Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 16, Nummer 10 › Seite 75

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 27. Dezember 1859, Seite 75

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Buße. ö · Gemeindeglied 15 · Kirchenregiment · Kirchenregiment 5 · Paſtor 5

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daäß allein die menschliche Natur Christi, nicht
die Per son gelitten habe, so wird er aus Cal⸗
vin antworten: Ich gestehe, wenn jemand schlecht⸗
hin und an sich Christum dem Gerichte Gottes
entgegen setzen wollte, daß da kein Verdienst statt
haben würde, weil in einem Menschen die Wür⸗
digkeit nicht gefunden werden würde, die Gottes
Gunst erwerben könnte! — Oder auf die Beru-⸗
fung durch das Wort? Aber der Ange⸗
fochtene wird einwenden, eine andere sei die in⸗
nerliche, eine andere die äußerliche Berufung,
viele würden äußerlich durch das Wort berufen,
die Gott innerlich durch einen unbedingten Rath⸗
schluß verworfen habe und von denen er daher
nicht wolle, daß sie kommen. — Oder auf die
Verheißungen des Evangeliums?
Aber der Angefochtene wird einwenden, dieselben
seien keine allgemeinen, sondern beträfen allein
die Auserwählten, die Gnade werde nur Einigen
in der Absicht angeboten, daß sie ihnen mitgetheilt
werde, wie Piscator schreibt. — Oder auf die
Taufe, in welcher er von Sünden abgewaschen,
durch den heil. Geist wiedergeboren und in den
Bund Gottes aufgenommen worden sei? Aber
der Angefochtene wird aus Beza einwenden, daß
weder alle Kinder, noch Irgendwelche in der That
und Wahrheit im Augenblicke des Getauftwerdens
wiedergeboren werden, sondern daß die Wohlthat
der Wiedergeburt erst zu seiner Zeit, wie es von
Gott verordnet sei, jener Taufhandlung in den
Kindern aus dem Gehör des Wortes nachsolge;
und aus Piscator, es sei nicht einmal von den
Auserwählten wahr, daß ihnen Gott seinen Bund
in der Beschneidung selbst zugeeignet habe. —
Oder auf den Gebrauch des heil. Abendmahls,
das zur Stärkung des Glaubens eingesetzt sei?
Aber aus demselben haben sie die sacramentliche
Gemeinschaft des Leibes und Blutes Christi schon
längst hinaus gethan und geächtet, und nur eine
bildlich dargestellte Gegenwart, d. i. nur die Ge⸗
genwart eines weit, weit abwesenden Leibes
Christi übrig gelassen. — Oder auf Christi,
des Mittlers, Gütigkeit? Aber sie
halten ja dafür, daß derselbe nur nach seiner
göttlichen Natur (die ein verzehrendes Feuer ist)
uns gegenwärtig sei, daß aber Christi menschliche
Natur, nach welcher er unser Bruder ist, so weit
von uns entfernt sei, so weit der höchste Himmel
von der untersten Erde entfernt ist. — Oder auf
das Gefühl des Glaubens? Aber das
Gefuhl des Glaubens geht öfters, insonderheit in
der Zeit der Anfechtung, in unseren Herzen un⸗
ter; der Angefochtene wird daher schließen: Ich
fühle den Glauben nicht, also habe ich auch den
Glauben nicht, also will auch Gott nicht, daß
ich den Glauben habe, also bin ich in der Zahl
der Verworfenen. — Oder auf die Keunzei⸗
chen des Glaubens! Aber was immer von
den Gegnern für Kennzeichen des Glanbens an⸗
gegeben werden, die können an denen gezeigt wer⸗
den, die aus der Gnade Gottes gefallen sind;
nun aber haben die se nach der Annahme der Geg⸗
ner den wahren Glauben nie gehabt; also kann
niemand gewiß sein, daß er den wahren Glau—
ben der Auserwählten habe. — Oder auf das
Amt des Wortes und der Sacramente? Aber
der Angefochtene wird aus Beza antworten: der

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vergeht sich an Gott, welcher dafür hält, daß Gott
entweder den Menschen, durch deren Mund Gott
redet, oder dem äußerlichen Worte Gottes selbst,
oder den sacramentlichen Zeichen auch nur das
Allergeringste jener seiner göttlichen Wahrheit zur

Erneuerung der Menschen und zur Bewahrung

derselben zum ewigen Leben in Christo zuschreibe.
Wollen wir daher, daß die Reinheit der himm-
lischen Lehre und der Grund unseres Glaubens
unversehrt bleibe, so dürfen wir uns durchaus
keine Religionsvermengung träumen lassen, oder
diese Irrthümer als unbedeutend bemänteln, son⸗
dern müssen die Wahrheit aus allen Kräften
eifrig vertheidigen.“ (Loce. th. loc. de bonis
opp. Ep. dedicator.)
(Schluß folgt.)

Können Prediger ihren Gemeinden oder ein⸗
zelnen Gliedern derselben etwas befehlen, was
nicht schon in Gottes Wort befohlen ist?

Ueber zweierlei sind alle Christen einig, 1. daß
Prediger, wenn sie ihren Zuhörern Gottes kla⸗
res Wort vorhalten, unbedingten Gehorsam
fordern können und sollen, und 2. daß hingegen
Prediger nichts wider Gottes Wort zu befehlen
das Recht haben.

