Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 19 › Seite 147
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1855-05-08, Seite 147
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ihn, er hat schon seinen Richter gefunden, ich führe Krieg mit den Lebenden und nicht mit den Todten.“ Ja das Leben in einer Lutherischen Stadt, welches er nun einmal und zwar in einer Zeit der tiefsten Noth und Betrübniß in der Nähe zu sehen kriegte, machte einen solchen Eindruck auf ihn, daß er verwundert ausrief: „Es ist doch ganz anders im Evangelischen Lande und unter Evangel. Leuten, als ich mir gedacht habe.“
Dem Churfürsten erlaubte er, acht Tage mit den Seinen zuzubringen, dann mußte er seinem Zuge als Gefangener folgen. Doch wurde er glimpflich behandelt. Er wurde von seinen eigenen Leuten bedient und er äußerte selbst: „Meine Freunde haben mich verlassen, aber meine Feinde thun mir alles Gute.“
Sein alter Freund, der Maler Lucas Kranach, theilte freiwillig seine Gefangenschaft.
Gefangensetzung Philipp's von Hessen.
Was hatte nun das andere Bundeshaupt zu erwarten, der Landgraf Philipp von Hessen? wo war die Macht, mit der er dem so mächtigen Kaiser widerstehen sollte? die Schmalkaldischen Truppen waren schon vor der Schlacht bei Mühlberg zerstreut; nur in Niedersachsen hatte der tapfere Graf von Mansfeld eine kleine tapfere Truppenschaar, mit der er bei Drattenburg den Herzog Erich von Braunschweig an dem einen Ufer der Weser überfiel und schlug, während der Kaiserliche Oberst Wrisberg auf dem andern raubte und plünderte. Wohl bewiesen die Landsknechte ihren fröhlichen Muth, indem sie sangen: „Wir haben das Feld, der Wrisberg das Geld, wir haben das Land, Wrisberg die Schand.“ Aber was konnte mit diesem kleinen Haufen ausgerichtet werden? Zudem war der Kaiser durch den Tod seines heftigsten Gegners, des Königs Franz von Frankreich, vor äußern Feinden sicher gestellt. Auch Heinrich VIII. von England war kurz vorher gestorben und so konnte er sich mit ungetheilter Macht gegen Philipp wenden. Dieser erkannte wohl aus dem schreckenden Schicksal des Churfürsten, was seiner wartete. Um dem zuvorzukommen, wandte er sich an seinen Schwiegersohn Moritz und den Churfürsten Joachim von Brandenburg, und da diese ihm Hoffnung machten zu einem billigen Vergleich, so ritt er selbst mit Bewilligung seiner Stände, nachdem er ihnen vorher versprochen, daß er keine Bedingungen gegen die Religion, die Ehre und Johann Friedrich eingehen werde, nach Leipzig. Hier erfuhr er jedoch, daß die Unterhändler sich zu große Hoffnung von des Kaisers Gnade gemacht hatten. Er sollte sich auf Gnade und Ungnade ergeben, alle seine Festungen schleifen lassen, mit Ausnahme von Kassel und Ziegenhain, sein Geschütz und Munition ausliefern, den gefangenen Herzog von Braunschweig und seinen Sohn frei lassen, überdem noch 150,000 Gulden zahlen und noch andere Bedingungen eingehen, die er für unmenschlich erklärte. Voll Unwillen und Stolz wies er diesen Vergleich ab und ritt von Leipzig nach Kassel zurück. Christoph von Ebeleben, Moritz'ens Rath und Amtmann zu Weißenfels begleiteten ihn. Schweigend ritten sie nebeneinander. Endlich unterbrach der Landgraf das Stillschweigen: „Mich erbarmet,“ sprach er, „meiner Unterthanen; wo ich nur wüßte, daß die Ergebung in Kaiserl. Gnade und Ungnade nichts mehr auf sich hätte, als Fußfall und Abbitte, weil denn andere Fürsten und Städte dasselbe gethan, wollt' ich's nach gehöriger Versicherung nicht abschlagen.“ Bald darauf: „Wiewohl ich meine Festungen liebe, ehe ich aber das Land verderben ließe, wollt ich lieber leiden, daß etliche derselben geschleift würden.“ Endlich: „Wiewohl es schimpflich, daß ich mein Geschütz und Munition von mir geben soll, doch zur Abwendung des Verderbens meines Landes, wenn ich dessen nicht ganz beraubt werde, will ich das andere dem Kaiser übergeben.“ Der von Ebeleben versetzte, er wolle diese Erklärung dem Churfürsten Moritz hinterbringen, auch dem Landgrafen alsbald Bescheid geben, er solle sich derweilen ruhig halten. Er brachte ihm auch bald die Capitulation zurück, die freilich dieselben Artikel enthielt, wie die frühere, doch mit dem Bemerken des Churfürsten, daß seine Ergebung weder zur Leibesstrafe, noch zu Einiger Gefängniß gereichen sollte; auch hinsichtlich der Religion wurden ihm beruhigende Versicherung gegeben und dies alles auf eine schriftliche Zusage hiervon Seiten des Kaiserl. Kanzlers, Bischofs von Arras. Ja die Churfürsten verpflichteten sich, daß wenn ihm irgend etwas dawider geschehen solle, so wollten sie auf Erfordern seines Sohnes sich persönlich zur Haft stellen.
