Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 19, Nummer 17 › Seite 131
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. April 1863, Seite 131
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Luthers Schriften. — · Sklaverei
euthers Büchern genügen lassen und darin ohne
Unterlaß fleißig studiren. Weiter ist von den
Auslegungen der Episteln und Evangelien in die⸗
ser Postille nicht Noth zu sagen, sondern es wird
ein jeder, der sie lieset, selbst befinden, daß es
solche Arbeit ist, die auf Doctor Martinus Grun-
de daher gehet und also richtig zusammengefaßet ist,
daß man sie dem gemeinen Volk vortragen kann,
jn auch wohl von Wort zu Wort vorlesen möchte.“
(Wellers deutsche Schriften, II. Abthlg., S. 289.)
Matth. Flacius (starb 1575) bezeichnet
den Unterschied zwischen beiden Postillen am kür⸗
zesten und treffendsten so, indem er die Hauspo-
stlle mit Milch, die Kirchenpostille mit starker
Speise vergleicht. (Glossa compend. zu 1 Cor.
3, 2.)
Stephan Praetorius (Verfasser der
geistlichen Schatzkammer aus Luthers Schriften)
sagt in seinem Buchlein von der Ordnung der
weologischen Studien v. I. 1580: Alle die
Tbeologen werden wollen, sollen gleich von An-
fang von den Schriften Luthers lesen seine goldne
Auslegung der Genesis, diesen seinen Schwanen⸗
gesang, ferner den Commentar zur Epistel an die
Galater und endlich seine beiden Postillen, und
diese Schriften sollen sie sich auf das genaueste
bekannt machen, daß sie darin ganz zu Hause sind
Darin werden sie geistliche Weisheit finden, die
nur bei der Kirche gefunden wird, die aber der
Welt und den meisten Vätern unbekannt ist. Ach,
was ist viel schönes Ding in diesen Buchern.
Furwahr, die Papisten sind nicht werth, daß sie
Lutheri Schriften kennen sollten. Denn es ist
eine sonderliche Gnade Gottes, wer sie liebt und
liest.
Herzog Ernst der Fromme: Es
werden die Kirchendiener treulich erinnert, daß
sie 1. die rechte Uebung des wahren Christen⸗
thums zuvörderst aus der h. Schrift, wie auch
aus unsern symbol. Buchern und andern nütz⸗
lichen wohlgegründeten Schriften, darinnen solche
deutlich vorgestellet ist, als da ist unter andern
eutbhers Haus- und Kirchenpostille, desselben Er⸗
klärung uber das 1. Buch Mosis und andere sei⸗
uer Lehrschriften ꝛc. ihnen selber wohl bekannt
machen. (Nöthige u. nutzliche Punkte. 1660, I.)
2. Ueber die Kirchenpostille.
Dr. Luther schrieb im März 1522 an
Hartmuth v. Kronberg: Jetzt getet aus der
Postill ein Stuck über die Evangelia und Epi⸗
stel; wenn die fertig ist, hoff ich, ein Christ solle
darinne finden, was ihm noth ist zu wissen. (De
Wette Briefe, B. II, S. 170). Derselbe in der
deutschen Messe und Ordnung des Gottesdienstes
v. J. 1526: Mich dunkt, wo man die deutschen
Postillen gar hätte durchs Jahr, es wäre das
beste, daß man verordnete die Postillen des Ta—
ges, ganz oder ein Stücke, aus dem Buche dem
Volk vorzulesen: nicht allein um der Prediger
willen, die es nicht besser könnten, sondern auch
um der Schwärmer und Secten willen zu verhu—
ten; wie man siehet und spuret an den Homi⸗
lien in der Metten, daß etwa eben auf solche
Weise gewesen ist. (W. A. 10, 280.)
Der erste, von dem man weiß, daß er diesen
Rath Dr. Luthers buchstäblich befolgt hat, war
Valentinus Beltzing in Freiberg, der um das
J. 1533 und sogleich 4 Jahre vor der Einfüh⸗
rung der Reformation in dieser Stadt anfieng, das
Evangelium aus der Kirchenpostille Lutheri von
Wort zu Wort in der Niclas Kirche zu predigen.
(Andr. Molleri theatr. Freiberg. Chron. p.
218.)
Dr. Luther in der Vorrede zum Wintertheil
s. Postille herausg. v. St. Rodt im J. 1528:
Wem dieselbigen Predigten gefallen, mag sie le⸗
sen und gebrauchen; denn ich will weder hiemit,
noch mit einigen meinem Buch, denen Lehre ge⸗
ben, die es von Gottes Gnaden besser haben, oder
von ihm selbst besser zu haben, sich dunken lassen, mir
und meinesgleichen will ich damit gedienet baben,
unsrer dürftigen Noth nach, den Glauben und
die Liebe zu bessern und zu reizen, Christus sei
unser Meister allein! Amen.
Derselbe in der Vorrede zu D. Creuzigers
Ausg. v. J. 1543: Ueber das haben wir die Po⸗
stillen und sonderlich diese jetzige, so mein guter
Herr und Freund D. Caspar Creuziger gebessert
und vermehret hat: darinnen uns die Cpisteln und
Evangelia durchs Jahr deutlich und lustiglich zu ⸗
gericht, und, wie ichs reden mag, fuͤrgekäuet sind,
wie eine Mutter ihrem Kindlein den Brei füͤr—
käuet. (1 Thess. 2, 7.) — — Jetzt aber auch
die Laien können beide, Episteln und Evangelia
reichlich verstehen, auch daheim selbst lesen gar
viel, viel mehr und alles reiner daraus nehmen,
denn wir zuvor aus allen Predigten nehmen
konnten.
