Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 23, Nummer 6 › Seite 46

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. November 1866, Seite 46

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haben oben gesehen, wie übel sie die lutherische
Kirche tractirt und verrathen haben. Gegen
sie, die hier anch Saeramentirer ge⸗
nannt werden, wird nun die Lehre der Augsb.
Confession über das heil. Abendmahl weitläufig
erklärt und einmüthig bekannt: daß die Ein⸗
setzungsworte Christi in keinem andern Ver—
stande zu nehmen seien, als wie sie lauten, und
daß daher im heil. Abendmahle
der wahre Leib und Blut Christi
wahrhaft gegenwärtig sei, in,
mit und unter dem Brod und Wein
ausgetheilt, und mündlich em⸗
pfangen werde, und zwar von
Allen, die daran Theilnehmen,
sie seien gläubig oder ungläu⸗
big, von jenen aber zur Selig⸗
keit, von diesen zum Gericht; dieß
wird sodann aus allen Sprüchen nachgewiesen,
die vom heil. Abendmahle handeln. Gottes
rechte Hand, heißt es ferner, ist allenthal⸗
ben, daher Christus nicht räumlich im
Himmel eingeschlossen ist; ja weil er wahrer
Gott und Mensch in Einer Person ist, so muß
auch sein Leib allenthalben sein, denn Gott ist
allenthalben. Daran dürfe man sich nicht
stoßen, denn Gott habe noch andere Weisen,
an einem Ort zu sein, als nur die räum⸗
liche. Das mündliche oder leibliche Essen
und Trinken Christi im Abendmahle geschehe
nicht auf eine fleischliche, capernaitische Weise,
sondern auf eine übernatürliche, himmlische
und unbegreifliche Weise. Die schwachgläu⸗
bigen Christen, die aber ihre Sünden bereuen,
empfangen das Abendmahl nicht zum Gericht,
unwürdig sind nur die, welche Christum
nicht als ihren Heiland annehmen; würdig
wird man nicht durch eigene Berei⸗
tung, sondern allein durch das
Verdienst Cbristi, das man im
Glaubenergriffen hat.
(Fortsetzung folgt.)

Zur kirchlichen Chronik.

Ohio⸗Synode. In der letzten Num⸗
mer vorigen Jahrgangs des „Lutheraner“ er—
laubten wir uns die Bemerkung, daß die der
Ohio⸗Synode vorgelegten Thesen über Kirche
und Amt, unter anderen sogleich die erste, zwei⸗
deutig gestellt und daher nicht geeignet sein,
einer rechtschaffenen Lehreinigung zur Grund—
lage zu dienen. Aus der „Lutherischen Kir—
chenzeitung“ vom 1. November ersehen wir
nun zu unserer großen Freude, daß die liebe
Ohio⸗-Synode wichtige Veränderungen mit
den Thesen selbst vorgenommen und z. B. die
erste These so geändert hat, daß jene Mehr—
deutigkeit daraus entfernt ist. Sie lautet nehm—
lich nun, wie folgt: „Es muß nach unsern Be⸗
kenntnissen allezeit Eine, heilige, christliche
Kirche sein und bleiben, die da ist die Versamm⸗—
lung (Gemeine) aller Gläubigen; die Kenn⸗
zeichen sind reines Wort und Sacrament, woran
man Beides, das Vorhandensein der Kirche
überhaupt erkennen, und die wahre von der
falschen unterscheiden kann.“ Die Discussion
über die Kirchenfrage nahm drei ganze Tage

in Anspruch. Das Resultat war ein einstim⸗
miges. Die Thesen über das Amt sollen auf
der nächsten regelmäßigen Sitzung besprochen
und dazu wieder die ersten drei Tage verwendet

werden. Möge der HErr denn der Synode
die Gnade geben, auch über diesen Punct zu
einerlei Rede in Einem Sinn und in einerlei
Meinung nach Gottes Wort und dem Bekennt—
niß der Kirche zu gelangen. Weit entfernt,
der Ohio⸗-Synode die Siege, welche die Wahr—
heit in ihr feiert, zu mißgönnen, so freuen wir
uns vielmehr über dieselben nicht minder, als
wenn sie unter uns selbst davon getragen wor⸗
den wären; nicht aus „Eroberungsgelüsten,“
sondern weil wir eine Gemeinschaftlichkeit
nicht nur aller Güter und Gaben, sondern
auch aller Leiden, Wunden, Kämpfe und Siege
der Kirche glauben. W.
Die Presbyterianer (alter Schule)
zu St. Lonis haben sich getrennt. 7 Prediger
und 3 Aelteste blieben bei der presbyterianischen
Generalsynode und 10 Prediger und 10 Ael⸗
teste haben sich mit denen verbunden, welche die
Politik nicht in die Kirche eingeführt haben
wollen. Auch die presbyterianische Synode
von Kentucky theilte sich auf ihrer jüngst gehal—
tenen Sitzung; 57 Glieder erklärten sich zu
Gunsten der General-Assembly und 99 unter⸗
stützten das Louisville-Presbyterium in seiner
Verwerfung einer Vermischung der Religion
mit politischen Partei-Ansichten. Die presby—
terianische Gemeinschaft bietet mit der metho⸗
distischen das traurige Schauspiel dar, daß in
einer Kirche selbst nach dem Kriege der politische
Partei⸗Fanatismus noch immer fort brennt,
und es nicht achtet, daß darüber die Kirche
gespalten und das religiöse Interesse darin
verschlungen wird. W.
Klage, Mahnung und Strafe
eines Predigers in Deutschland.
„Aehnlich wie der Pabst thun auch die luthe—
rischen Fürsten. Auch sie haben in den luthe—
rischen Landeskirchen die Gewalt des Kirchen—
regiments an sich gerissen, sie geben darin Ge⸗
setze und diese Gesetze müssen höher gelten als
Gottes Wort — das heißt recht, dem HErrn
Christo ins Hohepriesteramt greifen und neh—
men, was sein ist. Zum Andern haben auch sie
den Pfarrern und Gemeinen das Schlüsselamt
genommen nud so durch den Raub der Gewalt,
die den Kirchen und Gemeinen zugehört, ins
Priesteramt der Pfarrer und Gemeinen ein⸗
gegriffen. Welch ein Jammer ist daraus ge—
folgt! welche Verweltlichung der Kirche! Ja
sie ist als Landeskirche an den meisten Orten
eine gehorsame Dienerin der weltlichen Macht
geworden. Die freie Herrin Sara hat sich zur
Sclavin Hagar erniedrigt. Sie hat sich von
Menschen befehlen lassen, was in ihr geglaubt,
gepredigt, gehandelt werden soll — und darüber
ihres Hauptes, des HErrn Christi, vergessen.
Welch ein Jammer ist das! O ihr Christen
allesammt — auf, wachet auf! Was lasset ihr
euch nehmen eure priesterlichen Rechte? Ihr
habt aus Gottes Wort das Recht und die
Macht, alle Lehre zu prüfen, die rechten Lehrer
allein anzunehmen, die falschen Propheten und
Fremden zu verwerfen — ihr braucht, nein ihr

