Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 17, Nummer 7 › Seite 55

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 13. November 1860, Seite 55

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Geſangbuch 2 · Gottesdienſt. R

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Beste regieret; aber da das Weib kam und wollte
die Hand auch mit im Sode haben und klug sein,
da fiel es Alles dah in und ward eine wüste Un⸗
ordnung.“

28. Trauwohl ritte das Pferd weg.

Luth. Ww. 4, 388 f.: „Im weltlichen Regi⸗
ment gehet es auch so zu, welches gleich als ein
Exempel und Gemälde der christlichen Kirchen
ist. Wenn die Fursten sicher und unfleißig sind,
nicht selbst ihres Amts und Befehls warten, so
wird das Land voller Heuchler. Denn sie trauen
hier, sie trauen da, verlassen sich auf ihre Amt⸗
leute; die halten so Haus, daß wohl besser taugte.
Indeß wird gleichwohl die Armuth beschwert; da
gibt denn Gott endlich bösen Segen zu ꝛc. Denn
es thuts nicht, daß Herren ihre großen Sachen
und Händel wollen andern befehlen, und jeder⸗
mann trauen, und sich der Händel nicht selbst
annehmen. Sie sollten selbst in das Spiel sehen,
wie Land und Leute regiert würden, und nicht
weiter glauben, denn sie sehen, so würden sie desto
weniger getäuschet.

Also ist's auch im Haushalten. Wenn Herr
und Frau schnarchen, und dem Gesinde alles un⸗
ter Händen lassen, und auf ihr gut Vertrauen
stellen, so gehet's nach dem gemeinen Sprichwort:
Trauwohl ritte das Pferd weg. Wahr ist's,
trauen soll und muß man; denn es ist ein schänd⸗
lich Ding um mißtrauische Leute, die sich zu nie⸗
mand nichts Guts versehen; aber es soll gleich⸗
wohl auch ein Maaß haben, daß man nicht zu
viel traue, sondern selbst mit zusehe, und durch zu
viel Vertrauen, wie gemeiniglich geschieht, dem
Gesinde nicht Ursach gebe zu sündigen.“

290. Man kauus nicht Alles zu Bolzen
drehen.

Luth. Ww. 58. 185 f.: „Das Gesetze macht
in keinem Stande oder Kunst gerecht; ist un⸗
möglich, daß Alles schnurgleich nach dem Gesetz
gehen und geschehen könnte. Wie wir auch in
der Kinder⸗Kunst, so man in Schulen lehret, der
Grammatica, sehen; da ist keine Regel so ge⸗
meine und schnurgleich, die nicht ihre Auszüge
hat. Darum ist Vergebung der Sünden durchs
ganze Leben in allen Händeln, Werken und Kun⸗
sten allenthalben ausgestreuet und gesetzt. Denn
daß ein Poema und Gedicht oder Lied von gemei⸗
nen Regeln ausgenommen und nicht stracks wie
sonst eine andere schlechte Rede gestellt wird, das
ist Vergebung der Sunden.

Das man heißt punetum mathematicum, das
untheilbar und schnurgleich sei, also daß es auch
am allerkleinsten und geringsten Punktlein nicht
fehle, dasselbige ist unmöglich zu finden; wie man
auch die Gerechtigkeit, so das Gesetz erfordert,
nirgend nicht finden kann. Das physicum pune-
tum aber, wie mans nennet in Schulen, daß
nicht so genau und schnurgleich Alles zugehet und
geschieht, ist Vergebung der Sünde, da man muß
Geduld haben, da es nicht also allenthalben ge⸗
het, wie es wohl sein sollte.

Wiewohl aber dasselbige Pünktlein, das sie ma-
thematicum heißen, nirgend nicht zu finden ist,
doch muß man nach dem Zweck und Ziele schie⸗
ßen, so viel es möglich ist, man triffts doch nicht
und kommt noch weit genug davon. Es will

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aleichwohl heißen, man muß bisweilen durch die
Finger sehen, hören und nicht hören, sehen und
nicht sehen. Also sagte ich neulich M. S., daß
er seinem Schösser sollte sagen, er sollte das pune-
tum physicum lernen und Geduld haben, es
werde doch aus dem mathematico punoto nichts,
daß es Alles sollte schnurgleich zugehen und wie
man spricht: Man kanns nicht Alles zu Bolzen
drehen.“

Davon redet D. M. Luther auf eine Zeit mit
M. Veit Dietrichen: „Die Juristen mit ihrer
Kunst müssen auch oft die Vergebung der Sün⸗
den suchen, denn sie treffens nicht alle Zeit. Und
wenn sie unrechte Urtheile fällen und der Teufel
sie plaget im Gewissen, so könnten sie ihm nicht
widerstehen, wenn sie gleich Bartolum. Baldum
und alle Scribenten für sich hätten; aber mit der
ertetnstu, das ist mit der Vergebung der Sünden,
mögen sie sich schützen. Sie müssen zum Oerten
einschlagen und treffen, was sie können, und dar⸗
nach zu unserm Herrn Gott sagen: Lieber Herr
Gott, laß es so gehen, wir könnens nicht besser;
ist es gefehlet, so vergieb es.“

30. Eine offenbare Lüge ist keiner
Antwort werth.

Luthers Ww. 63, 317.: „Bei den Deutschen
ist ein Sprüchwort, das heißt: Eine offenbare
Lüge ist keiner Antwort werth. Weil denn das
unverschämte Maul und Herz des Witzels, wi⸗
der sein eigen Gewissen sogar offenbar in seinem

Lasterbüchlein lügt, daß auch seine Papisten selbst

wohl greifen müssen, wenn sie gleich blind wären:
babe ich den leichtfertigen Buben nicht werth ge⸗
achtet, auf seine Lügen zu antworten; denn sol⸗
cher Bücher habe ich viel, viel mit Schweigen
verantwortet, und als ein Ganspfeifen lassen
vorüber rauschen; habe aber nicht wollen wehren,
wo sonst Jemand antworten wollte.“

31. Wenn ein Ding wohlfeil ist, soll

manes schön auf heben. — Wer hält,

wenn er hat, der findet, wenn er

darf. — Hebeses auf, es findet wohl
se ine Statt!

