Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 23, Nummer 18 › Seite 138

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. Mai 1867, Seite 138

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Chiliasmus 3 · Unzucht

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Auslegung des Heiligen Geistes ist auch diese
Nach Apg. 2, 25—36.,
34. hat Christus nämlich

bestiegen, n lich nicht einen goldenen oder
elfenbeinernen Stuhl, sondern den „Stuhl der
Majestät im Himmel“ zur Rechten Gottes,
Hebr. 8, 1., wovon Davids irdischer Königs⸗
thron nur ein schwaches Abbild war. Denn dort
weis't Petrus in seiner Rede am Pfingsttage
Rach, die dem David geschehene Verheißung,
„daß die Frucht seiner Lenden sollte aus seinem
Stuhl sitzen“, sei dadurch erfüllt, daß IEsus
auferstanden, gen Himmel gefahren sei und sich
zur Rechten Gottes gesetzt habe. Darum schließt
er auch V. 36. mit den Worten: „So wisse
nun das ganze Haus Israel, daß Gott diesen
IEsum, den ihr gekreuzigt habt, zu einem
HErrn und Christ gemacht hat“, „zu einem
Fürsten und Heiland erhöhet hat“,
Cap. 5, 31. Hiemit erklärt also der Heilige
Geist offenbar, daß Christus seine volle Regie⸗
rung als König bereits angetreten habe.

2. Von der Herrlichkeit Israels.

a. Wiederaufrichtung des israeli⸗
tischen Reiches.

Die heiligen Propheten reden öfters von
einer herrlichen Wiederherstellung des Reiches
Israel. So Amos 9, 11. 12.: „Zu derselbigen
Zeit will ich die zerfallene Hütte Davids wieder
aufrichten, und ihre Lücken verzäunen, und was
abgebrochen ist, wieder aufrichten, und will sie
banen, wie sie vor Zeiten gewesen ist. Auf daß
sie besitzen die Uebrigen zu Edom und die Uebri⸗
gen unter allen Heiden, über welche mein Name
geprediget sein wird, spricht der HErr, der
solches thut.“ Dies verstehen viele Chiliasten
dahin: das Reich Israel werde sich einst wieder
in großer sichtbarer Herrlichkeit erheben, und die
Juden würden darin eine glänzende Rolle spie⸗
len. Hören wir dagegen, welche Auslegung der
Heilige Geist von dieser Stelle gibt. Bei dem
Concil der Apostel zu Jerusalem trat Jacobus
auf und sagte: „Ihr Männer, lieben Brüder,
höret mir zu. Simon hat erzählt, wie aufs
erste Gott heimgesucht hat und angenommen
ein Volk aus den Heiden zu seinem Namen.
Und da stimmen mit der Propheten
Reden, als geschrieben stehet
(Amos 9, 11. 12.): Darnach will ich wieder⸗
kommen, und will wieder bauen die
Hütte Davids, die zerfallen ist,
und ihre Lücken will ich wieder
bauen und will sie aufrichten,
auf daß, was übrig ist von Menschen, nach dem
Errn frage, dazu alle Heiden, über welche
mein Name genannt ist, spricht der HErr,
der das alles thut“, Apg. 15, 13 — 17.
Nach dieser Auslegung, welche der Heilige Geist
im Neuen Testamente selbst gibt, ist also die
Wiederaufrichtung des Reiches Israel
nichts anders, als die Aufrichtung der
Kirche des Neuen Bundes, welche der
HErr zuerst durch die Bekehrung der Juden
und sodann durch die Bekehrung der Heiden
gesammelt hat. Diese Aufrichtung der christ⸗
kchen Kirche ist es, wodurch die „zerfallene

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Hütte Davids wieder aufgerichtet ist und ihre
Lücken wieder gebaut 11

b. Herrlichkeit Jerusalems.

