Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 19, Nummer 17 › Seite 130
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. April 1863, Seite 130
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Luthers Schriften. — · Sklaverei
geringste Unfall vorgekommen. Um das Maaß
der göttlichen Gnadenerweisungen für das Jahr
1862 voll zu machen und keine Lucke darin zu las⸗
ser, so mußte gerade am vorletzten December noch
Prof. Walther einen Wechsel von 337 Thlr. 20
Sgr. fur unsre Anstalt schicken, meldete jedoch
zugleich, wie es eigentlich hätten 500 Thlr. sein
sollen, durch das Sinken des Amerik. Papiergel-
des jedoch seien an jedem Dollar 12 Sgr. verlo⸗
ren gegangen. Doch unser lieber Freund in St.
Louis wußte nicht, als er den Wechsel dort ab⸗
sendete, was ich erfuhr, nehmlich, daß die üͤber⸗
sendete Summe eben nicht größer hatte sein
dürfen, als so, denn sie sollte gerade hinreichen,
um unsre Jahresrechnungen abzuschließen, alle
etwa noch vorhandenen Reste zu decken und
gerade so viel in Kasse zu behalten, um ohne Sor-
gen und getrost das neue Jahr anfangen zu kön-
nen, große Kapitalien aber im Voraus für die
Zukunft anzulegen, das ist Gottes Weise nicht.
So zeigt Gott Seine Finger in Allem, auch selbst
im Amerik. Papiergeld. Sein Name sei gelobet.
Unsere Jahresrechnung hat sich bei dem Schluß
des Jahres 1862 nun so gestellt; meine Missi⸗
onscasse hat 1862 mit Einschluß des Ueberschus⸗
ses von 1861 eine baare Einnahme von 4798
Gulden 14 Kreuzern (2742 Thlr.) gehabt. Da⸗
von sind ausgegeben 1040 Thlr. für die Aus⸗
wanderer; 1028 Thlr. hat unsre Missionshaus-
haltung gekostet und 457 Thlr. sind für besondere
Ausgaben verwendet worden. In diese letztge⸗
nannte Klasse von Ausgaben ist zu zählen, was
für Bucher und Kleidung der Zöglinge ist aus⸗
gegeben worden, (wobei ich auch die eingegange⸗
nen Gaben von Weißzeug, Strümpfen ꝛc. dank—
bar erwähnen muß), sodann gehören hierhin die
Kosten, die meine Missionsreise im vorigen
Sommer verursacht hat, sowie die Ferienreisen
der Zöglinge während meiner Abwesenheit, und
endlich die Ausgaben fur die Vervollständigung
unsrer häuslichen Einrichtung. Es wäre dabei
wohl zu wundern, daß letztere nicht mehr gekostet
baben, da von Erbauung einer Holzremise oben
die Rede gewesen ist; aber das Räthsel löst sich
so, daß wir den Bau fast ganz von unsern Zög-
lingen konnten ausfuͤhren lassen, unter denen
sich glücklicher Weise ein gewesener Zimmermann
und ein Schreiner befand, während die Uebrigen
Handlangerdienste leisteten. Ebenso halten wir
streng an der Regel fest, alle vorkommenden
Haus⸗, Garten- und Feldarbeiten von den Zög⸗
lingen selbst thun zu lassen, was die ganze Fuh⸗
rung unseres Haushaltes sehr vereinfacht und
erleichtert und Gott Lob ist mit unserem häusli⸗
chen Leben Alles wohl und gut gegangen, ohne
Unglück und Verdruß, so daß wir auch darin
nur Gottes Gute und Treue preisen muͤssen.
