Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 19, Nummer 17 › Seite 133
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. April 1863, Seite 133
Scan: Internet Archive item DerLutheraner19.
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Geſangbuch · Regiſter · Geſang · Sklaverei
Das Lied bildet ein Kleeblatt mit noch zwei
andern auch für Kinder von Hermann gedichte⸗
ten Weihnachts liedern, die er unter dem Titel
zusammenstellte: „Drey Geistliche Weinacht Lie⸗
der, vom Newgebornen Kindlein Jesu, Für die
Kinder in Joachimsthal.“ Das erste Lied in die⸗
sem Kleeblatt ist unser Weihnachtslied; das an-
dere fängt mit den Worten an: „Nu freut euch,
ihr Christenleut“; das dritte Lied aber zeigt so
ganz wieder den alten Schulmann nach Gottes
Herzen. Es ist eine Ausprache, „in welchem, wie
es in der Ueberschrift heißt, das Kindlein Jesus
die Kinder vermahnet, daß sie fleißig beten und
studiren sollen, so wolle es ihnen bescheeren.“
Lebrern und Kindern zu lieb setze ich das kindlich
schöne Lied noch her mit dem Bemerken, daß es
nach Hermanns Angabe im Ton von: „Da
Christus geboren war, (S. Melodienbüchlein
1862 Nr. 36) zu singen ist.
Hört, ihr liebsten Kinderlein!
Spricht das herze Jesulein,
Seid züchtig und. lernet fein,
Bet't fleihig im Namen mein,
So will ich stets bri euch sein
Mit mein'n lieben Engelein,
Cuch allzeit behüten fein.
Werd't ihr morgens gern aufstehn
Und fleißig zur Schule gehn
Und studiren mit ganzem Fleiß,
Daß ihr mir singt Lob und Preis,
Werd't ihr mein Wort gern hören,
So will ich euch alls bescheeren,
Was euer Herz nur wird begehren.
Es soll'n euch mein' Engelein
Allzeit g'leiten aus und ein,
Daß ihr nicht stößt an einen Stein
Auch nicht fallt und brecht ein Bein;
Euer liebsten Mütterlein,
Vater, Bruder und Schwesterlein
Soll'n sie auch behüten fein.
Euren Eltern will ich geb'n
Gut Kuckes und langes Leb'n
Daß sie euch können ernähr'n
Und aufziehn zu Gottes Ehr'n,
Und euch kaufen Kleider und Schuh,
Bücher und was ihr dürft dazu,
Daß ihr lernt mit guter Ruh.
Drum, o liebsten Kinderlein,
Seid gehorsam und lernet fein!
Eur Emmanuel will ich sein,
Hab euch von der Höllen Pein
Erlöst durch mein Blut und Tod!
Drum haltet fleißig mein Gebot
Und rufet zu mir in der Noth.
So sollt ihr dies neue Jahr
Sicher sein für aller G'fahr,
Kein Krieg, Theurung, Pestilenz
Soll kommen über euer Grenz!
Seid nur fromm und lernet fein,
O ihr liebsten Kinder mein,
So will ich stels bei euch sein!
Nr. 31. Macht hoch die Thür, die Thor'
nincht weit.
Der Dichter Georg Weissel, geboren im
J. 1590 zu Domnau in Preußen, war seit 1623
Pastor an der neuerbauten Roßgartischen Kirche
Uin Königsberg, wo er am 1. Angust 1635 starb.
Während di ser seiner zwölfjährigen Wirksamkeit
daselbst hat er in Verbindung mit einigen ande-
ren dortigen Dichtern, dem altem Thi lo, Dia-⸗
konus (S. Nr. 33 unseres Gesangbuchs) durch
seine edle Dichtergabe manche jugendliche Geister,
besonders auch Dach (s. z. B. Nr. 239 und 42⁴)
2
133
für die Dichtkunst begeistert und fuͤr deren späte⸗
res Wirken einem empfänglichen Boden bereitet.
Man betrachtet ihn daher als den Vorläufer des
alten preußischen oder Königsbergischen Dichter—
bundes, dessen Glieder sich „der Sterblich-
keit beflißene“ nannten und deren Gedichte
auch den Charakter eines eigenthümlichen schwer—
muthigen Ernstes tragen. Dieser zeigt sich schon
bei Weisse. Dieser Erust ist nicht zu erkennen
in seinem andern Lied: „Such wer da will ein
ander Ziel,“ Nr. 245; er tritt aber sonderlich in
seinem Lied von der Sterbens lust“ hervor,
davon der erste Vers lautet:
Ich bin dein satt, o schnöde Welt:
Dein Thun mir nimmermehr gefällt,
Fahr hin mit deinem Wesen!
Lhn'' dich will ich genesen.
Ich bin ganz müd, zu schanen an,
Was übels immer wird gethan.
Fahr hin mit deinen Sitten!
Ich such die ewig Hütten.
Mein Herr und Heiland Jesus Christ
Mir fest ins Herz gepflanzet ist;
Der ist mein Theil, den ich erwählt;
Der ist mein Trost, der mich erhält:
Was könnt ich mehr erbüten?
Was nun das in der drangsalsvollen Zeit des
dreißigjährigen Kriegs entstandene Adventslied
betrifft, so hört Jeder aus ihm alsbald sowohl
Psalm 24, 7 — 10 heraus: „Machet die Thore
weit und die Thuren in der Welt hoch u. s. w.“
— als auch das Adventsevangelium Matth. 21,
1 — 9. Wo aber eine Gemeinde, die, wenn sie
eine seiner Melodien kennt, dieselbe nicht mit
sonderlicher Lust sänge? Es wird daher den Le⸗
ser nur um so mehr freuen, zu hören, daß von
Cath. Winkworth in der „Lyra Germanica“ I.
