Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 19, Nummer 23 › Seite 180

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. Juli 1863, Seite 180

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Sklaverei

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wenn sie in uns allen herrscht, so werden wir
Alle liebenswürdig sein, und Gott und uns unter
einander lieben.“ Ja, wenn die Liebe in uns
herrscht, so werden wir liebenswürdig sein, —
wenn in der Suppe das Salz herrscht, so wird sie
salzig sein. Wozu solche unnütze, seichte Schwä⸗
tzerei. — Ferner: „Der rechte seligmachende
Glaube aber ist eine gewisse Zuversicht auf Gottes
Wahrheit, Barmherzigkeit, Treue, Allmacht ꝛc.,
aus Wirkung des heil. Geistes, und wird nur
denen gegeben, die darnach greifen und verlan⸗
gen.“ In der Bibel steht, daß der Mensch in
Sünden todt ist zu allem Guten, widerstehen
kann er wohl, aber das „Greifen und Verlangen“
soll er wohl bleiben lassen. O, des unnützen,

verführerischen, pelagianischen Geschwätzes! —

Ferner: „Wer darf sich erfrechen, zu behaup⸗
ten: es sei Aberglaube, es sei Schwärmerei,
wenn man lehre, Gott habe sich sinnlich ge⸗
offenbaret?“ Es ist aber nicht bloß Aberglaube
und Schwärmerei, sondern offenbarer Unsinn zu
behaupten, Gott habe sich „sinnlich geoffenbart.“
Hätte er sich sinnlich geoffenbart, so hätten ihn
als Gott die Pharisäer mit ihren Sinnen auch
sehen müssen, so sahen und hörten sie aber nicht
den geoffenbarten Gott, sondern einen ihnen feind⸗
seligen Juden, von dem sie sagten, daß er den
Teufel habe. Dieser unnütze Scribent weiß eben

Gott „sinnlich geoffenbart,“ zwei ganz verschie⸗
dene Dinge sind. —

Von Dr. Stohlmanu kommt der zweite Auf⸗
satz. Eine seiner gewöhnlichen großartigen, hoch⸗
trabenden, hohlen, nichtssagenden, aber poetisch
und philosophisch sein sollenden Tiraden, über⸗
schrieben: „Die unendlich wichtige Bedeutung
der Zerstörung von Jerusalem.“ Er declamirt:
„Unter Donner und Blitzen war das Gesetz ge⸗
geben; und am Pfingsttage umspielten Feuer-
flämmchen die Hunge der das Evangelium pre⸗
digenden Apostel. Das Alles aber sollte noch
einmal der ganzen Welt verkundigt werden. Und

Welt. — Wer da die Execution des Gesetzes
nicht sieht, der wird es in seinem Leben nicht sehen!
Wer da nicht des HErrn Gnadenruf hört, der
wird ihn sein Lebelang nicht hören.“ Welch un⸗
nützes, bom bastisches Stohlmannsches Geschwätz!
Die Zerstörung Jerusalems eine noch einmalige
Verkündigung der am Pfingsttage die Zunge der
das Evangelium predigenden Apostel umzingeln-
den Feuerflammchen. — „Wer in der Zerstörung
Jerusalems des HErrn Gnadenruf nicht hört,
der wird ihn sein Lebelang nicht hören.“ Das
wäre gar nicht zu verstehender Unsinn, wenn
Stohlmann nicht später hinzusetzte, daß er dabei
an die Flucht der Gläubigen nach Pella dächte.
Wie es aber möglich ist, diese Flucht und die
Zerstörung Jernsalems ideutisch zu setzen, also
daß man in der Zerstörung einen Gnadenruf
hören soll, und zwar den lautesten Gnadenruf,
den es nur geben kann, und daß diese Flucht eine
nochmalige Verkundigung des Pfingstwunders
sein soll, das ist eben nur Stohlmann'sche theo—
logische Tiefe, und romantische Zungenfertigkeit,
gut genug fur die Mundaufsperrenden Herolds-
leser. — Weiter unten sagt er: „Wie ein Dieb

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in der Nacht, so nahet das Ende. Wie der
Blitz ausgeht vom Aufgang, und scheinet bis zum
Niedergang, also wird auch sein die Zukunft des
Menschensohnes. Eins aber wissen wir Alle,
daß uns Allen zuvor ein ebenso schneller Bote
uͤber den Hals kommt: — der Tod! —“ Weiß
denn Stohlmann nicht, daß der jungste Tag je⸗
den Augenblickhereinbrechen kann, bevor
der Tod uns abfordert? Unnützes, Stohlmann⸗
sches Geschwätz!

