Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 13, Nummer 6 › Seite 44

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 4. November 1856, Seite 44

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Juden 1 · Synoden

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Nähere Erklärung.

1. Man muß den Unterschied festhalten zwi⸗·
schen einer allgemeinen und gleichzeitigen
Bekehrung der Juden, und einer theilweisen
und allmäligen. Das Wort allgemein
wird verschieden verstanden, entweder einfach,
und begreift dann alle Jnden, in Vergan-
gangenheit, Gegenwart und Zukunft;
oder beziehungsweise, und bezeichnet dann einen
sehrgroßen Theil der Juden, welcher
zu gleicher Zeit und auf Ein Mal in
die Kirche Christi eingeht.

2. Die theilweise und allmälige Judenbekeh⸗
rung tritt einmal als eine außerordentliche Er—
weckung besonders deutlich hervor, oder die Er-
weckung ist mehr vereinzelt und verborgen. Jenes
hat sich gar selten zugetragen, dieses darf man
alltäglich erwarten.

Beweisführung.

Die beiden ersten Theile unserer Autwort las⸗
sen sich kurzlich erhärten:

I. Röm. 11, 1. 2: „Hat denn Gott sein
„Volk verstoßen? Das seiferne!
„Deun ich bin auch ein Israeliter,
„von dem Saamen Abrahams, aus
„dem Geschlecht Ben jamin. Gott
„hat sein Volk nicht verstoßen, wel⸗
„ches er zuvor versehen hat.“ Hier
lehrt der Apostel, daß die Juden nicht durch einen
unbedingten Rathschluß oder unversöhnlichen Haß
Gottes, von der Gnade ausgeschlossen seien, son-
dern er giebt als Ursache der Verwerfung an die
bis au's Ende währende Unbußfertigkeit und den
Unglauben vieler Juden. Diejenigen Juden aber,
welche Gott zuvor versehen hat, daß sie der—
einst an Christum glauben würden,
hat er nicht verworfen. Also ist das
jüdische Volk nicht aus bloßem Haß Gottes oder
durch einen unbedingten Rathschluß verworfen.

II. Daß von den Tagen der Apostel an gar viele
Juden bekehrt seien, zeigt sowohl die heilige
Schrift als auch die Kirchengeschichte. Als der
Apostel Petrus das Evangelium predigte, wurden
„hinzugethan bei dreitausend See⸗
len,“ Ap. G. 2, 41. Zu einer andern Zeit
wurden viele Tausend an Christum
gläubig, Ap. G. 21, 20. Im Lauf der Zei⸗
ten hat diese Zahl gläubiger Jnden sich vermehrt,
wie in vielen Berichten zu lesen ist.

III. Daß eine allgemeine Judenbe⸗
kehrung nicht erwartet werden darf,
wird erwiesen:

1. Aus dem sonnenklaren Zeugnisse des Apo-
stels Paulus, welches wir lesen 1. Theß. 2, 15 16:
„Welche (die Juden) auch den Herrn
„Jesum getödtet haben, und ihre
„eigene Propheten, und haben uns
werfolget, und gefalleu Gott nicht,
„und sind allen Menschen zuwider.
„Wehrenuns zu sagen den Heyden,
»„damit sie selig würden, auf daß
„sie ihre Sünden erfüllen allewege;
„denn der Zorn ist schon endlich (im
„griechischen Urtext heißt es ε 7ν, das heißt,
„bis aus Ende) über sie gekommen.“
Zu dem Worte „endlich“ bemerkt Theophylac-
tus: „Da findet die Hoffnung keine Stätte, daß

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„sie einst aus der Gefangenschaft zurückkehren,
„und in das Land der Verheißung kommen wer—
„den, sondern endlich ist der Zorn Gottes über
„sie gekommen, d. h. der Zorn Gottes wird ewig⸗
ulich über ihnen bleiben.“ Dies Wort des Pau—
lus gewährt uns den allerkräftigsten Beweisgrund,
nämlich: Für alle diejenigen, welche den Herrn
Jesum auf das grausamste getödtet, seine Prophe-
ten und Apostel auf das härteste verfolgt und
dafür ewigen Zorn und Fluch auf sich gezogen
haben, darf keine allgemeine Bekehrung erwartet
werden; die Juden sind in diesem Falle, sür sie
gilt also der Schluß. ö

Du wirfst ein: wenn dieser Beweis gültig ist,
so wird auch nicht Ein Jnde in die Gemeine
Christi kommen. Antwort: daß aus dem Volke
Israel, welches den Herrn Jesum getödtet hat, der
eine und andere sich bekehrt, das ist es eben, was
der Apostel ein Gehesimnißenenut, Röm.
11, 25.