Mit den Zöglingen in unsrer Anstalt ist im
vergangenen Jahre noch eine Aenderung vorge⸗
gegangen. Im Frühjahre mußte ich einen der-
selben wegen hoffärthigen Wesens entlassen. Er
hatte sich schon bei seinem ersten Eintritt in un—
sere Anstalt im Herbst 1861 in genannter Hin⸗
sicht ziemlich offenbar gezeigt; ich hatte ihn ge⸗
beten, mit seinen Kenntnissen in der Musik uns
zu dienen, indem er im Gesang und Violinspiel
die übrigen Zöglinge unterrichtete. Da wollte
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er nun als Lehrer auftreten, verweigerte den an⸗
dern Zöglingen das brüderliche „Du“ und ließ
bei allen Gelegenheiten merken, wie weit erhaben
er sich dünke, so daß ich oft mich ins Mittel legen
mußte, daß nicht der allgemeine Unwille und die
Entrüstung gegen ihn laut ausbrach. Als in⸗
dessen auch in anderen Beziehungen ein deutlicher
Mangel an Einfalt und Gradheit des Herzens
an den Tag trat, da war auch meine Geduld
endlich aus und ich entließ ihn. Trotz dem aber,
daß ich mir in dieser Sache eines durchaus wohl
und lange bedachten Verhaltens bewußt bin, so
unterließ der Entlassene doch nicht, unter den
gröbsten Schmähungen über mich und mein gan⸗
zes Haus bei fernen Missionsfreunden sich über
die ihm widerfahrene Ungerechtigkeit zu beklagen
und fast wäre es des Teufels List gelungen, hie
und da Mißtrauen zu säen. Diese letztere Erfah⸗
rung ist fast das einzige eigentlich Schmerzliche
gewesen, was wir in unserm Missionsleben im
vorigen Jahr haben erleben müssen. Gott sei
Dank, auch das ist glücklich überwunden und es ist
gelungen, die Lügennetze des Teufels zu zerreißen.
Im vorigen Herbst verließ uns auch noch ein
anderer Zögling aus Meklenburg und zwar frei⸗
willig Familienverhältnisse wegen. Doch hatte
ich meine Gründe, auch in anderer Hinsicht eine
Entscheidung des göttlichen Willens in dem zu
sehen, was geschah. Indessen setzte uns der Ab;
gang des Erwähnten aus unsrer Anstalt in so
fern nicht im Geringsten in Verlegenheit, als es
leicht war, den Mangel aus der großen Menge
Anderer, die sich zur Aufnahme gemeldet, zu
ersetzen, ja, es konnte uns willkommen sein, daß
es fur einige neu aufzunehmende Platz gab. Wir
haben Gott Lob auch bei dem Wechsel keinen
Schaden gehabt. So zählt also jetzt unsre An-
stalt wieder 8 Zöglinge, von denen ich glaube
hoffen zu dürfen, daß sie alle in christlicher Ein-
falt und Treue arbeiten, um sich zu dem hohen
heiligen Beruf, der ihnen bevorsteht, auszu⸗
bilden. So der HErr will, werden wir im
nächsten Sommer zu Johanni eine noch größere
Anzahl von kunftigen Arbeitern unsrer Kirche in
Amerika zusenden können als im vorigen Jahr.
Ich habe allerdings an unsere lieben Freunde
und Brüder in St. Louis geschrieben, ob wir
ihnen nicht das Haus zu voll und die Last zu
schwer machen, wenn wir fortfahren, so mit
Dutzenden unsere Sendlinge alljährlich zu schicken.
