Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 13, Nummer 13 › Seite 100
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 10. Februar 1857, Seite 100
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Synoden
allen Seiten mißrathen worden war, dort eine;
Viele, vielleicht alle dort
Station zu gründen.
wohnende erwachsenen Männer haben ihre Hände
mit Bruderblut gefärbt, indem sie Indianer vom
Siour-Stamme ermordet haben. Selbst unser
Begleiter Manitowab, der jetzt ein so wackerer
Christ ist, mußte von sich beken nen, daß er Mör⸗
der mehrerer feindlicher Indianer geworden sei,
denn er habe sich an ihnen für die Ermordung
seiner Verwaͤndten rächen wollen. Zum Be⸗
weise, daß den Christen in St. Colombo das
Christenthum wirklich Sache des Herzens ist und
wie erkenntlich sie für die theure Gabe des Evan⸗
gelinms sind, möge die Erwähnung dienen, daß
sie auf des Missionars Anregen schon zweimal
zum Besten eines jungen Amerikaners, der sich
gegenwärtig für den Dienst der Mission ausbildet,
unter sich collectirt und beide Male etwa 865„,00
zu diesem Zwecke aufgebracht haben. In gleicher
Absicht ist im Laufe des vorigen Sommers ein
Stück Land von sämmtlichen Indianischen Ge—
meindegliedern mit Kartoffeln bepflanzt werden.
Bei meinem Abschiede von St. Lolombo war
ich noch fest entschlossen, zunächst und vor Allem
die Indianer am Mille-Lake zu besuchen, wie wir
das wit einander verabredet hatten. Gott aber,
dem wir unsere Sache im Gebet befohlen hatten,
lenkte unsern Gang auf einen andern Platz, zu
einem Stamme, von dem wir vorher Nichts ver⸗
nommen hatten. Die Weise, wie wir unter
Gottes gnädigem Walten gerade dorthin kamen,
war so wunderbar, daß wir nicht zweifeln durf⸗
ten, sondern gewiß sein konnten, daß uns der HErr
dahin gewiesen hatte. Der Missionsdollmetscher
Gruet hatte naͤmlich während seines kurzen Be⸗
suchs in St. Colombo einen jungen Mann kennen
gelernt, mit welchem er verwandt war. Dieser
hatte noch einen älteren Bruder, dem er die
Kunde zuträgt, daß er einen Vetter aus weiter
Ferne kennen gelernt habe. Der äͤltere Bruder,
darüber erfreut, kam am nächsten Tage ins Mis⸗
sionshaus in der Voraussetzung, seinen Vetter da—
selbst noch zu sehen. Doch vergebens; Mr.
Gruet war mir schon em Morgen desselben Tages
vorausgereis't. Da entschloß sich denn Manito—
wab (so hieß der ältere jener beiden Brüder) mit
mir nach Crowing zu reisen, woselbst ich meinen
Dollmetscher wieder treffen wollte. Dienstag früh
fand sich Manitowab im Missionshanse ein und
so traten wir unsere Reise an. Dieser Mann
wurde nachher unser Wegweiser zu den Indianern
am Rabbid-Lake, die jetzt unsere Hülfe sehnlichst
entgegensehen. Im Crowing angekommen, stellte
ich meinem Dollmetscher seinem Vetter vor und
ließ dann beide allein, damit ich Zeit gewönne, fur
unsere Weiterreise die nöthigen Erkundigungen
einzuziehen. Dabei stieß ich auf nicht geringe
Schwierigkeiten, die namentlich für den Doll-⸗
metscher wegen eines Augenleidens unuberwindlich
erschienen. Die Wege waren schlecht und ohne
Fuͤhrer nicht zu finden. Ich sah mich nach einem
Wegweiser um, konnte aber lange Zeit keinen
ausfindig machen, bis sich endlich noch Mauito⸗
wab eutschloß, mit uns zu gehen. Als er aber
hörte, daß wir von Mille-Lake nach dem Lake
Superior gehen und nicht wieder nach Crowing
zurückkommen wollten, verging ihm aller Muth
1
und er nahm sein Wort zurück; denn er fuͤrchtete
sich auf der Rückreise, die er' unter solchen Um⸗
ständen allein hätte machen muͤssen „ vor dem
Ueberfalle feindlicher Indianer. Es sollen näm⸗;
lich in dortiger Gegend die Sionx-Indianer um-
herstreifen, die den Chippeway-Indianern, wenn
die letztern einzeln angetroffen werden, den ge⸗
wissen Tod bringen. Noch eine andere Schwierig⸗
keit von Crowing ͤüber Mill-Lake nach dem Lake
Superior zu gelangen, war die, daß wir außer
unserm Reisegepäck auch noch Proviant auf etwa
14 Tage hätten mit uns nehmen müssen. Doch
die größte Schwierigkrit blieb die, daß kein Be⸗
gleiter zu finden war. Es blieb uns nur noch
ein Ausweg übrig, nämlich 2 Tage in Crowing
zu verweilen, bis zu welcher Zeit mehrere Häupt⸗
linge von Mill-Lake in Crowing erwartet wurden.
