Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 17, Nummer 7 › Seite 51

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 13. November 1860, Seite 51

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Gottesdienſt. R · Luther

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Herzen von den Symbolen unserer Kirche ab⸗
gefallen war, hat es dann auch ehrlich öffentlich
mit Mund und Feder eingestanden, daß er
die symbolischen Bucher unserer Kirche nicht mehr
unbedingt unterschreiben könne, weil er darin
Fehler gefunden habe. Die Buffalo⸗-Sy-
node hingegen behauptet steif und fest, daß sie
rein und streng lutherisch sei und streng an den
Symbolen unserer Kirche halte; und dennoch,
während die Symbole unserer Kirche mit klaren
Worten lehren: daß die Kirche die Schlüssel un-
mittelbar habe, und nachdem dies der Buf⸗
falo Synode vorgehalten war, lehrt und bekennt sie
dennoch in geradem Widerspruch damit, daß die
Kirche die Schlussel nicht unmittelbar, son⸗
dern mittelbar habe! Was unsere Bekennt⸗

»nißschriften unbedingt bejahen, das ver⸗
neint also die Buffalo-Synode unbedingt.
Was die lutherischen Symbole als Lehre un⸗
serer Kirche bekennen, das verwirft die
Buffalo-Synode an uns als Irrlehre und
Schwärmerei. Die Leser werden sagen:
Wie ist das doch möglich? — Das kommt da⸗
her: Die Buffalo-Synode weiß recht gut, wie
wichtig und gegen sie entscheidend dieser Streit⸗
punct ist.

Sie weiß recht gut, wenn sie mit den symboli⸗
schen Büchern zugiebt und lehrt, daß die ganze
Kirche die Schlüssel unmittelbar hat, so stürzt ihr
ganzes hierarchisches Lehrgebäude wie ein Karten⸗
haus zusammen. So lange sie daher ihr hierar⸗
chisches System nicht fahren lassen will, so lange
kann sie nicht zugeben, daß die Kirche die Schlüs⸗
sel unmittelbar und ursprünglich hat und nicht
mittelbar durch das Pfarramt *). Anstatt nun
aber, wie Pfarrer Löhe, es ehrlich einzugestehen,
daß sie die symbolischen Bücher nicht mehr in
allen Puncten unterschreiben könne, z. B. eben
nicht in dem Punct, daß die Gemeine oder Kirche
die Schlussel un mittelbar habe; so spricht sie zwar
zu dem, wozu die sym bolischen Bücher Ja sagen,
einfach Nein, behauptet aber nichts desto weni⸗
ger mit beispielloser, ganz unerhörter Dreistigkeit,
dennoch halte sie an den Symbolen unserer Kirche
fest, hingegen wer das für wahr halte, was in
den Symbolen steht, daß die Kirche die Schluͤssel
unmittelbar habe, der sei von der reinen lu⸗
therischen Lehre und Kirche abgefallen! Eine solche
Unverschämtheit ist vielleicht, so lange die christ—
liche Kirche steht, noch nicht vorgekommen. Daß
sich aber bei solchem offenbaren Trugspiel noch
immer Menschen finden, die die Lehre der Buffa⸗
loer von den Schlüsseln und der Kirche für die

*) Wenn nehmlich die Buffalo-⸗Synode vom heil. Pre⸗
digtamt redet, so versteht sie darunter nicht das Amt über⸗
haupt oder das mitgetheilte Evangelium, sondern immer das
Pfarramt, oder das Predigtamt, sofern es die Pastoren
inne haben. — Wenn übrigens die Buffaloer auch dieses sa⸗
gen: „Die Gemeine hat die Schlüssel nicht unmittelbar,
sondern mittelbar — im Worte Gottes“ — so ist
dieser Gegensatz eine offenbare Albernheit. Es ist das das-
selbe, als wenn einer sagen wollte, ich besitze die Gewalt, mein
Geld anszutheilen, nicht unmittelbar, sondern mittelbar —
in meinem Gelde. Die symbolischen Bücher unserer Kirche
stellen hingegen das gerade Gegentheil von jenem Buffalv'schen
Gegensatz auf und sagen: „Gleichwie die Verheißung
des Evangelii gewiß und ohne Mittel, das heißt,
unmittelbar, der ganzen Kirche zugehört, also gehören die
Schlüssel ohne Mittel der ganzen Kirche, dieweil
die Schlüssel nichts anderes sind, denn das Amt,
dadurch solche Verheißung — — wird mitgetheilt.“

