Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 23, Nummer 3 › Seite 20
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1. Oktober 1866, Seite 20
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Loge 4 · ö Loge 33
die barmherzige Liebe ihnen nicht so nachge⸗
gangen wäre und um ihretwillen noch beson⸗
ders ein Licht angezündet und das Haus gekehrt
und mit Fleiß so gesucht und nicht abgelassen
hätte, bis der verlorne Groschen gefunden
worden wäre (Luc. 15, 8.); denn nahe genug
war ihnen doch das Wort, weil Kirchen genug
in Edinburg sind. Aber hätten sich die Christen
daselbst mit diesem Gedanken beruhigen dürfen
und dann Entschuldigung gefunden bei dem,
der gesagt hat: „Des Menschen Sohn ist ge⸗
kommen, zu suchen und selig zu machen, das
verloren ist?“ (Luc. 19, 10.) Darum „gehe
aus bald auf die Straßen und Märkte der
Stadt und führe die Armen und Krüppel und
Lahmen und Blinden herein!“ (Luc. 14, 21.)
F. L.
(Eingesandt.)
Welch ein satanischer Geist in manchen
Freimanrer⸗Logen herrscht, geht hervor aus
den Worten eines Vortrags vor einer Ver⸗
sammlung deutscher Freimaurer, welche in den
„Mittheilungen aus dem Vereine
dentsch⸗amerik. Freimaurer“ Nr. 6
abgedruckt ist. Darin heißt es unter Anderm:
„Sehen Sie jetzt, meine Brüder, warum ich
im Anfang meiner Rede sagte, daß religiöse
Discussionen auch wohl den Zweck haben könn⸗
ten, möglichen Trennungen unter den Brüdern
vorzubeugen? Die Philosophie (welcher die
Freimaurer huldigen) hat seit dem Beginn des
vorigen Jahrhunderts unendliche Fortschritte
gemacht. Sie hat es gewagt, von dem Antlitze
eines geglaubten Gottes den künstlich zusam⸗
mengewebten Dogmenschleier, hinter welchem
die Priesterkaste jed weder Religion ihn zu
verstecken gesucht, herabzureißen, und — nichts
gefunden als — — ein Menschenmachwerk.
Sie hat mit kühnen Hammerschlägen die Altäre
zertrümmert, auf denen jedes Volk seine ei⸗
gene Personification unter dem Namen
„„Gott““ anbetete. Sie sagt:
Es steht geschrieben in dem beil'gen Buche:
Du schufst den Menschen, Gott, nach deinem Ebenbilde.
Ich leugne es, ich trotz' dem Pfaffenfluche.
Der Mensch schuf dich nach seinem Ebenbilde.
Du bist Geschöpf; dein Schöpfer, Gott, bin ich! —
„Heute fürchtet man sich nicht mehr, sich einen
Atheisten zu nennen. Heute ist man stolz
darauf, die Wissenschaften im Gegensatz zum
Glauben bis auf die fernsten, größten und
höchsten Begriffe anzuwenden. Für das Stre⸗
ben des forschenden Geistes gibt es nichts
unnahbar Heiliges mehr. . .. Das sind die
Grundgedanken der Freidenker, der Atheisten.
Widersprechen diese nun so sehr den Grund⸗
gedanken der Maurerei, wie sie sein soll?
Sind sie nicht vielmehr völlig identisch mit
denselben, indem ja die Maurerei gerade einen
Bund aller guten Menschen bilden will auf rein
menschlicher Grundlage? — . . . . O, ich bin
fest überzeugt, meine Brüder, es wird und
muß kommen die Zeit, wo der Atheismus in
der Weise, wie ich in kurzen Worten versucht
habe zu charakterisiren, die allgemeine Ansicht
der Menschen sein wird, und wo diese auf den
Deismus wie auf einen überwundenen Stand⸗
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punkt herabblicken, ebenso wie die deistischen
Freimaurer sich über confessionelle Spaltungen
erheben. . .. Lassen wir Gott in seinem Himmel,
wenn es einen Gott und einen Himmel gibt.
Der wahre Maurer ist der wahre
Mensch, und er braucht nichts weiter
zu sein.“ ö
Lieber Christ, sind das nicht schreckliche
Worte? Kannst du nun noch ungewiß sein,
was von der Freimaurerei zu halten ist?
Zur kirchlichen Chronik.
Die Albrechtsleute oder die (metho⸗
distischen) Evangelischen scheinen sich in einem
sehr kläglichen Zustande zu befinden. Der
Nedacteur ihres Blattes „Der christliche Bot—
schafter“ stellt in der Nummer vom 21. Sep⸗
tember eine Vergleichung zwischen „Einst und
Jetzt“ in ihrer Gemeinschaft au und findet
dabei, daß dieselbe mehr rückwärts als vorwärts
gegangen sei. Er schreibt hierüber unter An⸗
derem Folgendes: „Erstens. In welcher
Beziehung hat die Gemeinschaft wirklich Fort—
schritte gemacht und sich gebessert? 1. In ihren
äußenn Einrichtungen zur erfolgreichern Be⸗
treibnug des ihren Händen empfohlenen Wer—
kes, hauptsächlich durch die Verbesserung ihrer
Kirchenordnung und kirchlichen Regierung in
manchen Stücken; obwohl auch hierin, nach
unserm Dafürhalten, einige Stücke verschlech⸗
tert anstatt verbessert worden sind; durch die
förmliche Einführung der Missions-, Sonntag⸗
schul- und Tractatsache, die Ausdehnung ihrer
Druck⸗ und Buchanstalt, und in den letzten
Jahrzehnten durch die Einführung höherer
Lehranstalten aꝛc. Auch in finanzieller
Beziehung hat sie große Fortschritte gemacht
durch die größere Freigebigkeit ihrer Glieder
überhaupt, indemzur gegenwärtigen Zeit manche
arme Dienstmagd weit mehr zu kirchlichen
Unternehmungen beiträgt, als früher mit nur
geringer Ausnahme die wohlhabendsten Glieder
beitrugen. 2. In Bildung, Kenntnissen
und Wissenschaft hat die Gemeinschaft über—
haupt, besonders ihr Ministerium, wenn auch
nicht rassche und dem Bedürfniß völligzent⸗
sprechende, doch wirkliche und in manchen
Fällen lobenswerthe Fortschritte gemacht.
