Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 17 › Seite 131
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1855-04-10, Seite 131
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Unterrichtsfächer 2
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ihren Pathen an ihrer Statt mit Ja beantwortet werden. Sie bekennen, daß Sie trotz vielen Nachdenkens noch nie zur völligen Klarheit haben kommen können, auch in den alten Schriften unserer Väter, die Sie nachgelesen haben, nirgends einen befriedigenden Aufschluß gefunden haben. Sie klagen, daß diese Unklarheit bei jeder Taufhandlung, der Sie als Pathe beizuwohnen hatten, Ihnen je länger desto drückender geworden und Ihnen den Liebesdienst eines christlichen Pathen um ein gutes Theil verkümmert hat. Gern willfahre ich Ihrem Wunsche und da ich vermuthe, daß viele lutherische Christen an derselben Unklarheit leiden, so will ich allen solchen zum Dienst meine Antwort durch den „Lutheraner“ zukommen lassen.
Sie fragen 1., ob die erwähnten Fragen ein wesentliches Stück der Taufhandlung seien. Darauf antwortete ich ohne Bedenken: Nein. So ehrwürdig, so zweckmäßig sie auch sein mögen, so gehören sie doch nicht zu den unerläßlich nöthigen Bestandtheilen einer rechten Taufe, sondern sind nur eine menschliche Ceremonie, mit welcher man die Taufe geschmückt hat. Weder Christus noch die Apostel haben diese Fragen vorgeschrieben; wie wir denn auch eine Nothtaufe, bei welcher der Kürze halber diese Fragen zuweilen weggelassen werden müssen, für eine rechte Taufe halten. Zwischen dem Wesentlichen und Unwesentlichen, zwischen dem, was göttliche Stiftung und menschliche Zuthat ist, müssen wir sorgfältig unterscheiden, wenn wir anders ein evangelisches, freies Gewissen uns bewahren wollen.
Sie fragen ferner, ob diese Fragen nicht, streng genommen, blos bei der Taufe von Erwachsenen gethan werden sollten, und ob es nicht etwas Unbequemes und Unnatürliches sei, Kindlein Fragen über ihren Glauben vorzulegen, die sie nicht mit eignem Munde beantworten können. Ich gebe Ihnen gern zu, daß obige Fragen ursprünglich für die Taufe von Erwachsenen berechnet sind. Wenn in der frühesten Zeit der Christenheit, wie natürlich, zunächst Erwachsene, die zuvor im christlichen Glauben unterrichtet waren, getauft wurden, so erforderte es allerdings die Heiligkeit des Sacraments, sie um ihren Glauben zu befragen, damit man es keinem offenbar Ungläubigen ertheile und die Perle vor die Säue werfe. Dessen haben wir ein Vorbild an Philippus, welcher den Kämmerer, der ihn um die Taufe bat, zuvor fragte: „Glaubst du von ganzem Herzen, so mag’s wohl sein.“ Worauf letzterer antwortete: „Ich glaube, daß Jesus Christus Gottes Sohn ist.“ Dann aber wurden diese Fragen auch auf die Taufe der Kinder übertragen, zum Zeugniß, daß die Taufe der Erwachsenen und der Kinder ein und dieselbe Taufe sei. Ob diese Uebertragung eine der Natur des Kindes angemessene sei oder nicht, darüber will ich mich erklären, wenn ich Ihnen zuvor Ihre zwei folgenden Fragen beantwortet habe.
Sie fragen nemlich 3., ob Sie die Fragen sich denken sollen als Forderung eines stellvertretenden Glaubens der Kirche, welche durch die Pathen repräsentirt werde und in deren Schoß der Täufling aufgenommen werden soll. Ich antworte: von einem stellvertretenden Glauben der Kirche weiß die heilige Schrift und demnach auch die lutherische Kirche nichts. Dieß ist eine Meinung, die wir der römischen Kirche überlassen und mag sie sich bei einigen Lutheranern eingeschlichen haben, so beweiset diese Thatsache eben nur, daß es auch romanisirende Lutheraner gibt. Kein Mensch, auch selbst nicht die ganze Kirche kann für einen andern Menschen glauben. Ein jeder muß seines eignen Glaubens leben. Auch ein Kind muß, soll es selig werden, eignen Glauben haben, der Glaube der Kirche kann den Mangel eignen Glaubens nimmermehr ersetzen. Wohl kann die Kirche durch ihren Glauben dem Kinde zu eignem Glauben helfen, indem sie Gott für das Kind um Glauben bittet; wohl mag sie im Glauben das Kind zu Christo bringen und ihn bitten, daß ers aufnehme und segne, aber nie kann sie stellvertretend für das Kind glauben. Diese Deutung ist also ganz unzulässig und steht im geraden Widerspruche mit unserer Lehre vom Glauben.
