Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 22, Nummer 3 › Seite 23

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1. Oktober 1865, Seite 23

17 18 19 20 21 22 23 24

Scan: Internet Archive item DerLutheraner22.

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription machine transcription, uncorrected

⤓ Download .txt · copy text

und Besten angewendet und aus dem Munde des
hochverdienten theuren Mannes, weil es noch im
frischen Gedächtniß war, alsbald in die Feder
gebracht, auch mit herzlichem Wunsche, daß Ihre
Durchl. diese hierinnen begriffenen theuren Er⸗
mahnungen nimmermehr vergessen, auch die Kraft
dieses priesterlichen schönen letzten Segens an Leib
und Seele immerdar reichlich empfinden mögen,
Höchstgedachter Ihrer Durchl. gehorsamst über—
reichet Dero getreuer Informator und Diener
Paul Hoffmann, Theol. Lic.

Das war der Abschied vom Kurprinzen.
Nun noch ein wenig von Wellers erbaulichem
Ende. Als er am 28. Juni Abends immer
schwaͤcher wurde, ließ er seine beiden Amtsbrüder,
die Hofprediger Lucius und Herrbrand rufen,
um von ihnen Abschied zu nehmen. Dabei er⸗
klärte er sich gegen dieselben freimüthig, daß er
bei der Lehre, die er aus Gottes Wort öffentlich
getrieben, verharren wolle bis an sein seliges
Ende und daß er mit derselben in Freuden vor
dem Richterstuhl IEsu Christi zu erscheinen
gedenke. Er habe seine Seele der ganzen heili⸗
gen Dreiein igke it anbefohlen und wolle im wahren
Glauben an IEsum Christum also selig abschei⸗
den. — Doch noch kam der HErr nicht, den treuen
Knecht zu erlösen.

Den 5. Juli hatte er des Nachts nicht schlafen
können. Da ließ er, als die Nacht vorüber war,
schon früh um 4 Uhr die Seinen um sich versam⸗
meln, die nun inbrünstig mit ihm fast den ganzen
Tag beteten und sangen. Als der Abend kam
und sich sein Zustand in etwas zu bessern schien,
hielten die Seinen ihren gewöhnlichen Abendsegen,
und als dies geschehen, hob der kranke Vater an
zu singen: Erhalt uns, HErr, bei Deinem.Wort
u. s. w., die Hausgemeinde fiel ein, und nachdem
sie das Lied bis zu Ende gesungen, sagten sie ihm
Gute Nacht. Bald aber stellte sich bei ihm die
eigenthüm liche leibliche Unruhe ein, die so oft dem
lezzten Stündlein vorhergeht. Er ließ sich hin⸗
und herbringen, zuletzt aber auf sein Bett, wobei
er, wie er immer beim Schlafengehen gethan hatte,
die Worte sprach: Das walte Gott Vater, Gott
Sohn, Gott Heiliger Geist, die heilige hoch⸗
gelobte Dreie inigkeit! Gleich nachher veränderte
er sich mit einem Male. Er schickte sich zum
Sterben und schlief bei dem Gebete: HErr JEsu,
dir leb ich, dir sterb ich ꝛc., und: So fahr ich
hin zu IEsu Christ ꝛc., während über ihn der
Kirchensegen gesprochen ward, sanft und selig ein.
Seiner Leiche gaben außer unzähligen anderen
. Hersonen auch der Kurfürst und der Kurprinz

das Geleit. Nicht nur in Dresden, sondern
auch an andern Orten wurden aus Anlaß seines
Abscheidens Leichenpredigten gehalten. Beim
Trauergottesdienst in der Dresdener Kreuzkirche,
dem auch die beiden Durch lauchtigsten Herren
beiwohnten, ward die Predigt über den von
Weller selbst erwählten Leichentert Röm. 12, 21.
gehalten: Laß dich nicht das Böse überwinden,
sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Was aber, fragen die Leser wohl, ist aus dem
Kurprinzen geworden? Wir Sachsen wissen es ja,
daß Kurfürst Johann Georg III. weniger ein
Friedensregent, als ein tapfrer Kriegsmann ward.

gnadigsten Herrn zu unvergeßlichem Andenken!

