wurde verschoben, weil die Gemeinde erst den angefangenen Kirchbau vollenden wollte. Erst am 3. März d. J. wurde die Kirche fertig. Der Unterzeichnete nebst dem Pastor Cloeter waren Tags zuvor auf der herrlichen Eis- und Schneebahn der Saginaw-Bay eingetroffen, um die ihnen übertragene Einführung des lieben Bruders Auch und die Einweihung des trefflich gelegenen und niedlich eingerichteten Blockkirchleins zu vollziehen.

Nachdem am Sonntag Morgen die Beichte im alten Missions- und Schullokale gehalten worden war, setzte sich der Zug der Kirchgänger nach der ¼ Meile von da entfernten Kirche in Bewegung; vor dem Eingange stand die Versammlung still und sang den ersten Vers des Liedes: „Nun danket alle Gott“ und zog darauf in die geöffnete Thür ein, wo ein vielstimmiger Chor die beiden andern Verse desselben Liedes sang.

Der Pastor Auch sprach sodann das Einweihungsgebet und verrichtete den Altardienst, während der Unterzeichnete aus Ev. Luc. 19, 1—10; die Morgenpredigt und der Pastor Cloeter aus Off. Joh. 21, 1—5, die Nachmittagspredigt hielt. Am Schlusse des Morgengottesdienstes wurde das heil. Abendmahl gefeiert. Der HErr wolle gnädig verleihen, daß die Arbeit des lieben Bruders Auch an seiner jetzigen deutschen Gemeinde mit reichem Segen gekrönt werde und daß auch in Sibiwaiing Viele hinzugethan werden zu der Gemeinde der Erstgebornen, die da heilig ist durch das Blut des Lammes.

Frankenlust, den 14. März 1855.

Ferdinand Sievers, Past.

Heinz von Lüder.

Während Philipp, Landgraf von Hessen, gefangen saß, überschwemmte feindliches Kriegsvolk seine Länder. Auch wurden die Festungen geschleift außer Ziegenhain, denn darin lag der ehrbare Hauptmann Heinz von Lüder und hielt es seinem Herrn mit fester Treue. Als nun Landgraf Philipp erledigt wurde, befahl ihm der Kaiser, wenn er nach Hessen gekommen, diesen Mann, der ihm so trotzig gewesen, am Thore zu Ziegenhain in Ketten aufhängen zu lassen. Es war auch ein Gesandter des Kaisers mitgegeben, welcher als Augenzeuge der Hinrichtung beiwohnen sollte. Da nun Philipp nach Ziegenhain gekommen, versammelte er den Hof und die Ritterschaft, nahm eine güldene Kette, ließ seinen treuen Hauptmann an einer Wand zum Scheine aufhängen, ohne ihm wehe zu thun, gleich wieder abnehmen und schenkte ihm die güldene Kette unter großen Lobsprüchen. Der kaiserliche Abgesandte protestierte, Philipp aber sagte standhaft, sein Versprechen, ihn aufhängen zu lassen, habe er gehalten, und nichts werde ihn bewegen, anders als so zu thun.

Dieser Heinz von Lüder hatte auch zur Aufrichtung des Hospitals Hainn vor andern so treulich gerathen, hat Alles in gute Ordnung gebracht, weder Fleiß, Mühe, Gefahr noch etwas jemals gesparet, sondern als ein treuer christlicher Vorsteher und Patron der Armen bis in die 30 Jahre mit höchstem Ernst über genanntes Haus allewege gehalten. Gott wolle dergleichen Leute mehr erwecken und geben, welche sich der Armen also von Herzen annehmen.

