Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 23 › Seite 178

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1855-07-03, Seite 178

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HErrn Jesu in dieser Weise zu bekennen. Das bringe ja dem Kaiser keinen Nachtheil, ihr Gehorsam gegen ihn werde dadurch nicht gemindert, im Gegentheil ihre Treue gegen Christum sei ein Pfand ihrer Treue gegen den Kaiser. Wer um zeitlichen Nutzen oder Gefahr willen von dem HErrn und seinem Befehl abfalle, der werde noch weit weniger Scheu tragen um derselben Ursachen willen, von kaiserlicher Majestät abzuweichen. Sie wollten sich zwar gern aus Gottes Wort eines Bessern belehren lassen, aber bis jetzt seien ihre Gewissen fest in den, bei ihnen verkündigten, Lehren. Sie bäten deshalb den Kaiser um der Ehre Gottes und ihrer Seligkeit willen, er wolle ihnen, die sich immer treu erwiesen hätten, nicht ungnädig werden, sondern sie bei dem lassen, was sie als göttliche Wahrheit aus Gottes Wort erkannt hätten. Es werde dem himmlischen Vater und Jesu Christo ein angenehmer Dienst sein, wenn kaiserliche Majestät ihre Bitte erhöre. — Die Vorstellung half nichts. Der Kaiser schickte Gesandte, die erst viel von seiner Gnade sprachen, und seine gütigen Absichten priesen, dann aber auch sehr deutlich auf seinen Zorn hinwiesen und auf schleunige Annahme des Interims drangen. Der Rath wurde schwach und schwankend, jetzt gerade galt es Gott mehr gehorchen als den Menschen, um des ewigen Heils willen die zeitliche Wohlfahrt fahren lassen; aber der Rath wollte Beides im Auge behalten, und mußte so der Versuchung unterliegen, das Ewige dem Zeitlichen nachzustellen, und Gefahr laufen, Beides zu verlieren. Er versprach, wenn auch sehr ungern, das Interim anzunehmen, und bat, um Zeit zu gewinnen, um Aufschub, bis er sähe, wie andere Stände die Einführung bewerkstelligten.

