Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 16, Nummer 9 › Seite 66

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 13. Dezember 1859, Seite 66

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Buße. ö · Luthers Schriften. —

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war in ihr alles im tiefsten Frieden, da wird
durch die versuchte gewaltsame Einführung einer
äußerlichen kirchlichen Ordnung, wider
den Willen der Gemeinde, gräuliche Unord-
nung, Spaltungen und schändliches Aergerniß
angerichtet. — Der sen. m. Past. Grabau von
einer Visitationsreise zurückgekehrt, fordert näm⸗
lich die Pastoren auf, ihren Gemeinden den
„Vorschlag“ zu einer verbesserten Ordnung
hinsichtlich der Unterstützung und Erbauung von
Kirchen und Schulen zu machen. Es gilt die
Aufrichtung einer Synodalbauca sse, dazu
jeder Communicant monatlich einen Cent bei⸗
steuern, oder, in größeren Geme inden eine mo⸗
natliche Collecte gehalten werden soll. — (Wie
traurig sieht es doch in diesen buffaloischen Ge⸗
meinden aus, daß man eine Casse aufrichtet,
in die jeder Communicant monatlich einen
Cent, sage einen Cent geben soll, also in ei⸗
nem langen Jahre 12 ganze Cents. Es wäre
ja freilich überall wünschenswerth, daß die Li⸗
beralität der Gemeinde im Geben größer wäre,
aber die buffaloischen Gemeinden machen sich
doch besonders bemerkbar und sichtbar durch
ganz traurige Kargheit. Es ist das aber auch
gar nicht anders möglich, unter dem buffaloischen
Kirchenregiment können keine freien, reichen, fröh⸗
lichen Kinder Gottes, Herrn und Könige, die Lust
und Freude am Geben haben, erzogen werden;
sondern höchstens gehorsame Knechte, die denn
aber auch nur geben, was sie eben müssen.—)

Drei Gemeinden wollen diesen „Vorschlag“
einer verbesserten Ordnung nicht annehmen, die
neue „Sydonalbaucasse“ gefällt ihnen aus man⸗
chen Gründen nicht, sie wollen ihre alte Ord-
nung, nach der bei jedesmaligem Bedürfniß eine
besondere Collecte gehoben wird, beibehalten.
Nun geht von Seiten der Pastoren die Bearbei⸗
tung los, ein halbes Jahr, von November
bis März und April wird in öfteren Gemeinde⸗
versammlungen immer von neuem in die Ge⸗
meinden gedrungen, daß sie die Baucasse anneh-
men sollen, — aber vergeblich. Da nun das
Ministerium merkt, daß es auf ehrlichem, offe⸗
nem Wege nicht gehen will, so macht dasselbe
eine gewandte Seitenschwenkung. Das Mini⸗
sterium erläßt nämlich eine Verkündigung und
giebt darin folgende Erklärung: das Ministe-
rium wolle keine „Auflage“ machen, aber zur
„Erhaltung der Einigkeit (?) im Synodalver⸗
band“ müsse es „anordnen“, daß die Pastoren
statt dessen eine Collecte erheben „sollten“.
An die Stelle der verhaßten Baucasse schiebt man
also unversehens eine angeordnete, der Ge—
meinde aufgelegte Collecte, welche Collecte man
aber mit folgenden süßen Worten anstreicht:
„die Pastoren sollten eine freiwillige Gabe von
jedem Mitchristen, der da könne und wolle, in
einer Kirchencollecte erbitten.“ O, ehrliches
Kirchenministerium! Es handelt sich ja gar nicht
um Hebung oder Nichthebung einer Collecte, die
Gemeinden sind ja gern bereit, sich um eine frei⸗
willige Gabe bitten zu lassen zu einer Unter⸗
stützung von Kirchen- und Schulbau, aber eine
Collecte für eine Baucasse wollen sie nicht,
der gemachte „Vorschlag“ zur Veränderung
ihrer bisherigen Ordnung gefällt ihnen nicht,

