Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 19, Nummer 17 › Seite 135

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. April 1863, Seite 135

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Sklaverei

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Zur kirchlichen Chronik.

*Herr Pastor Schieferdecker sendete
uns vor einiger Zeit eine längere Antwort auf
unseren im „Lutheraner“ No. 4. an ihn gerichte-
ten „offenen Brief.“ Da er aber in dem Begleit—
schreiben bemerkte, daß seine Antwort eine Recht—
fertigung seines Chiliasmus enthalte, so
konnten wir dieselbe natürlich nicht aufnehmen,
und stellten sie ihm daher mit schriftlicher Angabe
dieses Grundes unentfaltet und ungelesen wieder
zuruck. So ist denn Hrn. Past. Schieferdeckers
Antwort, wie wir nicht anders erwarteten, in
dem chiliastischen „Kirchenblatt“ der Jowa-Sy⸗
node vom Monat März erschienen. Mit tiefer
Betrübniß sehen wir daraus, daß unsere herzliche
Ansprache bei Hrn. Past. Schieferdecker ihres
Zweckes gänzlich verfehlt hat. Derselbe ist dar-
nach gegenwärtig fester als je von seinen gefähr⸗
lichen chiliastischen Träumen gefangen. Er
spricht unter Anderem Folgendes als seinen noch
immer festgehaltenen Glauben aus: daß Satan
noch einmal vor dem jungsten Tage wenigstens
lausend Jahre lang „für die menschliche Gesell⸗
schaft unschädlich gemacht, werden würde, und
daß die Lehren des allgemeinen christlichen Glau⸗
bens von der Kreuzgestalt der Kirche bis an den
jungsten Tag, von der allgemeinen Anferstehung
der Todten am Ende der Welt und von der allei⸗
nigen sichtbaren Wiederkunft Christi zum endli—
chen Gericht allerdings nur bedingt und mit Ein—
schräͤnkung angenommen werden können. Daß
er, wie wir meldeten, ein Compromiß mit seiner
Gemeinde gemacht habe, seinen Chiliasmus nicht
zu predigen; stellt er zwar erst in Abrede, fügt
aber hinzu: „Doch habe ich mich bei gegebener
Gelegenheit daruber ausgesprochen, warum ich
nicht davon predige,“ womit Hr. Past. Schiefer⸗
decker offenbar selbst zugesteht, daß allerdings ein
solcher Compromiß zwischen ihm und seiner Ge⸗
+neinde besteht, nur daß es in möglichst schonen⸗
der Form eingegangen worden ist. Auch das
Bekenntniß thut der Genannte: „Daß ich See⸗
len, die andern Hirten anvertraut waren, unter
meine Pflege genommen habe, ist wahr.“ Der
Vorwurf, den er erhebt, daß wir in unserem Be⸗
weisfutrungen nicht „exegetisch“ verfahren seien,
sondern uns „nur auf die dogmatischen Beweis⸗
fuͤhrungen gelegt“ haben, daß heißt, daß wir an
den betreffenden Bibelstellen vorbeigegangen seien
und den Chiliasmus nur durch den Widerspruch
mit den ausgemachten Glaubensartikeln zu wi⸗
derlegen gesucht haben, ist eine offenbare Un-
Twahrbeit. Sowohl auf der Synode zu Alten-
burg im Jahre 1856, als auch bei Gelegenheit
einer zu diesem Zweck allein angestellten, darauf
folgenden mehrtägigen Conferenz zu St. Louis,
ist fast nichts gethan worden, als daß wir den
betreffenden Bibeltext gemeinschaftlich gründlich
durchgegangen haben; und namentlich war es das
Ergebniß der letzteren in brüderlichstem Tone ab⸗

gehaltenen Conferenz, daß Hr. Pastor Schiefer-
decker eingestand, seine bisher gen chiliastischen
Vorstellungen nicht aus der Schrift klar beweisen
zu können, so daß er selbst eine die allgemeine
Judenbekehrung vertheidigende Schrift, die er

von uns entlehnt hatte, ungelesen wieder zu⸗

rücksandte, um nicht wieder in der gewonnenen
Ueberzeugung gestört zu werden.

