Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 20, Nummer 12 › Seite 92
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. Februar 1864, Seite 92
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men, da bin ich mitten unter ihnen.“ Matth. 18,
20. Begleitet uns denn Gott nicht auf allen
Wegen auch außerhalb des Gotteshanses? Er-—
kennen die Methodisten nicht mehr, daß Gott all⸗
gegenwärtig ist? Arme Leute! Nur dann be—
gleitet bei euch Gott das Wort und wirkt durch
dasselbe, wenn ihr Zuckungen gewahr werdet und
die Leute jammernd sich auf der Bußbank herum-⸗
wälzen sehet. Echte Schwärmerei. Gottes Wort
sagt: „Das Reich Gottes hat sich also, als wenn
ein Mensch Samen aufs Land wirft, und schläft
und stehet auf Nacht und Tag, und der Same
gehet auf und wächset, daß er es nicht
weiß.“ Marc. 4, 26. 27.
Der Schreiber sagt weiter: „Der ganze Got⸗
tesdienst der Christen sollte voll sein von Chri⸗
stus dem Gekreuzigten,“ und zeigt, wie dies bei
den Methodisten der Fall sei; er spricht: „Ist
Christus nicht das Alpha und Omega, der
Erste und Letzte in allen ihren gottesdienstlichen
Uebungen? Halten sie nicht das Lob Gottes,
ohne Christi zu gedenken, fur Gotteslästerung?
das Gebet ohne Christus, fur eine freche Hand-
lung blinder Selbstgerechtigkeit? Predigten ohne
Christus, fuür ein täuschendes Irrlicht?“ — Wenn
dies wirklich der Fall wäre, so müßten die Me-
thedisten täglich als arme Sünder zu Christo
kommen, aber haben sie nicht die Christum
gänzlich verwerfende Lehre, daß der
Mensch schon hier vollkommen in der Heiligung
werden könne oder frei von Sünden? Wer ihre
Predigten und Gebete gehört hat, der wird sa⸗
gen mussen, daß sie darin zwar oft Christum im
Munde führen, aber Christum verkleinern und
sich selbst erhöhen. Sie predigen Gottes Wort
nicht rein und verlieren deshalb „Grund und
Boden.“
„Was endlich die Sakramente anbetrifft, so
halten wir sie auch wesentlich zum Bestehen der
Kirche und gebrauchen sie nach Seiner Ein-
setzung.“ Eine große Luge. Christus spricht:
„Das ist mein Leib — das ist mein
Blut.“ Die Methodisten sagen, das ist nur
ein Zeichen des Leibes Christi. Sie genießen,
wie sie sagen, Christum nur auf eine geistliche
Weise, wie man ihn genießt, wenn man in sei⸗
nem Worte liest, wenn man betet ꝛc. Der
Schreiber sagt freilich: „Wie es sich auch mit
ihrem Glauben verhalten mag (was ein Metho-
dist vom heiligen Abendmahl auch glaubt, ob
recht oder falsch, das ist einerlei), die Metho⸗
disten loͤnnen zufrieden sein mit dem Segen, den
sie im Genusse des heiligen Abendmahls erhal⸗
ten ꝛc.“ Ihnen ist das Abendmahl lediglich eine
symbolische Feier. Denn es ist ja genug bekannt,
daß die Methodisten das Abendmahl nicht nach
Christi Einsetzung verwalten. Sie stellen zwar
den Satz auf, daß die Bibel das vom heiligen
Geiste eingegebene Wort Gottes und die einzige
Regel und Richtschnur für Glauben und Leben
sei, aber in den wichtigsten Lehren des Christen-
thums und in ihrer ganzen Praxis verleugnen sie
diesen von ihnen selbst aufgestellten Grundsatz.
Denn die Schrift sagt: „Das ist mein Leib —
das ist mein Blut“ (Marc. 14, 22 — 24); fer-
ner: jeder Mensch müsse von neuem geboren
werden „aus Wasser und Geist“ (Joh. 3, 3—5);
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die Taufe sei ein „Bad der Wiedergeburt und
Erneuerung des heiligen Geistes“ (Tit. 3, 5.);
das Wasser „mache uns selig in der Taufe“
(1 Petr. 3, 20. 21.); ferner: „Welchen ihr die
Sünden erlasset, denen sind sie erlassen; und
welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten“
(Joh. 20, 23.): dieses alles nehmen sie nicht an;
sie verleugnen die wahrhaftige Gegenwart des
Leibes und Blutes Christi im Abendmahl; sie
verleugnen, daß die Wassertaufe die Wiederge⸗
burt wirke; sie verleugnen, daß Gott durch Men⸗
schen Sünden vergebe. Obschon die Schrift
hierüber so deutlich redet, daß jeder, der sie ernst⸗
lich für wahr hält, jene Lehren darin findet, ja
wie Sonnen darin leuchten sieht, so stehen doch
die angeführten Stellen für die Methodisten so
gut wie nicht in der Bibel. Nun verwerfen sie
zwar jene Stellen nicht offenbar, denn sie wollen
ja den Ruhm haben, als glaubten sie an die
ganze Schrift; aber sie verwerfen sie dadurch,
daß sie diese Stellen verkehren und verdrehen und
ihren offenbaren Sinn verfälschen. Reden wir
darum von einer methodistischen Kirche, so son⸗
dern wir alle diejenigen, deren Irrthum den
wahren Glauben an Christum nicht zuläßt, ab
und verstehen darunter nur die Gläubigen,
welche von den Methodisten gefangen gehalten
werden.