Auf diese Versicherung hin zog der Landgraf nach Halle zum Kaiser. Aber schon am andern Tage merkte er, mit welch arglistigen Leuten er zu thun habe. In der Capitulationsurkunde, die er unterschreiben sollte, war der Zusatz eingeschoben, die Erklärung der Artikel stände allein bei Kaiserl. Majestät. Ferner, daß sich der Landgraf den Beschlüssen des Tridentiner Concilii unterwerfe. Vergebens protestirte der Landgraf und weigerte sich zu unterschreiben. Aber man drängte ihn desto mehr, der Kaiser warte seiner, er möge zusehen, daß durch solche Verzögerung der Kaiser sich nicht noch zu härtern Dingen entschlösse. So bedrängt unterschrieb der Landgraf, jedoch so, daß er sich hinsichtlich der Religion zu nichts weiterem verstand, als daß er in ein allgemeines freies christliches Concilium zur Reformation des Geistlichen und Weltlichen, des Haupts und der Glieder willigte. Und nun ging die schmähliche Handlung, wie bei dem Fürsten von Würtemberg, vor sich, denn der Kaiser hatte es recht darauf abgesehen, die Fürsten des Reichs auf's tiefste zu demüthigen. Der Landgraf wurde in einen großen Saal geführt, da saß der Kaiser auf einem Thron, umgeben von vielen deutschen und ausländischen Fürsten, Grafen u. Gesandten verschiedener Länder und Städte. Unter ihnen Heinrich von Braunschweig und mehrere, die einst vor dem Hessischen Löwen gezittert, nun mit Triumph auf den bezwungenen und gedemüthigten Fürsten herabsahen. Vor dem Kaiser ließ sich der Landgraf auf ein Knie nieder, hinter ihm sein Kanzler Günderodt, der die Abbitte des Landgrafen vorlas. Da dieser ein Lächeln nicht unterdrücken konnte, rief der Kaiser mit aufgehobenem Finger ihm zu: Wol ick soll di lachen lehren. Darauf verlas der Vicekanzler Seld die Verzeihung des Kaisers. Der Landgraf, der nun meinte, es sei damit Alles beendet, dankte, und wartete, daß der Kaiser ihn aufzustehen heißen werde. Da dies aber nicht erfolgte, stand er auch ungeheißen auf, und entfernte sich mit seinen Freunden, wohl herzlich froh, daß der schwerste Gang, den er je in seinem Leben gethan, vorüber sei. Er ging mit den Churfürsten zum Herzog von Alba, der sie zum Abendessen eingeladen. Und hier stand ihm noch das Schrecklichste bevor. Als er mit seinen Freunden aufbrechen, und in die Herberge gehen wollte, wurde ihm angekündigt, er sei des Herzog's Gefangener. Die Churfürsten waren nicht weniger bestürzt, als er selbst; sie beruhigten ihn indessen, daß es ein bloßes Mißverständniß sein müsse, welches sich bis Morgen aufklären werde, blieben auch beide die Nacht bei ihm in seinem Zimmer, welches sogleich mit einer starken spanischen Wache besetzt wurde. Das Mißverständniß klärte sich aber nicht auf; der Kaiser erklärte, er habe nie die Versicherung gegeben, sei auch nie seine Meinung gewesen, daß der Landgraf nicht mit Einiger, sondern nur, daß er nicht mit Ewiger Gefangenschaft sölle bestraft werden. Der Bischof von Arras spottete noch dazu des Landgrafen, und meinte er könne ja, wenn er mit der Capitulation nicht zufrieden sei, wieder heimreisen. Dazu war denn freilich der Landgraf gleich bereit, doch nun wurde er daran erinnert, daß er in der Acht und vogelfrei sei. Die beiden Churfürsten waren außer sich vor Zorn, sie erklärten dem Herzog Alba, daß solch ein Verfahren bei den redlichen Deutschen nichts anders als ein schändliches Bubenstück sei, ja Joachim zog in dem Wortwechsel sein Schwert, um dem elenden Bischof von Arras über den abscheulichen Betrug, den er gespielt, den Kopf zu spalten. Doch was half's? Der Löwe war in der Jäger Netz gerathen. Nicht ohne Widerstreben wurde er auf einen Wagen gebracht, und mußte nun mit dem Churfürsten dem Kaiser als Gefangener folgen. Günderodt und Ebeleben starben vor Gram; auch seine treue Gemahlin, nachdem sie viele vergebliche Versuche gemacht hatte, ihn vom Kaiser loszubitten.
