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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1. Dezember 1865, Seite 49
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Der irdiſche Beruf. — 23757
Uid ic sahe enen Engel
fliegen mitten durch den Him⸗ E
mel, der hatte ein ewig Evan- é
gtlium, zu verkündigen denen,
die auf Erden sitzen und woh⸗
nen, und allen Heiden, und Ge⸗
schlechtern, und Sprachen, und
Völkern,
Offenb. Joh. 14, 6.
*
— — —
Gottes Wort und Luthers Lehr vergehet uun un
Herausgegeben von der Deutschen Cvangelisch⸗Lutherischen Synode von
PSS=III ————— SSSEE...
d nimmermehr.
Missouri,
Nud sprach mit großer Stim⸗
me: Fürchtet Gott, und geben
ihm die Ehrt; denn dit Zeit
seines Gerichts ist kommen, und
betet an den, der gemacht hat
Him mel und Erde, und Meer,
und die Wasserbrunnen.
Otlenb. Jeh. 14, 7.
7
Ohio und andern Staaten.
Zeitweilig redigirt von dem Lehrer⸗Collegium des theologischen Seminars in St. Louis.
Jahrgang 22.
St. Louis, Mo., den 1. December 1865.
No. 7.
—p
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(Eingesandt von Prof. Dr. Sihler.)
Was ist die Wahrheit in Hinsicht anf die
Entstehung, die Ausübung und die Ver⸗
änderung des besondern irdischen und
bürgerlichen Berufs?
Wenn wir hier zu Lande uns ein wenig um-
schauen, so tritt uns folgende Thatsache vielfach
entgegen: Nicht nur Bauern und Handwerker,
sondern z. B. auch Aerzte und Advocaten, ja so⸗
gar Prediger verlassen ihren Beruf, den sie Jahre,
ja vielleicht Jahrzehnte mit Erfolg getrieben haben.
Und warum? Um Kaufleute zu werden oder sich
in voraussichtlich gewinnreiche Speculationen ein⸗
zulassen. Und dabei haben sie kein anderes Ziel
im Auge, als mit möglichst wenig Arbeit in mög⸗
lichst kurzer Zeit möglichst viel Geld zu erwerben,
das sie denn meist mit Hülfe ihrer Weiber in aller⸗
Rlei üppigem Lebensgenuß wieder vergeuden oder
es wieder anlegen, um des ungerechten Mammons
noch mehr zu machen.
An solchen unchristlichen und unsittlichen Be⸗
strebungen aber betheiligen sich nicht nur offenbar
ungläubige Weltmenschen, die nach Gottes Wort
und nach dem von Gott ins Herz geschriebenen
Natur- und Moralgesetz nichts fragen, sondern
auch solche Leute, die nach dem bürgerlichen Ge⸗
setz unsträflich wandeln, ja die sogar zu kirch⸗
lichen Gemeinschaften gehören.
Diesem verderblichen Beispiel folgt dann mit
Lust und Liebe die herangewachsene männliche
Jugend nach. Schon in der Erwählung des
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Berufs geht es bei den jungen Gesellen meist
sehr lose und leichtfertig her. Es ist eine gemeine
Erfahrung in unserer Zeit, daß sie fast alle das
Wort Gottes hassen: „Im Schweiß deines An-
gesichts sollst du dein Brod essen.“ Deshalb
hegen beinahe alle jungen Leute eine herzliche
Unlust, wenn sie auch sonst Geschick dazu hätten,
ein derbes Handwerk zu erlernen, das fleißig
Schweiß kostet, als z. B. das eines Schmiedes,
Schreiners, Landbauers u. s. w. Meist steht
ihr Sinn dahinaus, leichtere Berufsarten zu er⸗
wählen, darin keine stetig anstrengende Arbeit
erforderlich und eher guter Verdienst ist bei
mitunter müßiger Zeit und faulem Geschwätz.
Solches Trachten aber ist nicht etwa nur
unter dem jungen Volk, das gottlose Eltern hat
und ohne die Lehre und Zucht des göttlichen
Wortes wie die Bäume im Walde aufgewachsen
ist; es findet sich leider auch bei solchen jungen
Gesellen, die kirchlich auferzogen sind, denen
aber das wahre innerliche Glaubensleben und
ein von Gottes Wort und Geist geschärftes Ge⸗
wissen fehlt. Auch diesen macht es denn wenig
aus, ihren leichtfertig erwählten Beruf eben so
leichtsinnig wieder zu verlassen, und, wenn sich
nur die Gelegenheit bietet, mit einem noch be⸗
quemeren und einträglicheren zu vertauschen.
Haben sie noch Väter, so sind es meist keine ern⸗
sten Christen, die denn auch schon die Wahl des
ersten Berufs in der Furcht Gottes mit Liebe
und Weisheit geleitet hätten; vielmehr sind es
gewöhnlich solche Väter, die nicht schon von
fruͤhe an ihre Söhne in der rechten Zucht und
Vermahnung zum HErrn aufgezogen haben.
Ohne Kampf und Widerstand folgten sie dem
landesüblichen verderblichen Exempel der hiesigen
Eltern, welche meist die heranwachsenden Kna-
ben nicht in den Schranken heilsamer Zucht hal⸗
ten, sondern sie thun lassen, was ihrem Fleisch
gelüstet, ja nicht einmal, wie Eli, sauer dazu
sehen, wenn ihre Kinder sich schändlich halten.
Solche schlaffe Väter tragen denn auch
die meiste Schuld, wenn ihre heranwachsenden
Söhne, nach dem Fleische die leichteren und ein⸗
träglicheren Berufsarten erwählen und sie dann
mit wo möglich noch bequemeren und mehr Lohn
abwerfenden in kurzer Zeit vertauschen, damit sie
der Genußsucht um so reichlicher fröhnen können;
denn möglichst mannigfaltiges Genießen in schö⸗
nen Kleidern, feinen Cigarren, gutem Lagerbier,
lustiger Gesellschaft, Besuch von Schauspielen,
Opern und Bällen, mitunter auch in heimlichen
Liebeshändeln mit jungen Dirnen, die eben auch
nicht mit Scham und Zucht geschmückt sind, —
dies und Anderes, das ist das Ziel ihres Lebens
und Treibens, der Zweck ihrer Berufsarbeit,
ihr Himmelreich auf Erden.
Und, wie gesagt, nicht bloß offenbar un-
glaͤubige junge Gesellen sind von dieser epiku⸗
rischen Gesinnung und Anschauung ihres bürger⸗
lichen Berufs beseelt und durchdrungen, sondern
auch nicht wenige von denen, die in der christ⸗
lichen Lehre auferzogen sind, die sich zum Theil
auch noch aͤußerlich zur Kirche halten und wenig⸗
stens am Sonntag Vormittags dem lieben Gott
noch einen Ceremonialbesuch abstatten. Auch
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