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reine evangelisch-lutherisch-symbolische halten, ist
nur aus der jetzt wahrhaft fabelhaften Unwis⸗
senheit in Absicht auf Lehre, oder aus dem jetzt
immer größer werdenden Maugel an gesun⸗
dem Menschenverstand (das ist, an der Fä⸗
higkeit, die einfachsten Schlüsse zu machen), oder
aus grenzenloser Leichtfertigkeit, oder ans
dem sehnlichen Wunsche hierarchisch gesinnter
Menschen, die Sache möch te so sein, zu erklären,
denn „was man wünscht, das hofft man, und
was man hofft, das glaubt man.“ Doch mag
die Buffalosynode durch ihre an das Unglaubliche
grenzende Dreistigkeit, mit der sie die reine Lehre
des kirchlichen Bekenntnisses als Irrthum und
Schwärmerei verwirft, verspottet und verlästert,
und dennoch darauf pocht, echt lutherisch und
symbolisch zu sein, jetzt viele unwissende und un-⸗
lautere Menschen verführen; mag sie selbst da—
durch sich den Schein geben, als habe sie das beste
Gewissen von der Welt, daß sie uus sogar wegen
unserer symbolischen Lehre in den Bann thut: der
Irrthum kann sich immer nur eine kurze Zeit als
Wahrheit halten; die Wahrheit wird doch endlich
triumphiren, und diejenigen, welche ehrlich sein
wollen, werden es endlich, wenn sie auch eine
Zeit lang irre gemacht waren, einsehen und be⸗
kennen, was die Lehre des lutherischen kirchlichen
Bekenntnisses sei.

Wir wissen wohl, viele, welche gegen die reine
Lehre gleichgültig sind oder doch die Wichtigkeit
der Lehre von den Schlüsseln nicht einsehen, sind
ärgerlich, wenn wir die Buffalo⸗-Synode nennen.
Sie denken, wir sollten die Wahrheit einfach sagen
und damit Punctum! Was gingen uns die Buffa-
loer an! Aber nach solchen gleichgültigen oder doch
unerfahrenen Leuten können wir uns nicht richten.
So oft man eine Irrlehre als reine Lehre in die
Kirche einschwärzen will, so oft muß von den rei⸗
nen Lehrern dagegen Zeugniß erhoben werden.
Ganz recht sagt Bischof Gregorius, genannt
der Große: „Keinesweges legt man den Grund
der rechten Wahrheit, wenn man nicht vorher
das Gebäude des Irrthums niederreißt.“x*)
Hätten die alten gottseligen Zeugen einst geschwie—
gen, als Irrlehrer in der Kirche aufstanden, so
hätten wir jetzt die reine Lehre nicht, die sie uns
erkämpft und hinterlassen haben, und hätten da⸗
mit eine große Verantwortung auf sich geladen.
Wenn nun jetzt wieder Irrlehrer in unserer Kirche
auftreten, so ist nun die Reihe an uns, sie zu ent⸗
larven und die Unerfahrenen vor ihnen zu war—
nen und zu wahren. Wehe uns, wenn wir nun
schweigen, wenn wir stumme Hunde sein wollten,
um bei den falschen Christen für friedfertige Leute
zu gelten! Unsere Verantwortung würde einst
groß und schwer sein und wir würden schon hier
die von uns nicht vertheidigte Vestung der über⸗
kommenen reinen Lehre verlieren, indem wir sie
den Bestreitern derselben verriethen und preis
gäben. Mögen falsche Cüristen uns um unseres
ernsten Kampfes gegen Irrlehrer willen streitsüch⸗
tige Menschen nennen, mögen sie unseren ernsten
und ehrlichen Kampf um die Wahrheit dem fleisch⸗
lichen und unehrlichen Kampfe unserer Gegner