(Fortsetzung folgt.)
(Eingesandt von Pastor Röbbelen.)
Die Offenbarung St. Johannis.
Das zwölfte Capitel.
Fortsetzung.
Vom 7. V. an werden nun die 1260 Tage weiter beschrieben:
1. wie im Himmel der Greuel des Papstthums verdammt worden ist, V. 7—12.
2. wie auf Erden die Kirche vom Antichrist verfolgt und dennoch erhalten worden ist, V. 13—17.
Der Zeit nach fällt also das Folgende mit den ersten zehn Versen des vorigen Capitels zusammen.
Wie die Bewohner einer Stadt, die von Feinden bedroht wird, zuerst ihre Habe in Verwahrung bringen und alles was nicht wehrhaft ist in Schlupfwinkeln verbergen, dann aber dem Feinde entgegenrücken, so hat Gott zuvor auf die Ret-
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him, he has already found his Judge; I make war with the living and not with the dead." Yes, the life in a Lutheran city, which he now for once got to see close at hand, and indeed in a time of the deepest distress and affliction, made such an impression upon him that he cried out in astonishment: "It is quite different in the Evangelical land and among Evangelical people than I had imagined."
To the Elector he allowed to spend eight days with his own people; then he had to follow his train as a prisoner. Yet he was treated gently. He was served by his own people, and he himself remarked: "My friends have forsaken me, but my enemies do me all good."
His old friend, the painter Lucas Cranach, voluntarily shared his captivity.
The Capture of Philip of Hesse.
What now was the other head of the League, Landgrave Philip of Hesse, to expect? Where was the power with which he was to withstand the so mighty Emperor? The Smalcaldic troops had already been scattered before the battle of Mühlberg; only in Lower Saxony had the brave Count of Mansfeld a small, brave band of troops, with which he fell upon Duke Eric of Brunswick at Drattenburg on one bank of the Weser and beat him, while the Imperial Colonel Wrisberg on the other bank robbed and plundered. The foot soldiers indeed showed their cheerful courage by singing: "We have the field, Wrisberg the gold, we have the land, Wrisberg the shame." But what could be accomplished with this small band? Moreover, the Emperor had been made secure against foreign enemies by the death of his fiercest opponent, King Francis of France. Henry VIII of England also had died shortly before, and so he could turn with undivided power against Philip. The latter recognized well from the terrible fate of the Elector what awaited him. To forestall this, he turned to his son-in-law Maurice and to Elector Joachim of Brandenburg, and since these gave him hope of a fair settlement, he rode to Leipzig himself, with the consent of his Estates, after he had promised them beforehand that he would enter into no terms against religion, against honor, and against John Frederick. Here, however, he learned that the negotiators had made themselves too great a hope of the Emperor's grace. He was to surrender at discretion, have all his fortresses razed, with the exception of Kassel and Ziegenhain, deliver up his artillery and munitions, set free the imprisoned Duke of Brunswick and his son, pay besides 150,000 gulden, and enter into still other conditions, which he declared inhuman. Full of indignation and pride he rejected this settlement and rode back from Leipzig to Kassel. Christopher von Ebeleben, Maurice's counselor and magistrate at Weissenfels, accompanied him. Silently they rode side by side. At last the Landgrave broke the silence: "I have pity," said he, "on my subjects; if I only knew that the surrender to the Emperor's grace and disgrace meant nothing more than a prostration and begging pardon, since other princes and cities have done the same, I would not refuse it, upon proper assurance." Soon after: "Although I love my fortresses, yet before I would let the land be ruined I would rather suffer that some of them be razed." At last: "Although it is shameful that I should give up my artillery and munitions, yet to avert the ruin of my land, if I am not wholly deprived of it, I will surrender the rest to the Emperor." Herr von Ebeleben replied that he would carry this declaration to Elector Maurice, and give the Landgrave an answer at once, he should meanwhile keep quiet. He soon brought him back the capitulation, which indeed contained the same articles as the earlier, yet with the remark of the Elector that his surrender was not to result either in bodily punishment or in any imprisonment; also with regard to religion reassuring pledges were given him, and all this upon a written promise thereof on the part of the Imperial Chancellor, the Bishop of Arras. Yes, the Electors pledged themselves that if anything contrary to this should be done to him, they would, on the demand of his son, give themselves up in person into custody.
