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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 27. Dezember 1859, Seite 73
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Buße. ö · Rechtfertigung
MIia ich sahe einen Engel
lliegen mitten durch den Him-
mel, der hatte ein ewig Evan⸗
gelium, zu verkündigen denen,
die auf Erden sitzen und woh⸗
nen, und allen Heiden, und Ge⸗
schlechtern, und Sp rachen, und
Völkern,
Offenb. Joh. 14, 6.
AMIr sprach mit großer Stim⸗
me: Fürchtet Gott, und gebet
ihm die Ehre; denn die Zeit
seines Gerichts ist kommen, und
betet an den, der gemacht hat
Himmel und Erde, und Meer,
und die Wasserbrunnen.
Offenb. Joh. 14, 7.
2
—.
Herausgegeben von der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Synode von Missouri, Ohio und andern Staaten
Redigirt von C. F. W. Walther.
Jahrgang 16.
St. Louis, Mo., den 27. December 1859.
No. 10.
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ö Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anherzusenden.
(Eingesandt von Past. Jick.)
JEsus.
„Ich will noch geringer werden,“
Sprach ein königlicher Held *),
Und verschmähte, was auf Erden
Stolzen Geistern wohl gefällt,
* Daß er seines Gottes froh
Alle eig'ne Ehre floh.
„Ich will noch geringer werden,“
+ Sprach der Herr vom Himmelreich,
Und so ward er an Geberden
Uns und allem Jammer gleich,
Wählte für die Ehre Schmach,
4 Die ihm selbst sein Herze brach.
Siehe seine Demuth glänzen,
Sieh! wie er so tief sich neigt!
Von der Gottheit Ehrenkränzen
In den Tod des Sünders steigt.
Ja! sogar ins kalte Grab
Trieb die Demuth ihn herab.
Der als Richter einst erscheinet,
Der als Gott gebot dem Sturm,
Siehe! wie er seufzt und weinet,
Und sich windet wie ein Wurm,
Da er Schande, Schmach und Tod
Litt für uns, der fromme Gott.
Er, der aller Demuth Stufen
Demuthsvoll hernieder stieg,
Hat, o Seele! dich berufen
Zu der Demuth heil'gem Sieg;
. Such' als Christi Eigenthum
Wollt'st du eig'ner Ehre leben?
Eig'ne Ehre ist ein Raub;
Gott hat alles dir gegeben;
)2 Sam. 6, 22.
Nur des HErrn, nicht deinen Ruhm.
Du bist nichts, als Asch' und Staub,
Nur ein armes sünd'ges Nichts
Bist du schuldig des Gerichts.
Laß dich Christi Liebe dringen,
Denn sie dringt zur Demuth hin,
So wirst du den Stolz bezwingen,
Und den alten Adamssinn,
Daß du stimmst mit David ein:
„Ich will noch geringer sein.“
—
Referat,
abgestattet für die Sitzungen der deutschen ev.⸗luth.
Synode von Missouri, Ohio u. a. St. westlichen Di⸗
strikts am 5. Mai 1859 und die folng. Tage zu
Addison, Du page Co., Ju.
(Fortsetzung.)
Wie verschieden Luther's Lehre von der Prä⸗
destination von der Calvin's sei, davon hier
noch ein Beispiel. Zu den Worten des HErrn
Matth. 11, 25.: „Ich preise dich, Vater und
Herr Himmels und der Erde, daß du solches den
Weisen und Klugen verborgen hast, und hast es
den Unmündigen geoffen baret“ — setzt Calvin
zur Erklärung hinzu: „Daß einige zum Glauben
kommen, andere verblendet und verhärtet blei⸗
ben, dies geschieht durch seine freie Erwählung,
weil er einige zieht, während er an den andern
vorübergeht, und allein unter den Menschen ei-
nen Unterschied macht, deren Beschaffenheit von
Natur gleich ist.“) Ueber dieselben Worte schreibt
hingegen Luther: „Christus rühmet hier, Gott
thue recht, daß er seine Geheimnisse diesen Wei⸗
*) S. J. Calvini in N. T. Commentarii. EA. Tho-
luck. Vol. I., p. 274.
öpredigen; sondern daß er eine solche Predigt er⸗
sen und Klugen verbirgt, weil sie selber wollen
über, nicht unter Gott sein. Nicht, daß er es
in der That und Wahrheit oder dem Willen
nach verberge, sintemal er es befiehlet, öffentlich
unter allen Himmeln und in allen Landen zu
wählet hat, vor welcher die Weisen und Klugen
von Natur einen Abscheu haben und die ihnen
durch ihre eigene Schuld verborgen ist, weil sie
dieselbe nicht haben wollen.“ (VII, 201.) Fer⸗
ner über die Worte Matth. 13, 13. u. 15.:
„Darum rede ich zu ihnen durch Gleichnisse.
Denn mit sehenden Augen sehen sie nicht. Denn
dieses Volks Herz ist verstockt, und ihre Ohren
hören übel, und ihre Augen schlummern, auf daß
sie nicht dermaleins mit den Augen sehen und mit
den Ohren hören und mit dem Herzen verstehen,
und sich bekehren, daß ich ihnen hälfe“ — über
diese Worte schreibt Calvin: „Er sagt, daß er
dunkel zu dem Haufen rede, weil derselbe des
wahren Lichtes nicht theilhaftig ist. Jedoch, wenn
er sagt, daß die Blinden mit einer Decke umhüllt
werden, damit sie in ihrer Finsterniß bleiben, so
schreibt er ihnen die Schuld dieser Sache nicht zu,
sondern preist mehr damit die den Aposteln wider⸗
fahrene Gnade, weil sie nicht allen gleichermaßen
gemein sei. Keine Ursache gibt er also außer dem
geheimen Rathschluß Gottes an, obgleich uns
der Grund desselben verborgen, ihm selbst jedoch
bekannt ist .. Zu diesem Zweck will der HErr
eigentlich, daß sein Wort geprediget werde, damit
die Herzen der Menschen erneuert und dieselben
mit ihm versöhnt werden. In Betreff der Verwor⸗
fenen aber verkuündigt hier Jesajas im Gegentheil,
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