Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 18, Nummer 22 › Seite 171

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 11. Juni 1862, Seite 171

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Bibliſche Geſchichte

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Zucht nach Gebühr mit Weisheit und Nach-
druck anzuwenden. Auch hier vermied er eben-
sosehr die verzärtelnde Schlaffheit und das über⸗
mäßige Freilassen, als die blos gesetzliche Strenge,
die launische Härte und das übermäßige Be⸗
schränken; und das väterliche Herz führte auch
die Ruthe.

Wie er nun in Kraft des Glaubens treu
war als Schulvater und Hausvater, so war er
es auch als christlicher Freund und Nachbar;
denn zu allerlei Dienst der Liebe war er allezeit
willig und bereit, ohne irgend auf Dank und
Vergeltung zu rechnen. In christlich -geselligen
Kreisen war er weder einsilbig und verschlossen,
noch redselig oder gar geschwätzig. Er hatte
immer mehr Lust zu hören und zu lernen, als sel⸗
ber einen größeren Beitrag zur Belehrung und
Unterhaltung zu liefern. Was er aber redete,
war verständig, einfach, schlicht und wahr.
Von dem mit Recht übelberüchtigten Schulmeister-
dünkel, mit dem sonderlich die Pracht-Exemplare
und superfeinen Kunstprodukte deutscher Schul⸗
lehrer-Seminarien behaftet sind, war an ihm
weder in noch außer der Schulstube irgend eine
Spur zu entdecken. Und leider ist dieser Dünkel
auch da nicht selten, wo nur eine sehr mittel⸗
mäßige Begabung und Vorbildung vorhanden ist.

Wie nun der Entschlafene seinem Gotte ge-
treu war zur Zeit der Gesundheit, so war er es

auch zur Zeit der Krankheit, nachdem es dem

HErrn gefallen hatte, ihn auf das Krankenbette
zu legen, um seinen treuen Knecht auserwählt
zu machen im Ofen des Elends. Mit bösen
Blattern ganz überdeckt, Geschwüͤre in seinen
Gedärmen, sein Leib hoch aufgetrieben und hart
und schmerzlich gespanut, ohne Oeffnung, schwer
beängstigt auf der Brust, in den Beinen gelähmt,
von stetigem brennenden Durst gepeinigt, lag er
da, ein Bild des Elends und Jammers. Von
Außen schien es da ja freilich, als habe der Herr
sein gnädiges Angesicht vor ihm verborgen, sich
verwandelt in einen Grausamen und seine Barm-—
herzigkeit vor Zorn verschlossen. Betrachtete man
aber den kranken Bruder nach dem herrschenden
Zustand seiner Seele, da war es ja freilich offen⸗
bar, daß sein himmlischer Vater in Christo ihn
nur zu dem Ende in den Feuerofen dieses
schmerzenvollen Leidens gesteckt hatte, um die
Kraft und Schöne des rechtfertigenden Glaubens
und des Lebens Christi in ihm allen sehenden
Augen klar und offenbar zu machen. Dieser
Glaube aber that sich auf mancherlei Weise kund.

Zuerst nämlich erzeigte er sich in einer muster⸗
haften Geduld und Ergebung in den guten und
guädigen Willen seines getreuen Gottes, so daß
weder in Worten noch in Geberden irgend ein
Zeichen der Ungeduld, des Zagens oder Murrens
hervortrat und der HErr ihm Gnade gab, die
Aufwallungen des erbsündlich verderbten, bald
verzagten, bald trotzigen Herzens, damit ja auch
die Wiedergebornen noch behaftet sind, in Kraft
des Glaubens zu unterdrücken.

