Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 22, Nummer 3 › Seite 22

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1. Oktober 1865, Seite 22

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Ihr erster Seelsorger und Beichtvater, Sie wol⸗
len vor allen Dingen bei der einigen himmlischen
Wahrheit des Wortes Gottes, die ich Sie ge⸗
lehret, und bei der einmal erkannten seligmachen⸗
den Lehre des heiligen Evangelii beständig ver⸗
harren, wozu Dero Herrn Vaters und Frau
Mutter Gnaden ich auch unterthänigst ermahnet,
und davon nimmermehr absetzen, allen Ketzereien
und Neuerungen in der Religion, und was
sonsten Gottes Worte zuwiderläuft, von Herzen
feind sein, und bei dieser Lehre, die ich bishero
öffentlich geprediget und in Schriften getrieben,
nicht allein für Sich bis an Ihr, Gott gebe es!
seliges Ende unaussetzlich verbleiben, auch allen
Fleiß ankehren, daß die selbe, gleichwie bei der
Regierung Ihres höchstseligen Herrn Großvaters
Gnaden, also auch dermaleins unter Ihrem Re⸗
gimente, Schutz und Schirm in allen Kirchen,
Universitäten und in Schulen dieser Lande un⸗
gehindert möge getrieben, fortgepflanzt und aus⸗
gebreitet werden. Gleichwie nun Ew. Durchl.
mit dieser himmlischen Lehre, damit Ihre Seele
geweidet ist, dermaleins an jenem großen Tage
vor Gottes Richterstuhle wohl bestehen werden,
also will ich mit Freuden deswegen vor Got⸗-
tes Angesichte erscheinen, und dermaleins uner-
schrocken Rede und Antwort davon geben. Nächst
diesem ermahne ich Ew. Durchl. freundlich,
einen christlichen und löblichen Wandel zu füh⸗
ren. Sie wollen ja Gottes Wort und dessen
Dieuer vor allen Dingen lieb und werth halten,
der Kirchen und Schulen sich treulich annehmen,
Gottes Ehre dermaleins in Ihren Landen beför⸗
dern, vor Fluchen und Mißbrauchen des theuren
Namens Gottes und der hochwürdigen Saera-
mente sich hüten, gerne und mit Andacht beten,
daß Ihnen Gott Seine heiligen Engel zuordne,
damit Sie ja nicht durch gefährliches Reiten
Schaden nehmen, sondern unter dem Schutz der
Hochgelobten Dreifaltigkeit vor allem Unglück,
Elend und Gefahr behütet werden.

Sie wollen Ihre kurfürstlichen Eltern, und die
Ihnen an derselben Statt sein vorge setzt, ja re⸗
spectiren, und Sie nicht betrüben, sich eines nüch⸗
ternen und mäßigen Lebens befleißigen, vor un-
ordentlichem Zorn sich hüten und also leben, daß
Sie ja Gott nicht erzurnen. Ach mein Prinz!
es sind böse Zeiten vor der Thür, und ich weiß
nicht, was Gott über uns beschlossen hat. Mit
mir hat es nun keine Noth; Gott eilet, wie ich
hoffe, mit mir von hinnen, daß ich nicht sehen
soll den Jammer und das Elend, welches allhier
eindrechen durfte. Wollen Sie nun, daß es soll
wohl stehen, und aller Ruin und Gefahr von
dem Lande abgewendet werden, und auch einmal
nach des Herru Vaters Tode (welchen Gott noch
viele Jahre aus Gnaden verhuͤten wolle!) Ihr
Regiment soll glücklich, friedlich und gesegnet
sein: ach, so müssen Sie ja zusehen, daß Sie
einen gnädigen Gott behalten, Sie müssen sich
vor vorsätzlichen Sünden hüten, Ihre Untertha⸗
nen lieben, und gedenken, daß nicht das Land um
des Fürsten willen, sondern der Fürst um des
Landes willen geschaffen und geordnet sei. Nun,
ich hoffe, Ew. kurprinzl. Durchl. werden diese
treue Ermahnung, so ich anjetzo auf meinem
Siechbette und zu guter Letzt an Sie gethan,

