Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 16, Nummer 10 › Seite 77

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 27. Dezember 1859, Seite 77

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Buße. ö · Paſtor 8 · Prieſtertum 5 · Prieſtertum 6

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theil ihre Gewalt auf ein gewisses, genau be⸗
stimmtes Maaß beschränkt. Wer eines Königs

Gesandter ist und daher in dessen Namen und an
desen Statt zu handeln hat, der muß in allem,
was er befiehlt, beweisen können, daß das Be⸗
fohlene der erklärte Wille seines königlichen Sen-
ders sei. Wollte er nach Willkür und doch von

Amtswegen handeln, so würde er nicht nur kei⸗
nen Gehorsam finden, sondern auch bald seines

unes als ein Aufrührer, der selbst König sein

wolle, entsetzt werden. Derselbe Fall findet denn
auch in Absicht auf die Prediger statt. In allem,
was sie befehlen, müssen sie beweisen, daß es ihr

gittlicher Sender so wolle; sie müssen sagen kön⸗
nen: so spricht Christus, in seinem Namen und

an seiner Statt gebiete ich dir daher; können sie
dies nicht und wollen sie doch als berufene Pre⸗
diher von Am tswegen befehlen, so machen sie

sich selbst zu Christussen, greifen Christo nach sei-
ner Krone, und werden aus Christi Gesandten
Verräther, Rebellen und Usurpatoren in Christi

Reich. Es darf auch bei Christi Ungnade nie⸗

nand solchen ihren Befehlen gehorchen, so wenig
als die Unterthanen Davids dem aufrührerischen
Absalom gehorchen durften.“) Daß wir aber
das Wort „an Christi Statt“ so recht verstehen,
it unter Anderem aus den Worten Christi er⸗
schtlich: „Gehet hin, und lehret alle Völker, und
tuufet se im Namen ꝛc.; und lehret sie hal⸗
tenalles, was ich euch befohlen habe.“
Matth. 28, 19. 20. Lehren also Prediger etwas
halten, was Christus ihnen nicht befohlen hat,
so lehren sie nicht mehr an Christi Statt, in
Christi Ramen und als Christi Gesandte, sondern

in ihrem eigenen Namen und setzen sich somit

elbst ab. Daher schreibt denn Luther: „Da

bat nun St. Peter (1 Pet. 5, 3.) mit Einem

Vorte umgestoßen und verdammt alles Regi⸗

neut, das jetzt der Pabst führet, und schleußt

lar, daß sie nicht Macht haben, ein Wort
in gebieten, sondern daß sie allein Knechte

4

sllen sein und sagen: Das sagt dein HErr
Ehristus, darum sollst du das thun.“
(ESiede die Auslegung der 1. Ep. Petri vom
Rhre 1523, in der Walch'schen Ausgabe IX,
621.) An einer andern Stelle schreibt Lut her:
„Wir muüssen den Mann haben, von dem allein
heschrieben steht: Er hat nie gesündiget oder un⸗
ucht geredet, 1 Pet. 2, 22. Jes. 53, 8. Was
derselbige thut und redet, das hören wir nach sei⸗
us Vaters Gebot, Matth. 17, 5.; damit ur-
thilen wir beide, Apostel, Kirche und Engel dazu.
Bohl gehorchen wir den Aposteln und
der Kirche auch, sofern sie jenes Man-—
res Wahrzeichen mitbringen, da er zu
hnen spricht Luc. 16, 15.: Ich sende euch und
tredigt das Evangelium; und abermal: Lehret
se halten alles, was ich euch befohlen habe. Wo
sedars Zeichen nicht bringen, so hören wir sie
ncht weiter, als St. Paulus Gal. 2, 11. ff.
zetrum hörete; da hilft kein Schreien vor,
vir thun dem nicht anders.“ (Siehe die Schrift

Hiermit wird freil ich nicht geleugnet, daß zuweilen auch
ucischaffene Christen solchen unchristlichen, wider die Ehre
Ihnsti laufenden Befehlen Gehorsam leisten; es geschieht
Un dann aus Schwachheit der Erkenntniß, wie einst jene
zveihundert mit dem Aufrührer „in ihrer Einfalt gingen
un wußten nichts um die Sache.“ 2 Sam. 15, 11.

