Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 13, Nummer 3 › Seite 22
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 23. September 1856, Seite 22
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nommen, den ich einnahm. Ich sah hier zum
ersten Mal in einer lutherischen Kirche Bild und
Crucifir. Ich kam zu dem Schluß, daß ich an
den unrechten Ort gekommen und in einer Rö⸗
mischen Kirche wäre. Der Prediger war mit
Priesterkleidung angethan, das Sacrament sollte
gereicht werden, Wachskerzen brannten auf der
Ostseite des Altars, die Oblate wurde gebraucht
u. s. w. Man verneigte sich gegen die Bilder,
und wie ich vermuthete, vor ihnen.*x) So en-
digte die Ceremonie. Ich habe selten einen
Prediger anscheinend feierlicher, ernster und eif⸗
riger gesehen. Aber glauben Sie nicht, daß,
weil ich den Eifer des Mannes (Bruder Schal-⸗
ler's) bewundere, ich bewundere die Ceremonie.
Dieses ist etwas, dem ich ganz zuwider bin. . ..
J. B. MeAfee.
Die neue Entdeckung,
welche der Editor der Chambersburger Re—
formirten Kirchenzeitung gemacht hat.
Es ist wahr, unser Zeitalter ist die Zeit des
Fortschrittes. Das kann man unter Anderem
auch an der Ref. Kirchenzeitung von Chambers⸗
burg in Pennsylvanien deutlich sehen. Dieselbe
macht in der Nummer vom 1. September schon
wieder eine neue Entdeckung bekannt. Es ist
diese: „warum sich die Reformatoren (2) in der
Lehre vom hl. Abendmahl nicht haben einigen
können.“ Und was hat denn hierüber der scharf⸗
sinnige Editor entdeckt? Er schreibt: „Ueber
eine nähere Begriffsbestimmung konnte man nicht
einig werden, weil man fort und fort — unter
Leib einen Körper verstand; oder
weil die der Theologie zu Grunde liegende An-
thropologie (d. i. die Lehre vom Menschen) den
schwierigen Knoten, der sich hier zwischen Gottes
Wort und der Vernunft darbot, nicht lösen konnte.
Seitdem aber hat die Anthropologie wie jede an-
dere Wissen schaft Fortschritte gemacht — und der
Vernunft die ihr im Wege liegende Schwierigkeit,
woran sie vormals sich so gewaltig gestoßen, ge⸗
hoben.“ — Also darin liegt die Auflösung des
Räthsels, daß man nun endlich entdeckt hat,
daß der Leib kein Körper ist! Wer
muß nicht erstaunen über diese Weisheit, über
diesen Scharfsinn? Ja freilich, davon haben
sich unsere blinden Vorfahren, weder Luther noch
Calvin, etwas träumen lassen. O erleuchtetes
neunzehentes Jahrhundert! — Hierbei fällt uns
jener berühmte preußische General ein, der, um
seine Soldaten zu einer Schlacht zu begeistern,
eine kurze, aber gewaltige Rede an dieselben hielt,
in welcher er eine überaus scharfsinnige Unter⸗
scheidung machte. Die Rede war diese: „Ge—
liebte Kampfgenossen! merket nur das Eine:
Man muß nicht nur tapfer sein, sondern auch
— sind!! — Es scheint, der Reformirte
Editor ist bei diesem großen General in die
Schule gegangen.
*) Das ist unwahr. Wir verneigen uns vor keinem Bild,
wohl aber beginnen wir den Altargottesdienst uns verneigend
mit einem stillen Seufzer zu Gott. D. L.
2²
Die progressiven Ouäker.
Auch diese machen in ihrer Art Fortschritte,
daher sie sich auch die „progressiven“ d. h. die
fortschreitenden nennen. Von ihnen meldet der
„Kirchenbote“ von Gettysburg Folgendes: „Von
der 5. Jahresmeeting in Chester ist ein Traktät⸗
chen oder „Zeugniß der progressiven Quäker““
erlassen worden, das sich für das Vergnügen des
Tanzens und Musikmachens ausspricht. Es
heißt darin: „Das Vorurtheil, das diese Lust⸗
barkeiten verbietet, wurzelt in dem Ascetismus
(d. h. in der Neigung, nur gottselige Uebungen
für gute Werke anzusehen), der den populären
Glauben entstellt. Religion soll uns nicht sauer⸗
töpfisch, melancholisch und leichenähnlich machen,
sondern vollwangig, glücklich und froh. Eltern
laßt eure Kinder Musik treiben. Was das
Tanzen betrifft, so tanzte ja auch Mirjam vor
dem HErrn, und der Psalmist feiert dasselbe, und
beim Fest der Wiederkehr des verlorenen Sohnes
gabs auch Musik und Tanz. Das ist schon recht,
wenn sie nur immer wie Mirjam vor dem HErrn
tanzen.“ — Hier sehen wir, das Sprüchwort ist
wahr: Extreme berühren sich, das heißt, wie die
beiden entgegengesetzten Enden einer
Schnur am nächsten zusammenkommen, so stehen
sich die ärgste religise Schwärmerei und die
offenbarste Weltlichkeit näher, als man glanbt.
