Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 18, Nummer 22 › Seite 172
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 11. Juni 1862, Seite 172
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Geſangbuch 9
nicht gehalten, die ich dir geboten habe, so will ich
auch das Königreich von dir reißen und deinem
Knechte geben. Doch bei deiner Zeit will ichs
nicht thun, um deines Vaters David willen;
sondern von der Hand deines Sohnes will ichs
reißen. Doch will ich nicht das ganze Reich ab⸗
reißen, Einen Stamm will ich deinem Sohne
geben, um Davids willen, meines Knechts, und
um Jerusalem willen, die ich erwählet habe.“
Vers 9—13. So sollte Salomos Abfall von
dem Herrn durch den Abfall der zehn Stämme
vom Hause Davids gestraft werden; doch ge⸗
dachte Gott, mitten im Zorn, seiner Barmherzig⸗
keit und seiner Verheißung, dem König David
gegeben, daß sein Haus bleiben sollte, bis auf die
Zukunft des ewigen Königs, Jesu Christi, und sei⸗
nes Gnadenreichs, wobei Gott sein gnädiges Ab-
sehen auch auf uns hatte, uns zu erlösen, aus des
Teufels Reich, und in Christi Reich zu bringen.
Der Sünde Salomos folgte die Strafe auf
dem Fuße nach; denn Gott erweckte ihm zwei
Widersacher, Hadad und Reson. Vers 14—25.
Bis dahin hatte Salomo Friede gehabt, von allen
seinen Unterthanen umher; daß Juda und Israel
sicher wohnten, ein Jeglicher unter seinem Feigen⸗
baum. Salomo furchtete sich auch vor keinem
Feinde, weil er den Herrn seinen Gott fürchtete;
da er aber aufhörte, Gott zu fürchten, so mußte
er sich vor seinen Feinden furchten, deren Macht
durch seinen Abfall zunahm.
Der dritte und gefährlichste Widersacher war
Jerobeam, V. 26., der das Werkzeug in der Hand
Gottes werden sollte, die Abgötterei des früher so
gottseligen Königs dadurch zu strafen, daß er das
herrliche Königreich, das unter David und Sa-
lomo so hoch gestiegen war, durch Aufruhr zer⸗
ruͤtten und zertheilen ließ.
Die Veranlassung zur Feindschaft Jerobeams
gegen Salomo läßt sich nicht genau bestimmen;
denn Vers 27 und 28 wird nur gesagt, daß Sa⸗
lomo damals Millo, das ist einen Theil der
Festungswerke der Burg Davids, bauete.
Da nun Salomo wußte, daß Jerobeam ein streit⸗
barer und ausrichtiger, d. i. kluger und gewand⸗
ter Mann war, so machte er ihn, bei diesem Bau,
zum Oberaufseher über die Arbeiter vom Hause
Josephs, oder über die beiden Stämme Ephraim
und Manasse. Bei die ser Gelegenheit, als Sa⸗—
lomo eine Lüͤcke von der Stadtmauer verschließen
ließ, erhob Jerobeam die Hand wider den König,
d. i. er empörte sich wider ihn.
Um diese Zeit wurde Jerobeam von Gott,
durch den Propheten Ahia, zum König über die
zehn Stämme erwählet. 1 Kön. 11, 29—40.
Der Prophet Ahia traf nemlich Jerobeam, als er
von Jerusalem kam, im freien Felde an, da beide
allein waren, „und Ahia fassete den neuen Mantel,
den er auhatte, und riß ihn in zwölf Stücke,
und sprach zu Jerobeam: Nimm zehn Stücke
zu dir; denn so spricht der Herr, der Gott Israel:
Siehe, ich will das Königreich von der Hand Sa⸗-
lomo reißen, und dir zehn Stämme geben.“
Die Propheten pflegten ihre Vorherverkündi⸗
gungen auf Gottes Befehl, durch gewisse äußer⸗
liche Zeichen zu bestätigen. So mußte Jeremias
seine Prophezeihung, von der Unterjochung ge⸗
wisser heidnischer Völker, dadurch bekraͤftigen,
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daß er ein hölzernes Joch an seinen Hals hängte.
