Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 23 › Seite 177

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1855-07-03, Seite 177

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Der Lutheraner.
„Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“
Herausgegeben von der Deutschen Ev. Luther. Synode von Missouri, Ohio und andern Staaten.
Redigirt von C. F. W. Walther.
Jahrgang 11.  St. Louis, Mo., den 3. Juli 1855.  No. 23.
Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subscriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterschreiber, welche denselben vorausbezahlen und das Postgeld zu tragen haben.— In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, sind an den Redakteur, alle andern aber, welche Geschäftliches, Bestellungen, Abbestellungen, Gelder ꝛc. enthalten, unter der Addresse: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu senden.

(Eingesandt von Past. Brauer.*)

Die Noth der Lutherischen Kirche seit dem Tode Luthers, und ihre Errettung daraus durch den am 25. Sept. 1555 geschlossenen Religionsfrieden zu Augsburg.

Ein geschichtlicher Beitrag zur diesjährigen Feier des Friedensjubelfestes am nächstkommenden 25. September.

Fortsetzung.

Einführung des Interims.

Die kaiserlich politische Interims-Religion war also angefertigt, die Union Christi und Belials, der lutherischen und antichristisch römischen Kirche von Staatswegen beschlossen und den Christen, den freien Knechten ihres einigen HErrn im Himmel anbefohlen. So war die Zeit der Prüfung, der Sichtung über die Kirche hereingebrochen, — vieler Herzen Gedanken wurden offenbar! Viel Spreu flog von der Tenne, manche Stadt wich, das Gewissen der Einzelnen, dem äußern, sogenannten politischen Wohl des Ganzen Preis gebend, mancher Prediger schwieg aus Liebe zum Bauche, aus Furcht vor Kampf und Noth. Zugleich wurde aber auch wieder in diesem Sturme die unzerstörbare Felsennatur der wahren Kirche Gottes offenbar, die sich weder von der römisch-lutherischen Friedensunion, dieser alten und neuen List und Lüge des Satans blenden, noch von den Pforten der Hölle, den Drohungen des Kaisers schrecken ließ.

*) Gehindert an der eigenen Vollendung der begonnenen Arbeit durch die Visitationsreisen, hat dieselbe unser Hochw. Herr Präsident Herrn Pastor Brauer übertragen. D. R. d. L.

In Augsburg hob das Spiel zuerst an. Auf des Kaisers Befehl mußte sich der Rath auf dem Stadthause versammeln, um über die Annahme des Interims einen Beschluß zu fassen, und damit derselbe die gewünschte Fassung erhalte und alle Bedenklichkeiten schnell entfernt würden, wandte der Kaiser jenes Ueberzeugsmittel an, das die Staatsgewalt überhaupt gern übt, wenn sie die Rolle des Religionslehrers übernimmt; er ließ die Stadtthore besetzen, und legte viele hungerige und wüste Soldaten bei den Bürgern ins Quartier. Das wirkte, der Rath gab nach. Das Interim mußte von den Kanzeln und Zunfthäusern abgelesen und die Schlüssel zu allen Kirchen dem Bischof ausgeliefert werden, der dann die Kirchen, als durch den lutherischen Gottesdienst entweiht und unrein von neuem einweihen ließ. Die spanischen Soldaten ließen es an Hohn nicht fehlen, während der lutherischen Predigt in der Kirche zum heiligen Kreuz spielten sie Ball, daß derselbe unter die Zuhörer flog, in einer andern Kirche zerbrachen sie Kanzel und Stühle, und als man dem wehren wollte, griffen sie zu den Waffen. Sie selbst zogen wieder in Processionen mit Glöcklein und Lichtern, Baldachinen und Schleppenträgern, wie Narren durch die lutherische Stadt, und wehe wer ihnen Ehrerbietung versagte. Eine Handwerkerfrau, die spöttisch fragte: ob ihr Gott nicht ohne Lichter sehen könne? wurde ins Gefängniß, in die Eisen geworfen, aus der Stadt verwiesen, und wäre, hätte sich nicht die Königin Maria für sie verwandt, noch übeler gefahren. Diese Art der Einführung des Interim war dem Rathe und den Bürgern doch zu stark, man machte Vorstellungen und Einwendungen. Da faßte sich der Kaiser kurz, er setzte den ganzen Rath ab, hob alle Zünfte und Innungen auf, verbot ihnen bei Lebensstrafe ihre gewöhnlichen Zusammenkünfte zu halten. Die meisten Prediger mußten binnen drei Tagen vor Untergang der Sonne die Stadt räumen, eidlich angeloben, keine Predigt im ganzen Reiche zu halten, keinen von ihren Freunden und Bekannten zu besuchen, Niemandem die Ursache ihrer Abreise zu entdecken, noch schriftlich Jemandem in der Stadt Nachricht geben, was mit ihnen verhandelt worden. Das war denn der Fried- und Gerechtigkeitsliebende Geist dieser kaiserlichen Papstunion! — Als der gefangene Churfürst Joh. Friedrich hörte, daß der Kaiser die Prediger aus dem ganzen Reiche verwiesen habe, ließ er dieselben zu sich führen und tröstete sie mit den Worten: „Hat euch der Kaiser das Reich, so hat er euch doch nicht den Himmel verboten; so wird auch Gott wohl ein Land finden, da ihr sein Wort predigen könnt. Hierauf forderte er seine Börse und sagte zu ihnen: „Hierin ist Alles, was ich auf Erden habe, davon will ich euch einen Zehrpfennig verehren, den theilt unter eure Mitbrüder und Kreuzgesellen. Und wiewohl ich jetzo ein armer gefangener Fürst bin, so wird mir doch der Herr unser Gott schon wieder was bescheren. —