Die herrlichsten Dinge werden der Stadt
Jerusalem von den heiligen Propheten ver—
heißen. „Schmücke dich herrlich, du heilige
Stadt Jerusalem“, Jes. 52, 1. „Zu der Zeit
werden deine Mauern gebauet werden und
Gottes Wort weit auskommen“, Mich. 7, 11
„Siehe, ich will deine Steine wie einen
Schmuck legen und will deinen Grund mit
Sapphiren legen, und deine Fenster aus Kry⸗
stallen machen, und deine Thore von Rubinen,
und alle deine Grenzen von erwählten Steinen,
und alle deine Kinder gelehret vom HErrn,
und großen Frieden deinen Kindern“, Jes. 54,
11—13. „Jerusalem wird bewohnet werden
ohne Mauern, von großer Menge der Men⸗
schen und Viehes, so darinnen sein wird“,
Sach. 2, 4. Daß mit solchen Weissagungen
nicht das irdische Jerusalem im Lande Canaan
gemeint sei, sagt der HErr in den an das sama⸗
ritische Weib gerichteten Worten: „Glaube mir,
es kommt die Zeit, daß ihr weder auf diesem
Berge, noch zu Jerusalem werdet den
Vater anbeten“, Joh. 4, 21. Denn dies
irdische Jerusalem wird seine frühere Herrlich—
keit nie wieder erlangen. „Bis zum Ende des
Streits wird es wüste bleiben.“ „Und ist
beschlossen, daß bis ans Ende über die
Verwüstung triefen wird“, Dan. 9,
26. 27. „Jerusalem wird zertreten
werden von den Heiden, bis daß der Heiden
Zeit erfüllet wird“, Luc. 21, 24. Was aber
unter dem Jerusalem, dem die heiligen Prophe—
ten so herrliche Verheißungen geben, zu verstehen
sei, sagt der Heilige Geist im Neuen Testamente
selbst, Gal. 4, 26. 27.: „Aber das Jerusalem,
das droben ist, das ist die Freie,
die ist unser aller Mutter. Denn es
stehet geschrieben (Jes. 54, 1.): Sei fröhlich,
du Unfruchtbare, die du nicht gebierest, und brich
hervor und rufe, die du nicht schwanger bist;
denn die Einsame hat viel mehr Kinder,
denn die den Mann hat.“ Und nach Hebr. 12,
22. 23. ist die „Stadt des lebendigen Gottes“,
das „himmlische Jerusalem“, nichts anders als
„die Gemeine der Erstgebornen,
die im Himmel angeschrieben sind“,
„die Geister der vollkommenen Ge⸗
rechten“. Ferner heißt es von Abraham:
„Er wartete auf eine Stadt, die einen
Grund hat, welcher Baumeister und
Schöpfer Gott ist“, Hebr. 11, 10. Die
Gläubigen des Alten Bundes suchten ihr Vater⸗
land nicht hienieden, denn es gilt von ihnen:
„Nun aber begehren sie eines besseren,
nämlich eines himmlischen. Denn es
schämet sich Gott ihrer nicht, zu heißen ihr Gott,
denn er hat ihnen eine Stadt zube⸗
reitet.“ Ein wahrer Christ, der durch Gottes
Gnade ein Bürger des himmlischen Jerusalem
mit den Heiligen geworden ist, Eph. 2, 19.,
dessen Wandel (Bürgerrecht) im Himmel ist,
Phil. 3, 20., begehrt natürlich auch eines
besseren, nämlich eines himmlischen
Vaterlandes und kann nur die Unglücklichen
bedauern, die sich wieder nach dem alten irdi⸗

schen Jerusalem in Syrien zurücksehnen.
Er spricht vielmehr mit Hebr. 13, 14.: „Wir
haben hier keine bleibende Stadt,
sondern die zukünftige suchen wir.

e. Der Tempeloder das Haus
des HErrn.

Wir lesen Sach. 6, 12.: „So spricht der

.HErr Zebaoth: Siehe, es ist ein Mann, der

heißt Zemah; denn unter ihm wird es wach⸗
sen, und er wird bauen des HErrn Tempel.“ =
Ferner Jes. 60, 7.: „Ich will das Haus mei⸗

ner Herrlichkeit zieren.“ Dieser Tempel soll
nun auf einem köstlichen Grunde aufgeführt
werden, nach Jes. 28, 16.: „Darum sptricht
der HErr HErr: Siehe, ich lege in Zion einen
Grundstein, einen bewährten Stein, einen köst⸗
lichen Eckstein, der wohl gegründet ist.“
Dieser Tempel wird nun Hesek. 40—48.
genauer beschrieben. Daß jedoch hier von
keinem leiblichen Gebäu die Rede sein kann, 4
hat Luther klar nachgewiesen, der darüber
unter Anderem sagt: „Der Altar soll auch elf
Ellen hoch und oben vierzehn Ellen breit sein,
daß ein Priester, wenn er schon die Treppt
hinaufsteiget, dennoch einen Arm haben muß
sieben Ellen lang, daß er mitten auf den
Altar reichen und die Opfer zurichten koͤnne.

Das müßte auch eben ein Priesterlein sein,

der fünfzehn oder sechszehn guter großer Ellen
groß und lang wäre. Darum ist dies Gebäu
Hesekiels nicht von einem neuen leiblichen
Gebäu zu verstehen, sondern wie der Wagen
im Anfang (Hesek. 1.), also auch das Gebäu
am Ende nichts anderes ist, denn das Reich
Christi, die heilige Kirche der Christenheit
hier auf Erden bis an den jüngsten Tag.“
(Vorrede zum Propheten Hesekiel. XIV, 62.)
Was aber unter dem Tempel und dem Hause

Gottes, welches zur Zeit des Neuen Testamento

erbauet werden soll, zu verstehen sei, lehrt uns
die Auslegung des Heiligen Geistes selbst.
Denn von ihm erfüllt, spricht St. Paulus zu
den Gläubigen: „Wisset ihr nicht, daß ihte!
Gottes Tempel seid und der Geist
Gottes in euch wohnet?“ 1 Cor. 3, 16.
„So seid ihr nun ... Gottes Haus⸗
genossen, erbauet auf den Grund
der Apostel und Propheten, da JEsus
Christus der Eckstein ist, auf welchem
der ganze Bau in einander gefügtt,“
wächset zu einem heiligen Tempel in
dem HErrn, auf welchem auch ihr
miterbauet werdet, zu einer Behausung
Gottes im Geist“, Eph. 2, 19—22.
„So ich aber verzöge, daß du wissest, wie du
wandeln sollst in dem Hause Gottes,
welches ist die Gemeine des leben⸗
digen Gottes, ein Pfeiler und
Grundveste der Wahrheit“, 1 Tim. 3, 15.

Ebenso sagt Petrus: „Zu welchem (Christo)
ihr gekommen seid, als zu dem leben⸗
digen Stein,
worfen, aber bei Gott ist er auserwählt
und köstlich. Und auch ihr, als die leben⸗
digen Steine, bauet euch zum geif⸗
lichen Hause“, 1 Petr. 2, 4. 5. Wer die
Herrlichkeit dieses geistlichen Tempels erkennt,

der von den Menschen vei⸗

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