Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 23, Nummer 3 › Seite 22
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1. Oktober 1866, Seite 22
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Papſttum 140
Lande, denn auf die feste Burg des HErrn
bauen. Er möge endlich die Unterthanen vor
drückenden Schatzungen sichern, den Frevler mit
Strenge züchtigen, den Dienern nicht vorent⸗
halten, was ihres Lohnes sei. „Dieß setze und
schreibe ich darum, daß ich Dich lehre und
erinnere, Deine Zuversicht und Vertrauen auf
keinen Menschen zu setzen oder darauf zu trotzen,
sondern allein auf GOtt zu bauen und zu ver⸗
trauen und Seine Gebote und Worte zu halten.
Wenn Du nun, mein lieber Sohn, GOtt fürch⸗
ten und Seine Gebote halten wirst, so wird Er
Dir auch so gnädiglich Beistand und Wohl thun.
Thätest du ader Solches verachten, so gedenke
nicht, daß Du mich als einen Menschen, sondern
Deinen lieben GOtt selbst verachtet habest.
Solches merke mit Fleiß, denn ich's wahrlich min
Dir, als meinem lieben Kinde, das ich fur
ewigem und zeitlichem Verderben und Unglück
gerne verwarnet und behütet seben wollte,
freundlich aus getreuem herzlichem Gemüthe gut
meine und hoffe, Du werdest als ein frommer
Sohn mir, als Deiner lieben Frau Mutter,
hierin folgen und bedenken, wie minterlich ich
Dich durch Deinen Magister habe unterweisen
lassen, auch wie ich selbst in eigener Person und
durch diese schrifiliche Ermahnung, was zur
Gorrseligkeit dienlich und zum fürstlichen Wohl⸗
stande bequem, Dir angezeiget. Habe auch solch
Buch mit eigener Hand Dir zugeschrieben von
Anfang bis zum Ende; darum wollest Du es
nicht unter der Bank liegen lassen, sondern oft
lesen und Dir in Deinen Sinn und Gemüth
bilden und darin behalten.“ (Stgsb.)
Ein junger westlicher Prediger.
Salomo gibt den Rath, zuweilen dem Narren
nach seiner Narrheit zu antworten, daß er sich
nicht weise lasse dunken. Die Grundsätze, welche
die Ungläubigen aufstellen, erscheinen bei ge⸗
höriger Anwendung oft sehr lächerlich. Davon
ein Beispiel.
Nahe bei dem Alleghany-Gebirge saß einst
ein ungläubiger Richter mitten im Kreise seiner
Freunde, machte sich lustig über die Schöpfungs ·
geschichte des Menschen, wie die Bibel sie gibt,
und versicherte, daß der Mensch durch Zufall
entstanden sei. „Wer weiß,“ sagte er, „ob nicht
Einige von uns schon früher als unvollkommnere
Wesen existirt haben, und zuletzt — da ja die
Natur immer im Fortschritt zur Vollkommenheit
begriffen ist —Menschen geworden sind; Andere
traten auf andern Wegen und Weisen ins Leben;
und wenn wir jetzt noch ein reiches jungfräuliches
Land finden könnten, welches noch un verdorben
von des Menschen Hand wäre, so sollte es mich
nicht wundern, wenn Menschen auf den Bäumen
wüchsen.“ Da er fließend war in der Rede,
und mit großem Selbstvertrauen seine Sache
vorbra bte, auch in andern Stücken höher stand
als seine Zuhörer, so wußte er seine Lehren
ziemlich plausibel zu machen und fragte bald
Diesen, bald Jenen in der Gesellschaft, was er
zu seinen Ansichten sage? Natürlich Alle äußer⸗
ten sich beifällig. Endlich wandte er sich auch
mit seiner Frage an einen jungen Unbekannten,
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der schweigend in einem zurückgezogenen Winkel
saß. Dieser antwortete: „Mein Herr, ich hege
durchaus keinen Zweifel mehr über diesen Gegen⸗
stand, denn ich habe lange in dem fruchtbarsten
Theile von Texas gereiset. Dort sah ich den
Urwald in seiner ursprünglichen Vollkommenheit,
unberührt von der zerstörenden Hand des Men⸗
schen, da habe ich große Schweine auf den Bäu⸗
men wachsen sehen. Der Rüssel bildet die
äußerste Spitze des Baumes, wie die Form des⸗
selben einem Jeden zeigt. Ich habe nun selbst
gesehen, wie sie, sobald sie reif waren, abfielen,
und gleich ans Werk gingen, die Eicheln zu
fressen, die auf demselben Baume gewachsen
waren.“ Diese einfache Anwendung seiner eige⸗
nen Grundsätze wandte das Gelächter seiner
Freunde gegen den Richter und war ein hin⸗
reichendes Gegengewicht gegen das Unheil, we⸗
ches er durch seine Reden hätte anrichten können.
(Clergy of America.)
Trostlosigkeit des Unglaubens.