Als dieser Rathsbeschluß den versammelten Geistlichen eröffnet wurde, entfernten sich dieselben sogleich ohne ein Wort zu äußern, und fingen nun an auf ihren Kanzeln laut wider das Interim zu eifern. Der Rath wollte dem wehren, aber die Prediger antworteten, daß man nicht stillschweigen könne und wolle. Der Rath, einmal ins Hinken gekommen, Gott und Menschen zugleich dienen wollend, gerieth in eine immer schwierigere und unlauterere Stellung, in der er je länger je mehr an sittlicher Kraft verlieren mußte. Er kam ins Heucheln nach allen Seiten, nach oben und unten, nach dem Kaiser und nach den Predigern und dem Volke hin. Den kaiserlichen Gesandten bezeugte er: daß sie immer im Werke und Nachdenken sein, wie das Interim füglich eingeführt werden könne, und baten, man möge sie in der Sache nur nicht übereilen. Als der Kardinal Granvella, des Kaisers Minister, von neuem drängen ließ, und das Aufschieben nicht mehr glücken wollte, wurden den Predigern neue Vorschläge gemacht, um sie doch Etwas zum Weichen zu bringen: man wolle auch nicht das ganze Interim einführen, aber doch einige Stücke, die man ohne Verletzung des Gewissens annehmen könne, damit man doch den Kaiser mit dem Berichte, daß ein Anfang gemacht sei, ein wenig zufrieden stelle. Die Prediger erklärten, es sei das Beste, nichts anzunehmen, müsse aber durchaus etwas geschehen, so könne man am ersten etliche Feier- und Festtage, das Singen lateinischer Gesänge und die Privatabsolution wieder annehmen; doch müßte man das Volk vor Aberglauben und Irrthümern in diesen Stücken warnen. Kaum hatte der Rath den Predigern so viel abgedrungen und mit diesen Dingen den Anfang gemacht, so suchte er nun auch bald die Messe wieder einzuschmuggeln; da wurde der Widerspruch gegen ihn lauter, der Kampf gegen das Interim brennender. Osiander und Veit Dietrich reichten gründliche, schriftliche Bedenken ein, der erstere kündigte auch bald darauf, sammt seinem Schwiegersohne, dem Prediger Besold am neuen Spital, ihre Dienste auf, und verließen die Stadt. Der Rath dadurch gereizt, nahm der Ehefrau des Osiander das Bürgerrecht und die Besoldung und entsetzte nun selbst noch mehr andere Geistliche, ließ eine Interimsagende drucken und deren Gebrauch in den Kirchen anbefehlen, und da dem Kaiser auch in dieser Agende noch Einiges mißliebig war, so wurde auch das ihm zu Gefallen geändert und noch mehr römischer Plunder aufgenommen, selbst das Frohnleichnamsfest fand einen Platz darin, das man aber dadurch dem lutherischen, christlichen Gewissen annehmbar zu machen suchte, daß bei demselben nur Trinitatis-Gesänge gesungen und nur das reine Wort gepredigt werden sollte. Man schämte sich nicht sogar das Lied: „Erhalt uns Herr bei deinem Wort u. s. w.“ zu ändern und statt „und steuer des Papsts und der Türken Mord,“ zu setzen „und wehr des Satans List und Mord.“ — Die treuen Knechte Gottes betrübte dieser gefährliche und unlautere Handel auf das tiefste. Dem edlen Veit Dietrich, der schon krank war und nicht fliehen konnte, brach das Herz unter diesen Kämpfen. Er berief seine Capläne bei St. Sebald und redete sie also an: „Liebe Herren und Brüder! Der allmächtige Gott hat uns in sein Ministerium zusammengespannt; desselben haben wir bisher, als ich hoffe, treulich und fleißig gewartet, und hat Gott reichlich seine Gnade dazu gegeben und bisher uns durch gnädige Mittel vor allerlei Abgötterei behütet und böse Anschläge verhindert, also daß ihr noch nichts habt in eurer Kirche, das unrecht wäre, sondern alles noch recht. Weil sichs aber läßt ansehen, wie denn der Teufel nicht feiert, daß man euch wider Gottes Wort Etwas wollte auflegen, als Meß halten ꝛc.; so will ich euch um Gottes willen gebeten haben, wollet das Zeitliche dem Ewigen nicht vorsetzen, Gott wird euch schon erhalten. Darnach seid ihr meine Zeugen, daß ichs treulich und gut mit meiner Kirche gemeint habe, und will auch euch gebeten haben, wollt meine Zeugen sein wider das Interim, daß dasselbe steckt voller Teufelsgift, und euch davor hüten. Endlich wollt auch Gott fleißig für mich bitten um Geduld und starken Glauben, denn es ist noch um ein Kleines zu thun ꝛc.“ Dann bot er seinen Collegen die Hand zum Abschiede unter vielen Thränen und starb wenige Tage darauf, am 26. März 1549. —

Noch schlimmer erging es der freien Reichsstadt Kostnitz, die unter den Oberländischen Städten noch die einzige war, welche mit dem Kaiser des schmalkaldischen Krieges halber nicht ausgesöhnt war. Sie schickte Gesandte nach Augsburg um Gnade zu erbitten. Der Kaiser legte ihr die unbilligsten Bedingungen vor, von denen gleich eine der ersten war, sich dem Interim gänzlich zu unterwerfen. Der Rath schickte hierauf ein sehr demüthiges Schreiben ein: sie wollten, obwohl ihre Einkünfte nur sehr gering, doch 8000 Goldgulden und vier Stück schweres Geschütz erlegen, sie bäten nur, sie bei ihrer Religion zu lassen, ihnen nichts „Ohnmögliches aufzubürden.“ Erst nach mehrern Wochen erhielten sie vom Bischof von Arras die höhnende Antwort: „Weil der Kaiser sehe, daß sie sich um den Frieden nicht viel bekümmern, so werde er nun auf andere Mittel bedacht sein.“ Am selben Tage erhielten 3000 Mann Befehl in aller Stille aufzubrechen und des Morgens, wenn das Volk in der Kirche sei, die Stadt zu überrumpeln. Allein die Bürger, obgleich überrascht, gaben dem wilden Feinde einen harten Empfang. Sie wollten Weib und Kind schützen und wenn die Stadt ihr Kirchhof werde. Als die Vorstadt schon erobert war und die ersten Spanier über die Rheinbrücke mit den Fliehenden zugleich ins Thor der Stadt eindringen wollten; erfaßte ein Bürger, um seinen Kampfgenossen Zeit zum Schließen des Brückenthors zu geben, zwei auf ihn eindringende Feinde, schrie zu Gott um Vergebung seiner Sünden, und stürzte sich mit ihnen von der Brustwehr in den tiefen Strom. Die Stadt wurde diesmal errettet, aber nun erklärte sie der Kaiser, um ihres Widerstandes willen in die Reichsacht. Alle Fürbitten verschiedener Fürsten und der Schweizer Cantone blieben fruchtlos. Schutz und Hülfe hatten sie von keiner Seite. Da begaben sie sich, als einziges Mittel um den Zorn des Kaisers zu entgehen, in des Königs Ferdinands Schutz, wurden aber auch von ihm an einem Tage ihrer Gewissens- wie ihrer Reichsfreiheit beraubt. Der König befahl seinen Kommissarien, „die alte wahre Religion“ — den alten römischen Götzendienst — „wieder ins Wesen zu bringen.“ Alle Geistlichen mußten binnen acht Tagen die Stadt räumen, und nach einiger Zeit ward die evangelische Predigt bei Todesstrafe verboten. —