In unserem offenen Briefe hatten wir Hrn.
Past. Schieferdecker zu bedenken gegeben, daß
er nicht mehr mit jedem Lutheraner bekennen
könne: „Und am jüngsten Tage mich und alle
Todten auferwecken wird.“ Dies zu entkräften,
weist er darauf hin; „Den Jüngern war ver-
heißen, daß sie den Auferstandenen in Galiläa
wieder sehen sollten, Matth. 20, 22. und Marc.
16, 7.; Dies hinderte gleichwohl nicht, daß sie
ihn schon am Ostertage Abend sahen.“ Hierin
liegt aber nichts weniger als eine Entkräftung
unseres Beweises; denn obgleich Christus den
Seinen schon am Ostertage erschien, so erschien er
ihnen doch, sein einmal gegebenes Wort erfüllend,
hernach ausch in Galiläa; würde aber derje⸗
nige, welcher geglaubt und bekannt hat, am jüng⸗
sten Tage erweckt zu werden, zwar zu Anfang
des tausendjährigen Reiches, aber dann natür⸗
lich nicht auch am jüngsten Tage erweckt, so
wäre sein Glaube und Bekenntniß eine Lüge ge⸗
wesen; wer daher bekennt, er könne auch mehr
als tausend Jahr vor dem Ende der Welt die
Auferstehung des Fleisches erfahren, und dennoch
von Christo bekennt: Der „am jüngsten
Tage mich und alle Todten auferwecken
wird,“ der bekennt etwas als seinen Glauben,
was sein Glaube nicht ist. — Zwar sagt Hr. Past.
Schieferdecker: „Ich kenne nur einen Beweis,
der die biblische (?) Hoffnung eines Millenniums
(eines tausendjährigen Reichs) zernichten und es
zu einem menschlichen Traum und Fabel machen
würde, nehmlich, wenn man beweisen
könnte, daß die Offenbarung St.
Johannis nicht ächt, nicht von Gott
eingegeben sei“ — allein das ist eine
Selbsttäuschung; nicht die Offenbarung St.
Johannis nöthigt die Chiliasten zur Annahme
des Chiliasmus, sondern ihre vorgefaßte Mei⸗
nung, die sie in dieses dunkle prophetische Buch
tragen, und womit sie die klare Schrift zu ver⸗
dunkeln suchen. Können ja dieChiliasten schlech⸗
terdings nicht beweisen, daß die Offenbarung
die Schicksale der Kirche nach der Zeitfolge Capi⸗
tel für Capitel vorausverkündigt, so daß das
20. Capitel von den Ereignissen handelte, die erst
nach den in allen voransgegangenen Capiteln
geweissagten eintreten werden. Vielmehr ist aus
Gründen, die hier nicht erörtert werden können,
ganz offenbar das Gegentheil der Fall, dieses
nehmlich, daß die Offenbarung das Ganze
der Geschichte der Kirche wiederholt darstellt und
nur immer auf eine andere Seite des Zustan
des derselben Rücksicht nimmt. Hr. Past. Schie⸗
ferdecker hat sich hierbei selbst verrathen, es nehm-
lich selbst angedeutet, daß er üͤber das Verständ⸗
niß der Offenbarung St. Johannis nichts weni⸗
) Auf der allgemeinen Synode zu Fert Wayne 1857 be⸗
richtete hiervon im Angesicht Hrn. P. Schieferdecker's unser
Allgemeiner Präses: „Später schien es, als würde es in
Altenburg wenigstens wieder zur Ruhe kommen, indem Hr.
P. Schieferdecker auf meine dringenden Bitten mich nach St.
Louis begleitete, und sich mit mehreren Brüdern daselbst be⸗
sprach. Darauferklärte er in seiner Gemein⸗
de, er könne diese Lehre nicht so wie früher
vertreten, und er würde daher den zu Protokoll genom-

menen Punkten gemäß lehren.“ (S. den Synodalbericht
von 1857. S. 26.)