wohl und gnädig von mir als Ihrem Beichtvater
und ersten Seelsorger auf- und angenommen
haben, sondern auch derselben folgen und Ihr
Leben darnach anstellen. Und nunmehr eile ich
zu dem Zweck, und weil es allem Ansehen nach
in dieser Welt soll geschieden sein, so nehme ich
Ew. kurprinzl. Durchl. fürstlichen Leib und
Seele, die ich bishero mit Gottes Wort geweidet,
und mit Christi IEsu Leib und Blut im heiligen
Hochwürdigen Abendmahl gespeiset und geträn⸗
ket, die mir so theuer anbefohlen gewesen, und
lege sie in die Arme der hochgebenedeiten Drei⸗
faltigkeit, und in die theuren Wunden Ihres Er⸗
lösers und Heilandes IEsu Christi. Gott lasse
Ihren Leib und Seele eingebunden sein in das
Bündlein der Lebendigen. Er segne alle Ihre
Tritte und Schritte, Er bewahre Ihren theuren
fürstlichen Leib vor Krankheit und andern Zu-
fällen, vor Unreinigkeit und Befleckung, und er⸗
halte ihn bei guter, beständiger Gesund heit und
langem Leben; Er bewahre Ihre theure fürst⸗
liche Seele vor Begehung muthwilliger Sünden
und lasse Sie je mehr und mehr an Erkenntniß
Gottes und allen fürstlichen Tugenden wachsen
und zunehmen; Er bewahre Ihren fürstlichen
Namen vor bösem Nachklang und Verachtung.
Ach, die Welt ist schlüpfrig, und redet von großen
Fürsten und Herren mehr Böses als Gutes,
darum sehe der Prinz; wohl zu, daß Er ihr nicht
mehr Anlaß gebe, Böses zu reden. Gott behüte
Sie vor Verachtung, die Er sonst auf Fürsten,
wann sie ihn nicht fürchten, zu schütten pfleget,
und bewahre Sie als einen Siegelring; Gott
mache Sie groß, vertheidige Sie wider alle
Feinde; Er bringe Sie zu Ehren und setze Sie
und Ihre kurfürstlichen Eltern zusammt dem
ganzen kurfürstlichen Hause zum Segen ewiglich!

Er segne auch die königliche Prinzessin und das

Werk in Denemark und lasse es zu rechter Zeit
mit Gesundheit, Freude und Ehren Ihrer höchst⸗
geehrten Eltern und des ganzen Landes glücklich
vollfuhren. Er lasse Sie lange Zeit in Friede bei⸗
sammen wohnen! Gott beschütze, Gott erhalte,
Gott segne Sie beiderseits zeitlich und ewiglich!

Nun, mein lieber Prinz, wollen Sie, daß der
fromme Gott Ja und Amen dazu sprechen, und
Sie die Kraft dieses Segens im Leben und der⸗
maleins auch im Tode soll empfinden lassen, ach,
so fürchten Sie ja Gott und lieben Sein Wort!
Sie ehren und sehen auf Ihre kurfürstlichen El⸗
tern, und wer mehr unter das vierte Gebot
gehöret, davon ich Ihnen oft gesagt, und betrü⸗
ben und erzürnen sie ja nicht! denn, werden Sie
Ihre Eltern ehren und denen, so Ihnen Gutes
rathen von Gottes wegen, folgen, so wird Sie
gewißlich auch der Segen treffen, den Gott son-
derlich an dies Gebot geheftet, nämlich: Es
wird Ihnen wohl gehen, und Sie werden lange
leben auf Erden, und das Glück Jerusalems
sehen ewiglich.