*) Nequaquam reetae veritatis fundamentum poni-
tur, nisi prius erroris fabrica destruatur. Moral. I.
18. c. S.

iglauben, darum reden wir.

gleichstellen, mögen sie sich daran weiden, als an
einem Schauspiele, das ihnen die Uneinigkeit in
der Kirche zeigt, die sich die rechtgläubige nennt,
mögen sie vom hohen Throne herab daruber ab⸗
urtheilen als über unchristliches Gezänk, während
man an ihrem Beispiele sehen könne, was es heiße,
recht kämpfen und die Wahrheit in Liebe sagen —:
das darf und kann uns nicht beirren. Wir
Wir wis⸗
sen, daß an der Reinbeit des Wortes Gottes mehr
gelegen ist, als an außerlichem Frieden und gutem
Gemach in dieser Welt.
wenn es Gott gibt, eine gute Gabe Gottes, aber
ohne dasselbe kann die Kirche und die Seligkeit
der Menschen wohl bestehen, aber ohne das
reine Wort Gottes kann weder die Kirche
noch die Seligkeit der Menschen bestehen. Spricht
man aber: Solltest du nicht wenigstens um des
Aergernisses willen deinen Kampf einstellen,

den viele daran nehmen? — so antworten wir mit

dem heiligen Bernhardus: „Es ist besser, daß
Aergerniß entstehe, als daß die Wahrheit verlas⸗
sen werde.“*)

Was nun endlich den zweiten An hang
der Schmalkaldischen Artikel betrifft, so heißt es
u. A. darin zum Beweise, daß „die Kirchen die
Gewalt behalten müssen, daß sie Kirchen diener
fordern, wählen und ordiniren,“ folgendermaßen:
„Hieher gehören die Sprüche Christi, welche zeu⸗
gen, daß die Schlüssel der ganzen Kirche
und nicht etlichen besonderen Personen
gegeben sind, wie der Text sagt: Wo zween
oder drei in meinem Namen versammelt sind, bin
ich mitten unter ihnen ꝛc.“ Wer hiernach noch
behaupten kann, daß die Schlüssel nicht der gan⸗
zen Kirche, nicht allen gläubigen Christen, sondern
nur „etlichen besonderen Personen“,
sei es nun nur Petrus, oder nur die Apostel, oder
nur die Herrn Pastoren, der sage, was er will,
von seiner Lehre, lutherische Lehre ist es nicht.

In dem nächsten Artikel wollen wir nun sehen,
wie die alten rechtgläubigen Lehrer diese Lehre
unserer symbolischen Bucher in ihren Privatschrif⸗
ten darstellen und weiter ausfuhren.

(Fortsetzung folgt.)

2——

—

(Eingesandt.)
Züge aus der Reformations⸗Geschichte
von Norddeutschland.

A.

Herzog Erich J., dessen Gemahlin
Elisabeth, dessen Sohn Erich II., und
Anton Corvinus.

Bei dem Beginne der Reformation regierte in
den Fürstenthümern Göttingen und Calenberg
Herzog Erich I. oder der Aeltere, ein edler ritterli⸗
cher Fürst. Bekannt ist es, daß Luther auf dem
Reichstage zu Worms durch sein freies muthiges
Auftreten einen solchen Eindruck auf ihn machte,
daß er ihm zur Erquickung eine silberne Kanne
voll Eimbecker Bier in seine Herberge sandte, wel⸗
che Luther mit den Worten austrank: Wie Herzog
Erich heute meiner gedacht hat, so gedenke seiner

*) Melius est, ut scandalum oriatur, quam veritas
relinquatur. Ep. 34 ad Drogon.

Das letztere ist zwar,

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