Jer. 27, 2 fl. Auf ähnliche Weise hat Ahia,
ohne Zweifel, auf göttlichen Befehl, zur Bestäti⸗
gung seiner Botschaft, seinen neuen Mantel zer⸗
rissen, und Jerobeam zehn Stücke gegeben.
Diese von Gott gewollte Theilung des König⸗
reichs, ist in vieler Beziehung sehr merkwürdig.
Zuerst lernen wir daraus, daß der Grund aller
Veränderungen, in weltlichen Reichen, einzig und
allein im Willen Gottes zu suchen sei. Wie Gott
hier bezeugt: Siehe, ich will das Königreich von
der Hand Salomo reißen, und dir zehn Stämme
geben. Auf ähnliche Weise offenbarte Gott dem
König Nebukadnezar den Verlust seines Thrones,
mit der Erklärung: Solches ist im Rath der
Wächter beschlossen, und im Gespräch der Hei⸗
ligen berathschlaget, auf daß die Lebendigen er⸗
kennen, daß der Höchste Gewalt hat über der
Menschen Königreiche, und gibt sie, wem er will,
und erhöhet die Niedrigen zu denselbigen.
Dan. 4, 14.
Ferner lehrt uns die Ueberweisung der zehn
Stämme an Jerobeam, daß Gott in Verleihung
der Königreiche die Person nicht ansähe. Es wa⸗
ren viele Fürsten in Juda, 1 Kön. 9, 22., allein
Gott erwählte ihrer keinen zum Könige, sondern
Jerobeam, den Knecht Salomos, daß er ihn setzte
unter die Fürsten. 1 Sam. 2, 8. Ja, obgleich
Gott wußte, daß er gottlos werden, und das Volk
zur Abgötterei verführen würde, so erwählte er
ihn doch zum Könige, zum Zeuguiß, daß er irdi⸗
sche Güter und Herrlichkeit oft in reicherem Maße
den Gottlosen als den Frommen gibt, welche letz⸗
tere hier leiden und dort zur Herrlichkeit kommen
sollen. Eben deßhalb soll kein König und Volk
sich des Besitzes eines reich gesegneten Landes
rühmen, als eines Zeichens göttlicher Gunst,
oder eigenes Verdienstes; wie denn Gott wieder⸗
holt seinem Volke Israel bezeugt hat, daß es nicht
um seiner Gerechtigkeit willen, da es ein hals⸗
starriges Volk war, das Land Kanaan ein⸗
nehmen sollte. 5 Mose 9, 4—6.
Daß aber Gott dennoch dem König Salomo
einen Stamm ließ, nämlich den Stamm Juda,
bei welchem der Stamm Benjamin, in dem Jeru⸗
salem lag, mitverstanden wurde, das that Gott
um seines Knechtes Davids willen, dem er bei
der Verheißung, daß aus seinem Stamme Christus
sollte herkommen, zugesagt hatte: Dein Haus
und dein Königreich soll beständig sein ewiglich
vor dir, und dein Stuhl soll ewiglich bestehen.
2 Sam. 7, 16. So bezeugte Gott auch Jerobeam,
er wolle den Samen Davids demüthigen, doch
nicht ewiglich.
Endlich droht Gott, daß er Salomo mit dem
Verlust von zehn Stämmen deßhalb strafen wolle,
weil er ihn verlassen, und fremde Götter an⸗
gebetet habe; seinem Knecht Jerobeam aber ver⸗
beißt er, wenn er ihm gehorchen, und in seinen
Wegen wandeln würde, so wolle er mit ihm sein,
und ihm ein beständig Haus bauen. Dieß ist
ein treffliches Exempel zu dem, was Salomo selbst
durch den heiligen Geist geredet hat: Gerechtigkeit
erhöhet ein Volk, aber die Sünde ist der Leute
Verderben. Spr. 14, 34.