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von der Winkelmesse und Pfaffenweihe, vom Jahr
1533. XIX, 1504.) Endlich schreibt Luther:
„So sind nun im geistlichen Reiche Diener und
Amtleute die Prediger, die da nicht regieren,
sondern das Wort Gottes ist allda

der Regente und das Predigen von dem
Haupte Christo, Apost. 20, 28., 1 Cor. 3, 11.“
(Zu 2 Mos. 18, 19. III, 1488.)

(Fortsetzung folgt.)

(Für den „Luth.“ übersetzt von Conr. Schick.)
Etwas mehr über „Gebet und Rede von Laien
in öffentlichen Erbanungsversammlungen“

von
Jakob Aall Ottesen.
(Aus dem „Kirkelig Maanedstidende“, Oct. 1859.)

Es sind nun drei bis vier Monate verflossen,
seit mein erster Aufsatz über die Wirksamkeit der
Laien veröffentlicht worden (vgl. die Thesen im
Juliheft der „Lehre und Wehre“, S. 216). Wäh⸗-
rend ich darin zu beweisen suchte, daß das öffent⸗
liche Auftreten, als Lehrer für alle und über alle,
ohne besonderen Beruf nicht recht ist, so möchte
ich jetzt darzuthun versuchen, worin das geistliche
Priesterthum besteht, welches alle Laien ausüben
können und sollen.

Es ist nicht unsere Meinung, daß das geistliche
Priesterthum im öffentlichen Predigtamt auf⸗ oder
untergehe; fern davon! Es ist viel übrig für ei⸗
nen jeden, ach mehr, als die meisten recht erfül⸗
len können!

1. Laßt uns zuerst einen Christen in seinem
Hause als Hausvater oder Hausmutter betrach-
ten. Da bist du rechtmaͤßig berufener Haus-
priester, sollst nicht bloß täglich Hausgottesdienst
(Hausandacht) halten, wo du mit eignem oder
andrer Wort aus einem Buche, oder frei allezeit
aus dem Herzen lehren und beten, alle deine Haus-
genossen unterweisen und ermahnen, aber auch
deine Kinder das Wort lehren sollst, und nicht
bloß sie es lehren, sondern sie auch anhalten, nach
dem Wort zu leben, und nicht bloß die unconfir⸗
mirten, nein! auch die confirmirten. Daran
sollst du früh und spät in deinem ganzen Um-⸗
gang dein Ehegemahl, Kinder und Dienstboten,
kurz alle, welche unter deinem Dach wohnen und
an deinem Tisch speisen, erinnern. Zugleich sollst
du deinen irdischen Beruf fleißig ausrichten und
selbst beweisen, wie auch die andern lehren, daß
Fleiß und Treue darin auch zum Gehorsam un⸗
ter das Wort gehört.

Ach wie oft sieht man nicht, daß Leute, welche
am aller geschäftigsten auf Laienversammlungen
dringen, entweder um sie selbst zu halten oder um
daran Theil zu nehmen, ihren irdischen Beruf
versäumen und nur halb oder gar nicht des
Hauspriester's Werk in ihrem eignen Hause aus-
richten! Wie müßten wir da nicht an das Wort
des Apostels erinnert werden: „So aber jemand
die Seinen, sonderlich seine Hausgenossen, nicht
versorget, der hat den Glauben verleugnet und
ist ärger denn ein Heide.“ 1 Tim. 5, 8.