Der dritte Aufsatz ist überschrieben: „Ein ex⸗
traordinärer Wunsch und ein Gegenstück“ von
einem „Nemo.“ Darin heißt es unter andern:
„Was mich anbetrifft, so gefaͤllt mir die Welt
und unsere Kirche gerade wie sie ist. Ich
möchte sie nicht leiden, wenn Alles so rechtwink⸗
lig und schnurgerade wäre. Das macht müde
und matt. Nun gibt es aber zu suchen, zu thun,
zu ordnen, zu streiten, zu gewinnen und zu ver⸗
lieren. Die Abwechselung ist ungeheuer und von
Stillstand ist keine Rede. Jeden Tag sieht man
den Faden (2) und hört fast die Blätter umschla⸗
gen, und dahinter den herrlichen großen Meister.
Das geheime Weib, mit dem Namen, um den
sich die Theologen streiten, — denn es ist, beim

Lichte besehen, mehr der vielseitige Name als die
klare Sache — ist in heiliger Thaͤtigkeit, und dem

zuzuschauen und ein bischen zu helfen, oder zu
nicht, daß Gott „im Fleisch geoffenbart,“ und

verderben, — denn so machen es ja die
Kinder, — ist das nicht auch ein Vergnü⸗
gen? Ja unser lieber Herrgott nimmt mit
dieser seiner Welt verlieb; sollte
denken, wir möchtens auch thun.“ Kann es denn
wohl loseres, leichtsinnigeres, gotteslästerlicheres
Gewäsch geben! Wenn ein leichtfertiger Bier—
lümmel auf Wirthshausbänken so redet, so ist
das schon sehr zu beklagen, wenn aber ein christ—
lich sein wollendes Blatt solche Sachen bringt, so
ist es ein schändlicher Wisch, den man anspeien
und von sich werfen muß. Gott offenbart uns
den Zustand der Welt, wenn er sagt: „die ganze

Welt liegt im Argen, er warnt: habt nicht lieb
das geschah in der Zerstörung der Stadt der

die Welt noch was in der Welt ist, wer die Welt
lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters;
der heil. Apostel Paulus ruft voller Sehnsucht
aus: ich habe Lust abzuscheiden; die ganze
Kirche ruft: Herr Jesu komm, komm bald!
Selbst die unvernünftige Creatur seufzet und
sehnt sich nach der Erlösung und dem Ende die—
ser Welt, weil es eine arge Welt ist, eine Welt,
in der der Fürst dieser Welt, der Teufel, sein
Wesen treibt; und dieser selbstzufriedene, elende,
geistlich sein wollende Bierlümmel spricht: „mir
gefällt die Welt wie sie ist, — ein bischen zu
helfen oder zu verderben (an der Kirche nämlich),
ist das nicht auch ein Vergnügen? Ja unser lie⸗
ber Herrgott nimmt mit dieser seiner Welt verlieb,
sollt denken, wir möchtens auch thun.“ Pfui,
über solches Gewäsch, und Pfui, über den Herrn
Ludwig, der solches schändliches verweltlichtes
Zeug in sein „lutherisches“ Blatt aufnimmt. Und
was mag der Herr Dr. Stohlmann dazu sagen?
Nun er liest es, und freut sich über die großarti⸗
gen, romantischen Redensarten, und da es nicht
missourisch und orthodox ist, so hat er Gefallen
daran.

Der ate Aufsatz ist eine Todesanzeige von Dr.