Dieser sein gesunder Glaube gab sich aber auch
in Worten kund; denn wiewohl der theure Bru⸗
der bezeugte, daß er Lust habe abzu scheiden und
bei Christo zu sein, so fürchtete er doch zugleich,
daß sein kreutzesfluchtiges Fleisch in dies Ver⸗

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langen sich mit einmenge; und er zog sich des⸗
halb stetiglich in die dritte Bitte zurück, es durch⸗
aus willenlos dem Willen des Herrn befehlend,
ob dieser es mit ihm zum Genesen oder zum
Sterben wolle gehen lassen. Seinen Glauben
stärkte er durch die Vorlesung der herrlichen
Trostpsalmen, und sonderlich war ihm der 23ste
eine süße Labung und Erquickung, dessen Ende
nun ja auch an ibhm sich so lieblich erfüllt hat,
daß er im Hause des HErrn bleibet immerdar.
Eine besondere Frende und Trost gewährte ihm
auch das Lied: „Herzlich lieb hab ich dich o Herr“,
das er sich mehrfach vorsingen ließ. Seine wahre
ungeheuchelte Demuth, die ja eine Tochter des
Glaubens ist, offenbarte sich auch hin und her.
Es wurde ihm nämlich von Jemand seine Treue
vorgehalten in der Ausübung seines Schullehrer-
und Hausvater-Amtes; und allerdings soll ja
auch ein wahrer gesunder Christ angethan sein
mit dem Krebs oder Brustharnisch der Gerechtig⸗
keit und sich in Wahrheit und Liebe halten gegen
jedermann, also daß er mit St. Paulus zeugen
könne, 2 Cor. 1, 12.: „Unser Ruhm ist der,
nämlich das Zengniß unseres Gewissens, daß wir
in Einfältigkeit und göttlicher Lauterkeit auf der
Welt gewandelt haben.“ Da es aber unsern
kranken Bruder dünkte, als ob der Tröster seine
Treue könne der eignen natürlichen Kraft irgend⸗
wie zuschreiben, so antwortete er im herzlichen
Eifer um Gottes Ehre zweimal schnell nach ein-
ander: „Alles Gnade, alles Gnade!“

Ferner, wie er immerdar während seiner Amts
verwaltung seine Leistungen für die geringsten
hielt, so sagte er auch während seiner Krankheit,
es sei vielleicht für die Schule besser, wenn Gott
ihn abriefe, da er am Ende doch nur einem Tüch⸗
tigeren im Wege stehe. Doch äußerte er zugleich,
diese Krankheit solle ihm zu einem bleibenden Se⸗
gen dienen, wenn es Gott gefiele, daß er wieder
aufkäme.

In dieser seiner Demuth hielt er sich auch für
viel zu gering fur allerlei Dienstleistung der hel⸗
fenden und pflegenden Liebe, die ihm auch von
Gemeindegliedern widerfuhr, welche bereits frü⸗
herer oder neuerer Zeit die Blattern selber ge⸗
habt hatten. Und mit dieser Demuth verband
sich eine beschämende Dankbarkeit selbst für die
kleinsten Hilfleistungen.

In Hinsicht auf seine Ehegenossinn und seine
drei Söhne, 10, 7 und 4 Jahr alt, sprach er sich
in der Weise aus, daß er wohl noch gern bei
ihnen bliebe, wenn es Gott also gefiele; habe die⸗
ser es aber anders beschlossen, so sei es ihm auch
recht, da der HErr auch durch andere noch besser
als durch ihn seine Ehefrau versorgen und seine
Kinder erziehen könne. So warf er alle seine
Sorgen auf den HErrn und sorgte nur für das
Eine, daß er Christum als seine Gerechtigkeit im
Glauben festhielt, dazu ihm auch der getreue Gott
durch sein süßes und tröstliches Evaͤngelium seine
Gnade immerdar väterlich darreichte. Zuletzt be⸗
stellte er auch noch herzliche Grüße an seine lie⸗
ben Schulkinder, sowie an alle seine näheren
Freunde in der Gemeinde, wie in der Synode,
welche hiemit bestellt sein mögen.

