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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. Juli 1867, Seite 169

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Chiliasmus 2 · Synoden

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Mud ich sahe einen Engel
flitgen mitten durch den Him⸗

mel, der hatte ein ewig Evan⸗
gelium, zu verkündigen denen,
dit auf Erden sitzen und woh⸗
nen, und allen Heiden, und Ge⸗
schlechtern, und Sprachen, und

Völkern.
Ossenb. Joh. 14, 6.

1 Wort und Luther⸗ 110 Derucbet nun W

1 syrach mit großer Stim-
me: Fürchtet Gott, und gebet
ihm dit Ehre; denn dit Zeit
seines Gerichts ist kommen, und
beiet an den, der gemacht hat
Himmel und Erde, und Mrer,
und die Wasserbrunnen.
Offenb. Ioh. 14, 2.

————— —.

.

aimuemchr.

Herausgegeben von der Deutschen Coangelich⸗ Qutherischen Spnode von Misouri, Ohio und andern Staaten.
Zeitweilig redigirt von dem Lehrer⸗Collegium des theologischen Seminars in St. Louis.

Jahrgang 23.

St. Louis, Mo., den 15. Juli 1867.

No. 22.

Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle Monat zweimal für den jährlichen Subseriptions⸗
preis von einem Dollar und jünfzig Cents für die auswärtigen Unterschreiber, welche denselben vorausbezahlen
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Nur die Brieje, welche Mittheilungen sür das Blatt enthalten, sind an die Redaktion, alle andern aber,
welche Geschäftliches. Bestellungen, Abbestellungen. Gelder ꝛc. enthalten, unter der Adresse: M. C. Barthel,
631 South Fousthi Str., St. Lonis, Mo., anherzusenden.

In Deutschland ist dieses Blatt zu beziehen durch Justus Naumann's Buchhondlung in Leipzig und Dresden. —

Die neneste Vertheidigung der Jowa-Synode
durch einen ihrer Professoren.
(Fortsetzung.)

2. Vor zwei und zwanzig Jahren konnte
Professor Dr. Delitzsch schreiben: „daß jetzt
wohl kaum ein gläubiger Christ sich findet, der
die chiliastischhe Anschanung der Endzeit
nicht theilte“, die „in sämmtlichen alten Lehr⸗
büchern der Dogmatik als eine Heterodoxie
(Irrlehre) gebrandmarkt“ werde.*) Und er
hatte recht. Als in der Kirche der Rationalis—
mus zur vollen Herrschaft gekommen war, und
es daher schien, als sei es unmöglich, daß die
Kirche auf dem gewöhnlichen Wege der Predigt
des Wortes Gottes wieder zur Blüthe komme,
ja, auch nur vor völligem Untergange bewahrt
bleibe, da flüchteten sich fast alle noch übrig ge—
bliebenen Gläubigen, wie scheue Tauben, die
von lauter Naubvögeln umgeben sind, in die
Hoffnung, daß Christus sichtbar wiederkommen,
auf wunderbare Weise die siegestrunkenen
Feinde seiner Kirche zermalmen, das jüdische
Volk, sein Eigenthum, das ihn verworfen hatte,
zu sich bekehren, die noch auf vielen heidnischen
Völkern liegende Nacht zerstreuen und über
dieselben seinen Geist in Strömen ausgießen,
und nach Auferweckung aller Märtyrer oder
auch aller bis dahin entschlafenen Gläubigen
ein tausendjähriges Siegesreich auf Erden
stiften werde. Schwach im Glauben, wie diese

*) S. Die biblisch⸗prophetische Theologie.
S. 6. 7.

Leipzig, 1845.

Uebriggebliebenen zumeist waren, klammerten
sie sich in dem scheinbaren Schiffbruch der
Kirche ihrer Zeit an diese chiliastischen Hoff—
nungen wie an ein letztes Bret an, um nicht
gar zu versinken. Als es schon im ersten Vier—
tel des gegenwärtigen Jahrhunderts etwas
besser wurde und wieder Tausende und aber
Tausende, um nicht zu verschmachten, sich von
den löcherigten Brunnen des Rationalismus
abwendeten und wieder aus der lebeudigen
Quelle des Evangeliums ihren brennenden
Seelendurst löschten, da hatten freilich auch sie,
wie die Union, so auch den Chiliasmus
von ihren nächsten Glaubensvätern geerbt.
Doch wo wahrer Glaube ist, da ist auch Hunger
nach gesunder, kräftiger Seelenspeise, Ver—
langen nach Gewißheit und Wachsthum; und
da nun dies in den neuen gläubigen Schrif—
ten nicht die volle Befriedigung fand, so fingen
die Gläubigen an, die bisher im Staube ver⸗
grabenen Schriften der alten lutherischen
Gottesgelehrten wieder hervorzusuchen. Je
mehr aber die Gläubigen unserer Zeit darin
ihre Nahrung gesucht und gefunden haben, um
so mehr ist ihnen auch, wie die Unionisterei,
auch die Ch'iliasterei verdächtig geworden.
Es ist eine unleugbare Thatsache, daß nament⸗
lich in dem letzten Jahrzehnt der Chilias⸗
mus, der bis dahin unter den Gläubigen fast
zur Mode geworden war, besonders in der
lutherischen Kirche immer mehr anrüchig ge—
worden ist.*) Schien es erst, als wolle der

*) Im Maiheft der dem Chiliasmus huldigenden Erlanger

Chiliasmus auch in unserer Kirche geradezu
das Kennzeichen wahrer Gläubigkeit werden,
so ist das nun ganz anders geworden. Der
neuen Anhänger des Chiliasmus wird in de
lutherischen Kirche immer weniger und die—
jenigen Chiliasten, die früher als große sieges—
gewisse Helden auftraten, treten jetzt vielfach
immer leiser, vorsichtiger und furchtsamer auf.
Schon meinten sie gewonnen zu haben; scho
hofften sie, daß der Chilias mus endlich geradez
kirchlich⸗symbolisch werde festgesetzt und dadurch
alle Antichiliasten zu Falschgläubigen, ja, zu
Unglänbigen gestempelt werden: aber jetzt
müssen sie immer mehr sehen, daß diese Hoff
nung ein eitler Traum gewesen sei. Die alte
lutherische Kirche ist wieder erwacht und hat
wieder ihren Mund zum Zengniß wider diese
gefährliche Schwärmerei aufgethan; das hat
denn die Herrn Chiliasten ziemlich kleinmüthig
und kleinlant gemacht. Als unsere Synode
vor zehn Jahren den hartnäckigen Chiliasten
Pastor Schieferdecker aus ihrer Gemeinschaft
ausschloß, da gab es selbst in Deutschland we—
nige, die dies verurtheilten, außer entschiedenen
Chiliasten. Manche billigten vielmehr unser
Verfahren öffentlich in unumwundener Weise.
Pastor Diedrich schrieb z. B. in seine
„Lutherischen Dorfkirchenzeitung“: „Was ding

Zeitschrist vom Jahre 1861 wird das merkwürdige Geständniß
abgelegt: „Durch weite Kreise der lutherischen Kirche geht
dermalen ein Schrecken vor dem Chiliasmus, als welcher
wider die Grundlehre unsers Bekenntnisses, wider die Lehre
von der Rechtfertigung durch den Glauben, streitt.“

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