Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 19 › Seite 145
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1855-05-08, Seite 145
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Geſang
Der Lutheraner.
„Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Offenb. Joh. Cap. 14, v. 6. 7.
Herausgegeben von der Deutschen Ev. Luther. Synode von Missouri, Ohio und andern Staaten.
Redigirt von C. F. W. Walther.
Jahrg. 11. St. Louis, Mo., den 8. Mai 1854. No. 19.
Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subscriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterschreiber, welche denselben vorausbezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, sind an den Redakteur, alle andern aber, welche Geschäftliches, Bestellungen, Abbestellungen, Gelder ꝛc. enthalten, unter der Addresse: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu senden.
(Eingesandt von Past. Wyneken.)
Die Noth der Lutherischen Kirche
seit dem
Tode Luthers, und ihre Errettung daraus durch den am 25. Sept. 1555 geschlossenen
Religionsfrieden zu Augsburg.
Ein geschichtlicher Beitrag
zur diesjährigen Feier des Friedensjubelfestes
am nächstkommenden 25. September.
Fortsetzung.
Der Churfürst erobert sein Land wieder. — Die Schlacht bei Mühlberg.
Zwar schien es, als dürfe sich der Muth der Protestanten noch einmal erheben. Der Churfürst wandte sich voll gerechten Zorns gegen Moritz. Zuerst erließ er ein Schreiben an Moritzens Landstände, worin er sich über sie beschwert, daß sie aus altem Haß Moritz zu seiner ungerechten Handlungsweise angereizt und gerathen und Schuld sein an dem Jammer, der durch solchen Krieg und Blutvergießen über die so eng verbundenen sächsischen Lande ausgebrochen. Nun sei er da mit einem stattlichen Kriegsvolk, um sie nach Verdienst zu bestrafen, daß sie verstehen lernten, welch beschwerliche Unbilligkeit ihm widerfahren. „Es thut uns wohl wehe,“ so schließt er dies Manifest, „daß es dazu gekommen, und bekümmert uns der Unfall unsers gemeinsamen Vaterlandes. Nachdem ihr aber das Spiel einmal angefangen, und der Handel erfordert, daß wir unbillige Gewalt von unsern Unterthanen abwenden, wollen wir hiermit protestirt und bezeugt haben, was hieraus für Jammer entstehen wird, daß man uns solches nicht soll zumessen. Wo auch etliche unter euch an dieser bösen That nicht schuldig und ihre Unschuld wollen erweisen, sollen sie es zu thun volle Macht haben, und wollen wir sie mit allen Gnaden annehmen.“ Und hier, wo keine Gewissensbedenken im Wege standen, ging's denn auch rasch vorwärts. In gar kurzer Zeit hatte er nicht allein sein eigenes Land wieder erobert, sondern auch die Länder Moritz'ens dazu, Dresden und Leipzig ausgenommen; ja Magdeburg's und Halberstadt's sich bemächtigt. Leipzig wurde zwar beschossen und übel zugerichtet, indessen wie man offen allenthalben aussprach, durch Schuld der Churfürstlichen Offiziere, die ihre Familien und Capitalien meistens in der Stadt hatten, nicht eingenommen. „Leipzig liegt außen, Leipzig liegt innen, darum kann Leipzig Leipzig nicht gewinnen.“ Das war damals das gäng und gäbe Liedlein. Ueberhaupt war der Churfürst von lauter Verräthern umgeben, welches ihm wohl bekannt war. Er pflegte deswegen oft zu sagen: „Ich bin reicher, denn Christus, denn mit dem aß nur Ein Verräther, ich aber habe deren viele am Tische.“ Aber noch von einer andern Seite her schien der Sache der Protestirenden Beistand kommen zu sollen. In Böhmen erwachte der alte Freiheitssinn so mächtig, und das Bewußtsein der Glaubenseinheit wurde so stark, daß die Leiden und die schändliche Unterdrückung ihrer evangel. Glaubensgenossen bei ihnen die lebhafteste Theilnahme erregten. Als König Ferdinand sie zum Kriege gegen den Churfürsten aufforderte, antworteten ihm die Landherren, indem sie sich auf ihre Privilegien beriefen: „sie hätten keine Ursache, wider den Churfürsten zu ziehen, wäre auch ihre Religion in vielen Stücken mit der seinigen einig: so hätte sich auch der Churfürst zu jeder Zeit mit allem Fleiß und gutem Willen gegen den Türken, den gemeinsamen Feind der Christenheit, trefflich wohl erwiesen.“ Ja sie rüsteten sich ernstlich, dem Churfürsten zu Hülfe zu ziehen, sandten auch gen Mähren, welches damals der Krone zu Böhmen unterworfen war und vermahneten die Stände, daß sie vermöge der zwischen ihnen bestehenden Erbvereinigung mit ihnen zur Wehre greifen und ihnen eilend zuziehen sollten, auf daß ihr gemeinsames Vaterland, wider das gottlose Sodomitische Volk, Hispanier und Hussaren (Ungarn), welche der Kaiser und König ins Land führe, möchte beschützt werden.