Sie waren nämlich wegen einer verübten Mord-
that vom Indianer-Agenten dorthin bestellt wor⸗
den und man hatte schon Tage lang vergeblich
auf sie gewartet. Es fragte sich uun, wie wir die
Zeit in Crowing am Rützlichsten zubringen sollten;
am Wenigsten hatte ich Lust, dort vor Anker zu
liegen und das Reisegeld unnütz zu verzehren.
Aus dieser Verlegenheit wurde ich bald gerissen;
denn während ich mich noch immer nach einem
Begleiter umsah, hatte Manitowab dem Doll:
metscher viel Erfreuliches von Indianern
am Rabbid-Lake, zu denen er selbst früher
gehört hatte, mitgetheilt: daß sie so sehnlich nach
einem Lehrer verlangten, daß ihre Häuptlinge
vor Jahren nach Washington gereis't seien,
um in eigner Person beim großen Vater (dem
Präsidenten) um einen Lehrer und um einen Far—
mer anzuhalten u. s. w. — Da unterdeß Mani⸗—
towab auch mit dem Zweck unserer Reise hin⸗
länglich bekannt geworden war, fragte er begierig,
ob wir deun nicht einmal nach dem Rabbid-Lake
gehen wollten; er wisse gewiß, daß wir dort mit
großer Bereitwilligkeit aufgenommen werden wür—
den; denn sie wünschten alle einen Lehrer unter
sich zu haben. — Noch an demselben Tage machte
uns Manitowab mit einem Häuptling der In—
dianer vom Rabbid-Lake bekannt. Dieser hörte
aufmerksam und begierig an, was ihm aus dem
Worte Gottes über den Weg zur Seligkeit gesagt
wurde; auch freute er sich von mir zu hören, daß
wir morgen zu seinen Stammesgenossen zu gehen
gedächten.
Am nächsten Morgen, es war am 20. August,
traten wir unsere Reise nach Rabbid-Lake an.
Manitowab begleitete uns und fuhrte uns auf
fast ungebahntem Wege durch Gehölz und über
Prairien, wo wir nur hie und da die Spur eines
einzigen Wagens wahrnehmen konnten, der sich
zu unserm großen Erstaunen durchgewürgt hatte.
Da uns gesagt war, es seien nur 25 Meilen
bis zum Rabbid-Lake, so dachten wir hinzugelan-
gen, auch ohne uns besonders zu beeilen. So
nahmen wir uns auch nur ein klein Stückchen
trocknes Brod mit, um für den Mittag einen In-
biß zu haben. Der Mittag kam heran und wir
erinnerten uns unwillkührlich unseres Brodes;
aber auf die Frage: „ob nun auch schon der halbe
Weg hinter uns liege, hieß es: „noch lange nicht.“
— Endlich brach die Nacht herein und mit der⸗
selben Regen und die dickste Finsterniß und wir
waren noch lange nicht am Ziele; dazu waren
links.