den wollen sie nicht annehmen; das ist die
Sachlage. Aber den einfältigen Bauern muß
nur erst von den schlauen Kirchenregenten der
Kopf wirrisch und schwindlich gemacht werden,
dann will man sie schon kriegen. Hätte man
über die Bauca sse abstimmen lassen, so wäre
sie verloren gegangen, darum also schnell ein
Jesu itenstückchen: an die Stelle der Casse,
eine „freie Collecte zur Einigkeit und
Frieden“, darüber wird aber nicht abge⸗
stimmt, die murß die Gemeinde annehmen, und
so hat das Kirchenministerium die Baucasse doch,
daß die dummen Bauern gar nicht einmal wissen,
wie; daß ihnen Hören und Sehen vergeht. Von
Rohr schreibt so ganz unschuldig: „so kam es,
daß es auch treuen Christen eine Zeitlang be—
denklich schien, ob das Ministerium nicht
Unrecht thue und zu weit greife, wenn es die
Abstimmung darüber, ob die Anordnung
einer freien Collerte zur Einigkeit und
Frieden im ganzen Synodal-Verband anzu⸗
nehmen sei oder nicht —mißbilligte, und
in der öffentlichen Verkündigung die Gemeine
aufforderte hierin gemäß dem Worte Got⸗
tes, der Noth der Kirche, und dem 28. Art.
A. C., nach hinreichender Belebrung und Er—

mahnung solche Ordnung in christlicher Liebe und

Gehorsam und um des Friedens willen sich
gefallen zu lassen und sie anzunehmen.“ Hier
heißt die Baucasse also: „eine Anordnung
einer freien Collecte zur Einigkeit und Frieden
im ganzen Synodalverband“; und wie sollten
nun „treue Christen“ so gottlos sein und nicht
zur „Einigkeit und Frieden“ eine Collecte halten!
Zwar etwas wunderlich und bedenklich kommt
es den treuen Christen vor, wie aus einer Bau⸗
casse, über die man abstimmen kann, nun auf
einmal eine Collecte wird, über die abzustimmen,
nicht erlaubt sein soll, und doch daduurch nun
die Baucasse eingeführt wird. Auch ist es den
treuen Christen gewiß nicht zu verdenken, wenn
sie auch darüber etwas bedenklich geworden sind,
daß sie „um des Friedens willen“ die
Collecte annehmen sollen. Der Friede war ja
da, ehe die Baucasse eingeführt werden sollte,
wie können sie denn nun „um des Friedens wil⸗
len“ die Baucollecte annehmen sollen? Ach die
lieben einfältigen Bauern, wie können die nur
so fragen? Sehen sie denn nicht, daß ihr väter⸗
lich gesinntes Ministerium beschlossen hat, ihnen
unter keiner Bedingung Frieden zu lassen, sie
haben denn die Collecte angenommen, daß sie
also, wenn sie Frieden haben wollen, die Collecte
annehmen müssen, und daß das heißt „um des
Friedens willen“? — Also Buffalo läßt über die
Anordnung einer Collecte nicht abstimmen,
natürlich nicht, denn eine Collecte ist nicht wi⸗
der Gottes Wort“ und in allen Dingen,
die nicht wider das Wort Gottes sind, ist die
Gemeinde dem Prediger Gehor sam schuldig,
das ist ja Buffalo's Fels der Kirchenregierung.
Buffalo befiehlt eine Collecte und die Ge-
meinde hat, „gemäße dem Worte Gottes“,
„in Gehorsam“ dieselbe „anzunehmen“!
— Die schändlichen papistischen Pfaffen! — Der
heilige Apostel Paulus hielt auch einmal eine

