Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 20, Nummer 12 › Seite 94

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. Februar 1864, Seite 94

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ment umgeändert und den dortigen lutherischen
Gemeindegliedern unmöglich gemacht hatte, am
eigenen Altare zu communiciren.

Die Erklärung des Herrn Superintendenten,
daß dem Kirchspiel Nichts an seiner Gottesdienst⸗
ordnung geändert werden dürfe, wird dasselbe
ohne Zweifel dankbar annehmen in der Voraus-
setzung, daß auch Nichts an der Taufordnung
geändert, *) sondern dieselbe genau nach der
Waldeckschen Kirchenordnung mit Widersagungs⸗
formel und Schlußanrede an die Pathen voll⸗
zogen werde.

Wie es nun weiter in dem am Glauben und
Bekenntniß der Väter haltenden Kirchspiel gehen
wird, steht in der Gnadenhand des treuen HErrn.
Nichts Heilsameres kann deshalb geschehen, als
Ihm diese wichtige Angelegenheit in Gebet und
Fürbitte innigst zu befehlen. Dem gläubigen,
ernstlichen Gebete hat Er Erhörung zugesagt.
Nicht weniger ist von Ihm der Glaubenstreue
großer Gnadenlohn und der Sieg verheißen.
Es wird daher nicht ohne gesegneten Erfolg
bleiben, was in Seinem Namen geschieht und
erfleht wird. Er wolle in Gnaden helfen, wolle
die Herzen zur Erfüllung des Begehrens des
Kirchspiels geneigt machen und Alles zu Seines
Namens Ehre lenken und gestalten!

(Waldecker Sonntagsbote.)

Zur kirchlichen Chronik.

Mit den hiesigen Rationalisten
und sogenannten Lichtfreunden scheint es sich
mehr und mehr zum Ende zu neigen, soweit
nehmlich dieselben eine Art Kirche bilden und
dieselbe ausbreiten wollen. Der „Evangelist“
vom 23. Jan. schreibt:

„Die protestantischen Zeitblätter in Cincinnati
ermahnen ihre Leser, rückwärts zu gehen. Unter
andren sagen sie: „„Zurück! auch ihr, die ihr die
erste Liebe verlassen habt, von denen das Wort
gilt: Ach, daß Du kalt oder warm wärest!
Weil Du aber lau bist und weder kalt noch
warm, werde ich Dich ausspeien aus meinem
Munde. Es läßt sich nicht leugnen, grade unter
denjenigen, welche sich am meisten der Aufklä⸗
rung rühmen, finden wir meist die wenigste Be⸗
geisterung, etwas zu thun und zu wirken fur den
Sieg des Lichtes.““

Die rationalistischen Herrn Prediger bedenken
nicht, daß es mit ihrem Volk eine ganz andere
Bewandtniß hat, als mit ihnen selbst. Sie
selbst müssen freilich etwas für ihre Aufklärungs⸗
sache thun, denn daran hangt ihr Brodkorb;
ihr Volk aber sieht nicht ein, wozu es für die
Aufklärung Anderer Opfer bringen solle, da ja
selbst der Dümmste jeden Augenblick ein Aufge⸗
klärter werden könne, wenn er nur wolle. Und
darin haben die „Laien“ unter den Ungläubigen
auch ganz Recht. Es ist ihnen daher auch gar
nicht zu verdenken, daß sie ihr bischen Geld nicht

*) An der Taufordnung, die nach der Waldeckschen Kir⸗
chenordnung bisher genau gehalten wurde, ist von einem vica⸗
riirenden Pfarrer Wesentliches verändert. Es ist nicht allein
gar nicht nach der Kirchenordnung getauft, sondern auch die
Widersagungssormel, die Frage nach jedem Artikel des Glau⸗
bens und die Schlußermahnung an die Pathen weggelassen.

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zu Aufklärungsunternehmungen hergeben, son-
dern lieber auf ein gutes Glas Bier verwenden,
da ihr Geld doch eigentlich nicht der Aufklä—
rung, sondern nur den „Aufklärern“ die⸗
nen, also schließlich jedenfalls den Weinschen-
ken und Bierwirthen zu gute kommen würde.

Innerhalb der Generalsynode
tritt in neuerer Zeit eine Anzahl Prediger immer
entschiedener für die reine lutherische Lehre und
für das treue Festhalten an den öffentlichen Be-
kenntnissen der lutherischen Kirche, namentlich
an der unveränderten Augsburgischen Confes⸗
sion, auf. Besonders ist es ein in Philadelphia
erscheinendes englisches Blatt, das den Titel
tragt „Lutheran and Missionary“, redigirt
von einem Herrn Dr. Krauth, welches fast in
jeder Nummer den abgefallenen Gliedern der
Generalsynode gewaltig zusetzt. Es scheint fast,
als wollten die wirklich lutherisch Gesinnten in-
nerhalb der Generalsynode, obgleich sie noch im-
mer nur eine kleine Minorität darin sind, die
Oberhand gewinnen. Unsere lieben Leser wer—
den hierbei gewiß mit uns von Herzen sprechen:
Das helfe Gott!