Nun heißt es ferner: „Zu den Eigenschaften
der wahren Kirche gehört:
III. „Geistliches Leben.“
IV. „Eine apostolische Kirchenzucht.“
V. „Ein von Gott verorduetes Predigtamt.“
Dies Alles wollen wir hier gar nicht weiter
besprechen, denn das sind keine wesentlichen
Kennzeichen der wahren Kirche. Es ist
gewiß, was von der Kirche im Ganzen gesagt
werden kann, das muß auch von jeder christli⸗
chen Ortsgemeinde gesagt werden können, oder
wir müssen einen Pabst haben. Wenn aber
nun die Glieder, welche die Ortsgemeinde aus⸗
machen, keine „seligen Gefühle“ haben, welche
die Methodisten besonders unter geistlichem Leben
verstehen, wenn sie vielmehr nichts als Tod und
Verdammniß wegen ihrer großen Suͤnden fuͤh;
len, und nur den einzigen Trost haben: „Jesus
nimmt die Sünder an;“ wie da? sind solche
Leute nicht auch ein Theil der Kirche Christi auf
Erden? Gehört nur der zur Kirche, welcher
„geistliches Leben“ fuhlt? Nach der Schrift ge—
hört der wahrhaft Gläubige zu dem geistlichen
Leibe Christi, d. i. zur Kirche im eigentlichen
Sinne des Worts, welche unsichtbar ist. —Und
wenn in einer Gemeinde Wort und Sakrament
rein gehandelt wird, dieselbe aber noch nicht in
der Mehrheit der darin Befindlichen so weit in
der Erkenntniß vorgeschritten ist, daß Kirchen-
zucht bei ihr im Schwange geht, sollte sie des⸗
wegen keine christliche Gemeinde sein? Blinder
Eifer schadet nur.
Nach der Lehre der Methodisten ist ferner da
keine Kirche mehr, wo zwar ein Haufe rechtgläu⸗
biger Christen sich befindet, aber doch kein Predi⸗
ger unter ihnen ist. Denn es heißt: . ye ine
Versammlung von Gläubigen, welche kein Pre⸗
digtamt unter sich haben, wäre wohl eine Zu⸗
sammenkunft religiöser Menschen, aber ohne die
Predigt des Wortes Gottes und ohne Verwal⸗
tung der Sakramente, keine Kirche im eigentli⸗
chen Sinne des Worts.“ Im eigentlichen Sinne
des Wortes gehört gar niemand anders zur
Kirche (zur unsichtbaren) als die Gläubigen,
und diese zusammen bilden die Kirche, welche im
3. Artikel des apostolischen Symbolums „die Ge⸗
meine der Heiligen“ genannt wird. Nach den
Methodisten machen also die Prediger die Kirche;
von den Predigern hängt also auch der Glaube
ab und folglich auch die Seligkeit.
Das Predigtamt ist ja freilich von Gott ge⸗
ordnet, und die Kirche ist auch an dasselbe bis
an das Ende der Tage ordentlicher Weise gebun⸗
den, aber, sagt Joh. Gerhard: „Diese Nothwen⸗
digkeit ist nicht eine unbedingte, sondern
eine bedingte, welche allein von dem göttli⸗
chen Wohlgefallen der göttlichen Einsetzung und
Ordnung abhängt.“ (L. de minist. eecl. 83.)
Möchten doch die Methodisten erkennen, daß
sie Gottes Wort vielfach verdrehen und darum
„Grund und Boden“ verloren haben.
C. A. Mennicke.
Die Unterstützungscasse für evang.nth.
Gemeinden in Rußland.
Rußland ist seiner Ausdehnung nach das
größte Reich auf der Erde; denn es ist mehr
denn zweimal so groß als ganz Europa und es
umfaßt beinahe den sechsten Theil des Gesammt⸗
gebietes der Erde. Zu diesem Riesenreiche gehö⸗
ren Länder in Europa, Asien und Amerika. Es
zählt gegen 100 verschiedene Nationen, die gegen
40 verschiedene Sprachen reden. Die Haupt⸗
masse der Bevölkerung bekennt sich zur griechisch⸗
katholischen Kirche, zahlreich sind aber auch die
Christen anderer Bekenntnisse vertreten. Auch
leben in Rußland viele Juden, Türken undHeiden.
Etliche Millionen Russen sind Luthera⸗
ner.
von Finnland, Estland, Lievland und Kurland.
In andern Provinzen des Reichs leben dagegen
die Lutheraner mehr zerstreut und zum Theil so
zerstreut, daß uns die Berichte hierüber, welche
völlig glaubwürdig sind, wie Mährlein vorkom⸗
men wollen.
Du weißt, I. Leser, wie klein an Seelenzahl
und wie groß an Flächeninhalt die meisten luthe⸗
rischen Pfarrsprengel in Baden, Nassau und
Preußen sind, desgleichen viele in Nordamerika.
Du weißt auch, welche Nothstände damit ver⸗
bunden sind. Nun überlege aber einmal folgende
Angaben, die auf Wahrheit beruhen und in dem
„Kirchenblatt fur die evang.-luth. Gemeinden in
Preußen“ (1863 Nr. 7) zu lesen sind. Die aus
etwa 4000 Seelen bestehende Gemeinde Birsen
(im Kownoschen Gouvernement) ist auf 69 Qua⸗ ö
dratmeilen zerstreut; die 1240 Eingepfarrten
Meistens lutherisch sind die Bewohner 3
des Kirchspiels Plozk⸗Witebsk wohnen zerstreut
auf einem Flächenraum, der wenig dem der
Schweiz nachsteht; ebenso die 337 des Kirch⸗
spiels Minsk auf einem Flächenraum, der fast
dem des Königreichs Portugal (1800 Quadrat-
„Ja ans Unglaubliche
gräͤnzt es, wenn berichtet wird, daß in dem Kirch⸗
meilen) gleichkommt.
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