Diesen Mann rechnet Melanchthon zu denjenigen, welche das Evangelium wirklich verstehen und erzählt von ihm folgendes: Ich war zu Frankfurt bei einer Zusammenkunft mehrerer von Adel, darunter war Heinz von Lüder (Lütter), ein ernster und hervorstechender Mann, welcher jetzt Hauptmann des Landgrafen in Hessen ist. Da fingen die Andern unter sich an zu schwatzen von theologischen Dingen. Er aber ward darüber unwillig, setzte sie ernsthaft zurecht und sagte: Warum denn treibt ihr also ein Spiel in göttlichen Dingen, ihr alle, sehe ich, versteht ganz und gar nichts von so ernsten Angelegenheiten. Sehet, ich glaubte auch, ich wäre weise und verstünde etwas, aber ich verstand nichts von diesen theologischen Materien. Erst als ich neulich krank wurde, da habe ich zuerst angefangen von jenen Fragen etwas zu lernen. — Die Anfechtung also erkannte er für seine Lehrerin, welche ihn auf's Wort merken und dasselbe verstehen gelehrt habe.

Vertriebener Prediger Tröstung.

Als Kaiser Karl V. die Prediger zu Augsburg vertrieben hatte, weil sie in's Interim nicht willigen wollten, ließ der gefangene Kurfürst von Sachsen, Johann Friedrich, sie vor sich fordern, gab ihnen eine Steuer, und da er hörte, es wäre ihnen das ganze römische Reich verboten, darin sich nicht finden zu lassen, wandte er sich an's Fenster und weinete bitterlich. Endlich fragte er: Hat euch denn auch der Kaiser den Himmel verboten? Da sie nun nein sagten, sprach er fröhlich: Ei so seid getrost, es hat keine Noth, Gott wird euch wol ein Oertlein bescheeren zu euer Erhaltung hier, und wird euch dort den Himmel geben. Gedenket an Christi Wort: In meines Vaters-Hause sind viele Wohnungen, ich gehe hin, euch die Städte zu bereiten und will wieder kommen und euch zu mir holen. Der Himmel ist das beste Erbgut, den kann uns Pabst und Kaiser nicht nehmen, wenn sie uns gleich sonst alles nehmen.

Vater und Sohn.

Justus Jonas wurde im Jahre 1541 Pfarrer- und Superintendent zu Halle. Als Karl V. Halle besetzt hatte, erhielt Jonas einen spanischen Hauptmann in's Quartier, welcher heimlich den Befehl hatte, den Pfarrer zu ermorden. Als nun Jonas diesem Hauptmann freundlich entgegen kam, sagte dieser zu ihm: Herr Doctor, ich kann euch nicht bergen, daß ich Befehl habe, euch umzubringen; ich sehe aber, daß ihr ein so frommer ehrlicher Mann seid, daß ich euch unmöglich Leid zufügen kann. 1553 wurde er Superintendent zu Eisleben, wo er 1555 selig starb.

Im Jahre 1567, d. 28. Juni ward dieses frommen Mannes Sohn, Dr. Christophorus Jonas, ein Jurist, zu Kopenhagen, wegen Betheiligung an den Grumbachschen Händeln, öffentlich enthauptet: Kurz vor seinem Tode sagte er:

Was hilft's, daß du hast viel studiert,
Und thust nicht so wie sich's gebürt.

Man sagt aber, die göttliche Gerechtigkeit habe gedachten Christoph Jonas sonderlich zur Strafe zugezogen, darum daß er in seinen jungen Jahren seinen vortrefflichen Vater, Dr. Justus Jonas, übel traktieret; sich gar ungehorsam gegen ihn erzeiget und vielfältig betrübet habe. Nicht immer bleibt die Strafe aus.

Bekanntmachung.

Der Unterzeichnete thut hiemit allen Gemeinden der evangelisch-lutherischen Synode von Missouri kund, daß leider der Herr Pastor Hoyer in Philadelphia die auf ihn gefallene einstimmige Wahl zum Director des Gymnasiums zu St. Louis definitiv abgelehnt hat und daß mithin jetzt von dem allgemeinen Präses unserer Synode, dem Herrn Pastor Wynecken, eine neue Wahl angeordnet ist.