Das Vorhaben Salomos, Jerobeam als einen
Aufrührer zu tödten, war ein Beweis, wie Gott
ihn dahingegeben hatte in seines Herzens Dünkel,
zu wandeln nach eignem Rath. Es war dies
nichts als ein fleischlicher Zorn und Rachsucht,
wobei er als ein solcher erfunden wurde, der wider
Gott streiten wollte; denn er wußte, daß das
Königreich der zehn Staͤmme seinem Knecht ge⸗
geben werden sollte.
Von dem Tode Salomos heißt es 1 Kön. 11,
43., daß er mit seinen Vätern entschlafen sei;
da nun die heilige Schrift diesen Ausdruck ge⸗
braucht bei denen, an deren Seligkeit nicht zu
zweifeln ist, z. B. bei David, Hiskia u. A.,
so kann man auch bei solchen, an deren Seligkeit
man sonst mit Recht zweifeln könnte, der Hoff⸗
nung Raum geben, daß sie Gott noch zuletzt,
wie einen Brand, aus dem Feuer gerissen habe.
Nach dem Tode Salomos erfolgte die Theilung
des Königreichs, so, daß sein Sohn Rehabeam
über das Haus David und den Stamm Benjamin,
Jerobeam aber über die andern zehn Stämme re⸗
gierte. Wie die ses geschah, beschreibt der heil.
Geist 1 Kön. 12.
V. 1—5. lesen wir, wie sich das ganze Volk
Israͤel in Sichem versammelte, und nachdem es
Jerobeam aus Egypten hatte rufen lassen, sich er⸗
bot, dem König Rehabeam unterthän' g zu sein,
wenn er das schwere Joch, das ihm Salomo auf⸗
gelegt, leichter machen wollte, worauf sich Reha⸗
beam drei Tage Bedenkzeit nahm. Sichem war
von dem Volke sehr klüglich zum Versammlungs⸗
orte gewählt. Es lag mitten im Lande, im
Stamme Ephraim, aus welchem Jerobeam ent⸗
sprossen war, und dem er auch offenbart haben
mochte, was ihm der Prophet Ahia geweissagt
hatte. Den Leuten zu Sichem, die Sirach einen
tollen Pöbel nennt, wurde es nicht schwer, die
uͤbrigen Stämme zu bewegen, sich in ihrer Mitte
zu versammeln, und so wurde diese Stadt der
Schauplatz der unglückseligen Trennung des
Königreichs Israel.
Hier entsteht nun die Frage: ob die Beschwerde
der zehn Stämme, daß Salomo ihr Joch zu hart
gemacht habe, gerecht war oder nicht? Wir wissen
aus 1 Kön. 4, 24. 25., daß Salomo Friede hatte
von allen seinen Unterthanen umher; daß Juda
und Israel sicher wohnten, ein Jeglicher unter
seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum,
von Dan bis gen Berseba, so lange Salomo lebte;
er machte von den Kindern Israel nicht Knechte,
d. h. er ließ sie nicht Sklavendienste verrichten,
wie dies die unterjochten cananäischen Völker⸗
schaften, nach dem Fluche Noahs über Canaan,
thun mußten, 1 Kön. 9, 21. 22.; auch war zu
Salomos Zeit so viel Silbers als Steine;
des Goldes, das in einem Jahr in das Land kam,
war 666 Centner; so daß man des Silbers gar
nicht mehr achtete. 1 Kön. 10, 14. 21. 27.
Da nun Gottes Wort nicht lügen kann, so folgt,
daß das Volk gelogen habe, indem es vorgab,
Salomo habe ihr Joch zu hart gemacht; es offen⸗
barte damit seinen schändlichen Undank gegen sei⸗
nen Gott, der es unter Salomos 40jähriger Re⸗
gierung so reichlich gesegnet hatte.
Rehabeam hätte nun können dem Volke so⸗
gleich die Ungerechtigkeit seiner Beschwerden nach⸗
weisen, und ihre Forderungen ohne weiteres ab⸗
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