Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 19, Nummer 23 › Seite 181
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. Juli 1863, Seite 181
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Geſang · Geſangbuch 9 · Geſangbuch · Geſang · Gemeindegeſang · Sklaverei
lich schwätzen. — Wenn es der „luth. Herold“
wunscht, wollen wir einmal eine zeitlang jede
Nro. des Herolds so durchnehmen, denn jede
Nro. ist voll solchen unnützen Geschwätzes. Viel⸗
leicht, daß dann doch noͤch einigen Blinden die
Augen aufgehen! B.
(Eingesandt von Past. Lochuer.)
Wanderung durch nuser Gesangbuch.
(Fortsetzung.)
Nr. 32. Menscheukind merk eben.
Ueber dieses Adventslied ist nichts weiter zu
sagen, da wir seiner schon bei Nr. 22 gedachten
und alles dort Gesagte genau auch von diesem
gilt. Wir wenden uns daher folglich zu
Nr. 33. Mit Ernst o Meuschenkinder.
Es gibt noch ein anderes Adventslied, das
dem sehr ähnlich ist, auch einem Valentin
Thilo zugeschrieben wird und mit den Worten
anfängt:
Mit Ernst, o Menschenkinder,
Das Herz in euch bestellt.
Letzteres findet sich auch in 16 meiner Gesang-
bucher, dem Dresdner, Leipziger, Breslauer,
Berliner, Hamburger, Marburger ꝛc., während
ich es in der vorliegenden Fassung in keinem
meiner übrigen Gesangbücher finden kann. Ob
nun dies Lied auch von demselben Verfasser oder
ob es von seinem Vater ist, der auch Valentin
hieß und Dichter war? Es wird sich das schwer
ermitteln lassen, da wie Rambach in seiner An-
thologie sagt, die von den Meisten dem Sohne zu⸗
geschriebenen Lieder zwischen ihm und dem Vater
streitig ssind. So bezeichnet Lilienthal in seiner
1723 zu Kön igsberg herausgekommenen Lieder⸗
sammlung den Vater als Verfasser des am
meisten bekannt gewordenen Liedes, währeud er
in der Ausgabe von 1752 dem Sohne die Autor⸗
schaft zuschreibt.
M. Valentin Thilo, der V ater,
geboren 1579 und gestorben 1620, war Diako-
nus zu Königsberg und daselbst auch als Dichter
beruhmt. Die Gabe der Dichtkunst ging in
reichem Maaße auch auf den Sohn über, der
ibm 1607 geboren wurde und der neben Simon
Dach eines der hervorragendsten Glieder des bei
Nr. 31 schon erwähnten preußischen Dichterbun-
des wurde. Nachdem er in Königsberg studirt
batte, bereiste er Holland und wurde unmittelbar
nach seiner Heimkehr in die Vaterstadt Professor
der Redekunst daselbst und königl. polnischer Ge⸗
heimsecretär, wo er am 27. Juli 1662 starb.
Durch den rührend schönen Tod seiner „einigen,
allerliebsten Schwester“ hatte er einen so tiefen
Eindruck bekommen, daß er schon als Mann im
bluͤhendsten Lebensalter ernstlich bedacht war, sich
ö auf sein Ende vorzubereiten und daher nur um so
mehr als Glied in den „der Sterblichkeit beflisse⸗
nen“ Dichterbund paßte. „Seine Schwester
Justina, die Gattin des Pfarrers Kuhn an der
Roßgartischen Kirche, wurde nämlich, erzählt
Koch, als blühende junge Frau schon vier Jahre
Einer giftigen Seuche weggerafft. Kurz vor ihrem
rde wurde sie — obwohl sie stets eine gottlie—
bende Seele war — von einer heftigen Angst und
Anfechtung ergriffen, die sich dann aber in himm-
nach geschlossener Ehe, am 16. Aug. 1639, von
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lische Freude auflöste, so daß sie ausrief: Wer
kann uns scheiden von der Liebe Gottes? Dar⸗
auf tröstete sie ihre Hinterbliebenen und bat sie,
ihr letztes Bettlein mit Blumen und den schön⸗
sten Siegeskranz auf ihr Haupt zu setzen, als
ginge sie in den Tanz.“ Diesen Tod konnte Thilo
sein Lebenlang nicht vergessen.
Auch bei diesem Liede, wie bei dem andern
ähnlich lautenden ist Jesaia 40, 3.4. mit Luk. 3,
1—18. zu Grunde gelegt. Es ist daher ein Ad⸗
ventsbereitschaftslhied, ein Aufruf,
dem HErrn den Weg zu bereiten.
Eine eigene Melodie besitzt keines von bei⸗
den Liedern, sondern jedem wird gewöhnlich die
Melodie: „Von Gottwill ich nicht las⸗
sen“ (Melodien B. 191) gegeben. Diese Me-
lodie gehörte ursprünglich einem weltlichen Volks⸗
liede an. Von ihr aber gilt in Bezug auf ihre
Verwendung auch fürs Adventslied, was der
Dichter des genannten Trostliedes einer Freun⸗
din schrieb:
„Darum weil diese Melodei
So lieblich ist an Stimmen,
Daß ein gottesfürchtig Herz dabei
In Freuden möchte schwimmen:
Hab ich darunter Wort gefügt
Welch' jedermann mag singen
Er sei, worin er woll', geübt,
Soll ihm kein Schaden bringen.“
Nr. 34. Nun ist die Zeit erfüllt.
