Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 17 › Seite 129
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1855-04-10, Seite 129
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription AI-corrected against the scan
Der Lutheraner.
„Gottes Wort und Luthers Lehr’ vergehet nun und nimmermehr.“
Offenb. Joh. Cap. 14, v. 6. 7.
Herausgegeben von der Deutschen Ev. Luther. Synode von Missouri, Ohio und andern Staaten.
Redigirt von C. F. W. Walther.
Jahrg. 11. St. Louis, Mo., den 10. April 1855. No. 17.
Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subscriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterschreiber, welche denselben vorausbezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft.
Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, sind an den Redakteur, alle andern aber, welche Geschäftliches, Bestellungen, Abbestellungen, Gelder ꝛc. enthalten, unter der Addresse: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu senden.
(Eingesandt von Past. Wyneken.)
Die Noth der Lutherischen Kirche
seit dem
Tode Luthers, und ihre Errettung daraus durch den am 25. Sept. 1555 geschlossenen
Religionsfrieden zu Augsburg.
Ein geschichtlicher Beitrag zur diesjährigen Feier des Friedensjubelfestes am nächstkommenden 25. September.
Fortsetzung.
Der Schmalkaldische Krieg.
Nachdem der Kaiser auf dem Reichstag seinen Entschluß kund gethan, die Bundeshäupter zu überziehen, schrieb der Churfürst an seine Gesandten, er habe diesen Haß und diese Verfolgung nicht verdient; die rechte und eigentliche Ursache sei keine andere, als die Religion, er befehle aber den Ausgang Gott, der auch diese Sache ohne Zweifel zu seiner Ehre und zu seines Namens Ruhm hinausführen werde. Durch Gottes Gnade gedenke er bei seinem Worte und der einmal erkannten Wahrheit bis zur Gruben zu bleiben, und darüber Leib und Leben und alles Vermögen zu lassen. Er befahl ihnen dann, den Reichstag heimlich zu verlassen. Der Landgraf schrieb an den Churfürsten, er habe schon längst besorgt, daß es so kommen würde, man habe zu lange geschlafen. Das mochte wahr sein, indessen wenn die Papisten auf diesen Schlaf gerechnet hatten, so hatten sie sich betrogen. Er war bei dem ersten Ruf der Gefahr schnell abgeschüttelt. Alles regte sich, und der Eifer für das köstliche Kleinod der Gewissensfreiheit, Leib und Leben daran zu wagen, war so groß, daß die Verbündeten in überraschender Schnelligkeit ein bedeutendes wohlgerüstetes Heer auf den Beinen hatten, und an der Donau im Felde standen, als der Kaiser fast wehrlos noch in Regensburg war.
Und dazu mußte diesmal der heilige Vater zu Rom selbst das Beste thun. Den guten Papst mochte es verdrießen, daß der Kaiser bei seiner Erklärung gegen die Fürsten den eigentlichen Zweck des Krieges verschwiegen hatte. Seine lieben Getreuen sollten es wissen, daß er ihm und seiner Blutgier zu Ehren geführt werde. Sie sollte erkennen, daß er’s sich diesmal nicht wenig wolle kosten lassen, seine Aufgabe zu erfüllen, im Dienst seines Meisters das Blut der Heiligen zu vergießen. Er fürchtete auch wohl zugleich, daß sein Sohn Karl, der schon oft sein Spiel mit ihm getrieben, auch diesmal nach etwa erhaltenem Siege, ihn täuschen, die Protestanten glimpflich behandeln, und sie dazu gebrauchen möchte, ihn in Schach zu halten, bei seinen ehrgeizigen Plänen. Um das Band des Vertrauens zwischen dem Kaiser und den Protestantischen Ständen für immer zu zerreißen, veröffentlichte er also das Bündniß, welches der Kaiser mit ihm gemacht zur Ausrottung der Ketzer. Er schickte gleich nach Abschluß desselben eine Abschrift davon an die Schweitzer, mit der ausdrücklichen Bemerkung: „daß der Papst und der Kaiser die Autorität des Tridentiner Concilii, den heiligen christlichen Glauben und die Einigkeit desselben mit dem Schwert und gewaffneter Hand wider die Ketzer zu retten und zu schützen sich vereinigt und verbunden hätten.“
Ja, er schickte auch zugleich eine besondere Ablaßbulle an alle Lande, um den heiligen Kreuzzug zur Ausrottung der Ketzereien in Deutschland aller Orten bekannt zu machen. Er rühmte darin seine große Sorgfalt, den Weinberg des Herrn zu reinigen, und das Unkraut, so die Ketzer in Deutschland gesäet, auszurotten; er habe allen Fleiß angewandt, meint er, den irrigen Söhnen durch gelinde Arznei zur Gesundheit zu helfen, und da diese nicht habe anschlagen wollen, ein allgemeines Concilium berufen. Allein die Ketzer hätten aus teuflischer Hartnäckigkeit das Concilium also verachtet, daß sie nicht allein selbst ihm keine Folge leisten wollen, sondern sich auch unterstanden, andere davon abzuwenden. Da er nun an dieser Leute Besserung verzweifelt, und gesehen, daß sie verstockte Feinde der Kirche Gottes sein, habe sein liebster Sohn, der römische Kaiser sich entschlossen, gegen diese Ungehorsamen und Feinde Gottes das Schwert zu gebrauchen. Solchen fürtrefflichen Eifer wolle denn Er, der Papst auch zum Schutz der Religion mit allem Vermögen der römischen Kirche befördern. Er fordert dann noch seine Gläubigen auf, solch heilig Unternehmen durch Gebet, Almosengeben, und dreimaliges Fasten in der Woche zu unterstützen, dagegen er zur himmlischen Belohnung auf die Macht des Allmächtigen Gottes und der Apostel Petri und Pauli den allervollkommensten Ablaß und Vergebung aller Sünden allen und jeden verleiht, die dieser Aufforderung nachkommen, und mit Gebet zur Ausrottung der Ketzerei anhalten würden.
