Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 22, Nummer 17 › Seite 133

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 30. April 1866, Seite 133

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Hoffart

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nicht mehr zum Vorwurfe mache: Gestehet es
ein, daß der Pabst und seine Helfershelfer wirk⸗
lich grundsätzlich jene Greuel verubt haben, be⸗

schönigt sie nicht länger, sondern sagt euch von
ühnen los und verdammt sie. Wir versprechen

es euch, wenn ihr das thut, dann wollen wir
euch über die se Dinge in Ruhe lassen. So lange
ihr aber das nicht thut, so können wir auch nicht
schweigen; ja, wir kündigen euch an, daß in
kurzem ein Schriftchen erscheinen wird, das wird
die Greuel eures „heiligen Vaters“ noch besser
aufdecken. Dann werdet ihr hoffentlich ein sehen,
daß wenigstens wir sogenannten Altlutheraner
nur zu gut wissen, warum wir euren Pabst noch
immer für den Antichrist zu halten haben. W.

Pabstthum und Revolution.

Daß der Pabst der Hohepriester aller Revo⸗
lutionäre sei, ist allen denen bekannt, welche
die Geschichte des Pabstthums auch nur ein

wenig kennen. Hier ein Beispiel. Als Pabst
Hhildebrand, genannt Gregor der Sie-

dente, Kaiser Heinrich den Vierten im Jahre

1076 bei Strafe des Bannes vor sich gefordert

hatte, der Kaiser aber nicht erschienen war, da
schleuderte dieser Gregor in teuflischem Zorne den

Bannfluch wider den Kaiser und erklärte zugleich
in seiner Bulle unter Anderem Folgendes: „Ich
untersage hiermit dem Heinrich die Regierung
des ganzen Reiches der Deutschen und Italiens
Fund spreche hiermit alle Christen von der Ver⸗
bindlichkeit des Treueides los, welchen sie ihm
geleistet haben oder leisten mögen, und verbiete
jedermann, ihm als König zu dienen.“) Mit
Entsetzen hörten die Christen der damaligen Zeit
ditses Löwen-⸗Gebrüll (1 Pet. 5, 8.); sie merk⸗
ten, daß hier die Stimme des Antichrists sich
höͤren lasse, der ja nach Gottes Wort zu denen
gehört, die „die Herrschaft verachten, thürstig,
eigensinnig, nicht erzitten die Majestäten zu
lästern, und zwar schauerlicher Weise unter dem
Tuiligen Namen des himmlischen Königs Christus.
Schon damals schrieb daher der Scholasticus
Guenrich an regor: „Mag er (der Kaiser) gottlos
sein, mag er verkehrten Sinnes sein, mag er etwas
Aergeres sein, als alles, was der Herr, der
pabst, wider ihn aussagt, darf ich darum den
ihm geleisteten Schwur brechen und darum, weil
Er böse ist, ich als ein Schänder des Heiligen
nich mit offenen Augen und wissentlich in die
ewige Verdammniß stürzen? Nein, nimmermehr,
dies darf ich weder, noch werde ich es thun.““*)
Mit Recht sagt ein neuerer Geschichtsschreiber,
Wachsmuth: „Gregor's Aufruf zum Treubruch
hatte eine Wuchersaat von Meineiden zur Folge.“
Als dem, an des abgesetzten Kaisers Statt, ein⸗
gesetzten Herzog Rudolf endlich in ache desen die
rechte Hand abgehauen wurde, erwachte diesem sein

*) Henrico — totius regni Teutonicorum et Italiae
Pubernacula contradico et omnes Christianos a vinculo
juramenti, quod sibi fecere vel faciant, absolvo, et, ut
nullus ei sicut regi serviat, interdico.“ Mansi 20, 469.

**) „Sit impius, sit perversus, sit, quiecquid dominus
papa in eum dicere voluerit, acrius: num ideo sacra-
nentum ei factum infringere et, quia ille malus est,
ideo ego sacrilegus existendo me in aeternam damna-
tionem videns et sciens debeo intradere? Prorsus nee

debeo nec facio.“ (Citirt von Schlosser 2, 2, 727.)

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Gewissen. Er sprach daher zu den ihn umstehen⸗
den Bischöfen, sterbend und auf seine abgehauene
Hand blickend, mit Seufzen: „Sehet da, das ist
die Hand, mit der ich meinem Herrn Heinrich
Treue geschworen habe, und ich verlasse nun sein
Reich und dieses Leben; sehet dann zu, ob ihr,
die ihr mich seinen Thron habt besteigen lassen,
mich den rechten Weg geführt habt.“ Es berich⸗
tet dies die Ursperger Chronik. W.

Kleiderhoffart in der Kirche und beim
heil. Abendmahl.

Gewiß hat niemand weniger das Christen-
thum in äußerliche Dinge gesetzt und niemand die
christliche Freiheit in allen Mitteldingen klarer
erkannt und festgehalten, als unser Luther.
Nichts desto weniger war jedoch dieser hoch⸗
erleuchtete Mann ein großer Feind aller Kleider-
hoffart und er hat dagegen nicht nur wiederholt
ernstlich gezeugt, sondern bekaͤnntlich einst sogar
den Wanderstab ergriffen, als alles Ermahnen
und Warnen vor Putzsucht in Wittenberg sich
fruchtlos zeigte. Luther hat daher auch die Pre-
diger öfters ermuntert, auch gegen dieses Laster
ihre Stimme zu erheben. So schrieb er z. B.
im Jahre 1544 an Magister Christoph Piscator,
Pa stor in Jüterbock:

„Es hat das viel auf sich, daß die
Bischöfe bisher zugelassen haben, daß die Weiber
und Jungfrauen in die Kirche geputzt
und geschminkt wie in eine Komö⸗
die gehen. Es ist ein offenbarer Mißpbrauch,
Paulo und Petro zuwider. Aber diese Gewohn-
heit ist mit Gewalt eingerissen. Derohal—
ben muß man allerdings den Miß⸗
brauch abschaffen beim Genuß des
Sacraments, damit sie sich nicht
unsern und andern Gemeinen ab⸗
scheulich machen. Denn es ist ein Zeichen
eines leichtsinnigen Gemüths, und solche geben
dadurch zu erkennen, daß sie das Sacrament
nicht höher halten, als Brod auf einem gemeinen
Tisch.“ (Walch's Ausg. XXI, 1339.) W.