Oder aber, fragen Sie, soll ich mir die Fragen denken, als Forderung eines Versprechens des Kindes, in reiferem Alter glauben zu wollen, oder als eine Verpflichtung des Kindes zu einem künftigen Glauben?
Ihre Frage gibt der Vermuthung Raum, daß Sie in einem bedeutenden Irrthume stehen. Sie scheinen dem zu taufenden Kinde den Glauben abzusprechen, indem sie ihn auf künftige Zeiten, ins reifere Alter verweisen. Ist das Ihre Meinung, dann wundert michs allerdings nicht, daß Ihnen die bewußten Fragen ein so dunkles Räthsel sind. Könnte ich Sie überzeugen, daß ein Kind bei seiner Taufe wirklich Glauben hat, dann würde Ihre Unklarheit alsbald von selbst schwinden. Würde ich Ihnen bemerken, daß die Behauptung, ein Kind könne nicht glauben, gerade der Grundpfeiler der Wiedertäufer ist, auf dem ihre ganze Ketzerei beruhet, Sie würden darüber erschrecken. Es kommt mir nicht im entferntesten bei, Sie einer wiedertäuferischen Ketzerei zu beschuldigen; aber so geht es, oft hängt den redlichsten Christen unbewußt ein Stücklein Sauerteigs an, welches sie noch auszufegen haben. Einem Kinde den Glauben absprechen, kann nur derjenige, welcher entweder die Allmacht oder Gnade Gottes oder die Bestimmung des Kindes zum ewigen Leben oder die Erbsünde zu leugnen, sich erkühnet. Wenn freilich der Glaube ein Werk der eignen Vernunft und Kraft des Menschen wäre, dann könnte ein Kind so wenig glauben, als ein Erwachsener; da aber der Glaube ein göttliches Werk ist, weit über alle menschliche Vernunft erhaben, wer will es dem Geiste Gottes wehren, auch in den Kindern sein Gnadenwerk zu haben? War Johannes, der Täufer, bereits im Mutterleibe mit dem heiligen Geiste erfüllt, warum sollte derselbe heilige Geist nicht auch in andern Christenkindern sein Werk haben, welche ihm noch nicht, wie bei Erwachsenen oft geschieht, muthwillig widerstreben? Oder dürfen wir an dem gnädigen Willen Gottes, den Kindlein den Glauben zu schenken, zweifeln, der ja will, daß allen Menschen geholfen werde? Oder sind Kinder schon von Natur geschickt, ins Reich Gottes einzugehen? Sind sie nicht auch Sünder, Fleisch von Fleisch geboren? Oder gibt es für Kinder einen andern Weg zur Seligkeit, als den Glauben an Jesum Christum? Es ist wahr, Gott hat die Predigt seines Wortes zum ordentlichen Mittel des Glaubens verordnet. Allein so ernstlich Gott uns an dieses Mittel gebunden hat, so ist doch er nicht daran gebunden und mag auch ohne dieses Mittel den Glauben in den zu taufenden Kindlein schaffen, zumal da sie der Fürbitte der ganzen Christenheit genießen, welche ohne Unterlaß im Vater unser wie für die Großen, so für die Kleinen bittet: Dein Reich komme, Dein Wille geschehe. Oder wer mag den Kindlein die allgemeine Fähigkeit, zum Glauben gebracht zu werden, abzusprechen sich erkühnen? Es wäre ja erschrecklich, die Kindlein den vernunftlosen Creaturen, den Steinen und Pflanzen und Thieren gleichzustellen, welche allerdings von Gott nicht zu Gefäßen des heiligen Geistes geschaffen sind. Wir müssen ja zugeben, daß auch Kindlein die wesentlichen Stücke eines wahrhaftigen, zum ewigen Leben geschaffenen und bestimmten Menschen besitzen, wenn gleich, wie die Glieder und Kräfte ihres Leibes, so auch die Kräfte ihrer vernünftigen Seele in einem noch unentwickelten Zustande sich befinden. Sind Sie, geliebter Freund, aus diesen nur kurzen Andeutungen überzeugt, daß ein Kind durch Gottes Macht wohl glauben kann, daß es auch glauben muß, wenn ihm anders die heilige Taufe zur Seligkeit gereichen soll nach dem Worte des Herrn: wer da glaubet und getauft wird, der wird selig; so wird Ihnen von selbst das Versprechen künftig hin bei reiferem Alter glauben zu wollen oder die Verpflichtung zum Glauben als ganz ungenügend erscheinen. Eine solche Deutung würde auch mit dem Sinne unserer Frage in offenbarem Widerspruch stehen; denn das Kind wird nicht gefragt: willst du glauben! sondern glaubst du?