23
Er ist in der Zeit seiner Regierung (1680—1691)
mehr auf Kriegszügen außer Landes, als im Ca⸗
binette thätig gewesen. Aber das lag an den
geschichtlichen Ereignissen seiner Zeit. Und dazu
war er ein Streiter Gottes, der den Wahlspruch
führte: „Jehova mein Panier.“ Die entscheidende
Hilfsleistung bei Entsetzung der von den Türken
belagerten Stadt Wien (1683), seine Feldzüge
gegen Frankreich in den Jahren 1684, 89 und
91 haben ihm eine Bedeutung fur ganz Deutsch⸗
land gegeben. Man nannte ihn „der Türken
Pestilenz, der Franzosen Schrecken und Deutsch-
lands Säule“. Daheim in Sachsen, wo er schon
bei Lebzeiten seines Vaters die Lausitz regiert und
auf der Ortenburg in Bautzen residirt hatte,
stach er in der Einfachheit seiner Hofhaltung
wohlthuend von der Prunkliebe seines Vaters ab,
die sich mit dessen sonstiger frommer Einfalt und
Demuth gar nicht recht hatte reimen wollen.
Daß er der Kurfürst war, der den Ober—
hofprediger Philipp Jakob Spener nach Berlin
entließ, mag wohl nicht allein, ja nicht einmal
hauptsächlich darin seinen Grund gehabt haben,
daß der Kurfürst sich durch den Inhalt der an

sondern auch darin, daß Spener es nicht ver⸗
stand, den Weg mündlicher Vermahnung,
auf dem die Beichtväter der Kurfürsten seit Jahr⸗
hunderten Manches erreicht hatten, fortzusetzen,
sondern schriftlich an den Kurfürsten, ia sogar
an die damalige Königin von Schweden sich
wandte. Ein mündlichesWort würde auf den
Kurfürsten, der in allen Stücken und darum
wohl auch vom Amt der Schlussel gut lutherisch
dachte, gewiß den Eindruck nicht verfehlt haben,
den das Wort des sterbenden Weller auf den
Kurprinzen gemacht hatte. Seit jenem
ersten Aufgeben des schönen mundlichen Verkehrs
ist es aber nie wieder zum vorigen Zusammen-
gehen der Fürsten und ihrer Hofgeistlichen ge⸗
kommen, auch da nicht, wo der Hof noch evan⸗
gelisch war. (Pilger aus Sachsen.)

Zur kirchlichen Chronik.

Ehren-⸗Oertel, der abtrünnige Lutheraner,
der Hanswurst⸗Editor der Katholischen Kirchen-
zeitung, sagt in Nr. 52: „Ist nicht der Teufel
selber auch der Urheber des Lutherthums und
ganzen Protestantismus? War nicht der Teufel
der Erste, welcher wider Gott und dessen Anord-
nungen protestirte? Wenn ein Protestant heute
wider den Unglauben redet, so kann der Un⸗
gläubige ihm mit Recht zur Antwort geben: Du
bist ja selbst ein Ungläubiger, indem du nicht
an die Kirche glaubst, wo doch im christlichen
Bekenntuiß geschrieben steht: Ich glaube an
eine heilige katholische Kirche ꝛc.“ — Oertel,
der abtrunnige Lutheraner, weiß, daß das
Lutherthum entstanden ist aus dem Gehorsam
gegen Gott und Sein Wort und aus dem Kampfe
gegen das römisch-papistische Antichristenthum.
Oertel weiß, daß Gott z. B. sagt bei der
Feier des heil. Abendmahls: „trinket alhe
daraus“, daß aber der „Pabstesel“ zu Rom sagt:

ihr sollt Gott nischet gehorsam sein, sondern

ihn gerichteten Vermahnung verletzt fühlte,

mir, und ich befehle: ihr sollt nicht alle
daraus trinken, sondern bloß meine Pfaffen
sollen trinken, damit sie etwas Größeres und
Besseres sind als die gewöhnlichen Christen.

