Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 20, Nummer 12 › Seite 90
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. Februar 1864, Seite 90
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schwerlich so früh verehlicht, wenn seine jetzige
einsame Stellung und die fruͤhere stetige Ge⸗
wohnheit des Familienlebens bei seinen l. Eltern
und Verwandten es ihm nicht zum Bedürfniß
gemacht hätte. Auch war seine Eheliebste nicht
dahin gerichtet, sich dienen zu lassen, sondern
in der Furcht Gottes und in und zur dienenden
Liebe in den Worten des Glaubens auferzogen,
wollte sie in ihrem Ehestande nur eine Magd
Christi sein und in solchem Sinne ihrem Ehe-⸗
gemahl dienen.
Und dazu hat ihr denn ihr himmlischer Ehe⸗
herr und Erzieher seit fünf Vierteljahren eben
so reichlich als schmerzlich Gelegenheit gegeben.
Nachdem nämlich P. Wichmann über zwei Jahre
in der Verwaltung seines Amts sich der besten
Gesundheit erfreut hatte (wie er denn überhaupt
von Kindesbeinen noch nie bettlägerig krauk war),
so stellten sich im Herbst 1862 nach seiner Rückkehr
von der Conferenz zu Pittsburg zuerst rheuma⸗
tische Beschwerden ein. Wiewohl diese schon
im Anfange sehr schmerzhaft und von mehr-
stündiger Dauer waren, so wartete er doch noch
bis zum Neujahr seines Amtes in Kirche und
Schule. Die Anfälle aber kehrten immer länger
und schmerzhafter wieder, so daß er genöthigt
war, die Schule auszusetzen, und nur alle 14
Tage predigen konnte. Inzwischen suchte er, da
mancherlei Hausmittel keine heilende Wirkung
äußerten, ärztliche Hülfe. Aber auch diese war
vergeblich. Jeder von den zwei Aerzten, die er
hinter einander gebrauchte, vermeinte, ihn in
einigen Wochen herzustellen, aber keinem gelang
es, und beide riethen ihm dringend, sein Amt in
Canada niederzulegen, da er das Klima nicht
vertragen könne. Dies that er jedoch noch nicht,
da ihn seine Kirchkinder dringend baten, bei ihnen
zu bleiben. Da er indessen von Ostern an nur
alle 4 Wochen zu predigen im Stande war und
die Anfälle immer öfter, schmerzhafter und länger
wiederkehrten, so daß er oft Stundenlang vor
uͤbermäßigen Schmerzen auf dem Bette oder auf
dem Boden sich krummen und winden mußte und
heftige Fieber und Nachtschweiße sich dazu ge⸗
sellten, so wurde er endlich genöthigt, sein Amt
an der ihm so theuern Gemeinde niederzulegen
und um Himmelfahrt, da es vergleichsweise ein
wenig besser ging, mit Weib und Kind zu seinen
l. Eltern nach Fort Wayne zu ziehen.
Das mildere Klima hieselbst schien ihm zuerst
schon eine erwunschte Hülfe zu bringen. Er war
in der ersten Zeit sogar im Stande, in die Kirche
zu kommen und Gottes Wort zu hören; aber
bald hörte dies auf. Dieselben schmerzhaften
Anfälle kehrten wieder, so daß er nicht mehr das
Zimmer verlassen konnte. Auch hier wollte die
ärztliche Hülfe nicht anschlagen; vielmehr trat
Wassersucht ein. So kam denn er selber mit sei⸗
nen l. Eltern und Verwandten zu dem Eutschluß,
sich mit Frau und Kind zu seinem Schwager,
dem Pastor Beyer, nach Chicago zu begeben, um
hier bei einem namhaften Arzte eine homöo⸗
pathische Kur zu versuchen. Dies geschah im
Juli 1863. Der dortige Arzt nun erklärte, daß
bei ihm Nieren und Milz krankhaft ergriffen seien,
und richtete demgemäß seine Heilmethode ein.
Es zeigte sich auch nach und nach Besserung, so
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daß er das Zimmer verlassen und ausfahren
konnte. Im Herbst war er sogar im Stande,
benachbarte Amtsbrüder auf dem Lande zu be⸗
suchen, so daß seine Verwandten und Freunde
der Hoffnung zu seiner völligen Genesung Raum
gaben. Doch hatte die Besserung keinen Bestand;
es stellte sich die Wassersucht wieder ein und vor
unserer Synode kehrte er wieder hieher zurück,
nicht ohne die leise Hoffnung — denn sein Herz
gehörte dem HErrn und seiner Kirche — dann
und wann eine kurze Zeit der Synode beiwohnen
zu können. Dies aber war nicht der Wille Gottes
und diesem hielt er denn stille. Doch empfing er
mehrfach Besuch in seinem Krankenzimmer von
befreundeten Amtsbrüdern.
