Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 23, Nummer 18 › Seite 139
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. Mai 1867, Seite 139
Scan: Internet Archive item DerLutheraner23.
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Juden 1 · ö Anhang 6
der auf Christo, als dem Eckstein, gegründet
und, aus lebendigen Steinen bestehend, über
die ganze Erde sich wölbt, der betrachtet es als
einen kindischen Traum, wenn die Chiliasten
einen sichtbaren Tempel aus todten Steinen
auf dem Berge Zion aufrichten wollen.
d. Das rechte Ifrael.
Wem gelten eigentlich die herrlichen Ver⸗
heißungen, die das Alte Testament dem Volke
Israel gibt? Jesaias sagt 45, 25.: „Im
HErrn werden gerecht aller Same Israels,
und sich seiner tühmen.“ „Ihr sollt Priester
des HErrn heißen, und man wird euch
Diener unsers Gottes nennen“, 61, 6.
„Man wird sie nennen das heilige Volk,
die Erlöseten des HErrn“, 62, 12.
„Ihr sollt mein Eigenthum sein vor
allen Völkern.“ „Und ihr sollt mir ein
priesterliches Königreich und ein
heiliges Volk sein“, 2 Mos. 19, 5. 6.
„Dich hat Gott, dein HErr, erwählt zum
Volk des Eigenthums aus allen
Völkern, die auf Erden sind“, 5 Mos. 7, 6.
Hiemit sind keinesweges die ungläubigen
Juden gemeint, welche sich rühmen, daß sie leib—
lich von Abraham abstammen. Denn Christus
nahm den ungläubigen Juden, welche darauf
pochten: „Abraham ist unser Vater“, allen
Ruhm ihres jüdischen Geblütes, indem er
ihnen erklärte: „Wenn ihr Abrahams Kin-
der wäret, so thätet ihr Abra⸗
hams Werke.“ „Ihr seid von dem Bater,
dem Teufel, und nach eures Vaters Lust
wollet ihr thun“, Joh. 8, 39. 44. Und Jo⸗
hannes nennt die ungläubigen Juden des
Satanas Schule, die da sagen, sie sind Ju—
den und sind es nicht, sondern lügen“,
Offb. 3, 9. Ferner sagt Paulus: „Sehet auf
die Hunde, sehet auf die bösen Arbeiter,
sehet auf die Zerschneidung.“ Mit die⸗
sem Worte straft er den Stolz der ungläubi—
gen Juden, die sich rühmten, daß sie allein um
der Beschneidung willen Gottes Volk seien.
Zugleich lehrt uns der Heilige Geist, wer eigent—
lich das rechte Israel des Neuen Bundes sei.
„Denn wir“, fährt der Apostel fort, „wirsind
die Beschneidung, die wir Gott im
Geist dienen, und rühmen uns von
Christo JEsu, und verlassen uns
nicht auf Fleisch“, Phil. 3, 2. 3. Ferner:
„So erkennet ihr ja nun, daß die des Glau—
beus sind, das sind Abrahams Kinder“,
Gal. 3, 7. „Denn das istnichtein Jude,
der auswendig ein Jude ist, auch ist
das nicht eine Beschneidung, die auswendig
am Fleisch geschieht; sondern das ist
tin Jude, der inwendig verbor⸗
gen ist“, Röm. 2, 28. 29. Endlich schreibt
Petrus an die Gläubigen aus den Juden und
Heiden: „Ihr seid das auserwählte
Geschlecht, das königliche Priester⸗
thum, das heilige Volk, das Volk
des Eigenthums. . . . Die ihr weiland
nicht ein Volk waret, nun aber Gottes
Volk seid“, 1 Petr. 2, 9. 10. Vgl. Röm. 4,
11—24., 9, 24—26. Hieraus sehen wir,
das rechte Israel des Neuen Testaments sind
139
die gläubigen Christen, ihnen gehört alle Herr⸗
lichkeit des Volkes Gottes.
e. Rückkehr der Juden in ihr Land
und Versammlung der Heiden in
Jerusalem und auf dem hei⸗
ligen Berge.
„So spricht der HErr HErr: „Siehe, ich
will die Kinder Israel holen aus den Heiden,
dahin sie gezogen sind, und will sie allenthalben
sammeln und will sie wieder in ihr Land bringen.
Und will ein einiges Volk aus ihnen
machen im Lande auf dem Gebirge Israel. . . .
Und mein Knecht David soll ihr König und ihr
aller einiger Hirte sein“, Hesek. 37, 21.
22. 24. „Und werden alle eure Brüder aus
(den Heiden herzubringen dem HErrn zum
Speisopfer, auf Rossen und Wagen, auf Sänf⸗
ten, auf Maulthieren und Läufern, gen Jeru⸗
salem zu meinem heiligen Berge,
spricht der HErr“, Jes. 66, 20. „Der HErr
wird ein Panier unter die Heiden aufwerfen,
und zusammenbringen die Verjagten
Israels und die Zerstreuten aus Juda
zuhauf führen von den vier Oertern des Erd⸗
reichs“, Jes. 11, 12. „Es wird zur letzten Zeit
der Berg, da des HErrn Haus ist,
gewiß sein, höher denn alle Berge, und über
alle Hügel erhaben werden; und werden alle
Heiden herzulaufen, und viele Völker hingehen
und sagen: Kommt, laßt uns auf den Berg
des HErrn gehen, zum Hause des
Gottes Jakobs, daß er uns lehre seine
Wege und wir wandeln auf seinen Steigen“,
Jes. 2, 2. 3. „Also werden viele Völker
und die Heiden mit Haufen kommen,
zu suchen den HErrn Zebaoth zu
Jerusalem, zu bitten vor dem HErrn“,
Sach. 8, 22. „Wie ein Hirte seine
Schafe suchet, wenn sie von seiner Heerde
verirret sind, also will ich meine Schafe
suchen, und will sie erretten von allen
Oertern, dahin sie zerstrenet waren, zu der
Zeit, da es trübe und finster war“, Hesek. 34, 12.