Gott bewahre die armen Quäker, daß sie nicht
mit Musik „vollwangig, glucklich und froh“ zur
Hölle tanzen!
Kirchliche Nachricht.
Da durch das bösartige und hartnäckige Hals⸗
leiden des Herrn Pastor Seidel zu Neudettelsau,
Union Co., O. die Verwaltung des Predigtamts
mehrfach unterbrochen wurde und die Gemeinde⸗
schule fast ganz darniederlag, so faßte die Ge⸗
meinde den Beschluß, einen Candidaten des hl.
Predigtamtes zum Hülfsprediger und Schullehrer
zu berufen. Auf den Vorschlag des Präsidii er⸗
ging dieser Beruf an Herrn Georg Schäfer aus
Würtemberg, bis daher Zögling des hiesigen Se⸗
minars. Derselbe ist denn auch am 9. Sonntag
p. Trin. unter Assistenz des Herrn Pastor Seidel
inmitten der Gemeinde von mir ordinirt und in
sein Amt eingewiesen worden.
Fort⸗Wayne, den 3. September 1856.
Dr. W. Sihler, P.
Missionsfest.
Allen Freunden der Mission diene hiermit zur
Nachricht, daß die luth. Gemeinde in Collinsville
in Gemeinschaft mit den umliegenden Gemeinden
am 17. Sonntage nach Trinitatis d. J. in ihrer
Mitte ein Missionsfest feierte. Es erging dabei
au die zahlreiche Versammlung ein dringender
Aufruf zur Mission, im ersten Gottesdienste aus
dem Worte Gottes selber und im zweiten aus der
Missionsgeschichte. Möge der Eindruck ein blei⸗
bender sein. Die Missionscollecte betrug 538,86.
C. Strasen.
4
Das Altenburger Bibelwerk.
Mit dieser Nummer erhalten die lieben
Leser eine Anzeige, daß dieses Werk hier
in St. Lonis wieder aufgelegt werden soll,
nebst einer Aufforderung, zunächst auf das
wieder aufzulegende Neue Testament zu
pränumeriren oder doch zu subscribiren.
Bekanntmachung.
Die St. Louis Districts-Conferenz
wird sich laut Beschlusses in letzter Sitzung
in St. Charles, Mo. am ersten Freitag
nach der Michaelis-Woche d. i. 10. Octo⸗
ber d. J. versammeln.
A. Biewend,
d. Z. Secretär.
Der mittlere Distrikt
der deutschen evang.-lutherischen Synode
von Missouri, Ohio u. a. Staaten wird,
so Gott will, seine nächsten Sitzungen in
der Kirche der luth. Dreifaltigkeitsgemeinde
zu Cineinnati, Ohio (Race Str., zwi⸗
schen der 15. und Liberty Str.), halten,
und zwar vom Mittwoch nach dem 1.
Sonntage nach Trin., den 8. October,
bis zum 14. October inclusive.
Carl Fricke, Seer.
Indianapolis, den 16. Aug. 1856.
Anzeige.
Es wird allen Schullehrern und Eltern, die
ihre Kinder im Rechnen gründlich zu unterrichten
wünschen, aufs beste empfohlen:
Irithmetisches Exempelbuch
für
deutsche Volksschulen Nord-Amerilne.
Erstes Heft,
4209 Exempel zu den 4 Grundrechnungen.
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Die Preise sind, nur um dem Buche einen schnelleren Ein⸗
gang zu verschaffen, sehr niedrig gestellt, und es wird deshalb
Baarzahlung erwartet. Der geringe Gewinn fließt in die
Casse des Seminars zu Fort⸗Wayne.
Zu bezichen von
Herrn E. Roschke in St. Louis, oder
J. C. W. Lindemann in Cleveland,
(Letterbox 1564)
Es wird Sorge getragen werden, daß, wenn es möglich in,
ein Vorrath von Exeniplaren, zur Ztit der Synodalversamm⸗
lung, in Cincinnati zu haben ist.
Es wird gebeten, die Addressen ganz genau an⸗
zugeben.
*
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