Zwar schien es am Tage vor seinem Heimgang,
als sollte es besser mit ihm werden, und die Aerzte

gaben Hoffnung zu seiner Genesung. Allein in
der Nacht nahm seine Schwäche so zu, daß er
nichts mehr redete, und am 6. d. fruh Morgens
2 Uhr sanft in Christo entschlief.

Seine sterblichen Ueberreste wurden an dem-
selben Tage Abends unter Begleitung seiner
Freunde kirchlich bestattet. Die Leichenpredigt
fand Sonntags darauf am Nachmittag uͤber
1 Cor. 4, 2. bei überfullter Kirche und unter
herzlichen Beileidsbezengungen und großer Be—
wegung der Gemeinde statt. Denn wohl weiß
dieselbe, was sie an dem selig Entschlafenen gebabt
und was sie an ihm verloren hat. Sie hat denn
auch darin sein Gedächtniß werth gehalten und
durch die That geehrt, daß sie seiner Wittwe nicht
nur sein Gehalt für das laufende Vierteljahr be—
willigt und die Kosten für die Aerzte und Beerdi⸗
gung bestritten, sondern ihr auch ein solches jähr-⸗
liches Wittwengehalt ansgesetzt hat, daß sie mit
Einschluß dessen, was sie aus der Pfarrer- und
Schullehrer-Wittwenkasse empfängt, sorgenfrei
leben und ihre Kinder erziehen kann. Auch ist
im Plan, daß ihm von freiwilligen Liebesgaben
seiner früheren und jetzigen Schulkinder ein schö⸗
ner Denkstein auf sein Grab gesetzt werde.

Daß mit dieser Erweisung der dankbaren
Gegenliebe von Seiten der Gemeinde die Liebe
von Seiten Einzelner nicht ausgeschlossen ist,
versteht sich von selbst. Bereits hat ein Gemeinde⸗
glied sämmtliche Kosten fur Arzeneien nicht in
Rechnung gebracht; auch hat ein Pathe des
zweiten Sohnes, der am meisten der männlichen
Zucht bedarf, sich erboten, ihn in sein Haus auf⸗
zunehmen, und ein anderer Freund des Heim-
gegangenen hat zugesagt, für Kleider und Schuhe
desselben zu sorgen. Der Herr lasse uns alle
sterben den Tod dieses Gerechten, und unser Ende
sei wie sein Ende. Das gebe der gnädige Gott
um Christi Willen. Amen.

Wilh. Sihler,‚, P.

Fort Wayne, im Mai 1862.

(Eingesandt von Past. Keyl.)
Der Abfall der zehn Stämme von dem
Hause Davids.
1 Könige cap. 11 u. 12.5%)

Der König Salomo war ein Mann, der seines
gleichen nicht gehabt hat an Macht und Herr⸗
lichkeit, an Weisheit und Reichthum. 1 Kön.
cap. 1—10. Aber siehe, wie dieser hochbegna⸗
digte und in Gottes Wort wohlgeübte und erfah⸗
rene Mann sich noch in seinem Alter durch ab⸗
göttische Weiber verführen ließ, von dem wahren,
lebendigen Gott abzufallen, und ein schändlicher
Götzendiener zu werden, zum großen Aergerniß des
ganzen Landes. cap. 11, 1—8.

Da entbrannte der Zorn des Herrn über Sa-
lomo, und er sprach zu ihm (vielleicht durch den
Propheten Ahia): „Weil solches bei dir gesche⸗
hen ist, und hast meinen Bund und meine Gebote

*) Beinahe schon ein Jahr lang ist gegenwärtiger Aufsatz
in unsern Händen. Wir behielten denselben bis jetzt zurück,
um selbst den Schein zu vermeiden, als wolle der „Luthe⸗
raner“ politische Meinungen beeinflussen. Wir hoffen iedoch,
daß die Zeit vorüber ist, wo solche biblische Beirachtungen,
wie die nun mitgetheilte, für politische ZweckArtikel an⸗
gesehen werden. Die Red.

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