Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 23, Nummer 18 › Seite 140
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. Mai 1867, Seite 140
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Chiliasmus 3 · Miſſion 26
lichkeit euch rühmen“, Jes. 61, 6. „Zu der Zeit
werden zehn Männer aus allerlei Sprachen der
Heiden einen jüdischen Mann bei dem Zipfel
ergreifen, und sagen: Wir wollen mit dir—
gehen, denn wir hören, daß Gott mit euch ist“,
Sach. 8, 23. „Ich will euch zu Lob und
Ehren machen unter allen Völkern auf Erden“,
Zeph. 3, 20. „Ich will dich zur Pracht ewig—
lich machen, und zur Freude für und für“,
Jes. 60, 15.
Wie diese Weissagungen richtig zu verstehen
seien, das zeigt uns am besten ihre Erfüllung
in der Geschichte der christlichen Kirche. In der
That hat Israel vor allen Völkern die höchste
Ehre und Herrlichkeit erlangt. Denn das Evan⸗
gelium ist von dem irdischen Jerusalem in Pa—
lästina ausgegangen. Der Sohn Gottes ist
inmitten Israels ein Mensch geboren, „von
Juda ist aufgegangen unser HErr“, Hebr. 7, 14.,
und in Jerusalem hat er durch sein Leiden,
Sterben und Auferstehen das Heil der Welt
vollbracht. Während die ganze Heidenwelt
noch in Finsterniß und Dunkel versunken war,
blühte in Jerusalem die erste aus bekehrten
Juden bestehende Christengemeinde, welche die
gesammten Heilsgüter besaß, die Christus uns
erworben hat. Der HErr selbst sagt: „Das
Heil kommt vonden Juden“, Joh. 4, 22.;
von den Juden haben die Heiden es überkom—
men. Bekehrte Juden, die heiligen Apostel,
haben den „Erdboden mit Früchten erfüllt“,
indem sie den Heiden die geistlichen Güter
Israels mittheilten. Darum sagt der Apostel
von den bekehrten Heiden, welche eine Steuer
zusammenlegten für die „armen Heiligen zu
Jerusalem“: „Sie haben es willig gethan und
sind auch ihre Schuldner. Denn so die
Heiden sind ihrer geistlichen Güter
theilhaftig geworden, ist es billig, daß sie
ihnen auch in leiblichen Gütern Dienst bewei—
sen“, Röm. 15, 27. Als die Heiden durch die
Predigt der Apostel sich bekehrten, da übergab
Gott dem gläubigen Israel „so viele Kinder,
das liebe Land, das schöne Erbe, nämlich das
Heer der Heiden“; da „sah Israel seine Lust,
und sein Herz wunderte sich und breitete sich
aus“. Denn die Apostelgeschichte berichtet uns:
„Die Gläubigen aus der Beschneidung
entsetzten sich, daß auch auf die Heiden die
Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen ward“,
10, 45. Und als Petrus in Jerusalem der
Gemeinde die Bekehrung der Heiden erzählte,
da „lobten sie Gott und sprachen: So hat
Gott auch den Heiden Buße gegeben
zum Leben“, 11, 18. Ebenso heißt es auch
von Paulo und Barnabas (15, 3.): „Sie er—
zählten den Wandel der Heiden und mach⸗
ten große Freude allen Brüdern“,
d. i. den bekehrten Israeliten. Ferner weissagen
die Propheten oft, Fremde, Ausländer, Heiden,
wie Könige und Königreiche würden Israel
dienen, seine Ackerleute und Weingärtner sein
und ihm Mauern bauen. Dieser Dienst besteht
darin, daß die Heiden, „unter welchen die
Apostel den Gehorsam des Glaubens unter
Christi Namen aufrichteten“, Röm. 1, 5., das
Evangelium gläubig annahmen; sodann darin,
daß die aus den Heiden berufenen Lehrer und
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Prediger als Gottes Ackerleute, Weingärtner
und Baumeister das Reich Gottes ausbreiteten,
denn der Apostel sagt im Namen aller Kirchen⸗
diener zu den Gläubigen: „Wir sind Got⸗
tes Mitarbeiter; ihr seid Gottes
Ackerwerk und Gottes Gebäude“,
1 Cor. 3, 9. Jeder zur Förderung des Evan⸗
geliums geltistete Dienst ist nach den Prophe⸗
ten ein dem gläubigen Israel geleisteter Dienst.
So sind schon viele „Könige Israels Pfle—
ger und Fürstinnen seine Säug⸗
ammen geworden“, Jes. 49, 23. Nach der
Lehre der heiligen Propheten ist die christliche
Kirche eben nur Eine. Wurzel und Stamm
derselben ist das bekehrte gläubige Ifrael,
welchem die Heiden, als ursprünglich fremde
Zweige, durch den Glauben eingepflanzt sind.
Denn der Apostel sagt: „Ob aber nun etliche
von den Zweigen zerbrochen sind, und du,
da du ein wilder Oelbaum warest,
bist unter sie gepfropfet, und theil⸗
haftig geworden der Wurzel und des Saftes
im Oelbaum, so rühme dich nicht wider
die Zweige. Rühmest du dich aber wider sie,
so sollst du wissen, daß du die Wurzel
nicht trägst', sondern die Wurzel
trägt dich“, Röm. 11, 17. 18. Noch immer
werden die bekehrten Juden, nämlich die hei—
ligen Evangelisten und Apostel, zu Lob und
Ehren unter allen Völkern auf
Erden, denn noch immer herrschen sie durch
ihre Schriften über alle Christen, und schon
unzählige Heiden haben einen Paulus „bei dem
Zipfel seines Kleides ergriffen und gesagt:
Wir wollen mit euch gehen, denn wir hö en,
daß Gott mit euch ist“.