Habe ich Ihnen nun in dem Bisherigen das Unhaltbare Ihrer Versuche, Sich durch eine bequeme Deutung mit jenen Fragen auszusöhnen, nachgewiesen, lassen Sie Sich deßhalb nicht bange sein, als sei eine richtige, der Analogie des Glaubens gemäße Deutung ganz unmöglich. Hören Sie endlich noch, wie ich diese Fragen mit ihren Antworten betrachte. Ich betrachte sie als eine symbolische Handlung, gleich dem Exorcismus, mit welcher wir unsere feste Ueberzeugung ausdrücken, daß allerdings des Kindes eigner Glaube erforderlich sei, wenn es durch die Taufe selig werden soll; ich betrachte sie als eine feierliche Protestation gegen den papistischen Irrthum von einem opus operatum, d. h. gegen den Irrthum, daß das Sakrament auch ohne den Glauben des Empfängers selig mache. Nicht allein aber das, sondern wir drücken durch diese symbolische Handlung auch unsere gute Zuversicht aus, daß der gnädige Gott unsere und der ganzen Christenheit Fürbitte erhöret und dem Kindlein den seligmachenden Glauben geschenkt habe, wenn wir gleich die Natur dieses Kinderglaubens nicht begreifen können, ebenso wenig wie den der Erwachsenen. Dürfen wir aber auf die Frage: glaubst du? in die Seele des Kindes ein zuversichtliches Ja antworten, so sind wir auch gewiß, daß der Teufel keine Gewalt mehr über das Kind habe und daß es durch seinen Glauben aus dem Reiche des Teufels in das gnädige Reich Christi unsers Herrn getreten sei, und so hat auch die Frage: entsagest
English translation AI translation
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their sponsors in their stead with Yes. You confess that, despite much reflection, you have never been able to come to full clearness, and that even in the old writings of our fathers, which you have read over, you have nowhere found a satisfying explanation. You complain that this unclearness has become the more oppressive to you at every baptism at which you had to be present as sponsor, and has embittered to you the loving service of a Christian sponsor for a good part. Gladly do I comply with your wish, and since I presume that many Lutheran Christians suffer from the same unclearness, I will let my answer come to all such, for their service, through the "Lutheraner."
You ask, 1st, whether the questions mentioned are an essential part of the baptismal act. To this I answer without hesitation: No. However venerable, however fitting they may be, they yet do not belong to the indispensably necessary constituents of a right baptism, but are only a human ceremony with which baptism has been adorned. Neither Christ nor the Apostles prescribed these questions; just as we also hold an emergency baptism, in which for brevity's sake these questions must sometimes be omitted, to be a right baptism. Between the essential and the non-essential, between what is divine institution and what is human addition, we must carefully distinguish, if we would preserve for ourselves an evangelical, free conscience.
You ask further whether these questions, strictly speaking, ought not to be put only at the baptism of adults, and whether it is not something inconvenient and unnatural to lay before little children questions about their faith which they cannot answer with their own mouth. I gladly grant you that the above questions were originally designed for the baptism of adults. When in the earliest time of Christendom, as was natural, adults first, who had previously been instructed in the Christian faith, were baptized, then the holiness of the Sacrament required that they be asked about their faith, so that one might not impart it to one manifestly unbelieving and cast the pearl before swine. We have an example of this in Philip, who asked the eunuch, who begged baptism of him, beforehand: "If thou believest with all thine heart, thou mayest." To which the latter answered: "I believe that Jesus Christ is the Son of God." Then, however, these questions were also transferred to the baptism of children, as a testimony that the baptism of adults and of children is one and the same baptism. Whether this transference be one suited to the nature of the child or not, I will explain myself on that when I have first answered your two following questions.