metscher, der sich durch die große Anstrengung des
Tages seine Augenlieder so verschlimmert hatte,
daß er gar Nichts sehen konnte, weshalb wir uns
genöthigt sahen, ihn vermittelst eines Stockes hin⸗
ter uns her zu führen. Endlich erblickten wir ein
Licht in weiter Ferue. „Dort wohnen die In⸗
dianer,“ so hieß es, und wir wurden wieder gutes
Muths. Bald aber gewahrten wir, daß das Licht
sich schnell fortbewegte, als ob es in einem laufen-
den Kanon sei, und in kurzer Zeit war es unsern
Augen gänzlich entschwunden. Das Schilfgras,
in dem wir uns jetzt befanden und das hoch über
unsern Köpfen zusammeuschlug und den Regen
reichlich an uns abstreifte, bürgte uns dafür, daß
wir in der Nähe des Lake waren. Endlich zeigte
sich noch einmal ein Licht, aber dem Auscheine
nach in unerreichbarer Ferne. Wir steuerten dar⸗
auf zu indem wir mit langen Stangen vor uns
her fühlten, ob wir festen Boden unter unsern
Füßen hätten. Nach vielfachem Stolpern und
Fallen erreichten wir spät Abends die lang er⸗
sehnten Indianer-Hütten. Wie groß war unsere
Freude, daß wir die ses Tages Ziel erreicht hatten
Wir waren müde und hungrig bis zum Um—
fallen. Die Indianer fanden wir zum großen
Theile schon auf ihren harten Nachtlagern; nur
einige Männer saßen noch um's Fener und rauch⸗
ten in gemüthlicher Ruhe ihre Pfeifen. Unser
Führer wurde bald von ihnen erkannt und
freundlich bewillkommnet, wir aber als
Fremdlinge wurden angestaunt. In einer leer
stehenden Hütte wurde uns unser Nachtquartier
angewiesen; ein Indianer machte Feuer, wäh⸗
rend ein anderer eine Matte herzubrachte, die zu
unserm Lager dienen sollte. Sehr erwünscht würde
uns nach dieses Tages Muhen ein warmes Abend⸗
brod und gutes Nachtlager gewesen Sein; doch
war dies kein Ort fur Befriedigung solcher Wün⸗
sche, obwohl die Indianer an Gastfrenndschaft
viele Völker übertreffeu. Anfangs hieß es zu un⸗
serm nicht geringen Entsetzen auf unsre Frage
um Abendbrod: „Wir haben Nichts zu essen.“
Doch schafften sie noch Rath, indem sie uns einen
Teller voll Maple-Zucker vorsetzten, den wir per
Löffel zu uns nahmen. Zwar war das Abeüd⸗
brod süß, aber fuͤr hungrige Magen, wie die un⸗
srigen, doch durftig und gering. Aber noch duͤrf⸗
tiger war unser Nachtlager. Wir mußten uns in
unsern durchnäßten Kleidern anf eine bloße Matte
niederlegen und mit gleichfalls durchnäßten Röcken
zudecken. Wir konnten natürlich die ganze Nacht
vor Frost nicht schlafen. Mit Tages-Anbruch
bemerkten wir, daß die Wirthin aus der nächsten
Hütte trotz des Windes und Regens um ihre
„Vielleicht gilt uus das,“ dachte ich bei mir selbst,
»vielleicht werden wir an das freuudliche Fener
gerufen, damit wir uns trocknen und erwärmen
können.“ In einer Viertelstunde war die Hütte
niedergerissen, neu anfgebaut und erweitert. Nach⸗
dem dies geschehen war, wurden wir gerufen. Es
war dies die Hüͤtte des ersten Häuptlings. Dieser
nahm uns freundlich auf und wies uns unser
Lager (man muß in den Indianerhütten die Zeit
wir in der Irre und wußten nicht rechts noch
Das schlimmste Loos hatte unser Doll⸗
Huütte geschäftig Alles aufriß und erweiterte.
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