Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 22, Nummer 7 › Seite 52
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1. Dezember 1865, Seite 52
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Bekenntnisſchriften · Beruf des Paſtors.—Amtsniederlegung · Der irdiſche Beruf. — 23757 · Der irdiſche Beruf. — 4
ausüben, darin sie dem gemeinen Nutz dienen.
Doch haben sie wohl aufzumerken, daß dies in
der Furcht Gottes und in glaͤubiger Anrufung
desselben geschehe, damit sie das Fleisch nicht
verfüͤhre; denn leider geschieht es unter solchen
Umständen nicht selten, daß selbst jüngere Leute
Schenk⸗ und Trinkhäuser errichten, darin sie dem
gemeinen Nutz eher schaden als nützen, und wi⸗
der die Liebe des Nächsten sündigen. Denn was
haben die armen Weiber und Kinder Vortheils
davon, wenn ihre Gatten und Väter, durch solche
Gelegenheit verleitet, sich gewöhnen, ihre Feier⸗
abende außer dem Hause zu verleben und in sol⸗
chen Häusern dem Trinken, Spielen und faulem
Geschwätz sich hinzugeben? Und ist es leider
nicht also, daß aus diesen Stammgästen allmäh⸗
lich Gewohnheitstrinker, ja häufig Trunkenbolde
werden, die an Leib und Seele verderben und
endlich —denn die rechtschaffene Bekehrung eines
Säufers ist ungemein selten — ewig verloren ge⸗
hen. Auch liegt es klar zu Tage, daß, je mehr
solcher Trinkhäuser aufkommen, wie es dermalen
überall der Fall ist, die sittliche Wohlfahrt des
bürgerlichen Gemeinwesens sehr gefährlich be⸗
schädigt wird; denn statt sich z. B. bei bevorste ⸗
henden wichtigen Wahlen obrigke itlicher Perso⸗
nen mit ernst gesinnten, kenntnißreichen Mitbür⸗
gern zu besprechen, die das gemeine Wohl im
Auge haben, laufen die Besucher der Trinkhäu⸗
ser in diese ihnen gewohnten und beliebten Lust⸗
stätten; und was Wunder, wenn sie hier einem
niedrigen, gemeinen, partheitreiberischen Aemter-
jäger oder seinem Agenten ins Garn fallen, dem
sie für einige Glas Wein, Brandy oder auch nur
Bier ihre Stimme verkaufen?
Es ist ferner keine Sünde und Unrecht, den
früheren Beruf aufzugeben und einen andern zu
ergreifen, wenn die zu gewissen Berufsarten nö⸗
thigen Leibeskräfte, zumal bei vorgerücktem Alter,
merklich abnehmen oder zunehmende Kränklichkeit
die frühere Berufsarbeit unmöglich macht. Wer
wollte es unter diesen Umständen z. B. einem
Farmer verdenken, wenn er gegen städtische
Grundstücke und Häuser, von deren Miethzins
er dann lebt, seinen Landbesitz austauschte oder
ein Getreide oder Viehändler wird.
Wo aber keiner von diesen oder ähnlichen Fäl⸗
len stattfindet, wo vielmehr aus dem Trachten
und Gelüsten nach mehr Geld und Wohlleben
und dergl., oder aus Ungeduld und Scheu vor
dem längeren Tragen des Berufskreuzes die Ver⸗
änderung des Berufs erfolgt, da ist es zwiefache
Sünde und Unrecht; einmal nämlich wider
Gott, der gerade in dem Berufe, darein er die
Menschen gesetzt und dafür seine Gaben gegeben
hat, Gehorsam und Treue fordert; und sodann
auch wider den gemeinen Nutz des Nächsten, dem
der Christ gerade durch und in seinem besondern
irdischen Beruf in der Liebe dienen soll.
