Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 19, Nummer 17 › Seite 132

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. April 1863, Seite 132

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Geſang · Geſang · Gemeindegeſang · Sklaverei

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Churfürst Johann Friedrich der
Großmüthige: Dr. M. Luthers Bücher
herzeten, giengen durch Mark und Bein und hät—
ten reichen Geist in sich. Denn wenn er gleich
einen Bogen von anderer Theologen Schriften
lese und unr ein Blättlein Lutheri dagegen hielte,
so befände er mehr Safts und Krafts, auch mehr

132

Brüder. Getragen von dem Worte Christi
Joh. 3, 17: „Gott hat seinen Sohn nicht ge⸗
sandt in die Welt, daß er die Welt richte, son/
dern daß die Welt durch ihn selig werde,“ besingt
es dessen dreifache Zukunft, nämlich V. 1 —6
seine Zukunft ins Fleisch, V. 7 — 11 seine Zu-

kunft ins Herz und V. 12 — 13 seine Zukunft

Trosts darinnen, denn in ganzen Bogen anderer zum Gericht, worauf V. 14 die übliche Do⸗

Scribenten. (Joh. Aurifaber in der Vorrede xolo

gie oder Lobpreisung des Dreieinigen

zum 8.Theile der Altenb. Ausg.) Bekanntlich hatte folgt.

der theure Churfürst in seiner funfjaͤhrigen Ge⸗ ö

fangenschaft außer der Bibel nichts zu seiner besserem Verständniß desselben ist zu bemerken,

Zur Berichtigung des Tertes und darum zu

Es ist fein alber und fein schlecht,
Drum ist es für euch Kinder recht.

Alt' und g'lehrt Leut' bidürfen's nicht,
Und die zuvor sind wohibericht.

Wie wenig er überhaupt in Absicht hatte, ei⸗
gentliche Kirch enlieder zu dichten, sagt er selbst
in der Vorrede zur ersten Ausgabe seiner Poesien:
„Darum ich auch diese und andere meine Gessänge
nur fur Kinder- und Hauslieder ausgebe und
gehalten haben will. Acht sie Jemand werth,
daß er sie in der Kirchen brauchen will, der mags
thun auf sein Ebentheuer, ich hab sie fürnehmlich
dahin nicht gerichtet.“ Gleichwohl sind mehrere

täglichen Erbauung, als die Hauspostille. daß es im Orginal V. 10 heißt:
Es ließen sich wohl noch mehrere Zeugnisse Untergieb seiner Heiligkeit
für die Postillen Luthers auffinden, allein wem Die Werk' Deiner Gerechtigkeit.
„Deiner“ ist hier dem „seiner“ entgegengesetzt

seiner Lieder Kirchenlieder geworden und es hat
gewiß die Kirche in ihrem reichen Liederschatz x
Perlen edelster Art an den Liedern Hermanns:

diese hier beigebrachten nicht genügen, bei dem

wurden auch mehr Zeugnisse ganz vergeblich sein.
Uebrigens sind ja alle die unzähligen Lobsprüche

der Schriften Dr. Luthers vor denen aller andern

Kirchenlehrer auch eben so viel Lobsprüche auf
seine beiden Postillen, nur daß leider diese Lob⸗
sprüche je näher nach unserer Zeit hin, desto selt⸗
ner und matter werden. Nur zwei derselben
will ich hier anfuhren.

Melanchthon, wie Matthesius und Selneccer
berichten, pflegte zu sagen: Dr. Pommeranus
ist ein Grammaticus, der die Worte des Textes
durchforscht; ich bin ein Dialecticus und ziehe
die Ordnung, den Zusammenhang, die einzelnen
Glieder, die Folgungen in Betracht; Dr. Jonas
ist ein Redner und versteht die Dinge mit red.
nerischer Anmuth darzustellen; Luther ist
alles in allen, mit ihm kann sich keiner von
uns vergleichen.

Ant. Otto, Pfarrer zu Nordhau sen, erzaͤhlt in
der Vorrede zu Lutheri nenuem Gebethüchlein aus
seinen Tomis gezogen im J. 1565 folgendes:
Als auf eine Zeit Dr. Jonas sel. Gedächtniß
allhier zu Nordhansen die Epistel St. Pauli
zu Tito las und auslegete, werden wir nach der
Lection zu reden veranlasset von den Predigern,
wir unser HErr Gott zu dieser letzten Zeit so
eine herrliche Sonne und für treffliche Leute ge⸗
geben hätte und wurden viel mit Namen ge—
nannt, wie einer nun unter uns auch des hei⸗
ligen und seligen Mannes Gottes Lutheri ge—
dachte, antwortete Dr. Jonas und sprach: Ach
lieben Bruder, wenn man von Predigern redet
sollen wir Dr. Martin Luther unter uns nicht
zählen noch rechnen, denn das war viel ein an—
derer Mann und sagte zuletzt diese lateinischen
Worte: Iste vir potuit, quod voluit d. i. dieser
Mann konnte, was er wollte. Darauf schwie⸗
gen wir alle stille und verwunderten uns dieser
Worte Dr. Jonä von Luthero, mit welchem er
20 ganzer Jahre umgangen war.

Wanderung durch unser Gesaugbuch.
(Jortsetzung.) 0
Nr. 29. Lob sei dem allmächtigen Gott.
Auch ein durch Michael Weiß übersetz—
tes Adventslied der böhmischen

*) In den in Nummer 9 gegebenen Erläuterungen über
das Lied „Gelobet seist du Jesu Christ“' kommt ein wunder—
licher Setzfehler vor. Es findet sich nämlich etliche Male für
„Sequenz., Weihuachtsseguenz“ der Ausdruck„Se 9·

und will sagen: Laß dich mit St. Paulo Phil.