Straßburg rettete durch einen mit vieler Mühe zu Stande gebrachten Vergleich mit dem Kaiser und seinem Bischof Etwas, freilich wenig genug. Auch die Gesandten dieser Stadt überreichten dem Minister des Kaisers in Augsburg ein Schreiben, welches die feierlichsten Versicherungen enthielt, dem Kaiser in allen weltlichen Sachen den strengsten Gehorsam zu leisten, aber zugleich die dringende Bitte, das Gewissen zu schonen. Granvella, des Inhaltes dieses Schreibens kundig, nahm dasselbe gar nicht an, und sagte mit sichtbarem Unwillen: „Zum Glauben soll zwar Niemand gezwungen werden. Dieser Satz kann nur von Unchristen verstanden werden, die noch nie keinen Glauben gehabt haben. Wer hingegen schon einmal gläubig — (d. i. ein römischer Pabstknecht) — war, und seinen Glauben wieder verleugnet, den darf man mit Feuer verbrennen!“ Der Rath machte eine zweite schriftliche Vorstellung, der Kaiser gab dieselbe Antwort, die er andern Reichsstädten gegeben: „Es kann in dem Interim jetzt nichts geändert werden, bei dem Concilium wird man die Einwendungen dagegen hören, so viel nöthig ist.“

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LORD Jesus in this manner. That brought no harm to the Emperor, their obedience to him would not be lessened thereby; on the contrary, their fidelity to Christ was a pledge of their fidelity to the Emperor. Whoever for temporal gain or danger falls away from the LORD and His command would have far less scruple, for the same reasons, to depart from his imperial Majesty. They were willing, indeed, to be better instructed out of God's Word, but as yet their consciences were firmly grounded in the doctrines proclaimed among them. They therefore begged the Emperor, for the sake of the honor of God and of their salvation, that he would not become ungracious to them, who had always proved themselves loyal, but leave them to what they had recognized as divine truth from God's Word. It would be an acceptable service to the heavenly Father and to Jesus Christ if his imperial Majesty would grant their petition. — The representation availed nothing. The Emperor sent envoys, who at first spoke much of his grace and praised his kindly intentions, but then also pointed very plainly to his wrath and pressed for the speedy acceptance of the Interim. The Council grew weak and wavering; now precisely it was a case of obeying God rather than men, of letting temporal welfare go for the sake of eternal salvation; but the Council wanted to keep both in view, and so had to succumb to the temptation of putting the eternal after the temporal, and to run the risk of losing both. It promised, though very unwillingly, to accept the Interim, and begged for a postponement, in order to gain time, until it should see how the other Estates carried out its introduction.