Christliche Erziehung der Jugend.

Auch das Namengeben ist eine gar wichtige
Sache fur das zeitliche und ewige Leben eines
Kindes. Darüber sagt ein lutherischer Prediger:
„Weil dein Kindlein einen Namen wird haben
müssen, so besinne dich zum Voraus auf solche
Namen, die du deinem Sohne oder deiner Toch-
ter geben möchtest, damit du leichte Wahl hast,
wenn du dein Kind zur Taufe trägst. Es ist
keine schlechte Sitte, den Kindern den Namen
ihrer Tauspathen zu geben; sie werden dadurch
zur Nachfolge der Pathen aufgefordert. Doch
aber muß es nicht sein, daß der Vater seinem
Kinde die Namen der Pathen gebe; es steht bei
ihm, auch andere Namen zu wählen. Da wähle
denn ein Christ solche Namen, die auf große und
heilige Beispiele in der Kirche Gottes hinweisen,
z. B. Namen der Apostel und Jünger des HErrn,
der heiligen Frauen alten oder neuen Testa-
ments, anderer berühmter Jünger aus der Ge⸗
schichte der Kirche, wie deren ein jeder Kalender
genug an die Hand gibt. Dagegen aber meide

ein jeder Vater unchristliche oder heidnische Na⸗
men und vergesse niemals, daß der Taufname
im Vergleich zum Geschlechtsnamen den neuen
Namen vorbilden soll, welchen der Mensch im
Reiche Gottes fuhren wird.“ Ein Anderer sagt
üͤber die sen Gegenstand: „Der Name des Men⸗
schen ist ein Geheimniß, dessen Deutung wir nur
vom Ende aus verstehn. Wir werden in der
Ewigkeit jeder einen Namen, jeder an seinem
Namen das Wesen seines Seins und die Summe
seines Lebens tragen. Den Namen freilich, der
auf Erden schon eine Weissagung, kann nur Gott
geben, der Ende und Anfang zugleich überschaut.
In prophetischem Blick und Vorahnung gaben
daher die in Gott lebenden Patriarchen ihren
Kindern weissagende Namen. Christliche Eltern
übergeben darum den Namen, den sie für ihr
Kind erwählt haben, Gotte, daß er die Weihe
ewiger Bewährung darauf lege; übergeben ihn
bei dem Sacrament der Wiedergeburt zum ewi⸗
gen Leben mit dem Anliegen, daß derselbe wür⸗
dig geachtet und in Kraft der Wiedergeburt auch
im irdischen Leben so bewährt werden möge,
daß ihn die Ewigkeit anerkennen und bestätigen
könne.“ Darin liegt die Pflicht rechter Namen
wahl vorgezeichnet. Familien oder Pathennamen
haben auch ihr besonderes Recht, wenn sie an sich
nicht heiliger Bedeutung leer sind. Das höchste
Recht haben aber doch die Namen, die wir hei⸗
lige nennen, weil die großen Heiligen sie getra⸗
gen, deren Leben und Vorbild der Griffel des Her-
zenskündigers gezeichnet und niedergelegt hat im
Worte der Wahrheit. Wenn diese Namen er⸗
klingen beim Lesen der heiligen Schrift, horchen
die Kleinen schon auf wie Erben der Freuden
und Ehren dieser Namen. Diese Bedeutung
und Wichtigkeit unsers Taufnamens legen uns
aber auch die heilige Pflicht auf, unsern Tauf-
namen allezeit in Ehren zu halten und ja nicht
zu ändern. Unrecht thun die Mönche und Päbste,
welche beim Eintritt in das Kloster oder bei
dem Aufsteigen auf den päbstlichen Thron ihre
Namen ändern. Unrecht thun alle Herrschaf⸗
ten, welche aus Bequemlichkeit und Herkommen
die Namen ihrer Dienstleute ändern. Unrecht
thut unser ganzes Geschlecht, indem es die alten
biblischen Namen, die Namen der ersten Helden
Gottes so verächtlich behandelt und ihnen jeden
flimmernden und schimmernden Klang vorzieht.
Es wird ein Tag kommen, wo die Namen eines
Petrus, Johannes, Jacobus, und Paulus, die
im Himmel angeschrieben sind, wieder herrlich
leuchten und wo aller moderne Flitter in seine
Nichtigkeit zusammenfallen wird.
(Sonntagsb.)

Eine unverschämte Lüge.

Es ist abscheulich, wie unverschämt die Rö⸗
mischen lugen können, wenn es gilt, die evange-
lische Kirche und unsere Reformatoren, diese
Gottesmänner, zu lästern. Da hat bekannter—
maßen im vorigen Jahre der römisch katholische
Bischof von Paderborn, Herr Dr. Conrad Martin,
ein Buch geschrieben, worin er behauptet und
beansprucht, von „Gottes⸗ und Rechtswegen“
der Bischof auch aller evangelischen Christen

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