3, 8. u. 9. in Cbristo erfinden, daß du nicht

habest Deine Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz,
sondern die durch den Glauben an Christum
kommt, nämlich die Gerechtigkeit, die von Gott
dem Glauben zu gerechnet wird, welches ist
seine vollgultige Gerechtigkeit. Es klingt die
ursprüngliche Fassung allerdings härter, doch
aber ist sie deutlicher und bezeichnender.

In den älteren Choralsammlungen finden sich
für das Lied auch etliche O rgina lmelodien.
So theilt Layriz in seinem „Kern des deutschen
Kirchengesangs“ Abth. III. Nr. 491 eine lieb-
liche, von Joh. Crüger 1640 verfaßte Melodie mit.
Ein paar noch ältere finden sich in der v. Tucher'-
schen Melodien sammlung. Die eine stammt aus
dem J. 1544, die andere aus dem J. 1609, welch
letztere Vulpius muthmaßlich zum Erfiuder hat.
Da die erstere sich sehr gut anhört und leicht zu
lernen ist, so theile ich sie in leichter Tonart mit.

—

1
—..=.—

EEAEE

——
Lob sei dem all-mäch-⸗ti- gen

— —.——9.—. . ————

— ——.

x

—.——2.—

Gott! der sich un „-ser er⸗bar-met hat, ge⸗

.—

—.—.—
sandt sein'n al-ler-lieb-sten Sohn, aus

—— —

ihm ge- bor'n im höch -—sten Thron.

Nr. 30. Lobt Gott, ihr Christen, allzugleich.

Von dem „alten Cantor“ zu Joachimsthal, des
Matthesius Herzensfreund, Nikol aus Her⸗
mann, ist schon im Jahrg. 14, p. 5 Dieses
Blattes erzählt worden. Wie dort bereits her⸗
vorgehoben wurde, dichtete er in schlichter Volks⸗
manier mehr fürs Haus und für die gewöhnli—
chen Lebensverhältnisse, besonders aber für die
liebe Jugend, der er ja seine im J. 1559 zum
ersten Male in Druck erschienenen Ge sänge mit
den Worten widmete:

Ihr allerliebsten Kinderlein,
Das G'sangbüchlein soll euer sein;

+
La

H

— — —

nun g. Weihnachtssegnung.“ Der Leser wolle daher
corrigiren und, die Bleiseder einmal zur Hand habend, auch
noch ein paar audere Druckfehler in diesen Erläuterungen ver—
bessern, nämlich im letzten Absatz „Christi“ für „Cbristo“
und für das Fragezeichen am Schluß ein Ausrufungszeichen
setzen.

Nr. 103. „Erschienen ist der Herrlich Tag;“
Nr. 229. „So wahr ich lebe spricht dein Gott;“
Nr. 294. „Die helle Sonn leucht't jetzt herfür 3*⁰
Nr. 317. „Hinunter ist der Sonnen Schein;“
Nr. 428.„Wenn mein Stündlein vorhanden ist,“—
und dem obigen, das wohl selten am Weihnachts-
fest in einer Gemeinde ungesungen bleibt.

Ursprunglich hatte sich Hermann aufs Predigt-
amt vorbereitet. Er zog aber die Arbeit in der
Schule vor und wurde daher Lehrer und Cantor
in Joachimsthal, wo neben und unter ihm, von der
tugendsamen und gottesfurchtigen Matron, Ka—
tharina Heldin,“ die Mädchen „bis ins dreißigste
Jahr ganz treulich und fleißig im heil. Catechis-
mo unterweiset worden,“ waͤhrend Hermann in
der Knabenschule arbeitete. Weil er nun, wie
er selbst sagt, von Jugend auf die Musik lieb ge⸗
habt und seine meiste Zeit damit zugebracht hat,
so ließ er sich denn auch die Unterweisung der
Kinder darin „mit höchstem Fleiß“ angelegen sein
— ein erweckliches Exempel fur christliche Lehrer!
Rührend ist es daher zu lesen, wie er sich die
Himmelsfreude als ein harmonisches herrliches
Singen, Jubiliren und Mussciren in ewiger
Lust denkt, wenn er noch als hochbetagter, vom
Podogra geplagter und nach der Himmelsfreude
sehnlich verlangender Greis schreibt: „Es wird
ein Organist oder Lautenist in jenem Leben auch
ein'n heil'gen Text in sein Orgel und Lauten
schlagen und ein jeder wird allein und auswendig
auf vier und sunf Stimmen hortisiren und singen
können. Esswird auch kein Fehlen und Confu—
sion mehr geben, welche jetzt manchen guten Mu⸗
siker unlustig machet, zumal wenn man oft muß
anheben.“ Als solcher Liebhaber und Kenner
cgeistlicher Musik hat er, wie für viele seiner Lie⸗
der, so auch fuͤr das obige die Melodie selbst ver⸗
fertigt, die eben so gelungen und beliebt ist, wie
der Text selber. —

Zwei Gedanken führen in diesem herzigen
Liedchen den Reigen. Der eine ist die Wieder—
eröffnung des verschlossenen Paradie ses durch
die Geburt Christi, Vers Hund 8, bei welch letz⸗
terem Verse der Dichter auf 1 Mose 3, 24. zurück-
sieht und durch die Worte: „der Chernb steht
nicht mehr dafür“ zugleich an den Engel in der
heil. Weihnacht erinnert, der vor der geoͤffneten
Paradiesesthür steht und durch seine Weihnachts⸗
verkundigung die Kinder Adams zum Eintritt
ruft. Der andere Gedanke ist die zu dem Ende
geschehene tiefe Erniedrigung dergött⸗
lichen Majestät.

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