Wie würde sich die Sache gestaltet haben, wenn der Churfürst sich frühzeitig genug mit seinen Truppen ins mächtige Böhmerland hineingeworfen? Indessen die aufflammende Hoffnung der Protestanten sollte bald wieder zusammensinken und der tiefsten Betrübniß Platz machen. Zwar kam Moritz in die größte Bedrängniß: König Ferdinand konnte ihm nicht zu Hülfe ziehen, er hatte genug mit den Böhmen zu thun. Ein Haufen Kaiserlicher unter der Anführung des wilden Markgrafen Albrecht von Brandenburg wurde in Rochlitz überfallen und sammt dem Markgrafen gefangen genommen. Ein anderer, der in Westphalen und Niedersachsen eingefallen, nahm zwar Osnabrück und Minden, wurde aber durch die Tapferkeit und den ungebrochenen Muth der Bremer und Hamburger aufgehalten und belagerte Bremen vergeblich. Moritz mußte um einen Waffenstillstand bitten, der ihm auch gewährt wurde. Aber nun zog der Kaiser selbst heran und
English translation AI translation
Der Lutheraner.
"God's Word and Luther's doctrine shall pass away nevermore." Rev. John ch. 14, v. 6. 7.
Published by the German Ev. Luth. Synod of Missouri, Ohio and other States.
Edited by C. F. W. Walther.
Year 11. St. Louis, Mo., May 8, 1854. No. 19.
Terms: Der Lutheraner appears once every two weeks at the yearly subscription price of one dollar for subscribers outside the city, who must pay in advance and bear the postage. — In St. Louis each single number is sold for 5 cents. Only those letters which contain communications for the paper are to be sent to the editor; all others, however, containing business matters, orders, cancellations, money, etc., are to be sent hither under the address: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo.
(Sent in by Pastor Wyneken.)
The Distress of the Lutheran Church
since the Death of Luther, and its Deliverance therefrom through
the Religious Peace of Augsburg, concluded on the 25th of September, 1555.
A Historical Contribution
to this year's Celebration of the Jubilee of the Peace
on the coming 25th of September.
Continuation.
The Elector Reconquers His Land. — The Battle of Mühlberg.
It seemed, indeed, as though the courage of the Protestants might rise once more. The Elector turned, full of righteous wrath, against Maurice. First he sent a letter to Maurice's Estates, in which he complained of them that out of old hatred they had provoked and counseled Maurice to his unjust course of action and were to blame for the misery which had broken out through such war and bloodshed over the so closely united Saxon lands. Now he was here with a stately army, to punish them as they deserved, that they might learn to understand what grievous injustice had been done him. "It grieves us sorely," so he closes this manifesto, "that it has come to this, and the misfortune of our common fatherland troubles us. But since you have once begun the game, and the case requires that we ward off unjust violence from our subjects, we would hereby have protested and testified what misery will arise from this, that it is not to be laid to our charge. And if some among you are not guilty of this wicked deed and wish to prove their innocence, they shall have full power to do so, and we will receive them with all favor." And here, where no scruples of conscience stood in the way, things went forward quickly. In a very short time he had not only reconquered his own land, but the lands of Maurice besides, excepting Dresden and Leipzig; indeed he made himself master of Magdeburg and Halberstadt. Leipzig was indeed bombarded and badly handled, but, as men openly said everywhere, was not taken through the fault of the Elector's officers, who for the most part had their families and capital in the city. "Leipzig lies without, Leipzig lies within, therefore Leipzig cannot win Leipzig." That was then the common little song. In general the Elector was surrounded by nothing but traitors, which was well known to him. He therefore often used to say: "I am richer than Christ, for with Him there sat but one traitor at table, but I have many of them at mine." But from another side too, help seemed to be coming to the cause of the Protestants. In Bohemia the old spirit of freedom awoke so mightily, and the consciousness of unity in faith became so strong, that the sufferings and the shameful oppression of their evangelical fellow-believers aroused in them the liveliest sympathy. When King Ferdinand called upon them to make war against the Elector, the lords of the land answered him, appealing to their privileges: "they had no cause to march against the Elector, their religion also agreed in many points with his; moreover the Elector had at all times with all diligence and good will proved himself excellently well against the Turk, the common enemy of Christendom." Yes, they earnestly made ready to march to the Elector's help, sent also to Moravia, which was then subject to the crown of Bohemia, and admonished the Estates that by virtue of the hereditary union existing between them they should take up arms with them and march to their aid in haste, so that their common fatherland might be protected against the godless Sodomitical people, Spaniards and Hussars (Hungarians), whom the Emperor and King was leading into the land.
How would the matter have turned out, if the Elector had thrown himself early enough with his troops into mighty Bohemia? However, the flaming hope of the Protestants was soon to sink down again and give place to the deepest affliction. It is true that Maurice came into the greatest distress: King Ferdinand could not march to his help, he had enough to do with the Bohemians. A band of Imperials under the leadership of the wild Margrave Albert of Brandenburg was surprised at Rochlitz and taken prisoner together with the Margrave. Another, which had invaded Westphalia and Lower Saxony, did indeed take Osnabrück and Minden, but was checked by the bravery and unbroken courage of the Bremen and Hamburg men and besieged Bremen in vain. Maurice had to ask for an armistice, which was also granted him. But now the Emperor himself advanced and