Viele Chiliasten behanpten nun auf Grund
dieser und ähnlicher Stellen, daß Juden und
Heiden sich noch einmal im gelobten Lande
leiblich versammeln und dort mit einander im
tausendjährigen Reiche den HErrn anbeten
würden. Allein das Neue Testament lehrt uns,
daß diese Weissagungen erfüllt wurden, als
durch die Predigt des Evangeliums Viele aus
den Inden und Heiden sich bekehrten und in die
christliche Kirche eingingen. So sagt nämlich
der Heilige Geist zu den au Christum Gläubig—
gewordenen: „Ihr seid gekommen zu dem
Berge Zion, und zu der Stadt des
lebendigen Gottes, zu dem himm⸗
lischen Jerusalem, .. . und zu der
Gemeinde der Erstgebornen, die im
Himmel angeschrieben sind, q. .. und zu dem
Mittler des Neuen Testamentes,
IEsu“, Hebr. 12, 22—24. Wenn also die
heiligen Propheten so oft davon weissagen,
die Iunden würden wieder in ihr Land zurück—
kehren, und auch die Heiden würden herzu—
laufen zum Berge Zion und nach Jerusalem
zum Hause Gottes gehen, so legt der Heilige
Geist selbst dies so aus: damit sei nichts
anders gemeint als ihr Kommen zu JEsu
und zur Gemeinde der Er.stgebornen,
d. h. ihre Bekehrung zu IEsu und ihr
Eintritt in die christliiche Kirche.
Nehmen wir dazu noch folgende Stellen:
„JEsus sollte sterben für das Volk,
und nicht für das Volk allein, sondern daß er
die Kinder Gottes, die zerstreuet
waren, zusammenbrächte“, Joh. 11,
51. 52. Ferner Joh. 10, 16., wo der HErr
sagt: „Ich habe noch andere Schafe,
die sind nicht aus diesem Ställe. Und die⸗
selbigen muß ich herführen, und sie werden
meine Stimme hören, und wird Eine Heerde
und Ein Hirte werden.“ Endlich Ephes. 3,
3. 6., wo St. Paulus spricht: „Mir ist kund
geworden dieses Geheimniß durch Offen⸗
barung . . , nämlich, daß die Heiden Mit⸗
erben seien, und mit einverleibet,
und Mitgenossen seiner Verheißung in
Christo durch das Evangelium.“ Diese hellen,
klaren Sprüche geben uns den rechten Schlüssel
zum Verständniß all der Stellen, worin die
Propheten weissagen, daß Juden und Heiden
einst in Jerusalem zusammenkommen sollen.
Damit ist keine leibliche sichtbare Versamm⸗—
lung gemeint; sondern der vom Heiligen Geiste
beabsichtigte Sinn ist, daß durch das Evan⸗
gelium die zerstreuten Kinder Gottes aus
Juden und Heiden zu Einer Heerde, nämlich
der christlichen Kirche, zusammengebracht wer⸗
den sollen, was zur Zeit des Neuen Testa⸗
mentes geschehen ist und noch jetzt geschieht.
f. Israels Herrschaft über die Heiden.
Die heiligen Propheten beschreiben die
messianische Zeit oft so, daß Israel dann die
Herrschaft über alle Heiden erlangen, ihre Güter
und Herrlichkeit genießen und dadurch Lob und
Ehre gewinnen würden. „Von hier wird das
Gesetz ausgehen und des HErrn Wort von
Jerusalem“, Jes. 2, 3. „Es wird dennoch
dazu kommen, daß Jakob wurzeln wird, und
Israel blühen und grünen wird, daß sie den
Erdboden mit Früchten erfüllen“, Jes. 27, 6.
„Dein Volk sollen eitel Gerechte sein, und wer⸗
den das Erdreich ewiglich besitzen“, Jes. 60, 21.
„Und ich sage dir zu: Wie will ich dir so viele
Kinder geben, und das liebe Land, das schöne
Erbe, nämlich das Heer der Heiden!“ Jer. 3, 19.
„Dann wirst du deine Lust haben und aus⸗
brechen, und dein Herz wird sich wundern und
ausbreiten, wenn sich die Menge vom Meer zu
dir bekehret, und die Macht der Heiden zu dir
kommt“, Jes. 60, 5. „Denn siehe, Finsterniß
bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker;
aber über dir gehet auf der HErr, und seine
Herrlichkeit erscheinet über dir. Und die Hei—
den werden in deinem Lichte wandeln, und die
Könige im Glanz, der über dir aufgehet“, V. 2.3.
„Fremde werden deine Mauern bauen, und ihre
Könige werden dir dienen.“ „Denn welche
Heiden oder Königreiche dir nicht dienen wollen,
die sollen umkommen und die Heiden verwüstet
werden“, V. 10. 12. „Ausländer werden eure
Ackerleute und Weingärtner sein; ihr aber wer⸗
det der Heiden Güter essen und über ihre Herr—
English translation
Not yet translated.