Wiewohl nun, außer dem furchtbar ange⸗
schwollenen Gesicht, vornehmlich auf der linken
Seite, in Folge eines neuen Mittels das Wasser
in den Gliedern zurücktrat, so fing er doch im
November an, ungewöhnlich schnell abzumagern
und seine Kräfte zu verlieren, so daß er zuletzt
nicht mehr das Bett verlassen konnte. Zugleich
hatte er Stundenlang, auch des Nachts, einen
heftigen, beschwerlichen Husten. Da er aber
inzwischen immer noch mit Appetit Speise zu sich
nahm, so versah sich Niemand seines so schnellen
Abscheidens. Doch hatte er sich auf dasselbe
schon längere Zeit gefaßt gemacht, wie er denn
mehrfach geäußert, dieses sei seine erste und seine
letzte Krankheit; ja selbst kurz nach seiner Ver⸗
ehlichung, da er noch ganz gesund und kräftig
war, hat er in einer gewissen Vorahnung seiner
Frau gesagt, sie solle sich nur darauf gefaßt
machen, daß sie nicht lange würden zusammen⸗
bleiben. Als ihn am Tage vor seinem Heimgang
sein alter Vater fragte, ob er denn bald werde
zu seinem Heiland gehen, antwortete er: „Ja,
wie Gott will, droben ist es ja auch viel besser.“
Wie er überhaupt daheim ein stilles Wesen hatte,
so redete er in den letzten Tagen, da die Schwäche
immer mehr zunahm, nur sehr wenig, ließ sich
aber, wie auch immer zuvor, aus Gottes Wort
und unsern herrlichen Kirchenliedern, die es so
tröstlich dem gläubigen Gemüͤth auslegen und
anwenden, vorlesen. Fein sanft und ruhig, ohne
Anzeichen eines Kampfes und Schmerzes, ent⸗
schlief er denn am ersten Christtag, Nachmittags
zwischen 3 und 4 Uhr, ohne daß seine anwesende
Gattin diesen seinen Hintritt bemerkte, nachdem
er 14 Jahr lang viele und schwere Leiden und
Schmerzen erduldet hatte.
So gerne er nun dem HErrn in seiner Kirche
lange Jahre gedient hätte, so war er doch in den
Willen Gottes ergeben, der es anders mit ihm
beschlossen hatte und dessen Wege nicht unsere
Wege sind, aber allezeit Güte und Wahrheit.
Auch gab ihm Gott Gnade und stärkte seinen
Glauben an seinen Heiland, daß er auch in den
vielen, mehrstündigen, heftigen Schmerzen eine
musterhafte Geduld bewies und keine Worte der
Ungeduld und des Murrens, keine Ausbrüche des
bald trotzigen, bald verzagten Herzens über seine
Lippen kamen. „Mein Gott, wie lange!“ —
das waren die Worte, die er zuweilen im Klageton
äußerte, wenn die anhaltenden heftigen Schmer⸗
zen ihm Seufzer und Stöhnen auspreßten.
Nun wohl ihm, Schmerz und Seufzen ist jetzt
hinweg und Wonne und Freude ist über seinen
Haupte. Er ist mit Christo im Paradiese und
nach der kurzen Wallfahrt als Pilgrim und Fremd⸗ 1
ling hienieden ewig daheim bei dem HErrn, den
seine Seele lieb hatte, den er auch treulich bekannt
und gepredigt und den erschrockenen Gewissen und
zerbrochenen Herzen als ihre Gerechtigkeit vor Gott
fleißig vor die Augen gemalt hat. Der gnädihe
Gott beschere uns in den austretenden Zöglingen
unserer Prediger⸗Seminarien solche, die ihm 3
in rechtschaffener Furcht Gottes, im lebendigen
Glauben an Christum, in se lbstverleugnerder ů
Liebe und Treue gegen ihre Kirchkinder, in h
licher Demuth, in Genügsamkeit und sonderlid
in der feinen und edlen Kunst eines lutherischen
Predigers ähnlich werden mögen, „anzuhalten
mit aller Geduld und Lehre.“
Sonntags, am 27. December, Nachmittah
wurde ihm denn vor einer großen Versammlung
die Leichenpredigt gehalten über 2 Tim. 4, 46.
„Ich habe einen guten Kampf gekämpft, ich habe
den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalter.
Hinfort ist mir beigelegt die Krone der Gerecht
tigkeit, welche mir der HErr, der gerechte Richtet.
an jenem Tage geben wird, nicht aber mir allein,
sondern allen, die seine Erscheinung lieb haben.“
Darnach ward seine entseelte Hülle, als ein
Samenkorn der fröhlichen und seligen Aufer⸗
stehung, in den Gottesacker der Gemeinde ge⸗
pflanzt, darin sie der lebendig machenden Stimmt
des Sohnes Gottes entgegenharrt.
(Eingesandt.) —5
„Besitzt die Methodistenkirche alle Eigen⸗
schasten der walren Kirche Chrisi?“
Diese Frage behandelt ein „von dem Metho⸗
disten⸗ Buchveriag . herausgegebenes Schriftchen,,
welches mir pe Post, ich weiß nicht von wen/ I.
zugeschickt ist.. Um den Sender zu benachrichti?
gen, daß ich diese trefflichen (2) Sachen (es wa⸗
ren nämlich noch folgende Abhandlungen beige=
packt: „Was bedeutet die Taufe ?“ „Von der
Vergebung der Sünden.“ „Wie man wahrhaft
glücklich wird“) erhalten habe, aber auch zugleich
den lieben Lesern des Lutheraners zu zeigen, wel⸗
ches die Lehre der Methodisten von der Kirche!
ist, so will ich einiges daraus mittheilen.
In der Ueberleitung beweist der Schreiber,
„daß der Grund der christlichen Kirche nicht, wit
die päbstliche Kirche lehrt, die Person Petri und
die von ihm ererbte Autorität ist, sondern die
Lehre von Christo.“ Nun schließt er ganz richti:
„Folglich, wenn die christliche Kirche von det
Lehre der Apostel und Propheten, von den
durch den heiligen Geist eingegebenen Schristen
des Alten und Neuen Testaments weicht, so
hat sie keinen Grund und Boden mehr.“ Jeden⸗
falls hat der Schreiber nicht geahnt, daß mit die⸗
sem Schluß sein ganzes Gebäude umgestoßen it.
Es heißt nun weiter: „Jede christliche Gemeinde
muß demzufolge
J. Erbauet sein auf den Grund der Aposiel 1
und Propheten, wovon Jesus Christus der Eck⸗A
stein ist, oder mit andern Worten: „Bleiben in
der Apostel Lehre und in der Gemeinschaft.“
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