2. Wir haben keine gegründete Hoffnung anf
eine allgemeine Judenbekehrung, weil ein drei—
facher Fluch auf ihnen lastet: erstens, ein
allgemeiner, nach 4. Mos. 27, 26: „Ver⸗
„flucht sei, wer uicht alle Worte
„dieses Gesetzes erfüllet, daß er
»„darnach thue! Und alles Volk soll
„sagen: Amen!“ Da nun die Juden nicht
alle Worte des Gesetzes erfullen, so sind sie dem
Mosaischen Fluche verfallen. Zwar könnten sie
von diesem Fluche erlöset werden, wenn sie im
Glauben zu Christo kämen, von dem Paulus
spricht: „Christus hat uns erlöset von dem Fluch

„des Gesetzes, da er ward ein Fluch für uns

„Idenn es steht geschrieben: Verflucht ist Irder⸗
„mann, der am Holz hängt), auf daß der Segen
„Abrahams unter die Heiden käme in Christo
„Jesu, und wir also den verheißenen Geist em—
„pfingen durch den Glauben, Gal. 3, 13 14.“
Doch die Juden stoßen in ihrer Verblendung
Christum den Messias von sich: also bleiben sie
unter dem Mosaischen Fluche. — Zweitens,
ein besonderer Fluch, welcher die Juden
allein angeht, da sie ihn selbst auf sich herabbe⸗
schworen haben: „Sein Blut komme über
uns und über unsere Kinder,“ Matth.
27, 35. Die Juden vollbrachten die schwerste
aller Sünden, indem sie den Herrn der Herrlich⸗
keit an's Kreuz schlugen, und zu derselben fügten
sie noch oben drein jenen schrecklichen Fluch:
wem ist es da noch möglich zu glauben, daß allen
oder auch nur dem größten Theil der Juden eine
Bekehrung bevorstehe? Drittens ruhet auf
den Inden der Flusch Christi, durch den
Mund Davids kund gethan, Ps. 69,
24 ff.: „Ihre Augen müssen finster
„werden, daß sie nicht sehen; und
„ihre Lenden laß immer wanken.
„Gieße deine Ungnade auf sie und
„dein grimmiger Zorn ergreife sie.
„Ihre Wohnung müsse wüste wer⸗
„den, und sei niemand, der in ihren
„Hütten wohne. Denn sie verfol—
„Len, den Du geschlagen hast, und
„rühhmen, daß Du die Deinen übel
»schlägest. Laß sie in eine Sünde
„uber die andere fallen, daß sie

micht kommen zu deiner Gerechtig⸗
„keit.
„Lebendigen, daß sie mit den Ge⸗
„rrechten nicht angeschrieben wer⸗
„den.“ Dieser Fluch des Messias ist wahrlich
kein tauber Wetterstrahl, sondern verkundet den.
Juden nutrüglich eine ewige Strafe. Dazu ver⸗
gleiche was Ps. 109, 17 geschrieben steht.

3. Welche die Gnadenmittel frech
und beharrlich von sich weisen, für
die steht keine Bekehrung zu hof⸗
fen, weder ihrer aller noch eines

großen Theils; und die Jnden be⸗

finden sich in diesem Falle. — Der

Vordersatz leuchtet von selbst ein. Denn, so heißt

es in der Concordienformel „wenn ein unbekehr⸗
„ter Mensch verachtet des heiligen Geistes Werk⸗
„zeug, und will nicht hören: so geschieht ihm
„uicht unrecht, wenn der heilige Geist ihn nicht
„erleuchtet, sondern in der Finsterniß seines Un—
„glaubens stecken und verderben läßet, davon ge⸗
„schrieben stehet: „„Wie oft habe ich deine Kin⸗
»der versammeln wollen, wie eine Heune versam⸗
„melt ihre Jungen unter ihre Flügel, und ihr
„habt nicht gewollt!““ Matth. 23, 37.“ (Con⸗
cordienformel S. 621). Die Anwendung auf
die Juden leidet eben so wenig Zweifel. Sinte⸗
mal die Juden nun schon so viele Jahrhunderte
lang, bis auf den heutigen Tag, sich weigern, die
Schriften der Evangelisten und Apostel zu lesen,
selten die Bücher der Propheten aufschlagen, sich
begnügen mit den fünf Büchern Mosis, die Tal⸗
mudischen Mährchen für die oberste Auctorität
achten, die Beschneidung beibehalten, die Taufe
verschmähen, das Sakrament des heiligen Abend⸗
mahles verlästern, die Predigt des Evangeliums
so sehr verachten, daß ihnen auch die christlichen
Gotteshäuser für unrein gelten, ihren Kindern
von zartester Kindheit an Haß gegen die Christen
eintränfeln wie Muttermilch, so daß dieselben mit
Christenkindern Gemeinschaft zu pflegen sich wei⸗
gern. Also folgt der Beschluß, daß die Hoffuung
auf eine allgemeine Judenbekehrung eitel ist.

4. In welcher Herzen ein so maaß⸗
loser Haß gegen Jesum, den Grund
unseres Heils, brennt, daß ihr un⸗
heiliger Mund grauenvolle Läste⸗
rungen gegen ihn ausspeiet, für

die giebt es wahrlich keine Hoff⸗

nung einer wunderbaren Bekeh⸗
rung. Abermals sind die Juden in diesem
Falle; sie trifft also die Schlußfolge. Für den
ersten Satz ist S. Paulus Bürge, 1. Cor. 16, 22:
„So Jemand den Herrn Christum nicht lieb hat,
der sei Anathema, Maran Atha!“ Fur den
zweiten Satz bürgt die Erfahrung.
Juden pflegen in ihren Synagogen unsern Herrn
Jusum Thalui zu nennen, und so oft sein Name
genannt wird, hinzuzufügen:
sein Name und sein Gedächtniß“, und dabei auf
den Boden zu speien. Wer, frage ich, will sich
da überreden, dieses so hartnäckig gottlose Volk,
welches den allerheiligsten Namen Jesu mit bübi⸗
schen Schimpfnamen lästert, werde durch des
Heiligen Geistes Gnade erleuchtet und bekehrt
werden?

5. Welche durch gerechtes göttli⸗

Sintemal

„Vertilgt werde

Tilge sie aus dem Buch der

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