Luth. Ww. 2, 179 ff.: Das andere Stück
in diesem Evangelio ist, daß unser lieber Herr
Christus heißt „die übrigen Brocken sammeln,
daß nichts umkomme.“ Das ist auch eine nöthi⸗
ge Lehre. Denn so gehet's, wenn Gott wenig
giebt, so wollen die Leute verzweifeln, und sorgen,
sie müssen Hungers sterben. Wenn er vollauf
giebt, so werden sie ruchlos und verachten Got⸗
tes Segen. Wie zu Herrn Hofe geschieht, da
man das übrige unnützlich und schändlich ver⸗
schwendet und verschleudert. Als wenig nun
unser Herr Gott will das Zagen und Sorgen; so
wenig will er auch das Verschwenden; sondern
will, daß man die Mittelstraße gehe, daß man
ihm vertraue, und das Uebrige zu Rathe halte
Wenn ein Ding wohlfeil ist, (saget man,) soll
man es schön aufheben.

Solches soll man nicht allein vom Brod ver⸗
stehen, sondern auch von allen andern Gaben
Gottes, sie seien leiblich oder geistlich. Heutiges
Tages gehet Gottes Wort im Schwung und alle
Künste blühen. Wie man aber Gott dafür dan-

ket, und es aufhebet, das siehet man vor Augen.

Jedermann verachtet beide, Gottes Wort und gute
Künste, und laufet mit Füßen darüber. Wer
aber klug wäre, der sollte es sammeln und auf⸗
heben, weil er's hat, auf daß er's finden könnte,
wenn er's bedürfen würde. Denn Gott will nicht
alle zeit neu Brod schaffen, wenn man das übrige
umkommen läßt; sondern will, daß man auf⸗
hebe, das er geschaffen und gegeben hat.

In Häusern hat man ein gemein Sprüchwort:
Wer hält, wenn er hat, der findet, wenn er darf.
Item: Hebe es auf, es findet wohl seine Statt.
Denn es ist zumal ein schändlich Ding im Haus⸗
regiment, um einen vollen Zechbruder, der alles
hindurch jaget, und nichts zu Rathe hält, und
um ein Weib, das nicht häuslich ist. Da gehet's
zu, wie jener Mann zu seinem Weibe saget:
Wehre, Else, wehre, daß wir ja nicht reich wer⸗
den. In andern Regimenten ist's auch also ge⸗
than. Es ist zumal ein feindselig Ding in der
Kirchen um einen faulen Prediger, und um einen
satten, überdrussigen Menschen, der verdrossen ist,
Gottes Wort zu hören; und in der Schule ist's
ein verdrießlich Ding um einen ungerathenen
Schüler, der mehr vergisset, denn daß er lernet.

Zu dieser Zeit sind alle Künste reichlich ausge⸗
speiset, wenn man nur Körbe bätte, darinnen
man es aufhübe. Desgleichen die heilige Schrift
liegt allenthalben wie Brocken, welche die Hunde
schier nicht fressen mögen. Ihr jungen Leute,
schauet daß ihr Körbe seid und es sammlet. Denn
es wird die Zeit kommen, daß man gern ein einig
Blatt davon haben wollte, da man jetzt eine ganze
Bibliothek voll hat; und nach dieser wohlfeilen Zeit
wird solche Theurung kommen, daß man gern
eine einige Predigt haben wollte, da man jetzt
hundert Predigten hat. Wie mir geschah unter
dem Pabstthum, da ich um eine rechtschaffene Pre⸗
digt gern nach Rom gegangen wäre, und konnte
sie doch nicht finden.

Wenn unser Herr Gott giebt, so giebt er reichlich,
daß es überschwenglich ist. Wiederum, wenn er
wegnimmt, so nimmt er's so gar hinweg, daß nicht
ein Körnlein übrig bleibt. Unter dem Papstthum
war nicht einer zu finden, der Grammaticam, Dia
lecticam, Rhetoricam, recht gekannt hätte. Mit
dem Evangelio war es auch also; kein Doctor
der heiligen Schrift war zu finden, der da gewußt
hätte, was Gesetz, was Evangelium wäre. Jetzt
hat man es überfluͤssig, und kann es allenthalben
hören und lesen; aber niemand achtet es. Wenn's
nun unser Herr Gott wiederum aufraffen wird,
alsdann wird gar nichts mehr da sein. Moses
schreibet, daß Gott dem judischen Volk gedräuet
hat, „er wolle ihren Himmel wie Eisen, und ihre
Erden wie Erz machen,“ 3 Mos. 26. Und da
solche Strafe über das Volk kam, da starben sie
wie Fliegen. Also ging's unter dem Pabstthum;
da Gott sein Evangelium aufge hoben hatte, konnte
kein Mensch etwas von der heiligen Schrift; so⸗
gar war die Schrift verschlossen und eisern ge⸗
worden, daß sie niemand verstehen konnte.

Darum heißt's: „Sammlet die übrigen
Brocken, daß nichts umkomme.“ Ein guter
Hausvater soll aufheben und zu Rath halten,
daß nichts umkomme. Im weltlichen Regiment
soll ein guter Regent nichts verschleudern; wie
Joseph in Egypten die sieben reichen Jahre das

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