Cincinnati. (Eingesandt) Die so fröh ·
lich aufblühende Gemeinde zu Cincinnati ward
vor etlichen Monaten durch die Umtriebe ihres
früheren Schullehrers und etlicher seiner Partei⸗
anhänger in große Aufregung und Unruhe ver⸗
setzt, so daß eine Zeitlang Gefahr einer Spal⸗
tung vorhanden war. Mit Gottes Hülfe ward
aber durch die Untersuchung, die Herr Präses
Schwan in ächt evangelischem Geiste leitete, die
Ruhe wieder hergestellt. Jener Schullehrer,
durch die gründliche Untersuchung überführt als
ein trotziger, hochmüthiger Mensch, der „unter
Anrufen Gottes die Unwahrheit
geredet,“ resignirte und die Gemeinde nahm
seine Resignation an. Statt nun rechtschaffene
Buße zu thun um seiner offenbar gewordenen
Sunden willen, hielt er mit seinen Parteigenos—
sen geheime separatistische Zusammenkunfte; man
sammelte in der Gemeinde heimlich Unterschrif⸗
ten, deren letzter Zweck war, Pastor König zum
Aufgeben seines Berufs zu zwingen; oder, falls
dies nicht gelange, das Kircheneigenthum ganz
oder zum Theil zu beanspruchen. Als dieses
Treiben aber nicht zum gewunschten Ziele fuhrte,
erklärten jene Wühler nach emander ihren Aus—
tritt aus der Gemeinde und wandten sich nach
Buffalo um einen Prediger. Herr Senior Gra—
bau sandte den früheren hiesigen Hulfsprediger,
Herrn Eppling, um die Sache zu untersuchen.
Statt nun aber die Akten einzusehen, um den
Thatbestand zu ermitteln, hörte der arme, jeden-
falls höheren Instructionen folgende und als
blindes Werkzeug dienende Eppling nur die
Rottirer und weigerte sich hartnäckig den eigent⸗
lichen Streitpunkt aus den von Allen angenom-
menen Protokollen kennen zu lernen. P. König
erklaͤrte ihm, daß kein rechtschaffener Heide so
handele, da es selbst bei den alten Heiden ein
allgemein gültiger Rechtsgrundsatz war: „Man
höre auch den andern Theil!“ Doch umsonst;
Hr. Eppling predigte den Leuten und erklärte,
Grabau wurde sie annehmen, wenn sie sich zur
Buffalo'schen Lehre bekenneten. P. König sandte

dann eine Abschrift von dem Ergebniß der frü⸗
ber stattgehabten Untersuchung an Herrn Gra-
bau und protestirte gegen das Annehmen dieses
Separatistenhaufens von Seiten Buffalo's. Auch
das fruchtete nichts; denn bald hernach kam
ein gewisser Runkel von der Buffalo-Synode,
nahm den Haufen an und bedient denselben seit⸗
dem mit Wort und Sakrament. Diese Hand-
lungsweise Grabau's und Consorten ist nur ein
neuer Beleg, daß diese Herren „Rottendiener“
und „Rottenbeschutzer“ sind und „in der Kirche
Gottes ein wüstes, unordentliches Treiben an—
richten,“ was sie uns Missouriern fort und fort
aufbürden wollen und wovor sie einen so großen
Abscheu zu haben heuchlerisch vorgeben.
Methodismus. Im „Apologeten“ vom
8. Februar schreibt Herr Doctor Nast: „Ueber⸗
blicken wir den Schauplatz dieses Landes und
zwar in kirchlicher Beziehung, so begegnet unse—
rem Auge eine durch nichts begrundete — wir
möchten fast sagen — muthwillige Zersplitterung
der Kirche in verschiedene Unterabtheilungen
Einer im Princip sich gleichen Religionsgemein-
schaft. Daß dem aber nicht so sein, daß Ver⸗
wandtes sich vereinigen und Verschwistertes sich
verbinden sollte — das ist die Idee, die neu be⸗
lebend das Gebiet der Kirche durchdringt.“
Hiernach sollte man nun meinen, daß die Herrn
Methodisten aus Liebe zu Friede und Einigkeit
unter den Christeu geneigt sein, ihre Eigenthum⸗
lichkeiten eilends aufzugeben und nicht mehr an
jener „muthwilligen Zersplitterung der Kirchen
mit zu arbeiten. Dem ist aber keinesweges so.
Schlägt man in derselben Nummer des „Apolo-
geten“ nur das Blatt um, da findet man fol⸗
gende an die Methodisten gerichtete Mahnung:
„Strebt darnach als Methodisten bekannt
zu werden.“ Die hier groß gedruckten Worte
hat der „Apologet“ selbst durch den Druck her⸗
vorheben lassen. Er will also sagen, strebt dar—
nach, nicht etwa blos als Christen, sondern
vor allem als Methodisten bekannt zu wer⸗
den. — Er fährt daher fort: „Jede Stadt und
jede Gegend, wo Methodisten wohnen, sollte auch
vernehmen, daß Methodisten unter ihnen
sind. Damit will ich nicht behaupten, als wuß—
ten unsere Nachbarn überhaupt nichts von deut—
schen Methodisten, nein, nein, sondern stellt
euch nicht andern Gemeinschaften
gleich.“ Während der Apostel sagt:
„Stellet euch nicht dieser Welt gleich,“ Röm.
12, 2., sagt hingegen hier der „Methodist“:
Stellt euch nicht andern Gemeinschaf⸗
tenn“ gleich! — Er setzt endlich hinzu: „Ver—
bergt die Eigenthümlichkeiten des
Methodismus nicht; denkt zwar niemals,
daß wir die allein seligmachende Kirche sind,
daß wir aber doch einer der besten
angehören.“ — Man sieht hieraus, wenn
die Methodisten fur Vereinigung der Kirchen
und für Friede reden, so thun sie dies, wie der
Fuchs in der Fabel, der den Hühnern Friede
predigte, damit diese nicht mehr vor ihm fliehen
möchten, und weil er sie vor Liebe — aufes—
sen wollte. Das Schlimmste aber hierbei ist
dieses: wenn die Methodisten „eine der besten“
Kirchen sein wollen, so meinen sie damit nicht

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