3. Im Predigen, was System und
Ordnung betrifft, sowie in den gottesdienst⸗
lichen Uebungen überhaupt, besonders in Bezug
auf den Gesang, haben an manchen Orten
große Verbesserungen stattgefunden — leider
aber bleibt auch hierin noch Manches zu ver⸗
bessern übrig. — Zweitens. In welchen
Stücken aber muß eingestanden werden, daß die
Gemeinschaft Grund verloren und rückwärts
gegangen ist? 1. Es kann nicht geleugnet
werden, daß sie wenigstens zum Theil an ihrer
frühern Einfachheit verloren und mehr welt⸗
förmig geworden ist. Geben wir auch zu, daß
früher in gewissen Fällen das andere Extrem
obwaltete, und daß man in Lehr und Unterricht
zuweilen zu viel Nachdruck auf einfache Tracht
und Lebensweise legte, so ist doch nicht zu ver⸗
kennen, daß während des letzten Vierteljahr⸗
hunderts und insbesondere während der letzten
fünfzehn Jahre die Weltförmigkeit besonders in
der Kleidertracht und im gesellschaftlichen Um⸗
gang gefahrdrohende Fortschritte gemacht hat.
2. Zum Andern ist auch nur zu klar, daß der
frühere Ernst und Eifer im Gottesdienst
bei sehr Vielen unter uns nicht mehr vorhanden
ist. 3. Das Predigen, obwohl systematischtz
und ordnungsmäßiger, ist im Ganzen nicht
mehr so glaubens- und kraftvoll,
und das Vermahnen, wodurch oft die besten
Wirkungen hervorgebracht wurden, ist an man⸗
chen Orten beinahe ausgestorbeu, ausgenommen
daß vielleicht zuweilen bei Betstunden noch lauge,
trockene, ermüdende und abstumpfende Vermah⸗
nungen stattfinden, die aber viel besser unter⸗
bleiben würden. Freilich gab es von vorn
herein einige sehr mangelhafte und stumpfe
Prediger, welche der Gemeinschaft keine Ehre!
waren — überhaupt aber war das Predigen
gesalbter und wirksamer, als es in der
neuesten Zeit ist. 4. Die Erweckungen und
Bekehrungen sind in der Regel nicht mehr so
tief und gründlich, als sie früher waren.
Die Ursache davon ist ohne Zweifel, theils,
weil manche Prediger selbst nicht so tief und
gründlich bekehrt worden sind, als es früher der
Fall war, und theils, weil zu vielen derselben
die rechte Salbung und Kraft zum Predigen
mangelt. Heutzutage rechuet man an vielen
Orten zum voraus darauf, daß wenigstens dit
Hälfte der vorgeblich Bekehrten im Verlaufe
einiger Monate oder höchstens in einem Jahre
abgefallen sein werden — und bekümmert sich
leider auch nicht sehr viel darum! 5. Die
Kinderzucht wird nicht mehreso sorgfältig beob⸗
achtet und angewendet, als dies in früherer Zeit
geschah. Dies ist vielleicht einer der größten
Fehler der Gemeinschaft in unsern Tagen.
Einige Prediger vernachlässigen dieselbe bei⸗
nahe gänzlich, während andere sie sehr mangel⸗
haft handhaben, und somit wird der Sünde und
Ungerechtigkeit Thür und Thor geöffnet und
nehmen dieselben je mehr und mehr überhand,
wie es leider in den alten Kirchen geschah, wo
die Zucht vernachlässigt wurde! — Es ist jetzt
noch nicht zu spät, die wirklich eingeschlichenen
Uebel und Vernachlässigungen meistens, wenn
nicht alle, zu beseitigen und einen bessern Stand
der Dinge wieder herzustellen. Wird aber noch
viel länger mit dieser Sache gezandert, so folgen
wir sicherlich den meisten der ältern Kirchen
zum Verfall und Verderben.“ — So erfahren
denn die neueren kleinen Secten, die sich von
den älteren kirchlichen Gemeinschaften, weil sie
so todt und weltförmig geworden seien, abge⸗
sondert und eine neue Gemeinschaft gebildet
hatten, daß sie nur zu bald demselben Verderben
verfallen sind, obwohl sie darauf ausgingen,
eine ganz reine Kirche zu etabliren. W.
Aus den russischen Ostseeprovinzen
erzählt die „Evangelische Kirchenzeitung“ von
einer eigenthümlichen Bewegung der esthnischen .
und lettischen Bauern, die vor 20 Jahren durch
Vorspiegelung irdischer Vortheile zum Ueber⸗
tritt in die griechische Kirche verlockt wurden.
Ihrer sind jetzt mehr als 150,000, und der
größere Theil derselben ist in Verzweiflung
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