Der Verfasser dieses Adventsliedes ist unbe—
kannt, auch findet es sich in nur wenigen Ge⸗
sangbüchern. Sein Thema ist der Freudenruf,
mit dem jeder Vers anhebt und schließt: „Nun
ist die Zeit erfüllt. Jeder der drei
ersten Verse bezieht sich auf eine Weissagung
durch Wort und Bild. Der 1. Vers führt zu
der Weissagung vom Schlangentreter
1 Mose 3, 15. zurück, sowie zu dem Ausruf
Evas nach der Geburt Kains: „Ich habe
den Mann, den Herrn! 1 Mose 4, 1.
Mit der Weissagung von Jakobs Stern
oder dem himmlischen Lehrer und Propheten, die
Bileam anstatt eines Fluchs über Israel aus—
sprechen muß, (4 Mose 24, 17.) hat es der
2. Vers zu thun und zeigt, daß auf die Frage:
„Hüter ist die Nacht schier hin!“ Jes. 21, 11.
der Chorus der Apostel, Hirten und Lehrer ant—
wortet: „Nun ist die Zeit erfüllt!“ Wie in des
ewigen Hohenpriesters Menschwerdung das wun-
derbare, weissagende Blühen des Stabes
Aarons 4 Mose 17. und damit Jesaiä Weis⸗
sagung c. 9, 6. 7. sich erfüllt hat, besingt der
3. Vers. Der 4. Vers zieht den Schluß: Also
ist die Zeit der Knechtischaft unter dem
Gesetze aus und die Zeit der Kindschaft
unter dem Evangelio erschienen. Somit ist
die ses Lied mit seinen, den 4 Adventswochen ent⸗
sprechenden 4 Versen wie eine Postille von
Adventspredigten.
Nr. 35. Nun kömmt das nene Kirchenjahr.
Dies als Introitus oder Eingangs-
gesang, wie als Predigtlied zum An⸗
fang eines neuen Kirchenjahrs zu verwendende
Liedchen ist aus des Generalsuperintendenten
Johann Olearius zu Halle „geistlicher
Singekunst, Leipzig 1671.“ Ueber den Verfasser
wolle der Leser bei Nr. 5 nachsehen.
(Fortsetzung folgt.)
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*
Zur kirchlichen Chronik.
Geständniß der Methodisten. Unter
den Methodisten scheint der Eifer, die Seelen in
ihrer Weise zu bekehren, mehr und mehr nachzu⸗
lassen und dafür der Eifer, nur die Gliederzahl
ö ihrer äußerlichen Gemeinschaft zu vermehren, zu⸗
zunehmen. Sie gestehen dieses selbst. Eine Me-
thodisten-Districtsversammlung thut im „Apolo⸗
geten“ vom 22. Juni unter Anderem folgendes
Geständniß: „Mancher (methodistische) Prediger
scheint es darauf abgesehen zu haben, sobald wie
möglich zum Anschluß zu bewegen, ehe noch eine
wahre Ueberzeugung und herzliches Verlangen
eingekehrt ist. Schreiber dieses war schon Zeuge,
wo auf einer Lagerversammlung beinahe Gewalt
gebraucht wurde zum Anschließen; die Frucht,
war: eine kurze Zeit hielten solche Neuange⸗
schlossene sich zu uns und besuchten den Gottes⸗
dienst, bald aber gingen sie denselben Weg, den sie
gekommen waren.“ Wie sollten daher schwache
Lutheraner auf ihrer Hut sein, sich von solchen
ungestümen methodistischen Proselytenmachern
überrumpeln zu lassen!
Aussicht auf eine neue Synode.
In der Kirchenzeitung fur Lutheraner von Räth⸗
jen, bekanntlich Organ der Diedrichscheu Partei,
lesen wir in der Mai-Nummer folgendes „Ge⸗
such um Pastoren für Amerika“: „Es sind Bit⸗
ten und Gesuche von mehren lutherischen Ge⸗
meinen in Nordamerica, die weder der Synode
von Missouri noch Buffalo angehören, an uns
gerichtet um Sendung von Pastoren. Diejenigen
Prediger oder Candidaten, welche solche Pfarren
dort annehmen möchten, bitte ich wegen der be⸗
treffenden Vocationen und Bedingungen sich an
Herrn Pastor Diedrich in Jabel bei Wittstock zu
wenden. Der Herausgeber.“ — Oyogleich hier
bereits 43 sich lutherisch nennende Synoden be⸗
stehen, von denen es heißt: Quot capita, tot
sensus, das ist, wie viel Köpfe, so viel Sinne;
so hat doch, wenn alle nur mögliche Arten von
sogenannten lutherischen Synoden hier vertreten
sein sollen, noch eine Diedrich'sche gefehlt, in
welcher nicht die Gemeinde, sondern der Herr
Pfarrer „Das höchste Gericht“ bilden wird.
Diesem dringenden Mangel wird, wie es scheint,
nun auch bald abgeholfen sein.
Missionsschiff. Auch in Norwegen wird
jetzt nach dem Beispiel von Harms in Hermanns⸗
burg ein Missionsschiff gebaut.
In Ostindien haben die lutherischen
Missionare eine Waisenanstalt für heidnische
Waisen errichtet (in Mayaveram unter Missionar
Schwarz). Darin befinden sich gegenwärtig 67
Kinder, 50 Mädchen und 17 Knaben. Ein
jedes dieser Kinder ist einem christlichen Freunde
in Deutschland und Rußland zugetheilt, der für
das übernommene, gleichsam adoptirte Kind die
Mittel der Unterhaltung beschafft, über dasselbe
von Zeit zu Zeit Bericht erhält und dasselbe ohne
Zweifel sonderlich in sein Gebet mit einschließt.
Gewiß eine höchst liebliche Einrichtung.
Im Ludwigschen „Herold“ wurde vor
kurzem Herr Pastor Tirmenstein von einem ge⸗
wissen Hennicke eines ungerechten Bannes be⸗
schuldigt. Herr Past. Tirmenstein weist daher in
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