Die Nürnberger suchten den kaiserlichen Befehlen erst durch eine flehendliche Vorstellung auszuweichen. Sie hätten, so sagten sie, dem Kaiser und Gott immer gesucht Gehorsam zu leisten. In der Religion werde bei ihnen alles nach den Worten Christi und dem Brauch der apostolischen Kirche gehalten, und sie seien schuldig, auch ferner den

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Der Lutheraner.
"God's Word and Luther's doctrine pass away now and nevermore."
Published by the German Ev. Lutheran Synod of Missouri, Ohio and other States.
Edited by C. F. W. Walther.
Volume 11.  St. Louis, Mo., July 3, 1855.  No. 23.
Terms: Der Lutheraner appears once every two weeks at the yearly subscription price of One Dollar for out-of-town subscribers, who pay for it in advance and bear the postage. In St. Louis each single number is sold for 5 cents. Only those letters which contain communications for the paper are to be sent to the editor; all others, which contain business matters, orders, cancellations, money, etc., are to be sent hither under the address: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo.

(Contributed by Pastor Brauer.*)

The Distress of the Lutheran Church since the Death of Luther, and its Deliverance therefrom through the Religious Peace of Augsburg concluded on the 25th of September, 1555.

A historical contribution to this year's celebration of the Peace Jubilee on the coming 25th of September.

Continuation.

The Introduction of the Interim.

The imperial political Interim-religion was thus fabricated, the union of Christ and Belial, of the Lutheran and the antichristian Roman Church, was resolved upon by order of the State, and commanded to Christians, the free servants of their one LORD in heaven. Thus the time of trial, of sifting, had broken in upon the Church, — the thoughts of many hearts were revealed! Much chaff flew from the threshing-floor, many a city yielded, giving up the conscience of individuals to the outward, so-called political welfare of the whole, many a preacher kept silent out of love for the belly, out of fear of struggle and distress. At the same time, however, in this storm the indestructible rock-nature of the true Church of God was also made manifest, which would let itself be blinded neither by the Roman-Lutheran union of peace, this old and new craft and lie of Satan, nor frightened by the gates of hell, the threats of the Emperor.

*) Hindered by his visitation journeys from completing the work himself, our Reverend President has committed it to Pastor Brauer. The Editor.

At Augsburg the play began first. At the Emperor's command the Council had to assemble in the town hall to come to a resolution on the acceptance of the Interim, and in order that it should receive the desired form and all scruples be quickly removed, the Emperor applied that means of persuasion which the power of the State in general likes to exercise when it takes over the role of the teacher of religion; he had the city gates occupied, and quartered many hungry and rough soldiers upon the citizens. That worked, the Council yielded. The Interim had to be read out from the pulpits and guildhalls, and the keys to all the churches delivered to the bishop, who then had the churches consecrated anew, as desecrated and unclean through the Lutheran worship. The Spanish soldiers did not fail to show their scorn; during the Lutheran sermon in the Church of the Holy Cross they played ball, so that it flew among the hearers, in another church they broke up the pulpit and pews, and when one tried to prevent it, they took to arms. They themselves again went in processions with little bells and candles, canopies and train-bearers, like fools through the Lutheran city, and woe to him who refused them reverence. A craftsman's wife who asked mockingly whether her God could not see without candles was thrown into prison, into irons, banished from the city, and, had not Queen Maria interceded for her, would have fared still worse. This manner of introducing the Interim was too much even for the Council and the citizens, and they made representations and objections. Then the Emperor cut it short; he deposed the whole Council, abolished all guilds and trades, and forbade them on pain of death to hold their customary meetings. Most of the preachers had to leave the city within three days before sunset, to swear on oath to preach no sermon in the whole Empire, to visit none of their friends and acquaintances, to disclose to no one the reason of their departure, nor to give anyone in the city written word of what had been transacted with them. That was then the peace-loving and justice-loving spirit of this imperial papal union! — When the captive Elector John Frederick heard that the Emperor had banished the preachers from the whole Empire, he had them brought to him and comforted them with the words: "If the Emperor has forbidden you the Empire, yet he has not forbidden you heaven; so God too will surely find a land where you can preach His Word. Thereupon he called for his purse and said to them: "Herein is all that I have on earth, of it I will give you a viaticum; divide it among your fellow-brethren and companions of the cross. And although I am now a poor captive prince, yet the Lord our God will surely bestow something upon me again. —

The Nurembergers at first sought to evade the imperial commands by a suppliant representation. They had, they said, always sought to render obedience to the Emperor and to God. In religion everything with them was kept according to the words of Christ and the practice of the apostolic Church, and they were bound also henceforth to confess the