Ser. eine sehr gelungene englische Uebersetzung
vorhanden ist, die mit den Worten anfängt:
Lift up your heads, ye mighty gates!
Behold the King of glory waits.
Die in unserem Melodienbüchlein, rev. Ausg „
Nr. 131 mitgetheilte Melodie ist von Joh.
Crüger aus dem Jahre 1677, die aber, so schön
sie ist, uur in wenigen Sammlungen, wie z. B.
in Sauberts Nürnbergischem Gesanzbuch 1677,
sich befindet. Die von Joh. Stubäus im J.
1634 componirte Melodie, in der das Lied ur⸗
sprünglich erschien, fand selbst in Preußen wenig
Anklang. Die meiste Verbreitung wurde der in
der Freilinghausen'schen Sammlung befindlichen
Melodie zu Theil. Dieselbe hat die neueste Aus-
gabe des Layriz'schen Choralbuchs, Abtheil. II.
Nr. 252. Ein neuerer Kenner nennt sie „ein
wahres Triumphlied zum Einzug des Köͤnigs der
Ehren.“ In meine Gemeinde wurde noch unter
meinem Vorgänger eine mehr arienartige Weise
vom Chor in den Adventsgottesdiensten gesungen,
deren Ursprung mir bis heute unbekannt ist.
Durch das Anhören derselben aber prägte sie sich
den Zubörern so ein und gefiel denselben so sehr,
daß erst sie Einzelne mitsummten, diesen sich
immer Mebrere zugesellten, zuletzt aber von selbst! auch gerade diese erste Wahl die glͤcklichste von
die Gemeinde einfiel, so oft der Chor diesen Ge⸗
sang auhob. Seitdem hat sie Burgerrecht in der
Gemeinde erlangt und sich ihren Lieblingsmelo⸗
dien angereih'. Ich erlaube mir, diese Melodie
in der Gestalt mitzutheilen, in der sie von der
Gemeinde nun mehr gesungen wird und von ihr
allein singbaͤr ist, ihr jedoch eine andere, als die
vorgefundene Tonart und Harmonie gebend.
Noch muß ich bemerken, daß sie mehr getragen
gesungen werden muß, da sie durch zu rasches,
hüpfendes Singen außerordentlich verliert.
(Fortsetzung folgt.)
————.— ————
(Eingesandt von Hrn. Past. Dicke.)
Etwas über Colonisation.)
Schon einige Male ist in unserer Mitte der
Plan in Anregung gebracht worden, daß sich
lutherische Glaubensgenossen bei ihrem Wegzug
in andere Gegenden in einer oder mehreren Colo-
nien zusammen niederlassen möchten. So viel
der Schreiber dieser Zeilen jedoch weiß, ist noch
nie etwas Erhebliches daraus geworden. Und
doch ist die Sache von solcher Wichtigkeit, daß
sie von Zeit zu Zeit wieder in Auregung gebracht
werden wird. Es dürfte daher wohl nicht ohne
Nutzen sein, wenn sich verschiedene Stimmen
daruber hören ließen. So viel dem Schreiber
bewußt ist, gingen in letzterer Zeit von deutschen
Lutheranern verschiedene Versuche aus, in Ame-
rika Colonien anzulegen, nämlich die erste von
Sachsen, die zweite von Preußen und die dritte
von Bayern durch Anregung des Herrn Pf. Löhe.
Mit der Geschichte und den Verhältnissen der
beiden erstern ist er nur wenig bekannt geworden.
Anders verhält es sich jedoch in Bezug auf die
sogenannten fränkischen Colonieen. Der Zweck,
welcher der Gründung derselben zu Grunde
lag, war gewiß im allgemeinen ein löblicher und
wenn derselbe auch nicht überall erreicht wurde,
so ist doch die Sache fuͤr die Gemeinden in Sagi⸗
naw⸗Co., Mich, nicht ganz ohne Nutzen geblie⸗
ben. Dieser Nutzen würde aber ohne Zweifel
ein viel größerer sowohl in kirchlicher als auch in
äußerlicher Hinsicht geworden sein, wenn man
von Anfang an die Verhältnisse dieses Landes
mehr berücksichtigt und damit sonst keine Lieb—
lingsgedanken verbunden hätte.
Was im Ganzen genommen die Wahl der
Gegend betrifft, so möchten sich wohl folgende
Mißgriffe anfuͤhren lassen, nämlich daß sich die
gewählte Gegend wegen ihrer tiefen Lage nicht
zu einem solchen Zwecke eignete, weil der Boden
denen, die sich darauf niedergelassen, zum Theil
unsägliche Mühe verursachte, bis sie ihn bauen
konnten; dann, weil sie, wenigstens anfangs,
sehr fieberisch war und endlich, weil sie verhält⸗
nißmäßig zu entfernt von den übrigen lutheri⸗
schen Gemeinden und Glaubensgenossen lag, und
fur einige Colonien nur durch entsetzliche Opfer
und Mühseligkeiten die Verbindungsstraßen her—
zustellen waren. Doch muß um der Wahrheit
willen gesagt werden, daß die allererste Nieder⸗
lassung mehr den Zweck hatte, eine Missions-
Gemeinde zu gründen, als eigentlich eine Gegend
zur Anlegung von Colonien zu wählen, wie denn
allen war.
Bei Anlegung von Colonien sollten daher die
bereits gemachten Erfahrungen so viel als mög—
ich benutzt und namentlich auf die ganze Gegend
*) Wurde uns schon vor mehr als einem Monat zuge⸗
sandt. D. R.
English translation
Not yet translated.