Upon this assurance the Landgrave went to Halle to the Emperor. But already on the following day he perceived with what crafty people he had to do. In the document of capitulation which he was to sign, the addition had been inserted that the interpretation of the articles should rest with His Imperial Majesty alone. Further, that the Landgrave should submit to the decrees of the Council of Trent. In vain the Landgrave protested and refused to sign. But they pressed him all the more, the Emperor was waiting for him, he should see to it that by such delay the Emperor should not resolve upon still harder things. Thus hard pressed the Landgrave signed, yet in such a way that as to religion he agreed to nothing further than that he consented to a general free Christian council for the reformation of the spiritual and temporal estate, of the head and the members. And now the shameful proceeding went forward, as with the Prince of Württemberg, for the Emperor had quite set his mind on humbling the princes of the Empire to the lowest. The Landgrave was led into a large hall; there the Emperor sat upon a throne, surrounded by many German and foreign princes, counts and envoys of various lands and cities. Among them Henry of Brunswick and several who had once trembled before the Hessian lion, now looked down with triumph upon the subdued and humbled prince. Before the Emperor the Landgrave knelt upon one knee, behind him his Chancellor Günderodt, who read aloud the Landgrave's petition for pardon. As the latter could not suppress a smile, the Emperor cried to him with raised finger: Wol ick soll di lachen lehren. Thereupon the Vice-Chancellor Seld read the Emperor's pardon. The Landgrave, who now thought that all was ended with this, gave thanks, and waited for the Emperor to bid him rise. As this did not follow, he rose even unbidden, and withdrew with his friends, heartily glad that the hardest walk he had ever taken in his life was past. He went with the Electors to the Duke of Alba, who had invited them to supper. And here the most terrible thing was still before him. As he was about to leave with his friends and go to the inn, it was announced to him that he was the Duke's prisoner. The Electors were no less dismayed than he himself; they reassured him, however, that it must be a mere misunderstanding, which would be cleared up by morning, and both remained the night with him in his room, which was at once occupied by a strong Spanish guard. But the misunderstanding did not clear up; the Emperor declared he had never given the assurance, nor had it ever been his meaning that the Landgrave should not be punished with any, but only that he should not be punished with eternal imprisonment. The Bishop of Arras even mocked the Landgrave besides, and said he could go home again if he was not satisfied with the capitulation. For this, to be sure, the Landgrave was at once ready, but now he was reminded that he was under the ban and outlawed. The two Electors were beside themselves with anger; they declared to Duke Alba that such a proceeding among honest Germans was nothing other than a shameful piece of knavery, indeed Joachim in the altercation drew his sword to split the head of the wretched Bishop of Arras, for the abominable deceit he had played. But what did it avail? The lion had fallen into the hunter's net. Not without resistance he was put on a wagon, and had now to follow the Emperor with the Elector as a prisoner. Günderodt and Ebeleben died of grief; also his faithful consort, after she had made many vain attempts to beg him free from the Emperor.
(To be continued.)
(Sent in by Pastor Röbbelen.)
The Revelation of St. John.
The Twelfth Chapter.
Continuation.
From the 7th verse on, the 1260 days are now further described:
1. how in heaven the abomination of the papacy was condemned, vv. 7—12.
2. how on earth the Church was persecuted by Antichrist and yet preserved, vv. 13—17.
In point of time, therefore, what follows coincides with the first ten verses of the preceding chapter.
As the inhabitants of a city threatened by enemies first put their possessions in safekeeping and hide everything that is not able to fight in hiding places, but then march out against the enemy, so God has first upon the res-