Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 22, Nummer 17 › Seite 134

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 30. April 1866, Seite 134

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Eid 6

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innerhalb seines bis ins Innre des preußischen

Sachsen sich erstreckenden bischöflichen Sprengels
zu sein und sie demgemäß belehrt und behandelt.
In diesem Buche wärmt er auch eine alte Lüge
wieder auf, welche von einem gewissen Florimond
da Ramond, einem Schwindler von Profession,
herrührt, der ein ganzes Buch voll der albernsten
Lugen über die Reformatoren zufammenge schrieben
hat, z. B. auf dem Reichstage zu Augsburg habe
vor den Augen des Kaisers der Teufel Luthern
geritten.

Die schändlichste und frechste Lüge aber, welche
Ramond erfunden und der römische Bischof nach-
erzählt, ist diese: An Melanchthon's Sterbebett
sei seine alte Mutter gekommen und habe ihn
mit den beweglichsten Worten aufgefordert, ihr
im Angesichte Gottes zu sagen, welche Religion
besser sei, die alte oder die neue? Darauf babe
ihr der sterbende Melanchthon gesagt: „Prote⸗
stantisch ist gut leben, aber katholisch ist gut
sterben!“ Soll man diese Geschichte glauben?
soll man sie fur möglich halten? Der liebe Leser
mag die Antwort auf diese Frage sich selbst geben,
wenn er erfährt, daß, als Melanchthon 1560
starb, seine Mutter, die alte Waffen schmieds⸗
Wittwe in Bretten, bereits über 30 Jahre todt
und begraben war, denn diese war bereits 1529
gestorben. (Sonntagsbote.)

Warnung vor falschem und leichtfertigem
Schwören.

Es war vor vierzehn Jahren in der Kirschen⸗
zeit. Ein Mann, der Kirschen abgenommen,
hatte die Leiter am Baume stehen lassen; in der
Zwischenzeit brauchte sie ein Andrer, brachte sie
jedoch wieder an Ort und Stelle. Daß an der
Leiter ein hölzerner Haken mit einem Strick ge⸗
hangen, das war ihm entgangen. Der Eigen⸗
thümer aber vermißt beides und stellt jenen, der
die Leiter benutzt hat, drüber zur Rede; der be⸗
hauptet, vom Haken nichts gesehen zu haben und
ein siebzehnjähriger Bursche, Sebastian Freivogel,
der mit ihm die Leiter weggetragen, bestätigt das.
Darauf verklagt der Eigenthümer des Hakens
jenen vor Gericht, ihm seinen Haken entwendet
zu haben. Zwar findet er bald nachher den
Haken unter einem Baume liegend; allein hätte
er die Klage zurückgenommen, so hätte er schon
müssen Kosten bezahlen. Erhitzt waren einmal
beide — also wird fortprocessirt. Freivogel muß
als einziger Zeuge schwören und schwört: Jener
habe den Haken nicht weggenommen; der an⸗
dere muß folglich die inzwischen sehr erheblich
gewordenen Kosten des ganz unnützen Processes
bezahlen. Darüͤber waren, wie gesagt, vierzehn
Jahre vergangen. Anfang Novembers 1861
schnitt sich zu Gelterminden im Canton Baselland
ein Mann mit dem Rasirmesser die Kehle durch, —
eben jener Freivogel. Der Unglückliche hatte
aber den Schnitt nicht gut geführt; er lebte noch
mehre Tage und sagte wiederholt zu den Um-
stehenden: „'s gibt keinen Gott!“ Dem Geist⸗
lichen, der ihm zusprechen und mit ihm beten
will, erwidert er: „'s geht nicht hinein!“ Da
wird der Pfarrer inne: es musse ein besondrer
Bann auf dem Unglücklichen lasten; er heißt

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Alle hinausgehen und redet dem Freivogel zu
Herzen. Da bekennt ihm der Sterbende, er habe
vor vierzehn Jahren einen falschen Eid geleistet
und damit seine Seligkeit verschworen. Es war
jener Eid um den hölzernen Haken, der ihm seit⸗
dem keine Ruhe gelassen, wiewohl er früher ein
roher Mensch war. — Doch Gottes Langmuth
hatte sich sein erbarmt, daß er nicht gradezu ins
Verderben stürzte. Der durch den Schwur be⸗
schädigte Mann ward herbeigeholt, langte nach
wenigen Stunden vor Freivogel's Ende an und
vergab ihm. Dem Troste in Christi Blut zu⸗
gänglicher, soll er nun ruhig gestorben sein.

Welche Folgen aber eines Eides umeinen
hölzernen Kirschhaken. (Stgsbote.)

Der bekehrte Religions-Spötter.

