Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 23, Nummer 3 › Seite 21
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1. Oktober 1866, Seite 21
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Wort Gottes 13 · Staatsſchule
uͤber den Schritt, den sie gethan haben.
Nameutlich ist es die heranwachsende zweite
Generation, welche um jeden Preis den Aus⸗
tritt aus der griechischen und den Eintritt in
die lutherische Kirche verlangt. Tausende und
aber Tausende haben ihren Priestern, haben dem
Delegirten des Kaisers, Grafen Bobrinski,
haben endlich dem Erzbischof von Riga auf sei—
ner Rundreise feierlich und öffentlich erklärt,
sie wollten nichts wissen von der griechischen
Kirche, sie hätten nie ihre Lehren gekannt, noch
geglaubt, nie ihre Ordnungen befolgt, nie ihren
Cultus verstanden; sie seien immer und zu allen
Zeiten Lutheraner gewesen, hätten alle geist—
liche Nahrung aus den lutherischen Bibeln,
dem lutherischen Gesangbuche, der lutherischen
Predigt geschöpft; sie wollten ihre Kinder im
lutherischen Glauben unterweisen lassen, man
müsse ihnen gestatten, die Schuld ihres Abfalls
noch vor dem Tode gut zu machen durch reu⸗
müthige Rückkehr zu ihrer schwergekränkten
Mutterkirche. Sonntag für Sonntag bedrän—
gen diese sogenannten „griechischen“ Esthen die
lutherischen Pastoren; sie flehen sie an, ihnen
trotz aller Verbote die Absolution zu ertheilen
und das Abendmahl zu reichen; die Sünde der
Verleugnung könne doch nicht in alle Ewigkeit
gestraft werden. Die Kinder derselben bitten
unter Thränen um Aufnahme in die lutheri⸗
schen Schulen; sie hätten ja auch ein Recht auf
das Wort Gottes. Die älteren Kinder dringen
trotz aller Warnungen der lutherischen Pastoren
in die Confirmandenstuben und lassen es darauf
ankommen, daß man lutherischerseits Gewalt
brauche, sie fortzutreiben.
Mission. In London bei den schristlichen
Versammlungen im Mai d. J. erregten beson—
deres Interesse die Missionare Edwardes aus
Ostindien und Ellis ans Madagascar. Von
Madagascar erzählte Ellis: Vor 35 Jahren
wurden die ersten 20 Madagassen getauft, jetzt
gibt es in der Hauptstadt 8 christliche Versamm-⸗
lungen mit 12,400 Hörern und 2000 Communi⸗
canten und 200 Katechumenen. In den Dör⸗
fern nahe der Hauptstadt sind 16 Filialkirchen
mit 882 Communicanten; 100 englische Meilen
von der Hauptstadt 8 Gemeinden mit 126 Com⸗
municanten, 200 Meilen von da 2 Gemeinden
mit 100 Communicanten; im Ganzen etwa
3000 Communicanten und sechsmal so viel
Getaufte, da man mit der Zulassung zum
Abendmahl es sehr streng nimmt. — Die Kö—⸗
nigin hat sich gegen die Königin Victoria ver⸗
pflichtet, keine Christenverfolgung mehr Statt
sinden zu lassen. (Monatsschrift.)
Sonnabends und Sonntags.
Sonnabend. Schnee, Regen, Wind und
Morast.
„John! es ist ein sehr unangenehmer Morgen,
hüll dich gut ein und hüte dich vor Erkältung.“
„O! ängstige dich nicht meinethalben, ich ziehe
meinen wasserdichten Oberrock an, dicke Stiefeln
dazu, und arbeite mich durch. Soll's einmal
naß Wetter sein am Sonnabend, so ist nichts
dabei zu thun, als daß mans mit dem Wetter
aufnimmt.“
Sonntag. Schnee — Regen — Wind
und Morast.
„John! es ist wieder ein sehr unangenehmer
Morgen; ich denke, du machst dich nicht heraus
die sen Morgen.“
„Nein, ich denke, es wäre unrecht. Es ist ein
echtes Erkältungswetter. Wirklich, man muß
sich in Acht nehmen; es wäre unrecht, wenn
man solchem Wetter Trotz bieten wollte.“
Sonnabend. „Du siehst diesen Morgen
so angegriffen aus, John!“
„Pah! Thorheit! nicht der Rede werth; man
muß sich nicht gleich so gehen lassen. Ich habe
viel zu thun heute, der Markt wird gut sein, und
ich muß so viel daraus machen, als ich kann.“
Sonntag. „Du siehst diesen Morgen so
angegriffen aus, John!“
„Ja, ich fuͤhle auch sehr angegriffen. Ich
denke, es ist besser, ich ruhe mich heute aus, statt
zur Kirche zu gehn. Ein Schläfchen auf dem
Sopha wird mir gut thun. Freilich — es wird
heute üuber einen sonderlichen Gegenstand ge⸗
predigt — ich denke eben daran. — Aber wer
kanns helfen!“
Sonnabend. „O Herr Schmidt! Es thut
mir leid, daß ich so spät komme! — Aber hier ist
ein Herr, der bei Ihnen eine Güterbestellung zu
machen wünscht. Sie sind gewiß müde heute
Abend, ich kann mirs denken. — Indessen —
„O durchaus nicht, nicht im Geringsten! Ich
werde in einem Augenblick da sein, ich bin noch
nie so wenig ermuͤdet gewesen! In der That,
ich komme mit dem größten Vergnügen.“
Sonntag. „O Herr Schmidt! Es thut
mir leid, daß ich Sie störe, aber wir müssen
durchaus einen Lehrer haben diesen Nachmittag.