So wußte nun die Welt, was die Versicherung des Kaisers werth sei, daß dieser Krieg nichts mit
English translation AI translation
Der Lutheraner.
"God's Word and Luther's doctrine pure shall to eternity endure."
Revelation of John, Chap. 14, v. 6, 7.
Published by the German Ev. Luth. Synod of Missouri, Ohio and other States.
Edited by C. F. W. Walther.
Volume 11. St. Louis, Mo., April 10, 1855. No. 17.
Terms: Der Lutheraner appears once every two weeks at the yearly subscription price of One Dollar for out-of-town subscribers, who pay for it in advance and bear the postage. — In St. Louis each single number is sold for 5 cents.
Only those letters which contain communications for the paper are to be addressed to the editor; all others, however, which contain business matters, orders, cancellations, money, etc., are to be sent hither under the address: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo.
(Submitted by Pastor Wyneken.)
The Distress of the Lutheran Church
since the Death of Luther, and its Deliverance therefrom through the Religious Peace concluded at Augsburg on the 25th of September, 1555.
A historical contribution to this year's celebration of the Peace Jubilee on the coming 25th of September.
Continuation.
The Smalcaldic War.
After the Emperor at the Diet had made known his resolve to attack the heads of the League, the Elector wrote to his envoys that he had not deserved this hatred and persecution; the true and proper cause was none other than religion, but he committed the issue to God, who without doubt would bring this cause also to a conclusion to His own honor and the glory of His name. By God's grace he intended to abide by His Word and the truth once recognized unto the grave, and to lose for it body and life and all his possessions. He then commanded them to leave the Diet secretly. The Landgrave wrote to the Elector that he had long since feared it would come to this, that they had slept too long. That might be true; yet if the papists had reckoned on this sleep, they had deceived themselves. He was shaken off quickly at the first cry of danger. Everything stirred, and the zeal to venture body and life for the precious jewel of liberty of conscience was so great that the allies in astonishing swiftness had a considerable, well-equipped army on foot, and stood in the field on the Danube, while the Emperor was still almost defenseless at Regensburg.
And to this end the holy Father at Rome himself had to do his best this time. The good Pope was probably vexed that the Emperor in his declaration against the princes had concealed the real purpose of the war. His dear faithful ones were to know that it was being waged in his honor and to gratify his bloodthirstiness. She was to recognize that he was not minded this time to spare any cost in fulfilling his task, to shed in the service of his Master the blood of the saints. He also feared, besides, that his son Charles, who had often played his game with him, would this time too, after a victory perhaps obtained, deceive him, treat the Protestants leniently, and use them to hold him in check in his ambitious designs. In order, therefore, to tear forever the bond of trust between the Emperor and the Protestant Estates, he made public the alliance which the Emperor had made with him for the extermination of the heretics. Immediately after its conclusion he sent a copy of it to the Swiss, with the express remark: "that the Pope and the Emperor had united and bound themselves to save and protect, with the sword and armed hand against the heretics, the authority of the Council of Trent, the holy Christian faith and the unity thereof."
Yes, he also sent at the same time a special bull of indulgence to all lands, to make known the holy crusade for the extermination of the heresies in Germany in all places. He boasted therein of his great care to purge the vineyard of the Lord and to root out the tares which the heretics had sown in Germany; he had applied all diligence, he says, to help the erring sons to health by gentle medicine, and when this would not take effect, had called a general Council. But the heretics, out of devilish obstinacy, had so despised the Council that they not only would not themselves obey it, but had also presumed to turn others away from it. Since he now despaired of the amendment of these people, and had seen that they were hardened enemies of the Church of God, his dearest son, the Roman Emperor, had resolved to use the sword against these disobedient ones and enemies of God. Such excellent zeal he, the Pope, would likewise promote for the protection of religion with all the means of the Roman Church. He then further exhorts his faithful to support such a holy undertaking by prayer, almsgiving, and fasting three times a week, whereas he, as a heavenly reward, by the power of Almighty God and of the Apostles Peter and Paul, grants the most perfect indulgence and forgiveness of all sins to each and every one who comply with this exhortation and persist in prayer for the extermination of heresy.
So now the world knew what the Emperor's assurance was worth, that this war had nothing to do with