So z. B. giebt es junge Leute, die ein tüchti⸗
ges und dem gemeinen Wesen sehr nützliches
Handwerk gründlich erlernt haben und anfangen,
ihres Stoffes Meister zu werden, oder die ihr
Geschick in Bestellung des Landes genugsam an
den Tag gelegt haben. Was soll man nun da⸗
zu sagen, wenn diese bei guter Gesundheit und
glücklichem Fortgang ihres Berufs, aus jenem
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fleischlichen Trachten denselben verlassen und
einen andern erwählen, darin sie es bequemer
haben und bei leichterer Arbeit mehr Geld ver⸗
dienen? Unleugbar verleugnen sie darin ihren
Christenberuf, der sie gerade in dem ihnen von
Gott, je nach ihrer Gabe, angewie senen irdischen
Beruf zum Gehorsam gegen Gott und zur die⸗
nenden Liebe des Nächsten verbindet. Und dazu
kommt noch dieses, daß der sittliche Bestand des
bürgerlichen Gemeinwesens um so mehr gefährdet
wird, je häufiger dieses Wechseln des bürgerlichen
Berufs stattfindet. Es kann dann nämlich nicht
fehlen, daß z. B. der Stand der Bauern und
Handwerker nicht nach seinem wahren Werth für
das gemeine Wesen angeschaut und mi verächt⸗
lichen Augen als gemeine und niedere Berufs-⸗
arten betrachtet wird. Und doch ist nicht in
Abrede zu stellen, daß gerade diese Berufsarten
tüchtige männliche Charaktere bilden und der
Kern eines Volks großentheils in diesen Ständen
zu suchen sei. Auch kann z. B. ein Bauer und
Handwerker sehr füglich eines Cigarrenmachers,
Zuckerbäckers, Schenkwirths u. s. w. entbehren,
nicht aber umgekehrt. Sodann aber ist so ziem-
lich klar und offenbar, daß das junge Volk, je
häufiger es seinen Beruf wechselt, um so mehr
auch sittlich verflacht und ausgehöhlt wird und
gemeiner Selbstsucht und schnöder Genußsucht
zur Beute verfällt. Es ist auch eine gemeine
Erfahrung, daß solche jungen Leute, die in dem
neuen Berufe mehr Geld verdienen, zum christ⸗
lichen und sittlichen Wohlthun und Mittheilen
um so weniger haben, da sie in macherlei Flei⸗
scheslust alles zu vergeuden pflegen.
Das Sündliche und Verwerfliche in dem
Wechseln des Berufs steigert sich aber in dem
Maße, als der verlassene Beruf edler und wichti⸗
ger ist, als der neuerwählte. Dies findet z. B.
statt, wenn ein Lehrer an einer christlichen Ge⸗
meindeschule, ohne nachweisbares körperliches
Le iden, das ihm die Fortsetzung seines Berufs un⸗
möglich machte, diesen Beruf verläßt und etwa
ein Kaufmannsdiener oder ein Musiklehrer oder
ein Vorspieler bei einem Klavierhändler wird, wie⸗
wohl gegen diese Berufsarten vom sittlichen
Standpunkte aus nichts einzuwenden ist. Denn
als Gegenstand seines beruflichen Handelns hat
ein solcher Lehrer nicht Kleiderstoffe und Klavier⸗
tasten, sondern die unsterblichen Seelen getaufter
Christenkinder. Und diesen hat er nicht nur
gemeinnützige Kenntnisse und Fertigkeiten für
dieses Leben mitzutheilen; vielmehr ist seine vor⸗
nehmste Aufgabe, seinen Schulkindern Gottes
Wort also in's Gedächtniß, Verstand und Herz
zu bringen, daß sie unter Gottes Gnade auch
durch diesen seinen treuen Dienst in der Buße zu
Gott, im wahren Glauben an ihren Heiland und
im neuen Gehorsam heilsam gefördert werden
und einen bleibenden Segen für ihr ganzes Leben
aus der Schule mit hinwegnehmen.