Klar und deutlich spricht der HErr zu den
Aposteln und somit zu allen berufenen Predigern
des Evan geliums, die das apostolische Predigt-
amt verwalten: „Wer euch höret, der höret
mich; und wer euch verachtet, der ver⸗
achtet mich; wer aber mich verachtet,
der verachtet den, der mich gesandt hat.“
Luc. 10, 16. Hiermit wird nun zwar natürlich
nicht gesagt, daß Zuhörer alles, was sie von ihren
Predigern hören, ohne Ausnahnie für Christi
Wort und Stimme ansehen und annehmen sol-
len. In der Apologie der Augsburgischen Con-
fession im letzten Artikel heißt es vielmehr ganz
richtig: „So ist es auch gewiß, daß dieses Wort
des HErrn Christi Luc. 10.: Wer euch höret,
der höret mich, nicht von Menschensatzun⸗
gen redet, sondern ist stracks dawider, denn
die Apostel empfahen da nicht ein Mandatum
cum libera, das ist, einen ganz freien ungemesse⸗
nen Befehl und Gewalt, sondern haben einen
gemessenen Befehl, nehmlich nicht ihr eigen
Wort, sondern Gottes Wort und das Evange—
lium zu predigen.“ Jene Worte Christi sind
daher also zu verstehen: wenn ein Apostel oder
ein recht berufener Prediger das Wort Christi
predigt, so sollen die Zuhörer nicht denken: ja,
wenn Christus, der Sohn Gottes, selbst persön⸗
lich mir dies sagte, so wollte ich wohl ge horchen;
aber was hat mir ein Prediger, der selbst ein ar⸗
mer sündiger Mensch ist, zu befehlen! Nein! sol⸗
len die Zuhörer denken, da mir der Apostel oder
der Prediger nicht sein eigenes, sondern Christi
Wort predigt, so darf ich nicht auf seine Per son
sehen, sondern auf sein Amt und Wort und muß
dasselbe ebenso aufnehmen, als ob der Sohn Got⸗
tes selbst persönlich mit mir redete und mir das⸗
selbe geböte. Man denke nun nicht etwa, wenn
die Worte: „Wer euch höret, der höret
mich,“ nur dieses bedeuteten, so wären sie ja

ganz überflüssig, das verstehe sich ja von selbst.
Dem ist keinesweges so. Sie sind reich an Trost,
Unterricht und nöthiger Warnung. Mit jenen

Worten gibt Christus nehmlich erstlich den Trost,

obgleich Er nach seiner Himmelfahrt nicht mehr

sichtbar in seiner Kirche lebe, wandle und lehre,

daß dennoch seine Christen darum nicht ohne sein

Wort sein, sondern dasselbe so aus dem Munde

seiner Diener hören sollen, als ob es sein, des
Sohnes Gottes, Mund selbst redete. Ja, Chri⸗

stus gibt damit seinen Christen selbst diesen Trost,
daß sie sich auch damit nicht zu ängstigen haben,
daß ja ihr Prediger ein Heuchler und darum seine
Predigt und Sacramentsverwaltung unkräftig
und ungültig sein könne; nein, will Er sagen,
laßt diese Sorge fahren, achtet nur darauf, ob
euch euer Prediger mein reines Wort vorhält;
thut erdas, so ist es eben so, als hörtet ihr mich
selbst, sollte er anch ein Heuchler sein. Zum an-
dern liegt aber auch in jenen Worten der Befehl,
daß ein Zuhörer, wenn sein Prediger ihm Christi
Wort predige, dasselbe dem einst von Christo un⸗
mittelbar geredeten ganz gleich zu achten und
demselben unbedingt zu gehorchen habe. Und
endlich liegt darin die Warnung und Dro-
hung, daß, wer das von einem Menschen ge⸗
sprochene Wort Christi um des Menschen willen
verachte, damit Christum und die hohe Majestät
Gottes des himmlischen Vaters selbst verachte, der
Ihn gesandt habe, und daß er demgemäß werde ge⸗
richtet werden. Wehe darum denen, welche aus
dem Munde ihrer Prediger Gottes klares Wort
höͤren, und dabei denken: Was will mir der Pfaffe
sagen? was frage ich nach einem Menschen?
Solche Namenchristen wird Christus einst nicht
fur die Seinen anerkennen, sondern als Veräch-⸗
ter Gottes und Seines Wortes von sich weisen
und verdammen und zu ihnen sagen: Wußtet ihr
nicht, daß wer sie höre, mich höre? „Ich habe euch
noch nie erkannt; weichet alle von mir, ihr Uebel⸗
thäter.“ Matth. 7, 23.

Ein zweiter klarer Spruch für die Wahrheit,
daß Prediger, wenn sie ihren Zuhörern Gottes
Wort vorhalten, unbedingten Gehorsam fordern
koͤnnen und müssen, ist dieser: „Gehorchet eu⸗
ren Lehrern und folget ihnen: denn
sie wachen über eure Seelen, als die
da Recheuschaft dafür geben sollen;
auf daß sie das mit Freuden thun,
unde nicht mit Seufzen, denn das ist
euch nicht gut.“ Ebr. 13, 17. Zwar richtet
auch dieser Spruch, wie die Apologie der Augsb.
Con fession ebenfalls ausdrücklich bezeugt, freilich
„kein Regiment außer dem Evangelio“ an, so
wenig, wie diese Worte Christi: „Auf Mosis
Stuhl sitzen die Schriftgelehrten und
Pharisäerz alles nun, was sie euch
sagen, daß ihr halten sollt, das hal—
tet und thut es; aber nach ihren Werken
sollt ihr nicht thun.“ Matth. 23, 2. 3. Viel⸗
mehr, wie man einst allein dann nach den
Worten der Pharisäer und Schriftge⸗
lehrten thun sollte, wenn sie auf Mosis
Stuhl saßen, das heißt, wenn, so oft und so
lange sie ihren Zuhörern wirklich das Gesetz Mo-
sis vorlegten; so wird in jener Stelle Ebr. 13,
17. auch nur dann Gehorsam gegen die Predi⸗-

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