Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 19, Nummer 23 › Seite 177

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. Juli 1863, Seite 177

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Theologie 3 · Zeit · Zeit 3 · Sklaverei

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AI3 ich saht einen Enge!
lliegen mitten durch den Him⸗

nael, der hatte ein ewig Evan⸗
4 gelium, zu verkündigen denen,
die auf Erden sitzen und woh⸗
nen, und allen Heiden, und Ge⸗
schlechtern, und Sprachen, und
Volkern,

Offenb. Joh. 14, 6.

AII swrach mit großer Stim⸗
me: Fürchtet Gott, und gebet 8
ihm die Ehre; denn die Zeit
seines Gerichts ist kommen, und
betet an den. der gemacht hat

Himmel und Erde, und Meer,

und die Wasserbrunnen.

Offenb. Joh. 14, 7.

Herausgegeben von der Deutschnd Coangclich⸗ Lutherischen Synode ve von Miso ouri, Ohio und andern Staaten.

Redigirt von C. F. W. Walther. —

Hahrgang 19.

St. Louis, Mo., den 15. Juli 1863.

Ro. 23.

„ Bedingungen:

Der Lutheraner erscheint alle Monat zweimal für den jäbrlichen Subscrip⸗
tionzyreis von einem Dollar für die auswärtigen Unterschreiber, welche denselben vorausbeiahlen und
dobgelo ju tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft.

Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, sind an den Redakteur, alle andern
aber, welche Geschäftliches, Bestellungen, Abbestellungen, Gelder ꝛc. enthalten, unter der Adresse:
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In Deutschland ist dieses Blatt zu bezlehen durch Justus Naumann tin Leipzig.

* (Eingesandt von Prof. Dr. Sihler.)

Belhes ist die Gestalt nusrer Zeit und
velche Zukunft haben wir zu erwarten?

(Fortsetzung.)

— Wie steht es nun aber jetzt mit der Theo lo⸗
gie? Sind die Lehrer derselben an den hohen

Schulen dem Worte Gottes, der h. Schrift, wie sie
dlautet, also gehorsam, daß man nicht bei irgend⸗
welchen wahrnehmen könnte, wie auch sie eigent⸗

Ach sagen: „Wir wollen nicht, daß dieser (und

sn Evangelium) über uns herrsche?“ Wollte
Hott, es wäre also. Wenn wir uns aber auch

auf einige Blicke auf namhafte lutherische
xheologen der Gegenwart beschränken, so müssen
wr leider sagen, daß dieser Spruch auch auf sie

Auwendung leide.

Unsere alten rechtglänbigen, lutherischen Lehr⸗
väter, und sonderlich die vom ersten Range, ein
uther, Chemnitz, Gerhard, waren bei all ihrer
lifen, gründlichen und umfassenden Gelehrsam-
kit und Fruchtbarkeit, dagegen sich die jetzigen
Theologen wie Zwerge zu Riesen verhalten, von
derzen einfältige, gläubige Christen, von gründ⸗
icher innerer Erfahrung von Sünde und Gnade,
oll geistlicher Weisheit und Erkenntniß und da—
hei voll aufrichtiger Herzensdemuth. Sie woll⸗

ten nicht außer und neben der Kirche einen

Ruhm durch gelehrte Werke erjagen und wie

glaͤzende Gestirne über den Häuptern der ein-

gemeinen Christen schweben. Vielmehr

„ unterwarfen sie alle Ergebnisse ihres theologischen
ßleißes und ihrer staunenswerthen Gelehrsam-

*

keit, alle ihre Schriften dem Worte Gottes, wie

es lautet, und dem Bekenntnisse der Kirche. Mit
der größten Nüchternheit und zartesten Gewissen⸗
haftigkeit waren sie darauf bedacht, daß z. B. jede
ihrer Schriftauslegungen dem Glauben ähnlich
war, daß jede Entwickelung einer Lehre sich inner⸗
halb der Schranken der Bekenntnißschriften beweg⸗
te und dem festgestellten rechtgläubigen Lehrbegriff
gemäß war. Denn ihre Theologie wollte keine
Herrin, sondern eine Dienerin der Kirche sein,
wie sie denn fast alle zugleich Diener von Ortsge⸗
meinden, Pastoren und Superintendenten waren.
Sie waren eben nicht blos gelehrte und lehrtüch-
tige Theologen, sondern auch Männer der Kir-⸗
che und kirchliche Charaktere, wehrhafte und
streitbare Helden, die in Lehre und Wehre auf
den Kanzeln, wie auf den akademischen Lehrstüh⸗
len das Schwert des Geistes, das Wort Gottes,
gegen papistische und schwärmerische Irrthümer
und Lügen wohl zu führen verstanden; und dem⸗
gemäß bildeten sie denn auch die studirende Ju⸗
gend, die strebsamen Junglinge, die zu ihren

Fußen saßen, zu rechtgläubigen und lehrtuchti⸗

gen Männern, zu kirchlichen Charakteren heran,

Gott zur Ehre, ihnen selbst zu Schmuck und

Zierde und der Kirche zu Nutz und Frommen.
Aber, hilf Gott, wie sieht es jetzt auf den mei⸗

steu theologischen Lehrstühlen der Hochschulen

Deutschlands auch in der lutherischen Kirche
aus? Nur spärlich hin und her zerstreut kann
man einzelne treue Zeugen und rechtgläubige
Lehrer entdecken, die den Fußtapfen der Väter

folgen, an dem schriftgemäßen Lehrbegriff der

*
*
* —

*

mehr geschehen.

Reformationskirche festhalten, demüthig und
dankbar zu den Füßen dieser ehrwürdigen Väter
sitzen und als echte Söhne derselben von dem
reichen evangelischen Lichte sich erleuchten lassen,
mit welchem der Heilige Geist aus Gottes
Wort diese ihre Lehrväter in jener großen Zeit so
herrlich begnadet und begabet hatte“ Dagegen
sind jetziger Zeit die meisten Professoren und Doc⸗
toren der Theologie in der lutherischen Kirche
Deutschlands gar andere Leute. Gut lutherisch —
denn das ist schier Modesache geworden — wol⸗
len sie zwar fast alle sein, und der Kirchlichkeit
sind sie so voll, daß allezeit Mund und Feder da⸗
von uͤbergeht. Und unter dieser Firma bethören
sie die Ohren ihrer jungen unerfahrenen Zuhörer,
die da auch gerne wollten gut lutherisch sein;
und wären in den Aufrichtigen dieser jungen
Gesellen durch die bewahrende Gnade des Hei⸗
ligen Geistes die Ohren der Hörer nicht reiner,
als der Mund der Lehrer, so würde der Bethö⸗
rung und Verderbung des Erkenntnisses noch
Hinter demselben Aushänge⸗
schild der lutherischen Kirchlichkeit betrͤugen sie
durch die Augen und den Sinn gar manchen
Leser, die nicht zwischen den Zeilen zu lesen ver⸗
stehen und noch ungeübte Sinne zur scharfen
Uuterscheidung der Wahrheit und des Irrthums
haben. Doch tritt auch hier beim Lesen eine
ähnliche Bewahrung ein, wie dort beim Hören;
und wenigstens hier zu gutem Glück sind die mei⸗
sten theologischen Schriften heutiger Zeit in einer
so verzwickten und vertrackten Sprache, das ist,
so in der Sprache der modernen Wissenschaftlich⸗

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