2. Darnach sollst du als Glied einer christlichen
Gemeinde darüber wachen und dazu helfen, daß
derjenige, den du mit den andern in Gottes Na⸗

men zum öffentlichen Predigtamt berufen hast,

dies Amt nach Gottes Wort recht ausrichte.
Darum sollst du ihn fleißig hören, wenn er er⸗
mahnt als aus Gottes Wort, es zu Herzen neh⸗
men, so daß du auch andern davon mittheilen
und dem Prediger in solcher Weise durch die
That in Wort und Fürbitte helfen kannst, daß
seine Arbeit immer mehr und mehr Frucht schaffe.
Wenn er aus Schwachheit fehlen sollte, so sollst
du ihn in Liebe erinnern; ihn ermuntern, wenn
du siehst, daß er mit Eifer seinen Beruf ausrich⸗
tet; ihn trösten, wenn er niedergebeugt ist, und
so ihm in jeder Hinsicht ein nützlicher Sporn und
eine liebevolle Stütze und Hilfe zu allem seinem
Thun sein. Hast du dieses Stück des geistlichen
Priesterthums recht ausgefuhrt?

3. Wenn dein Bruder sündigt, sollst du ihn
strafen (Matth. 18, 15.), und womit? natürlich
mit dem Wort. Damit sollst du ihn seines Fehls
üͤberweisen, damit ihn zur Buße führen, damit
ihn trösten, wenn er umkehrt; ihn strafen, wenn
er sich verhärtet. Gleicher Weise sollst du durchs
Wort das geistliche Priesterthum ausrichten, wenn
solche brüderliche Belehrung und Bestrafung in
den folgenden Stufen fortgesetzt wird, und zwar
bis es zur Gemeinde kommt. (Matth. 18, 17.)
Da sollst du öffentlich lehren, bitten, an⸗
leiten, ermahnen, strafen, alles durch das Wort,
ob doch der arme Sünder zur Erkenntniß der
Wahrheit kommen möge. Das ist Ausübung des
geistlichen Priesterthums in der Kirchenzucht.

4. Oder in Gemeindeversammlungen, wo ja
oft Fragen vorkommen, da kannst du in der Un⸗
terredung, im gegenseitigen Austausch durch Frage
und Antwort, durch Bekräftigen oder Berichtigen
dessen, das andre sagen, indem du die Sache, so
gut du vermagst, selbst darstellst, das geistliche
Priesterthum auf eine herrliche Weise zu sehr
großem Nutzen und Segen sowohl für dich selbst
als für andre recht ausüben.

Hast du dies recht ausgeführt? O! wie anders
würde nicht das Gemeindeleben werden, die Kir⸗
chenzucht herzlicher und kräftiger, die Gemeinde⸗
versammlungen desto lehrreicher und erbaulicher,
wenn alle die geistlichen Priester, außer daß sie
in ihrem Haus und in ihrem Herzen beständig
mit dem Wort und dem Gebet umgehn und so
täglich geistliche Opfer darbringen, auch in dieser
Weise ihr geistliches Priesterthum treuer und flei⸗
ßiger ausüben würden! Wie oft wird nicht ein
junger eifriger Prediger niedergeschlagen, wenn
er so oft bei solchen Gelegenheiten so gut wie
allein stehn muß! Die Erfahrung zeigt, daß hier
ein Laie durch erklärende Zustimmung zur Er⸗
mahnung und Belehrung des Predigers oder durch
Berichtigung oder selbstaͤndige Aussprache oft
leichter Eingang finden kann, als wenn der Pre⸗
diger, sonst tüchtig und eifrig genug, immer allein
das Wort führen soll. Die andern werden mehr
aufgeweckt, wenn mehr von ihres Gleichen an
Ermahnung, Belehrung oder Bestrafung theil⸗
nehmen, gleichwie der Trost doppelt lieblich wird,
wenn er nicht bloß aus dem Munde des Lehrers
an aller Statt erschallt, sondern auch von meh-
reren an ihrer eigenen Statt. Dann würde es
ein ganz andres Zusammenwirken zwischen Pre⸗
diger und Gemeinde werden, so daß der Prediger

in Wahrheit als ein Gehülfe der Freude der Ge⸗

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