Je schwieriger es jetzt wieder für uns sein wird, den geeigneten Mann zu dem obigen Posten entweder aus dem alten Vaterlande oder aus unserem eignen hiesigen Kreise zu treffen, desto gewisser sind wir, daß der HErr sich unserer Noth erbarmen und unsere Augen auf den rechten Mann lenken werde. Daher, lieben Brüder, wollet betende Hände zum Vater aller Barmherzigkeit emporheben, daß Er Selbst bald unser Helfer auch aus dieser Noth sein wolle. Alle Glieder des Wahlcollegiums, welche ihre Stimmen zur Wahl der drei Candidaten noch nicht eingesandt haben, wollen solches baldigst thun.

Frankenlust P. O. Mich., den 12. März 1855.

Ferdinand Sievers,

Secretair des Wahlcollegiums pro Tempore.

Ein Rechenbüchlein,

und zwar eine einfache, gut geordnete Aufgabensammlung zur Uebung und Selbstbeschäftigung der Schüler, ist in den Schulen unseres Synodalverbandes und anderwärts schon längst ein dringendes, doch bisher meist noch ungestilltes Bedürfniß gewesen. Dem theilweise abzuhelfen, hat der Unterzeichnete in Folge einer Berathung mit

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He was installed in his new office, by commission of the Reverend Vice-President P. Bünger, last Sunday Laetare, in the midst of his congregation, by the undersigned.

May our LORD JESUS Christ graciously grant His servant joyful, steadfast courage and rich blessing in his new calling, and let the joy of the dear congregation in their pastor be an ever constant one.

The address of the dear brother is:

Rev. Fr. Ottmann, Femme Osage P. O., St. Charles Co., Mo.

R. Lange.

(Contributed.)

Church Dedication and Installation into Office.

On the 4th of March 1855 there was a great feast day for the congregation at Sibiwaiing, Mich.

Since the sad apostasy of the Indian congregation at Shebahyonk the office of the missionary there had been vacant. Sorrowing, he moved from Shebahyonk back into his old former dwelling at Sibiwaiing. Here the faithful Lutheran German congregation awaited him, which now recognized God's will, to call as its sole pastor him who had formerly served it only as a filial from Shebahyonk. This was done; but the installation of the dear brother Auch, who was now to be comforted by the assumption of this office, was postponed, because the congregation first wished to finish the church building it had begun. Only on the 3rd of March of this year was the church finished. The undersigned, together with Pastor Cloeter, had arrived the day before upon the glorious ice and snow road of Saginaw Bay, in order to perform the installation of the dear brother Auch entrusted to them and the dedication of the excellently situated and neatly furnished little log church.

After the confession had been held on Sunday morning in the old mission and school room, the procession of church-goers set out toward the church, a quarter of a mile distant from there; before the entrance the assembly stood still and sang the first verse of the hymn: "Now thank we all our God," and then moved into the opened door, where a many-voiced choir sang the two other verses of the same hymn.

Pastor Auch then spoke the prayer of dedication and performed the altar service, while the undersigned delivered the morning sermon on the Gospel of Luke 19, 1—10; and Pastor Cloeter the afternoon sermon on Rev. of John 21, 1—5. At the close of the morning service the holy Lord's Supper was celebrated. May the LORD graciously grant that the labor of the dear brother Auch in his present German congregation be crowned with rich blessing, and that also in Sibiwaiing many be added to the church of the firstborn, which is holy through the blood of the Lamb.

Frankenlust, the 14th of March 1855.

Ferdinand Sievers, Past.

Heinz von Lüder.

While Philip, Landgrave of Hesse, sat captive, hostile troops overran his lands. The fortresses also were razed, except Ziegenhain, for there lay the honorable captain Heinz von Lüder, who held it for his lord with firm fidelity. When now Landgrave Philip was released, the Emperor commanded him, when he had come to Hesse, to have this man, who had been so defiant toward him, hanged in chains at the gate of Ziegenhain. An envoy of the Emperor was also sent along, who was to be present at the execution as an eyewitness. When now Philip had come to Ziegenhain, he assembled the court and the knighthood, took a golden chain, had his faithful captain hanged up against a wall for show, without hurting him, taken down again at once, and presented him with the golden chain amid great praises. The imperial envoy protested, but Philip said steadfastly that he had kept his promise to have him hanged, and that nothing would move him to do otherwise than so.