sollt und dürft keinen falschen Propheten als
Pfarrer unter euch leiden, ihr müßt diese Men⸗
schen fliehen und von ihnen ausgehen. Ihr
habt das Recht und die Macht, das Schlüssel⸗

amt zu üben — wohlan, so übt es auch —!

laßt euch doch nicht durch eine anmaßliche Men⸗
schengewalt abhalten, Gottes Willen zu thun
und euer Recht zu gebrauchen! Wohl her, be—
kennet doch Gottes Wort und gebt Gott allein
die Ehre. Ihr habt Recht und Macht, euch in
der Kirche nicht durch Menschensatzungen tyran⸗
nisiren zu lassen, ihr sollt vielmehr wahren eurt
evangelische Freiheit, die euch Christus theuer
erkanft hat. Nun, warum thut ihr es nicht?
Ist euch die Knechtschaft so viel lieber und an⸗
genehmer als die Freiheit? Warum laßt ihr
euch wieder fangen unter das knechtische Joch
des Buchstabens? Im Geist habt ihr es an⸗
gefangen — wollt ihr es im Fleische vollenden?
Ihr sprecht: „ja wir haben die Verantwortung
dafür nicht, die hat die Obrigkeit.“ So? 4
meint ihr? O weit gefehlt! Was dir Christus,
dein HErr, geschenkt hat in seinem heil. theu⸗
ren Verdienste, das darfst du dir nicht nehmen
lassen. Lässest du dir es nehmen, so ist es
deine Schuld und deine Verantwortung, denn
ohne deinen Willenn kan dirs Niemand neh⸗
men. Du sollst ja lieber Alles leiden und
Christi Kreuz tragen als Christum und sein Lei⸗
den und Kreuz verleugnen und hassen. Du
wirst am jüngsten Tage einmal Rechenschaft ab⸗
legen müssen davon, wie du mit deinem Pfunde
gewuchert hast, und diese Rechnung kann Nie⸗
mand für dich abmachen. Du selber und kein
Anderer wird dafür einstehen müssen. Wenn
dich der HErr einmal fragt: warum bist du bei
deinem falschlehrenden Pfarrer geblieben ud
nicht von ihm ausgegangen? — was willst du
dann sagen? Willst du sprechen: ja lieber
HErr, den hat uns die Obrigkeit gesetzt, die hat
die Verantwortung: — so wird der HErr zu
dir sagen: Ja die Obrigkeit will ich auch schon
fassen, die entgeht mir nicht, aber jetzt hab ichs
mit dir zu thun. Du, du, antworte, warum
hast du mir nicht Gehorsam geleiftet? Da wirst
du Nichts darauf sagen können, du bist am
Ende ein fauler Knecht, der keine Entschul⸗
digung hat. Dein Gewissen straft dich, du
hast's ja aus Gottes Wort gehört, daß man
falsche Lehrer fliehen soll, unangesehen Kaiser,
König, Pabst, Vater und Mutter. — Du hast's
nicht gethan und nun verstummst du! O Seele,
erschrick vor deiner Verantwortung, die so
drohend dich erwartet, und handle als ein klu⸗
ger Haushalter mit deinem Gut! ö
Oder sprichst du: ja, die Obrigkeit zwingt
uns, bei unserm Pfarrer zu bleiben. Wir
müssen wohl! — So? ein Christ muß solches
nicht müssen. Wo steht denn geschrieben, daß
die Obrigkeit über Gott wäre? Oder daß man
ihr mehr gehorchen muß, als Gottes Wort?
Ich lese gerade umgekehrt, nämlich, daß die
Obrigkeit unter Gott ist, und daß man Gott
mehr gehorchen soll, als den Menschen. — Ja,
sprichst du, das ist ein übel Ding, denn die
Obrigkeit hat Zwangsmittel, Geldstrafen, Ge⸗
fängniß, Schwert u. s. w. Ach so, willst du da

hinaus? Ja freilich, wenn du dich vor Men⸗

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