When this resolution of the Council was announced to the assembled clergy, they withdrew at once without uttering a word, and now began to rail loudly from their pulpits against the Interim. The Council wished to prevent this, but the preachers answered that one could not and would not keep silent. The Council, having once begun to limp, wishing to serve God and men at the same time, fell into an ever more difficult and impure position, in which it was bound to lose moral strength the longer the more. It fell to hypocrisy on all sides, upward and downward, toward the Emperor and toward the preachers and the people. To the imperial envoys it declared that they were ever busy and thoughtful how the Interim might fittingly be introduced, and begged that they should not hurry them in the matter. When Cardinal Granvella, the Emperor's minister, had them pressed anew, and delay would no longer succeed, new proposals were made to the preachers, in order to bring them to yield somewhat: they did not wish to introduce the whole Interim, but yet some parts which could be accepted without injury to conscience, so that the Emperor might be somewhat satisfied with the report that a beginning had been made. The preachers declared that it was best to accept nothing, but if something must needs be done, they could most readily take back some feast and holy days, the singing of Latin songs, and private absolution; yet the people would have to be warned against superstition and errors in these matters. Hardly had the Council wrung so much from the preachers and made a beginning with these things, when it presently sought to smuggle the Mass in again; then the opposition to it grew louder, the struggle against the Interim more burning. Osiander and Veit Dietrich submitted thorough written opinions; the former soon also gave notice, together with his son-in-law, the preacher Besold at the new hospital, of the resignation of their offices, and they left the city. The Council, provoked thereby, took from Osiander's wife the rights of citizenship and the salary, and now deposed still more other clergymen, had an Interim agenda printed and ordered its use in the churches, and since the Emperor still found some things displeasing even in this agenda, it was also altered to please him, and still more Roman trash was taken in, even the feast of Corpus Christi found a place in it, which, however, they sought to make acceptable to the Lutheran, Christian conscience by having only Trinity hymns sung at it and only the pure Word preached. They were not ashamed even to alter the hymn: "Lord, keep us in Thy Word, etc.," and instead of "and check the murder of the Pope and the Turk," to put "and ward off the craft and murder of Satan." — The faithful servants of God were afflicted to the depths by this dangerous and impure business. The noble Veit Dietrich, who was already sick and could not flee, had his heart broken under these struggles. He called his chaplains at St. Sebald and addressed them thus: "Dear sirs and brethren! Almighty God has yoked us together in His ministry; we have hitherto, as I hope, served it faithfully and diligently, and God has richly given His grace thereto and has hitherto protected us by gracious means from all manner of idolatry and hindered wicked designs, so that you have nothing yet in your church that is wrong, but all is still right. But since it looks, as the devil does not rest, as if something would be laid upon you against God's Word, such as holding Mass, etc.; so I would beg you for God's sake, do not set the temporal before the eternal; God will surely keep you. Afterwards you are my witnesses that I meant it faithfully and well with my church, and I would also beg you to be my witnesses against the Interim, that the same is full of devil's poison, and to guard yourselves against it. Finally, pray God diligently for me for patience and strong faith, for it is only a little more that remains to be done, etc." Then he gave his colleagues his hand in parting with many tears, and died a few days afterward, on the 26th of March, 1549. —

Still worse fared the free imperial city of Constance, which among the Upper-German cities was the only one that was not yet reconciled with the Emperor on account of the Smalcaldic War. It sent envoys to Augsburg to beg for mercy. The Emperor laid before it the most unreasonable conditions, of which one of the first was to submit itself entirely to the Interim. The Council thereupon sent in a very humble letter: they would, though their revenues were very small, yet pay 8000 gold gulden and furnish four pieces of heavy ordnance; they only begged to be left in their religion, and that nothing "impossible" be imposed upon them. Only after several weeks did they receive from the Bishop of Arras the scornful answer: "Since the Emperor saw that they cared little for peace, he would now be intent upon other means." On the same day 3000 men received orders to set out in all secrecy and in the morning, when the people were in church, to surprise the city. But the citizens, though taken by surprise, gave the savage enemy a hard reception. They wished to protect wife and child, even if the city should become their churchyard. When the suburb was already taken and the first Spaniards were about to force their way over the Rhine bridge into the gate of the city together with the fugitives, a citizen, in order to give his comrades time to close the bridge gate, seized two enemies who pressed upon him, cried to God for forgiveness of his sins, and plunged with them from the parapet into the deep stream. The city was saved this time, but now the Emperor declared it under the ban of the Empire on account of its resistance. All the intercessions of various princes and of the Swiss cantons remained fruitless. Protection and help they had from no side. Then they betook themselves, as the only means of escaping the Emperor's wrath, into the protection of King Ferdinand, but were by him also deprived in a single day of their liberty of conscience as of their imperial freedom. The King commanded his commissioners to bring "the old true religion" — the old Roman idolatry — "back into being." All clergymen had to leave the city within eight days, and after some time evangelical preaching was forbidden on pain of death. —

Strasburg saved something, indeed little enough, by a settlement with the Emperor and his bishop brought about with much trouble. The envoys of this city also handed to the Emperor's minister at Augsburg a letter which contained the most solemn assurances of rendering the Emperor the strictest obedience in all worldly matters, but at the same time the urgent request to spare the conscience. Granvella, being informed of the contents of this letter, did not accept it at all, and said with visible displeasure: "Nobody indeed shall be compelled to believe. This sentence can be understood only of unchristians who have never had any faith. But whoever has once been a believer — (that is, a Roman papist-slave) — and denies his faith again, him one may burn with fire!" The Council made a second written representation; the Emperor gave the same answer that he had given to other imperial cities: "Nothing can be altered in the Interim now; at the Council the objections against it will be heard, so far as is necessary."