Oertel weiß, daß geschrieben steht: „Du sollst

anbeten Gott, deinen HErrn, und ihm allein
dienen“, daß aber der unverschämte „Pabstesel“
zu Rom befiehlt: Du sollst Gott, deinen HErrn,
nicht allein anbeten und allein dienen,
sondern die Jungfrau Maria auch. Er weiß,
daß die greuliche Meßkomödie in den katholischen
Kirchen „wider Gott und dessen Anordnung“ ist
und daß Dr. Luther nicht gegen Gott und dessen
Anordnungen, sondern gegen des Teufels Un-
ordnungen im Pabstthum protestirt hat. Das
weiß er und wider besseres Wissen und Gewissen
schreibt dieser abtrunnige Mensch das Gegentheil,
und dient so mit Wissen und Willen dem Vater
der Lüge. Es ist auch nicht wahr, daß im christ⸗
lichen Bekenntniß geschrieben steht: „Ich glaube
an eine heilige katholische Kirche“, sondern nur:
nich glaube eine heilige Kirche“ (ganz deutlich
so in der Aquilejensischen Form des Symbols,
nach Rufinus: „Et in Spiritu sancto. Sane-
tam ceclesiam“'). Oertel mag sich darauf ver⸗
lassen, daß ihm vor dem letzten Gerichte seine
Schnurren und Hanswurstiaden nichts helfen
werden, um damit sein Verleugnen der Wahrheit
und seine Abtrünnigkeit zu verdecken. B.

Kirchweih⸗Fest.

Der 13. Sonntag nach Trinitatis (10. Sep⸗
tember) war für viele luth. Christen hiesiger Um-
gegend ein rechter Freudentag; wir durften näm-
lich an demselben dem HErrn und seinem Dienste
ein Haus übergeben, wo er durch die Predigt des
Evangeliums mit seiner Ehre und Gnade wohnen
will. Es geschah dies in dem Städtchen Troy.
Daselbst besteht zwar bis jetzt noch keine eigene
Gemeinde, sondern es wohnt nur eine Anzahl
Glieder der Gemeinde des Unterzeichneten, zum
Theil 10 Meilen von der hiesigen Kirche entfernt,
in dessen Umgebung.
der fremden Noth, wie nicht minder auf Antrieb
der Liebe Christi wurde dort ein schönes Stück
Land angekauft und im vorigen Herbste eine
Schule gegründet. Weil aber bis jetzt noch keine
luth. Kirche da war, durch Gottes Gnade aber
noch Manche, vielleicht Viele aus der Irre ge⸗

rettet werden könnten, so beschloß man im Ver⸗

trauen auf Gott, nicht bloß ein einfaches Schul⸗
haus, sondern eine Brick-Kirche, mit einem
Thurme, schöner Glocke ꝛc. geschmückt, zu bauen,
die zugleich, bis es dem HErrn gefällt, zum Vor⸗
theil seines Reichs es zu ändern, auch die Schule
be herberge. Das Werk ist, Gott sei Dank, voll⸗
bracht. Er helfe nun um Christi IEsu willen
gnädig weiter und erhalte uns nicht allein sein
reiues Wort und die gnadenreichen Sacramente,
sondern verleihe auch nach seiner Barmherzigkeit,

daß an genanntem Orte, wo um der Noth willen
jetzt nur zeitweilig gepredigt werden kann, sein

theures Evangelium bald öfter verkündigt werde.
Amen.

Vormittags predigte Herr Prof. Brauer über

Joh. 14, 23. zum ewigen Segen gewiß für Viele
der großen Zuhörerschaft, die zum Theil von ferne
gekommen war. Darauf wurde an gemeinsamer
Tafel unter schattigen Obstbäumen gespeist und
nochmals Gottesdienst gehalten, wobei der Unter⸗
zeichnete predigte, weil andere Pastoren abge⸗

halten waren, zu erscheinen. A. Wagner.

In Folge der eignen und

English translation

Not yet translated.