ger als Gewißheit habe, indem er, um sein
Schweigen vom Chiliasmus auf der Canzel
zu rechtfertigen, folgendes schreibt: „Es schlägt
dies ins Gebiet der geheimniß⸗
vollen Weissagungen ein, deren
klare Enthüllung uns erst die Zu⸗
kunft bringen wird.“ Deurtlicher hätte
der beklagenswerthe Mann nicht eingestehen
können, daß ihn also nicht das klare
Wort Gottes in der Offenbarung
St. Johannis so hartnäckig in seinen chiliasti⸗
schen Vorstellungen und Hoffnungen macht, um
selbst deswegen eine Kirchenspaltung zu verschul⸗
den, sondern die eigenen Gedanken seines Herzens,
die er in die noch „nicht klar enthüllten geheim—
nißvollen Weissagungen“ unverantwortlich erst
selbst hinein legt. Doch gestehen wir, daß ge⸗
rade jene dem von gefährlichem Irrthum bestrick⸗
ten Manne entschlüpfte Beichte uns einige Hoff-
nung gibt, daß Christi Erbarmen, der das Ver⸗
irrte und Verlorne sucht, ihn zu unser Aller un⸗
aussprechlicher Freude seiner Zeit wieder finden
und ihn seiner von ihm jetzt verlassenen tief be⸗
trübten und verwundeten Kirche doch noch wie⸗
dergeben werde.

Herr Prof. Lehmann bleibt dabei, wie
wir aus seiner Kirchenzeitung ersehen, daß die
Erörterung der Lehre der Bibel von der Scla⸗
verei zu dem jetzt üblichen Politisiren in den
kirchlichen Zeitschriften zu rechnen sei. Es ist
hiernach leider nur zu klar, daß es dem Herrn
Professor an jener Wissenschaft fehlt, welche Be⸗
griffe vergleichen und von einander unterscheiden
lehrt, nehmlich an der lieben Logik; es müßte
denn, was wir aber um der Liebe willen nicht
annehmen wollen, bei ihm am guten Willen feh⸗
len. Welche seltsame Logik der Herr Professor
befolgt, ist unter Anderem auch daraus zu erse⸗
hen, daß er unsere Lehrauseinandersetzung als ein
Politisiren verurtheilt und in demselben Blatte
selbst gegen die auf die Prediger ausgedehnte
Conscription, ohne Zweifel mit Recht ei⸗
fert. Er schreibt nehmlich, wie folgt: „Das
neue Conscriptionsgesetz fordert, wie bekannt, auch
von den Predigern Militärdienst. — Diese bisher
unerhörte Forderung wird gegenwärtig in
vielen kirchlichen Blättern besprochen; wird theils
getadelt, theils gelobt, je nach der vorwaltenden
Anschauung vom heiligen Amte. Ohne Zweifel
liegt darin eine schnöde Verachtung des
Predigtamtes, die sich in der Ausfuhrung selbst
bestrafen würde.“

Hannover. Wo entschiedener Kampf und
Streit ist, da fallen ja freilich immer einige, aber
da werden auch Siege errungen. Einen Beleg
hierzu liefert der heftige Hannoversche Katechis⸗
musstreit. So heißt es z. B. im Stader Sonn⸗
tagsblatt vom 25. Januar: „Wollten sich doch
die Gemeinden namentlich darüber besinnen, was
sie aufgeben, wenn sie den Glauben der Väter
aufgeben. In etlichen Gegenden ist ein solches
Besinnen zu verspüren; man sucht sich klar dar⸗
über zu werden, was denn eigentlich der
evangelisch-lutherische Glaube ist, und es ist ein
erfreuliches Zeichen der Zeit, daß kürzlich nach
einer einzigen Inspection des Stader Consistorial⸗
bezirks innerhalb vier Wochen nicht weniger, als

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