Stohlmann, darin kommt wieder folgendes „un⸗
nützes Geschwätz“ vor: „Heilige sind in unserer
Synode nicht; diese Gemeinschaft unserer Kirche
hält gar nichts von Heiligen; auch hat sie keine
Spur von alleinseligmachenden Sätzen in sich.“
Was das für Theologie eines Columbuser Doe⸗
tors ist!!!! Wenn in der New⸗-York Synode
keine „Heilige“ sind, so geht die ganze Synode
mit Haut und Haaren in die Hölle, da hilft nichts
für, denn es kann nun einmal nichts Unreines,
nichts Unheiliges in den Himmel eingehen.
Wenn diese generalsynodalistische „Gemeinschaft“
gar nichts „von Heiligen“ hält, und das sich zum
Lobe zurechnet, wie mag sie wohl vom Paulus
denken, der „alle Heiligen in ganz Achaja
grüßt, und die Corinther die „Geheiligten in
Christo Jesu, die berufenen Heiligen“ heißt.
Das ist ihr wahrscheinlich Schwärmerei. Wie
mag ein solcher Dr. seine armen Kirchkinder wohl
lehren, daß sie ein festes Herz kriegen den Metho⸗
disten gegenüber, wenn er so gar nicht versteht,
wer „die Heiligen“ sind. Die christliche Kirche
bekenut eine Gemeinschaft der „Heiligen“ und
Stohlmann sagt: „Heilige sind in unserer Sy⸗
node nicht; diese Gemeinschaft unserer Kirche
hält gar Nichts von Heiligen.“ Wir „lieblosen“
Missourier urtheilen, der Lie be gemäß, liebevoller
uber Stohlmanns Synode, und sagen: es gibt
doch auch in der New⸗York Synode „Heilige.“ —
Wenn der Dr. fortfährt: „auch hat sie keine
Spur von alleinseligmachenden Sätzeu in sich,“
so ist das wieder trauriges Gewäsch. Der Dr.
hat einmal etwas läuten hören, aber weiß nicht,
wo die Glocke hängt. Es ist freilich gräulich,
wenn die Katholiken von ihrer Kirche als der 4
alleinseligmachenden reden, aben es ist ebenso
gräulich, wenn ein luth. Dr. der Theologie dieses
nun auch auf die Lehre anwendet. Nur in
einem Unionsbabel will man auch Nichts „von
alleinseligmachenden Sätzen“ wissen. Jeder aus
der heil. Schrift genommene Lehrsatz ist ein
„alleinseligmachender,“ so gewiß nur
die Wahrheit selig macht, und jede Lüge ins Ver;
derben fuhrt. — Solches unnützes, verwirrendes
Geschwätz bringt der Dr. an den Tag.

Was werden nun die liebevollen Unionsseelen
in und außerhalb der Generalsynode wieder
schreien über missourische Lieblosigkeit und Grob-
heit, daß man es wagt, solche große, erhabene,
ehrwürdige, von „der Kirche“ anerkannte, geliebte
Männer wie einen Dr. Stohlmann, und den ver⸗1
dienstvollen Herausgeber des „luth. Herolds,“
und die ehrwürdigen, verdienstvollen, eifrigen

Herrn Mitarbeiter und Aufsätzelieferer des luth.

Herolds“ also angreift, und sagt, daß sie un-⸗
nütze Schwätzer seien? Wir wollen diesen
vliebevollen“ Seelen ein für allemal antworten,
daß uns die Sache mehr gilt als die „lieben“
Personen, und daß wir nicht einen Deut &
geben für alle Ehrwürdigkeit und Dr.-Würde
und sonstige menschliche Höhen, sie mögen heißen
wie sie wollen, wenn sie sich wider die Wahrheit
auflehnen, und daß wir es darum auch hin und
wieder in aller Devotion wagen werden, den un⸗
nützen Schwätzern im „lutherischen Herold“ den
Finger auf Nase und Mund zu drücken, damit
sie sich doch nur einmal besinnen, was sie eigent⸗

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