You ask, namely, 3d, whether you are to conceive the questions as a demand for a vicarious faith of the Church, which is represented through the sponsors and into whose bosom the person baptized is to be received. I answer: of a vicarious faith of the Church the Holy Scripture knows nothing, and accordingly the Lutheran Church also nothing. This is an opinion which we leave to the Roman Church, and if it has crept in among some Lutherans, this fact proves only that there are also Romanizing Lutherans. No man, not even the whole Church, can believe for another man. Every one must live by his own faith. A child also, if it is to be saved, must have its own faith; the faith of the Church can never replace the lack of one's own faith. Well may the Church by her faith help the child to its own faith, in that she asks God for faith for the child; well may she in faith bring the child to Christ and pray Him to receive and bless it; but never can she believe vicariously for the child. This interpretation is therefore wholly inadmissible and stands in direct contradiction to our doctrine of faith.
Or else, you ask, am I to conceive the questions as a demand for a promise of the child that it will believe in riper years, or as an obligation of the child to a future faith?
Your question gives ground for the suspicion that you stand in a considerable error. You seem to deny faith to the child to be baptized, in that you refer it to future times, to riper age. If that is your opinion, then I am by no means surprised that the questions in view are to you so dark a riddle. Could I convince you that a child at its baptism really has faith, then your unclearness would presently vanish of itself. Were I to remark to you that the assertion that a child cannot believe is precisely the foundation-pillar of the Anabaptists, on which their whole heresy rests, you would be terrified at it. It does not occur to me in the remotest degree to accuse you of an Anabaptist heresy; but so it goes, often a little leaven clings unawares to the most upright Christians, which they have yet to purge out. To deny faith to a child can only he who ventures to deny either the omnipotence or the grace of God, or the destination of the child to eternal life, or original sin. If, indeed, faith were a work of one's own reason and strength of man, then a child could believe as little as an adult; but since faith is a divine work, far exalted above all human reason, who will forbid the Spirit of God to have His work of grace also in children? If John the Baptist was filled with the Holy Ghost already in his mother's womb, why should not the same Holy Ghost have His work also in other Christian children, who do not yet, as is often the case with adults, wilfully resist Him? Or may we doubt the gracious will of God to give faith to the little ones, who wills that all men should be saved? Or are children by nature already fit to enter into the kingdom of God? Are they not also sinners, flesh born of flesh? Or is there for children another way to salvation than faith in Jesus Christ? It is true, God has ordained the preaching of His Word as the ordinary means of faith. Yet however earnestly God has bound us to this means, He is nevertheless not bound to it, and may also without this means work faith in the little children to be baptized, especially since they enjoy the intercession of the whole of Christendom, which without ceasing in the Lord's Prayer, as for the great, so for the little, prays: Thy kingdom come, Thy will be done. Or who may presume to deny to little children the general capacity of being brought to faith? It would be dreadful to put the little children on a level with the unreasoning creatures, the stones and plants and beasts, which indeed were not created by God to be vessels of the Holy Ghost. We must needs grant that little children also possess the essential parts of a true man created and destined for eternal life, though, as the members and powers of their body, so also the powers of their rational soul are in a yet undeveloped state. If you, beloved friend, are convinced by these brief hints that a child by God's power can believe, and that it also must believe, if holy baptism is to avail it unto salvation, according to the word of the Lord: he that believeth and is baptized shall be saved; then the promise henceforth to believe in riper age, or the obligation to faith, will appear to you of itself as wholly insufficient. Such an interpretation would also stand in manifest contradiction with the sense of our question; for the child is not asked: wilt thou believe! but, dost thou believe?
Having now shown you, in what has gone before, the untenableness of your attempts to reconcile yourself by a convenient interpretation with those questions, do not be anxious on that account, as though a right interpretation, in keeping with the analogy of faith, were wholly impossible. Hear, finally, how I regard these questions with their answers. I regard them as a symbolic act, like the exorcism, by which we express our firm conviction that the child's own faith is indeed required, if it is to be saved by baptism; I regard them as a solemn protestation against the papistic error of an opus operatum, that is, against the error that the Sacrament saves even without the faith of the recipient. Not only that, however, but we also express by this symbolic act our good confidence that the gracious God hears our intercession and that of the whole of Christendom, and has given the little child saving faith, even though we cannot comprehend the nature of this child's faith, any more than that of adults. If, however, we may answer to the question: dost thou believe? into the soul of the child with a confident Yes, then we are also certain that the devil has no more power over the child, and that it by its faith has passed out of the kingdom of the devil into the gracious kingdom of Christ our Lord, and so the question also: dost thou renounce