Alles dies wird dagegen von vielen Chiliasten
dahin ausgelegt, daß die Juden im tausend—
jährigen Reiche mit großer sichtbarer Herrlich—
keit über die Heiden herrschen würden. O
Eitelkeit!
g. Gottesdienst der Israeliten.
Die heiligen Propheten beschreiben oft den
Gottesdienst des Neuen Testamentes mit Aus—
drücken, die dem alttestamentlichen Gottesdienst
entnommen sind. „Zu derselbigen Zeit wird
des HErrn Altar mitten in Egyptenland
sein,“ Jes. 19, 19. „Und alle Uebrige unter
allen Heiden, die wider Jerusalem zogen, wer—
den jährlich heraufkommen, anzubeten den
König, den HErrn Zebaoth, um zu halten das
Laubhüttenfest,“ Sach. 14, 16. „Aber
vom Aufgang der Sonne bis zum Niedergange
soll mein Name herrlich werden unter den
Heiden; und an allen Orten soll meinem
Namen geräuchert, und ein reines
Speisopfer geopfert werden; denn mein
Name soll herrlich werden unter den Heiden,
spricht der HErr Zebaoth,“ Mal. 1, 11. Hie—
mit weissagen die Propheten, zur Zeit des
Neuen Testamentes würde der wahre christliche
Gottes dienst in alle Welt ausgebreitet werden,
der durch den alttestamentlichen Gottesdienst
vorgebildet wurde. Denn der Altar bedeu⸗
tet Christum, Hebr. 13, 10., das Räusch⸗
werk sind die Gebete der Heiligen, Offb.
5, 8., das Speisopfer ist das Evan⸗
gelium nach des Apostels Auslegung, Röm.
15, 16.: „Daß ich soll sein ein Diener Christi
unter die Heiden, zu opfern das Evan⸗
gelium Gottes, auf daß die Heiden ein
Opfer werden, Gott angenehm, geheiliget durch
den heiligen Geist.“ Das Laubhütten⸗
fest, dieses siebentägige Freudenfest des Alten
Testamentes, woran die Israeliten „fröhlich
waren vor dem HErrn, ihrem Gott,“ und „der
Ausführung aus Egyptenland“ gedachten,
3 Mos. 23, 40. 43., war nach Col. 2, 16, 17.
„ein Schatten von dem, das zukünftig war,
aber der Körper selbst ist in Christo,“ ein Vor—
bild der seligen Freudenzeit des Neuen Testa—
mentes. — Und doch gibt es Chiliasten, welche
behaupten, die Juden würden im tausendjäh—
rigen Reiche den alttestamentlichen Gottesdienst
zu seiner alten Herrlichkeit wiederherstellen.
Es ist wohl nicht möglich. Gottes Wort ärger
zu verfälschen, als es durch solche judaisirende
Auslegung geschieht.
(Eingesandt von Herrn Reiseprediger Liebe.)
Reise-Bericht.
(Fortsetzung.)
Ich habe das Jahr darauf Rolla noch zu
fünf verschiedenen Malen besucht; die ersten
Gottesdienste wurden wieder gut besucht, auch
eine Gemeinde gegründet, und ich als Prediger
derselben berufen. Aber darnach änderten sich
die Dinge in einer recht betrübenden Weise.
Ein Theil der Leute, der früher erfreut war
über die Aufrichtung des Predigtamtes und
auch mit sich sprechen ließ und scheinbar Be⸗
lehrung annahm, so daß ich glaubte, es würde
sich das Wort Gottes an ihren Herzen kräftig
erweisen und keinen boshaften Widerstand fin⸗
den, wendete sich ganz ab; eine Predigt von
mir über Luc. 15, 11—24. vom verlornen
Sohn war ihnen zum Aergerniß und Spott
geworden. Ein anderer und zwar der bessere
Theil zog fort von Rolla, und so folgte dem
wirklich viel versprechenden Anfang ein trau⸗
riges Ende.
Doch ist es nicht also, daß nun in der gan⸗
zen Gegend keine Aussicht mehr sei für den Bau
des Reiches Gottes. Es wohnen zwei bis drei
Meilen von Rolla Lutheraner, die allen Ernstes
die Aufrichtung einer Gemeinde suchen; ferner
sieben Meilen davon wohnen welche, die mir
vor Kurzem schrieben, daß sie den üblen Ver—
lauf der Dinge in Rolla recht beklagten und
dabei wünschten, ich möchte doch bald wieder
zu ihnen kommen; selbige hatten auch die Leute
zur Rede gestellt, weßhalb sie den letzten von
Cand. W. gehaltenen Gottesdienst nicht besucht
hätten, hörten aber die elende Entschuldigung,
es sei ihnen zu kalt gewesen. 19 Meilen nord⸗
westlich von Rolla trifft man längs des Gas-—
conade Flusses Lutheraner, sit sind aber freilich
noch ziemlich zerstreut, so daß ich daselbst an
eine erfolgreiche Bedienung noch nicht denken
kann, anderntheils nehmen auch wichtigere
Orte die Arbeit in Anspruch. Noch ist ein
deutsches Settlement, 16 Meilen nördlich von
Rolla, auf der schönen L. Prairie, welches ich
öfters und zwar zum ersten Male mit einem
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