Collecte, nicht um einer lumpigen Bancasse wil⸗

len, sondern zur Unterstützung armer, gedrückter
und verfolgter Glaubensbruder. Man hätte

meinen sollen, der heilige Apostel hätte die Macht

gehabt, den Gemeinden eine solche Collecte zu
befehlen, aber er hat sie nicht, und da er
keinen „tyrannischen Geist“ hat, so maßt er sich
dieselbe auch nicht an, denn er weiß, daß er den
Kindern Gottes „außer dem Evangelio“, wie die
Apologie sagt, nichts befehlen darf, er kennt
seines Herrn Jesu Wort: „ihr wisset, daß die
weltlichen Fürsten herrschen, und die
Oberherrn haben Gewalt. So soll es nicht
se in unter euch.“ — Wie lieblich, zart und
schonend legt der große, hl. Apostel seiner corinth.

Gemeinde die Collecte vor, 2 Cor. 8, 7. u. ff.:

„Gleich wie ihr in allen Stücken reich seid, im

Glanben, und im Wort, und in der Erkenntniß,
und in allerlei Fleiß, und in eurer Lie be zu

uns; also schaffet, daß ihr auch in dieser Wohl⸗
that reich seid.“ Das Wort „schaffet“ hätte nun
den Corinthern wie eine Art Befehl klingen kön⸗
nen, darum setzt er nun gleich vorsichtig und vor⸗
beugend hinzu: „Nicht sage ich, daß ich et⸗
was gebiete; sondern dieweil andre so fleißig
sind, versuche ich auch eure Lie be, ob sie rech⸗
ter Art sei.“
„und mein Wohlmeinen hierinnen gebe ich.“
— So handelt der heil. Apostel Paulus, — aber
was versteht Paulus vom Kirchenregiment, da
muß er die erfahrenen, buffaloischen Kirchenre⸗
genten fragen, diese Häuper der sichtbaren Kirche

Gottes auf Erden, die verstehen die Gemeinden
besser zu regieren, Baucassen aufzurichten, Col⸗

lecten zu erheben. Die regieren, bis die Gemein⸗

den im schändlichsten Unfug anseinander ge⸗
sprengt werden, fast alle Jahre ein Paar neue,

und das ist dann der Triumph ihrer ächten luthe⸗
rischen Amts-Würde und Wirksamkeit. —

In der Gemeinde Martinsville nimmt
ein Theil die Baucollecte an, ein anderer Theil

ist „bedenklich und unwillig“, dem wird folgender

„Friedensweg“ vorgeschlagen: die Ge⸗
meinde nimmt die Baucollecte an, enthält sich

jeder Widersetzlichkeit“ und legt ihr Bedenken,

ob das Ministerium zu weit gegangen, „der
Entscheidung der im Inli zusammentreten⸗
den Synode vor.“ Die Unwilligen und Bedenk⸗
lichen nehmen wirklich die sen „Friedensweg“ an.
In der That das sind friedliebende Leute gewe⸗
sen! Mit solchen Leuten läßt sich schon regieren!
Sie hätten sagen können: Liebe Herrn, mit Ver⸗
gunst, wir wollen euch wohl die Hand zum Frie⸗
den reichen, aber daß ihr uns nun gleich das

liebe Fell ganz über die Ohren zieht, das geht

doch ein bischen zu schnell. Sie hätten so un⸗
recht nicht gehabt, wenn sie das gesagt hätten,
aber sie haben auch das nicht gesagt, sondem
geduldig die Operation an sich vollziehen lassen.

„Womit“, wie Herr v. Rohr schreibt, „die Ruhe!

in Martinsville hergestellt, und die Gemeinde
ein gutes Exempel christl. Geduld und Ehrbar⸗
keit gab.“ Welche Farce dieser ganze „Friedens⸗
weg“ war, wird dann recht klar, wenn man in
Auge behält, wie nach buffaloischer Lehre auf
den Synoden nur die Herrn Prediger die eigentlich
„Synodirenden“ und daher Entscheid

gebenden sind, den Kirchgliedern aber nur ge⸗

Und in v. 10 setzt er noch hinzu:

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