Noch schändlicher und gottloser aber ist es,
wenn sogar Prediger, ohne gegründete Ursachen,
aus demselben fleischlichen Trachten und Ge⸗
luͤsten nach Reichthum, Ehre und Wohlleben
ihren Beruf verlassen, um etwa Theilnehmer in
gewinnsüchtigen Speculationen zu werden, oder
auf einige Jahre ein einträgliches bürger⸗
liches Amt zu bekleiden und dergl. Denn kann
es vor Gott einen höheren und wichtigeren Be⸗
ruf geben, als durch die reine und lautere Pre⸗
digt des göttlichen Worts und durch Anzündung
des wahren Glaubens an Christum den Sündern
zur Gerechtigkeit, den geistlich Todten zum geist⸗
lichen Leben, den Sclaven des Teufels zur Frei⸗
heit der Kinder Gottes, den Verdammten zur
ewigen Seligkeit zu verhelfen? Und welcher Ge⸗
winn an irdischem Gut und zeitlicher Ehre ist
mit dem Gewinn auch nur einer unsterblichen
und durch das Blut des Sohnes Gottes theuer
erkauften Seele auch nur irgendwie zu ver⸗
gleichen?
Summa, es ist ein fährlich und mißlich Ding
mit dem Wechsel des Berufs; und wo jene oben
erwähnten beiden Stücke und jene und ähnliche
Ausnahmen fehlen, und das Fleisch den Wechsel
bewirkte, da ist es Sünde und Unrecht, da fälll,
wenn er früher ihn gehabt hat, der Mensch vom
Glauben und verleugnet seinen christlichen Be⸗
ruf; da läuft er Gott aus der Schule, entzieht
dem Nächsten den Dienst der Liebe, verdirbt den
eigenen Charakter, giebt anderen ein böses Exem⸗
pel und hilft, den sittlichen Bestand des bürger⸗
lichen Gemeinwesens lockern und verderben.
Zur kirchlichen Chronik.
Brunn und seine Anstalt. Mit
Freuden und Dank gegen Gott entnehmen wir
darüber einem Briefe dieses theuern Gottes⸗
mannes vom 1. Novbr. Folgendes, das wir un⸗
sern lieben Lesern sogleich mittheilen zu müssen
glauben: „Mit unserer hiesigen Anstalt geht es
fortwährend in großem und sichtlichen Segen
vom HErrn von Tag zu Tag weiter. Durch
Gottes Gnade ist unsere Anstalt nun ganz gefüllt
und in letzter Zeit sind die Anmeldungen wieder
so zahlreich gewesen, daß auch für nächstes Jahr
kein Mangel an Schülern zu fürchten ist. Von
den 24, die im Augenblick jetzt hier sind, denke
ich einen Theil nach Addison zu schicken. Meine
Schüler machen mir fast durchgehends nur die
herzlichste Freude. Lieblicher Friede und Einig⸗
keit waltet in unserm ganzen Hause und ich habe
nur immer zu wehren, daß über dem fleißigen
Lernen von früh bis spät nicht die leibliche Ge⸗
sundheit ganz außer Auge gesetzt wird. So ist
bis heute die Erweiterung unserer Anstalt und
die Vermehrung der Schülerzahl uns nur eine
Quelle der Freude, des Lobes und Dankes gegen
den HErrn gewesen, der sein Werk unter uns
so gnädig gefördert hat. In der zweiten Hälfte
des Monats September habe ich eine kleine Mis⸗
sionsreise nach Sachsen gemacht, da ich dieß Jahr
noch nicht dort war und viele Einladungen an
einzelne Orte an mich gekommen waren. Ich
war zuerst auf dem Dresdener Missionsfest, den
18. und 19. September, wo ich eine große An⸗
zahl lieber Freunde und Brüder aus ganz Sach-
sen versammelt fand. Am Abend des Festes
fand ich auch Gelegenheit, zur Festversammlung
über unsere amerikanische Mission zu reden.
Dann reiste ich weiter in die Lausitz, wo ich bis ⸗
her noch nicht gewesen war, und brachte dort im
Kreise lieber Missionsfreunde einige schöne Tage
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