This Heinz von Lüder had also counseled so faithfully, beyond others, toward the founding of the hospital at Haina, brought everything into good order, spared neither diligence, toil, danger, nor anything ever, but as a faithful Christian overseer and patron of the poor held for as much as 30 years with the highest earnestness over the said house at all times. May God raise up and give more such people, who thus take the poor to heart.

Melanchthon counts this man among those who truly understand the Gospel and relates the following of him: I was at Frankfurt at a gathering of several of the nobility; among them was Heinz von Lüder (Lütter), a serious and distinguished man, who is now captain of the Landgrave in Hesse. Then the others began among themselves to chatter about theological things. But he became indignant over it, set them gravely right, and said: Why then do you all make such a game of divine things; all of you, I see, understand nothing whatever of such serious matters. Behold, I too believed I was wise and understood something, but I understood nothing of these theological matters. Only when I recently fell sick did I first begin to learn something of those questions. — Affliction, then, he recognized as his teacher, who had taught him to mark the Word and to understand it.

The Consolation of Banished Preachers.

When Emperor Charles V had banished the preachers at Augsburg because they would not consent to the Interim, the imprisoned Elector of Saxony, John Frederick, had them summoned before him, gave them a contribution, and when he heard that the whole Roman Empire was forbidden them, not to let themselves be found in it, he turned to the window and wept bitterly. At last he asked: Has the Emperor then forbidden you heaven also? When they now said no, he said joyfully: Well then, be comforted, there is no need; God will surely provide you a little place for your maintenance here, and will give you heaven there. Remember Christ's word: In my Father's house are many mansions; I go to prepare a place for you, and I will come again and receive you unto myself. Heaven is the best inheritance; Pope and Emperor cannot take that from us, though they take everything else from us.

Father and Son.

Justus Jonas became in the year 1541 pastor and superintendent at Halle. When Charles V had occupied Halle, Jonas received a Spanish captain into his quarters, who secretly had the command to murder the pastor. When now Jonas came to meet this captain kindly, he said to him: Herr Doctor, I cannot conceal from you that I have orders to put you to death; but I see that you are so pious and honest a man that I cannot possibly do you harm. In 1553 he became superintendent at Eisleben, where he died blessedly in 1555.

In the year 1567, on the 28th of June, this pious man's son, Dr. Christophorus Jonas, a jurist, was publicly beheaded at Copenhagen for his participation in the Grumbach affairs: Shortly before his death he said:

What helps it that you have studied much,
And do not act as is becoming?

But it is said that divine justice drew the said Christoph Jonas into punishment in a special manner because in his young years he had treated his excellent father, Dr. Justus Jonas, ill, had shown himself quite disobedient toward him, and had grieved him many times. The punishment does not always fail to come.

Notice.

The undersigned hereby makes known to all congregations of the Evangelical Lutheran Synod of Missouri that, unfortunately, Pastor Hoyer in Philadelphia has definitively declined the unanimous election that fell upon him as director of the gymnasium at St. Louis, and that therefore a new election has now been ordered by the general President of our Synod, Pastor Wynecken.

The more difficult it will now again be for us to find the suitable man for the above post, either from the old fatherland or from our own circle here, the more certain are we that the LORD will have mercy on our distress and turn our eyes upon the right man. Therefore, dear brethren, be pleased to lift up praying hands to the Father of all mercies, that He Himself may soon be our Helper also out of this distress. All members of the electoral college who have not yet sent in their votes for the election of the three candidates are asked to do so as soon as possible.

Frankenlust P. O. Mich., the 12th of March 1855.

Ferdinand Sievers,

Secretary of the Electoral College pro tempore.

A Little Arithmetic Book,

and indeed a simple, well-ordered collection of problems for the practice and self-employment of the pupils, has long been a pressing, yet hitherto for the most part unsatisfied need in the schools of our Synodical body and elsewhere. To remedy this in part, the undersigned, in consequence of a consultation with