Nachdem allein am 3. und 4. Juli 1849 in
St. Louis nach den Gottesackerberichten 267
Personen meistean der Cholera gestorben waren,
als unsere Stadt noch kaum die Hälfte der jetzi⸗
gen Einwohnerzahl (202,000) hatte, da fügte
der alte Anzeiger des Westens in seiner
Nummer vom 6. Juli, die noch vor uns liegt,
der von ihm gegebenen Begräbnißliste wörtlich
folgende Erklärung hinzu:—
„Wer will — wer kann in der gegen⸗
wärtigen Zeit Trost geben — wer Trost
empfangen? Wir wüßten keinen zu
spenden, wir wüßten auch keinen,
der uns zufriedenstellen kann. —
Verluste — Opfer — Schmerzen, das war
das Loos eines Jeden in diesen Tagen; —
Besorgniß, — Beklemmung, — Hoffnungs⸗
losigkeit, — das ist es, was allerwegens herrscht
und uns entgegentritt.“ —
So trostlos offenbart sich der Unglaube
gerade in der Zeit, wo der Mensch vor allem
des Trostes bedarf und wo der Glaube an das
verachtete Evangelium seine Welt, Noth und
Tod überwindende Himmelskraft zeigt und
seine herrlichsten Triumphe feiert. O Mensch,
der du in deinen guten Tagen im Unglauben
sicher und sorglos dahingehst, bedenke, es wer—
den auch für dich Stunden kommen, in welchen
du des Trostes bedarfst! Dann wird auch dich
dein Unglaube im Stiche lassen, und du wirst
erfahren, daß allein der Christenglaube auch in
der größten, selbst in der Todes noth an wahrem
Troste nicht leer läßt. W.
Füllsteine.
Der jüngste Tag kommt nicht eher, als bis
dreierlei erfüllt ist, nämlich zum Ersten die Zahl
der Auserwählten, zum Andern die Kreuzesgestalt
der Kirche, zum Dritten die Bosheit der Welt
Das Licht der Erkenntniß und die Uebung der
Gottseligkeit, sonderlich der Liebe stehen immerdar
in heilsamer und gesegneter Wechselwirkung. Je
mehr das Eine zunimmt, um so mehr auch das
Andere; aber auch umgekehrt.
Kirchliche Nachricht.
Nachdem Herr Pastor F. T. Körner, bisher
Hilfsprediger der Gemeinde in New York,)
einen ordentlichen Beruf von der deutschen ev.⸗
luth. St. Johannes-Gemeinde in Harlem,
N. Y., erhalten und angenommen hatte, ist ver⸗
selbe am 13. Sonntag nach Trinitatis dem
vom Präsidio erhaltenen Auftrage gemäß von
mir unter Assistenz des Herrn Past. J. Renz
in seine neue Gemeinde eingeführt worden.
Möge der treue Gott die Arbeit des neuen
Kirchendieners mit reichem Segen krönen.
F. W. Föhlinger.
Rev. F. T. Körner,
cor. of 3d ave. & 122d st.,
Harlem, N. X.
Adresse:
Missionsfest.
Es ist uns endlich nach wiedererlangtem buͤr⸗
gerlichem Frieden mit Gottes Hülfe gelungen,
im Westen unseres schönen Missouri am drei⸗
zehnten Sonntage nach Trinitatis das erste
Missionsfest zu feiern, woran, außer den bei⸗
den Gemeinden des Uuterzeichneten, die beiden
Gemeinden des Past. Mießler in Cole Camp
und von Fibo, die Gemeinde des Past. Biltz in
Lafayette Co., etwa 50 Meilen entfernt, und
die Gemeinde des Past. Jüngel in Cooper Co.
Antheil nahmen. Am ersten Festtagmorgen
hielt Past. Th. Mießler eine herrliche Predigt
über die zweite Bitte des Vaterunser, und am;
Nachmittag erfreute uns Past. Biltz mit eine
missionsgeschichtlichen Vortrag, an Jes. 60,
1—3. anknüpfend. Am zweiten Festtagmorgen
zeigte uns Past. Sandvob in einer Predigt über;
innere Mission, daß sich unsere Liebe auch nach
unsern verwahrlosten Glaubensbrüdern aus⸗
strecken müsse, wobei derselbe 1 Cor. 1, 9. zu
Grunde legte, und am Nachmittage folgte von
Past. Jüngel eine sehr passende Schlußpredigt
über 1 Pet. 1, 13. Etwa 900 bis 1000 Gäste
waren anwesend. Am ersten Tage betrug die
Collecte 5113, die für äußere und innere Mission
gleich getheilt werden soll; am zweiten betrug
sie 547.25 für unser Proseminar in Steeden.
Die Festfreude wurde noch erhöht durch einigt
vierstimmige Gesangstücke unter Leitung des
Lehrers Herrmann. Daß die Festgenossen von
der Gemeinde des Unterzeichneten mehrmals
gespeist und beherbergt wurden, soll nur kurz
erwähnt werden.
Beuton County, Mo., September 1866.
S. M. Hahn.
Kircheinweihungen.
Am vierzehnten Sonntag nach Trinitatis
hatte die ev.⸗lutb. St. Johannis-Gemeindt
in Secor, Woodford Co., Ill., einen großen
Freudentag, indem sie an diesem Tage ihr neu⸗
erbautes Kirchlein dem Dienste des dreieinigen
Gottes weihen konnte. Gegenwärtig und dabei
thätig waren, außer dem unterzeichneten Pastor
der Gemeinde, die Hrn. Pastoren F. W. Schmitt,
P. Heid und G. Reisinger. Ersterer hiel
die Festpredigt über das Kirchweihevangelium
Luc. 19, 1—10., nachdem zuvor Hr. Pastor Heid
das Weihgebet gesprochen hatte. Am Nach⸗
mittag hielt Letztgenannter eine englische Pre⸗
digt über Luc. 19, 10., welche von vielen Eugli⸗
schen mit großer Aufmerksamkeit angehört wurde.
Des Abends fand wieder Gottesdienst statt, und
Hr. Pastor Reisinger predigte über Ps. 26, 6—8.
Die Festlichkeiten dieses Tages wurden geschloß⸗
sen mit der Austheilung des heil. Abendmahls.
Auch der Säugerchor aus der Gemeinde des
Herrn Past. Heid hatte uns mit seinem Besuche
beehrt und durch die mehrstimmigen und wohl⸗
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