Derselbe nannte diese Postille sein aller⸗
bestes Buch, daß er je gemacht habe, welche auch
die Papisten gerne hätten. (Meurer Leben B.
II, 11.)
Stephanus Rodt in der Vorrede zum
Sommertheil v. J. 1527: Ich will hiermit diese
Predigten einem jeglichen frommen Christen be⸗
fehlen und sonderlich den Hausvätern, daß sie
dieselbigen ihren Kindern und Hausgesinde daheim
im Hause furlesen wollten und sie daraus lehren,
was ein recht christlich Leben sei, welches allhier
furnehmlich getrieben wird, und mit hellen, kla-
ren, einfältigen Worten abgemahlet.
Derselbe in der Vorrede zum Wintertheil v.
J. 1528: Demnach bin ich bewogen, solche Ar-
beit desto lieber und williger auf mich zu nehmen,
auf daß wir und die Unsern nach uns diese und
andere Dr. M. Luthers Bücher rein und recht⸗
schaffen haben möchten, uns dadurch gewiß zu
machen und unsere Widersacher, die gottlosen
Schwärmer undPapisten, auch den aufrührerischen
Geist damit zu überzeugen. Zudem so habe ich
mich dieser Muͤhe am meisten auch darum unter-⸗
standen, daß ich den armen Dorfpfarrherren, die
sonst in Gottes Erkenntniß und mit Buchern der
heil. Schrift uͤbel versehen und bewahret, auch
den Hausvätern und einfältigem Volke damit die“
nete, welche solche Predigten am Feiertage von
Wort zu Wort, aus den Büchern ihrem Volle,
Hausge sinde und Kindern fürlesen könnten.
D. Casp. Crentziger in der Zuschrift
von s. Ausg. v. J. 1593: Weil denn auch Gott
befohlen, daß wir solche seine Gaben mit Fleiß
bewahren sollen, so haben ich und etliche mehr
viel seiner Predigten und Auslegungen verzeich⸗
net, denn wir alle schuldig sind, auch für die
Nachkommen zu sorgen, auf sie reine Lehre, als
das nöthigste Erbtheil, zu erben. — — Mag
auch mit gutem Gewissen sagen, daß es heilsame,
reine, göttliche Lehre ist und nichts unreines dar⸗
ein gemenget, weiß auch, daß dieses ist der rechte,
einige, ewige Verstand der heiligen Katholischen
Kirche, die Lehre, so in unseren Kirchen bekanut
und hierinne gefasset ist.
Joh. Matthesius: Und weil im Pabst⸗
thum die Sonntags-Evangelien der Legenden
halber oft außen gelassen und wenig Postillen,
außerhalb des Tauleri, vor der Hand waren,
daraus man Kinder und alberne Laien einfältig
könnte berichten, wie man christlich leben und
selig sterben sollte, schrieb Or Luther eine deutsche
Kirchenpostill, darinnen er die Sonntags⸗Episteln
und Evangelien ausleget, und zum seligen Glau—
ben und bruderlicher Lieb, Geduld unterm Kreuz
und christlicher Unterthänigkeit vermahnet und für
Abgötterei und Menschentand ernstlich warnet,
welche hernach Dr. Creutziger mit Rath und
Willen des Meisters kurzer gemacht. (Predigten
von dem Leben Lutheri, 4. Pr.)
Dr. Spener: Als er einem Prediger zu
seinem Gebrauche Bücher vorschlagen sollte, so
sagte er: Vor andern wollte sonderlich rathen
unsers lieben Lutheri Kirchenpostill. — Unter sei⸗
nen Schriften ist wohl seine Kirchenpostill eine
der besten, wie er sie selbst sein liebstes Buch ge⸗
nannt, darin er mit reicherem Geist die göttliche
Wahrheit vorgestellet hat, und so viel weniger
er, der sonst oft in Predigten befindlichen Kunsten
und Wohlredenheit (2) zeiget, so vielmehr Kraft
empfindet davon ein andächtiger Leser. (Erste
theol. Bedenken III, 605 und 628.)
A. H. Franke: So ist auch nicht weniger
oftmals mein herzlicher Wunsch, daß doch die
Postillen Lutheri möchten so wohl von Lehrern
als andern Leuten fleißiger gelesen werden, als
in welchen gewiß mehr Geist, Kraft und Leben
ist, als in den heutigen ꝛc. (Anmerkungen über
einige Orter d. h. Schrift p. 254.)
3. Ueber die Hauspostille.
Dr. Luther in der Vorrede zur Ausgabe
V. Dietrichs v. J. 1544: Denn wie man spricht,
die Kuh gehet im Grase bis an den Bauch: also
sind wir jetzt auch reichlich zu unserer Zeit, wahr⸗
lich, mit reicher voller Weide göttliches Worts ver⸗
sehen: Gott gebe, daß wir es dankbarlich brau—
chen, davon fett und stark werden, ehe denn die
Dürre komme und Strafe unserer Undankbarkeit.
V. Dietrich in der Zuschrift zu seiner Aus-
gabe: Sonderlich aber hat mich dieß bewegt,
daß ich se he, wie es die Noth erfordern will, daß
man eine gemeine Form habe der Sonntagspre-⸗
digten, für die ungelehrten Pfarrberrn auf dem
Lande, — daß sie es doch aus den Büchern lese.
Da ist man zu beiden Theilen ohne Sorge, die
Obrigkeit und Zuhörer, daß sie wissen, man sage
ihnen nichts arges, wenn sie es nur wohl merken
und ihr Leben fleißig darnach richten wollen. —
(Darauf grundet sich ohne Zweifel die Bestim-
mung vieler luth. Kirchenordnungen, daß die
Schulme ister in Abwesenheit des Pfarrers nur
Predigten aus der Hauspostille vorlesen sollten.)
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