(Bis hieher hatten Se. kurprinzl. Durchl. mit
großer Attention (Aufmerksamkeit) und sitzend
zugehört, nun aber stunden Sie auf und neigten
sich ehrerbietig und freiwillig mit Dero fürst⸗
lichem Haupte auf das Bett und empfingen noch⸗
mals mit aufgelegter Hand und Vergießung vie⸗
ler Thränen den Segen mit folgenden Worten:)

Ich befehle Ew. Durchl. zu guter Letzt noch⸗
mals in die Hände der hochgebenedeiten Drei⸗
faltigkeit, Gottes des himmlischen Vaters, Got⸗
tes des Sohnes und Gottes des Heiligen Geistes.
Er segne Sie an Leib und Seele, an Gut und
Ehren, er lasse Sie wachsen und zunehmen in
der Gottesfurcht und Erkenntniß Ihres Heilan-
des IEsu Christi. Er bewahre Ihren Ausgang
und Eingang von nun an bis in Ewigkeit, und
erhalte Sie zu dem ewigen Leben! Amen.

Darauf richteten sich Ihre kurprinzl. Durchl.
wieder auf und kußten, gleichsam zur Dank-
sagung, als ein geistlicher Beicht- und Kirchen⸗
sohn diesem sterbenden Jakob, als Ihrem Seelen⸗
vater, aus eignem Bewegniß die Hand, so Sie
auch mit Ihren fürstlichen Thränen netzeten,
und nachdem Sie sich gnaͤdigst bedanket für den
priesterlichen Segen, so er Ihr zu guter Letzt
ertheilet, (welche JEsus ja über Sr. Durchl.
gnädiglich wolle bekleiben [haften] lassen), und
für die große väterliche Treue, Vorsorge und
Wohlthaten, so er vermittelst seines Amtes und
Gebetes bis anher an Ihrer Seelen gethan,
setzten Sie ebenfalls Ihren Wunsch, wiewohl we⸗
gen der häufigen Thränen mit etwas gebrochnen
Worten, hinzu, daß Sie noch zu Gott hofften
und wunschten auch, er würde Besserung empfin⸗
den, und Gott ihm wieder aufhelfen. Sollte Gott
aber ja anders über ihn beschlossen haben, so be⸗
föhlen Sie hiermit auch seine Seele in die Hände
Gottes, und wollten zu Gott seufzen, daß Er alle
Treue, an Ihm (dem Kurprinzen) bewie sen, mit
himmlischen Freuden und Segen im ewigen Leben
reichlich vergelten wolle. Und nachdem Sie ein⸗
ander nochmals sehnlich angesehen und die Hände
gegeben, auch der Herr Oberhofpred iger den Sei⸗
nigen alle fürstliche Gnade und Förderung nach
seinem Tode zu erweisen gebeten, und Ihre
Durchl. versprochen und mit thränenden Augen
Ihren Abschied aus dem Zimmer genommen,
mich auch bei der Thür ermahnet, ich sollte noch⸗
mals bei dem Herrn Doctor Abschied nehmen,
welches ich auch gethan, haben unterdessen Ihre
kurprinzl. Durchl., welche so lange von dem Herrn
Superintendenten von Freiberg, Dr. Starcke,
und Herrn Dr. Martini, kurfürstl. Appellations-
rath und Professore zu Wittenberg, welche beide
des Herrn Oberhofpredigers Eidmänner (Schwie⸗
gersöhne) waren, mit Gespräch sind unterhalten
worden, auf mein unterthänigstes Einrathen auf
dem Saal vor dem Zimmer so lange erwartet,
bis ich nicht allein verrichtet, was Sie mir an⸗
befohlen, und zugleich nebenst herzlicher und mit
Thränen vermischter Danksagung für die auch
mir erwiesene vielfältige Zuneigung und Liebe
einen sehnlichen Wunsch zuruckgelassen, daß ihn
Gott auf seinem Siechbette erquicken, und da er
nun von die sem Lager nicht aufkommen sollte,
ihn einen gewünschten fröhlichen Eintritt in das
ewige Freudenleben wolle thun lassen, sondern
auch einen schönen herrlichen Segen davon-
getragen.

Darauf sind Se. kurprinzliche Durchl. in
unterthänigster Begleitung oberwähnter Personen
wieder aus dem Hause und aufs kurfürstliche
Schloß gegangen.

Solches hat Ihrer kurprinzl. Durchl. seinem

2NI

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