Wollten Sie nicht so gütig sein? Sie sind muͤde,
ich kann mir's denken, aber es gilt ja eine gute
Sache.“ —
»Nun — in der That — nein, ich kann nicht,
ich bin völlig erschöpft, Sie müssen versuchen,
einen andern zu finden, der nicht so über die
Maßen beschäftigt ist die Woche hindurch.“
Sonnabend. „Herr Schmidt, es ist
heute Abend eine Versammlung von Bürgern,
um einige wichtige Verbesserungen in Berathung
zu ziehen. Der Mayor hofft Sie auch dort zu
finden.“
„Danke Ihnen, — versteht sich, mit dem größ⸗
ten Vergnügen, obgleich es mein geschäftsvollster
Abend ist.“
Sonntag. „Herr Schmidt, wir haben
eine Betstunde heute Abend. Sie wissen, welche
besonders wichtige Dinge wir heute vor den
Gnadenthron zu bringen gedenken. Sie werden
doch auch kommen?“
„Danke Ihnen.
gut möglich sein.“
Nein, es wird mir nicht
(Christian World.)
Wie eine fürstliche Mutter ihren Sohn
ermahnt.
Herzog Erich I. von Calenberg-Göttingen
war am 26. Julius des Jahres 1540 gestorben.
Er, der Luthern, nachdem derselbe in Worms vor
Kaiser und Reich gestanden und furchtlos geredet
hatte, einen Krug Einbecker Bier zur Erquickung
sandte, worauf Luther den Wunsch ausge⸗
sprochen: „Wie Herzog Erich meiner gedacht hat
in dieser Stunde, so gedenke unser HErr Christus
seiner in der Todesstunde“ — er hatte noch in
seinem letzten Stündlein der Worte gedacht und
von dem neben seinem Bette stehenden Edelkna⸗
ben, Franz von Cramm, begehrt, daß er ihn mit
evangelischem Troste erquicke. In Münden liegt
er begraben. Seine fromme Gemahlin Elisa⸗
beth übernahm die vormundschaftliche Regierung
fuͤr den zwölfjährigen Sohn Erich. So hatte es
ihr Gemahl Erich gewollt, und so wollte es ihr
mütterliches Herz für ihren Sohn und das Land,
das ihrer Sorge anvertraut war. Denn es galt
die neue Lehre einzuführen und zu beschirmen vor
mächtigen Feinden und Widersachern, und hätte
die fürstliche Frau nicht den rechten Beistand und
Nothhelfer gekannt, sie würde gewiß nicht die
Zügel der Regierung in jenen bösen Zeiten er⸗
griffen haben. Aber wie hat die fromme Frau
auch gewacht und gebetet, daß dem „alten, bösen
Feinde“ nicht gelingen möge, die kaum aufze⸗
schossene Saat des Evangeliums zu zertreten und
die zarten Keime der neuen Lehre zu ersticken! Und
wie sorgsam leitete sie auch die Unterweisung ihres
Sohnes in den Lehren der heiligen Schrift! Mit
eigener Hand schrieb sie ein Büchlein voll golde⸗
ner Spruche, die dem fürstlichen Jünglinge seine
Pflichten als Landesherr und evangelischer Christ
frühzeitig vor die Seele führen sollten. Sowohl
zu Hause, als auf Reisen wurde er von der from⸗
men Mutter zu täglichem Gebet, sonderlich vor
und nach der Mahlzeit, angehalten, sodaß einst
der würdige Joh. Spangenberg voll Verwun⸗
derung hörte, wie der junge Erich und sein Vetter
Georg von Mecklenburg deytsche und lateinische
Psalmen laut beteten. Als einst Elisabeth in
Wittenberg auch den Dr. Luther zur Tafel laden
ließ, erquickte auch er sich an der Herzöge Gebet
und eindringend sprach er zur Mutter, daß sie
also fortfahren möge, weil nur Gebet die fürst⸗
lichen Jünglinge vor dem Argen bewahren könne.
Das wußte die hohe Frau gar wohl. Darum
hat sie es auch ihrerseits daran nimmer fehlen
lassen. — Als nun Erich II. im Jahre 1546
selbst die Regierung uͤbernahm, da übergab ihm
seine Mutter die für ihn niedergeschriebene An⸗
weisung, welche ihn durch die Wirren des Lebens
zum Frieden und zum Quell alles Trostes hin⸗
leiten sollte. „Ich will,“ heißt es darin, mein
Gewissen für Gott und manniglich am juͤngsten
Gericht gefreiet haben, und obwohl unser Rath
nicht allzeit gleich scharfsinnig und geschwinde
ist, so soll er Dir doch, will Gott, ehrlich und
nützlich sein.“ Dann ermahnt sie ihn, ssch
GOttes Wort befohlen sein zu lassen, ein feuriges
Herzn gegen die Uebertretung Seiner Gebote zu
hegen und nimmer zu wähnen, daß es um den
Glanben ein gering Ding sei. Er möge die
Klosterleute milde behandeln, ihre Einkünfte nur
zu frommen Zwecken verwenden, über die Pfarr⸗
güter wachen, die alten Diener ehren, seine Habe
nicht vor den Bittenden verschließen. Er solle
sorgen, daß ein säuberliches Recht in seinen Ge⸗
richten gesprochen werde, der Armen Klage selbst
hören, der Räthe Spruch beachten, Schmeichler
verstoßen, weniger auf die starken Häuser im
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