Aber ich habe zu nächst keine Sorge darum, denn
erstlich fehlt es drüben, wie ich schon berichtet
habe, nicht unmittelbar am Lebensunterhalt für
unsre Lehranstalten, und zweitens haben unsre
Brüder in Amerika, besonders die Herren Pro-⸗
fessoren an den Seminaren, wie man wohl spüren
kann, durch Gottes Gnade Muth, Kraft und
Freudigkeit, fur den Bau des Reiches Gottes
etwas Tüchtiges zu thun, und sie schrecken so leicht
vor keiner Arbeit zurück, und endlich drittens
währt die Noth der Kirche und die Bitte um
Prediger fort und wenn da Gott junge christliche
Leute zum Dienst in Seinen Weinberg willig
macht, dann wollen wir nur getrost und freudig
sie schicken, der HErr wird schon künftig Alles
versehen, wie bisher. — Für nächsten Sommer
stünden nun zur Aussendung nach Amerika bereit:
erstlich die acht Zöglinge, die ich gege nwärtig hier
habe, und auf deren Abgang schon mit großer
Sehnsucht eben so viele und mehr Andere warten,
die sich zur Aufnahme gemeldet haben. Sodann
haben sich wieder mehrere Schullehrer gemeldet,
nebst einigen anderen jungen Lenten. Die letztern
fast alle wollen zwar die Reise nach Amerika aus
ihren eigenen Kosten bestreiten, oder doch wenig⸗
stens mit nur geringer Beihülfe von unsrer Seite,
aber sie wollen doch von uns gesendet und zur
Aufnahme in Amerika empfohlen sein. Ich werde
dieses letzteres thun, soweit es meine eigne Be⸗
kanntschaft mit den Personen oder die vorgelegten
Zeugnisse mir erlauben werden. Würden alle
die Genannten, mit Einschluß meiner 8 hiesigen
Zöglinge wirklich zur Ausführung der Reise kom⸗
men, so würde es zusammen eine Reisegesellschaft
von 15 Personen geben, ohne die Familien der
schon Verheiratheten. Die unsrer Misssonscasse
hierdurch bevorstehenden Ausgaben werden sich
ungefähr gerade so hoch belaufen, als im ver⸗
gangenen Jahr. Ich hoffe, der HErr wird uns
auch in diesem Jahr nicht zu Schanden werden
lassen. Aber ich bitte auch alle unsre lieben Mis⸗
sionsfreunde nah und fern, besonders die uns im
vorigen Jahr eine so herzliche Theilnahme bewie⸗
sen, daß sie es doch auch in diesem Jahr wieder
thun möchten, und zwar ohne daß ich wieder eine
so große und kostspielige Missionsreise machen
muß, um persönlich meine Bitten vorzubringen.
Nun, der HErr wird es versehen, „Er wird
machen, daß die Sachen gehen, wie es heilsam
ist.Y½
(Eingesandt von Pastor Keyl, sen.)
Stimmen aus der lutherischen Kirche
über
Dr. Luthers Postillen.
1. Ueber beide Postillen.
Dr. Hieron. Weller (war gegen 18
Jahre lang Dr. Luthers Zuhörer und kannte
dessen Schriften aus mehr als fünfzigjährigem
Studinm; er starb 1572): Ich wunschte, daß
die Superintendenten und Visitatoren der Kir⸗
chen allen Pastoren und Predigern mit allem Fleiß
rathen und sie ermahnen möchten zum emsigen
Lesen der göttlichen Werke Dr. Luthers, inson⸗
derheit seiner Auslegungen und Lehrschriften, so⸗
wie seiner beiden Postillen. (Judiæcium de doct.
M. Lutheri in dessen operib. lat. sect. III, p.
168.)
Die ser treue Schüler Dr. Luthers hat sich nicht
ge schämt, bei der Abfaßung seiner lateinischen
Postille, namentlich die Kirchenpostille seines
theuern Lehrmeisters zum Grunde zu legen. Da⸗
von schreibt Basil. Faber in der Dedikation an
den König von Dänemark, die er seiner deutschen
Uebersetzung der Wellerschen Postille vorgesetzt
hat, „daß sie anf den Schlag und Art der
Auslegung Dr. M. Luthers gerichtet, ja der
mehrere Theil ein Auszug ist aus den reichen
und meisterlichen Auslegungen Dr. Luthers. Aus
welchen Schriften die solcher Kirchenlehrer am
allerbequemsten, nützlichsten und sichersten zu neh⸗
men ist und hinfort immer je nöthiger sein will.
Und wohl nur und aber wohl, die ihnen an Dr.
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