Vor ungefähr 200 Jahren lebte in England
Johann Wilmot Graf von Rochester.
Derselbe war ein Mann, den Gott mit außer⸗
ordentlichen Gaben, namentlich mit de'r G be
eines großen Scharfsinns und eines überaus
einnehmenden Aeußeren, ausgestattet hatte.
Dazu kam, daß er auch in seiner Jugend in
allerlei guten Wissenschaften sorgfältig unterwie⸗
sen worden war, daher er sich einen großen Schatz
von herrlichen Kenntnissen erworben hatte. Als
junger Mann war er aber so unglücklich, an den
Königlichen Hof, wo damals Religionsspötterei
und ein gottloses Leben im Schwange ging, ge⸗
zogen zu werden und allerhand schändliche Schrif
ten in die Hände zu bekommen, welche unter dem
Scheine tiefer Weisheit die Geheimnisse der christ·
lichen Religion verspotteten. Die Folge dieses
seines Umgangs und seines Lesens solcher Schrif⸗
ten war, daß der junge Graf den Glauben seiner
Kindheit verlor und nicht nur in ein gottverges⸗
senes Leben versank, sondern endlich auch ein
öffentlicher Religionsspötter wurde, der allen sei⸗
nen Scharfsinn, seinen Witz, seine Redegabe,
seine Kenntnisse und das Ansehen, in dem er
stand, dazu anwendete, mit Rede und Schrift den
Glauben an Gottes Wort in allen denen zu
untergraben, mit denen er umging und die seine
gottlosen Schriften lasen. Doch Gott ging auch
die sem seinem erklärten Feinde in großer Barm-
herzigkeit nach; Er warf ihn auf ein langwie⸗
riges und höchst schmerzensvolles Krankenlager,
und hier war es, wo der Elende namentlich durch
den Dienst eines englischen Bischofs Namens
Burnet und eines Predigers Namens Parson aus
seinem tiefen Sündenschlafe erwachte, zur Er⸗
kenntniß Gottes, seines Schöpfers, und IEsu
Christi, seines Erlösers, kam und sich von Herzen
von seinen Sünden und seinem Unglauben be⸗
kehrte. Von nun an war ihm nichts lieber, als
Gottes Wort und die Gemeinschaft mit gottseli⸗
gen Personen. Er hatte sich eine große Samm-
lung von Schriften wider die christliche Religion
angelegt; diese Schriften ließ er nun dem Feuer
übergeben. Auch die unzüchtigen Malereien,
welche er neben anderen mit großem Geldauf;
wande gesammelt hatte, ließ er verbrennen. Als
ihn Parson in seinen Gewissensängsten mit dem
Enangelio tröstete, rief er, wie Parson selbst als
Ohrenzeuge meldet, vor allen Gegenwärtigen

laut aus: „O heiliger Gott, kannst Du eine so
abscheuliche Creatur, wie ich bin, annehmen?
mich, der ich Dein Wesen geleugnet und Deine
Macht verachtet habe? Ist noch Gnade für mich
übrig? Kann Gott noch einen so Gottlosen er⸗
hören, wie ich bin? Kann mir die unaussprech⸗
liche Freude des Himmels noch zu Theil wer⸗
den? O, mächtiger Erlöser! dies kann auf keine
andere Art geschehen, als durch Deine unendliche
Liebe, durch Deine überschwängliche Erlösung,
und Dein allerheiligstes Blut!“ Am 19. Juni
1680 setzte er endlich kurz vor seinem Tode eine

schriftliche „Erklärrung“ auf, die er in

Gegenwart von drei Zeugen unterschrieb und
versiegelte und die nach seinem letzten Willen
bei der ihm zu haltenden Leichenpredigt öffentlich
vorgelesen werden sollte. Diese Erkläruug lau⸗
tete, wie folgt: ö

„Allen denen zum besten, welche ich durch das
Beispiel meines Lebens zur Sünde gereizt haben
kann, hinterlasse ich diese meine Erklärung, wel⸗
che hiermit vor dem Angesichte des großen Got⸗
tes, der das Innere aller Herzen kennt und vor
dessen Gericht ich nunmehr treten soll, abgelegt
wird. Ich verfluche und verabscheue meinen
ganzen vorhin gefuhrten gottlosen Lebenslauf.
Ich kann mich über die Gute Gottes nicht genug
verwundern, daß er mich meine schändlichen
Meinungen und böses Leben hat einsehen uud

erkennen lassen; denn ich habe bisher ohne Gott

in der Welt gewandelt und bin ein Feind Christi
IEsu und ein Verächter des heiligen Gnaden⸗
geistes gewesen. Das wichtigste Zeugniß mei⸗
ner Liebe zu Gott soll sein, andere im' Namen
Gottes zu ermahnen, die Wohlfahrt ihrer un⸗
sterblichen Seele zu bedenken, sein Dasein oder
seine Vorsehung nicht zu leugnen, seine Güte
nicht zu verachten, mit der Suͤnde nicht zu scher⸗
zen und den reinen und herrlichen Glauden mei⸗
nes gebenedeiten Erlösers nicht zu spotten, durch
dessen Verdienst allein ich als einer der allergröß⸗
ten Sünder Gnade und Vergebung zu erhalten
hoffe.“

Einen Monat nach Verabfassung und Unter⸗
zeichnung dieser Erklärung starb denn dieser be⸗
kehrte Spötter im Glauben und Bekenntniß des
Heilandes der Sünder, seiner Seligkeit freudig
gewiß. W.

Göttliche Justiz.

Der Bischof Narcissus von Jerusalem wurde
von einigen sittenlosen Christen, denen er ihre
Ausschweifungen vorgeworfen, auf eine unver⸗
schämte Art einer schändlichen Uebertretung des
Gebotes: „Du sollst nicht ehebrechen“ beschuldigt.
Drei seiner falschen Ankläger bestätigten ihre
Verleumdung sogar durch einen Eidschwur, bei
dem sie über sich selbst ein Jeder einen desondern
Fluch aussprachen. „Die Flamme soll mich ver⸗
ze hren“, sprach der Erste, „wenn ich nicht die

Wahrheit rede“; der Zweite: „Mich soll die

ärgste aller Krankheiten treffen“, und der Dritte:
„Ich will das Tageslicht nicht mehr sehen, wenn
er nicht gethan hat, was ich sagte.“ Ein großer
Theil der Christen zu Jernsalem glaubte diesen
Aussagen und sagte: „Die Leute müssen doch von
der Wahrheit ihrer Behauptungen überzeugt sein,

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